Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




11.11.1938 - Aufruf gegen den „Verkehr mit Juden“


  • Die Datei ist zu groß, um als Vorschau angezeigt zu werden. Bitte öffnen oder speichern Sie sie über den Download-Button (hier am Fenster rechts unten).
    This file is too big to be displayed in the preview window. Please open or save it by using the download button (bottom right, next to this window).

   Download

Zwei Tage nach der Reichspogromnacht, bei der in Deutschland die Synagogen brannten, rief der damalige Ottobeurer Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Josef Hasel (16.05.1897 - 06.01.1985) dazu auf, keine Juden im Ort übernachten zu lassen und keinen Handel mehr mit ihnen zu betreiben.

Mit dem „unschuldigen Volksgenossen“, der „im Auslande gemordet“ worden sei, war der Legationssekretär Ernst Eduart von Rath gemeint, Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris, der am 7. November 1938 von dem erst 17-jährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan angeschossen worden war und zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Sein tatsächliches Motiv ist zwar unklar, nachdem seine Familie jedoch in der sogenannten „Polenaktion“ am 29.10.1938 nach Polen abgeschoben worden war, könnte es sich um einen Racheakt gehandelt haben, der eigentlich dem Botschafter galt.

Die die NS-Führung nutzte das Attentat als willkommenen Anlass, um der unzufriedenen Parteibasis Gelegenheit zum Handeln gegen jüdisches Eigentum zu geben und die Juden beschleunigt dann auch gesetzlich aus dem deutschen Wirtschaftsleben auszuschalten. In diesem Zusammenhang ist das hasserfüllte Schreiben Hasels vermutlich zu verstehen, das er an alle Wirte und Geschäftsleute verschickte. Solche Anschreiben könnten ev. für alle Bürgermeister verpflichtend, sprich von „Oben“ angeordnet gewesen sein.

Zur Vertiefung des Themas empfehle ich den Artikel zur „Reichspogromnacht“ (vormals auch Reichskristallnacht genannt), der in die Liste der exzellenten Wikipedia-Artikel aufgenommen wurde. Link

Nach den Geschehnissen im Zusammenhang mit der Pogromnacht wurden in Memmingen die Kinder der Familie Laupheimer (aus der Moltkestraße) in die Schweiz geschickt. Den Eltern wurde die Ausreise verboten. Untergebracht wurden die Memminger Juden „zusammengepfercht in sogenannten Judenhäusern. Sie mussten auf Memmingens Straßen Zwangsarbeiten verrichten“, so die Aussagen von Dr. Mirjam Rosenberg-Nordmann über das Schicksal ihrer Urgroßeltern in einem Vortrag im Rahmen einer Gedenkstunde an der Gedenkstätte für die ehemalige Synagoge am Schweizerberg am 09.11.2013 (veranstaltet von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Memmingen, dem DGB und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung). Am 31.03.1942 habe man ihre Urgroßeletern zusammen mit den restlichen 50 noch in Memmingen lebenden Juden „mit dem Mittagszug erst nach München und von dort nach Polen verfrachtet, wo sich dann jede Spur verlor.“ Es kam keiner zurück.

Hinweis zur Abschrift: Es war damals üblich, statt "I" ein "J" zu schreiben. Zur verbesserten Lesbarkeit wurde dies hier geändert. Ein Tippfehler ("Grschäftsleute") wurde ebenfalls verändert.