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1941 - Die „Kartoffelkäfer-Fibel“ wird in der Schule verteilt


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Kartoffelkäfer-Abwehrdienst des Reichsnährstandes (Hrsg.): Die Kartoffelkäferfibel, Verlag Deutsche Landwerbung GmbH, Berlin, (1941), 32 S.

Für den Kampf gegen den Kartoffelkäfer gab es auch in Ottobeuren einen „Kartoffelkäfer-Abwehrdienst“, dem in der Regel der Bauernobmann oder der Bürgermeister vorstand. Um schon Kinder entsprechend aufzuklären, wurde 1941 vom der „Deutschen Landwerbung“ eine Fibel des „Kartoffelkäfer-Abwehrdienstes des Reichsnährstandes“ herausgegeben, die an allen Schulen verteilt wurde - kindgerecht in Reimform. Bis etwa 1954 dürfte in Ottobeuren gesammelt worden sein, der Kartoffelanbau (überwiegend für den Eigenverbrauch) ging in Ottobeuren bis etwa 1960 drastisch zurück. Am 14.07.1914 erschien auf Seite 3 des Ottobeurer Volksblatts die kurze Meldung, dass auf Kartoffelfeldern des Regierungsbezirkes Stade (bei Hamburg) der „Koloradokäfer“ festgestellt worden sei. „Eine Ministerialkommission soll zur Untersuchung eingetroffen sein.“ Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Kartoffelkäfer also noch nicht weit verbreitet gewesen sein - und schon gar nicht im Raum Ottobeuren.

Erstmals erfahren haben die Ottobeurer von der Problematik vermutlich über einen Artikel aus dem Ottobeurer Wochenblatt, Ausgabe Nr. 17 vom 25.04.1878, als es auf S. 3 unter „Vermischtes“ hieß:
Das Aprilheft der Zeitschrift des landwirtschaftlichen Vereines in Bayern enthält nachstehende Abhandlung über den Kartoffelkäfer: „Bei dem herannahenden Frühjahre tritt die Frage der Verbreitung des Kartoffelkäfers wieder in den Vordergrund und wir wollen nicht versäumen, unsere Leser daran zu erinnern und aufmerksam zu machen. Obgleich die Gefahr von einzelnen Naturforschern nicht so groß geschildert wird, als sie Anfangs geschienen, so möchten wir doch bitten, auf diese Ansichten kein so großes Gewicht zu legen, da sie nur auf theoretischen Gründen beruhen, sondern dringendst die größte Aufmerksamkeit und Vorsicht empfehlen, damit bei dem allenfallsigen Wiedereintreten des Käfers sogleich die geeigneten Maßregeln zur Vertilgung des unter allen Umständen schädlichen Feindes getroffen werden können. Es ist zunächst, sobald die Kartoffeln aufgegangen sind, eine recht häufige Untersuchung der Kartoffel-Acker vorzunehmen und sobald sich Spuren irgend einer Zerstörung zeigen, welcher Art sie auch seien, der Sache näher auf den Grund zu sehen. Die Eier des Kartoffelkäfers sind auf der Unterseite der Blätter befestigt und sind nur beim Umwenden der Blätter bemerkbar. Die Larven sind im Anfange ganz klein und können auch leicht übersehen werden. Wenn in den Gemeinden übrigens jeder Landwirth sich für die Gefahr interessirt und nach Möglichkeit zur Erkennung derselben beiträgt, so wird das Auftreten des Käfers sofort erkannt und seine Vernichtung erreicht werden, ehe er eine größere Verbreitung erlangt hat.“

Über den Autor der Fibel, Dr. Helmut Köstlin aus Breslau, sind keine biografischen Angaben auffindbar. Vom Reichsnährstand wurde in den 1930 und 40er Jahren eine Vielzahl ähnlicher Fibeln herausgebracht: Die lustige Milchfibel/ Die lustige Kaninchenfibel/ Die lustige Hühnerfibel/ Die lustige Ziegenfibel/ Die lustige Bienenfibel.

Weniger lustig war das Ergebnis einer Kritik des Betzisrieder Bauernobmannes, Thomas Mayer, auf einer Versammlung des Kartoffelkäfer-Abwehrdienstes im Postsaal am 6. Mai 1939 (Link hierzu).

Zum Thema Kartoffelkäfer gibt es zum einen eine interessante Wikipedia-Seite, zum anderen eine Sonderausstellung des Schulmuseums Lohr am Main, die dort bis März 2011 zu sehen war: „Der Amikäfer“ Eduard Stenger hat uns daraus freundlicherweise einen Stundenplan (ca. 1939) zur Verfügung gestellt.
Dass bei uns tatsächlich gesammelt wurde, dokumentiert eine Aufnahme von 1941 - auch wenn es vielleicht nicht so viel zu tun gab ...

Die Broschüre wurde aufwändig digital erneuert (Helmut Scharpf, Juli 2013) und ist hier in voller Länge abrufbar (ca. 19 MB).