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29.03.1809 - Ankündigung der Versteigerung des Kammeralguts Wolferts in der Augsburger Postzeitung


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Die Versteigerung des „Kameralguts Wolferts“ stand vermutlich im Zusammenhang mit der Säkularisation, bei der auch die Klostergüter neue Besitzer fanden. Mit Datum 12.03.1809 veröffentlichte der Rentbeamte Durocher die Details der Versteigerung, die am 29.03. auf Seite 4 in der „Augsburgische Ordinari Postzeitung“ abgedruckt wurden. (Eine eigene Ottobeurer Zeitung gab es erst ab März 1820.) Die Versteigerung selbst fand am 08. April 1809 in Ottobeuren (hier Ottobeuern geschrieben) statt.

Als „Kameralgüter“ (auch Kammergüter oder Tafelgüter genannt) bezeichnete man lt. Wikipedia Landgüter und Herrschaften im Besitz von Fürsten oder Abteien. Sie wurden von Kammern verwaltet, die den landesherrlichen Finanzbehörden entsprachen.
„Salva ratificatione“ bedeutet vorbehaltlich der Genehmigung bzw. des Vollzugs.

Über das Ergebnis der Auktion erfahren wir in den Heimatblättern - einer Beilage des Ottobeurer Volksblatts - von 1934 (Ausgabe Nr. 8, 20.04.1934, S. 3) unter dem Datum 4. April [1809]:
Der ehemal. königl. Ottobeurer Kameralhof Wolfarts [Wolferts] ist heute in der Versteigerung dem Herrn Sigmund Mayer im Schwan in Memmingen für 7000 Gulden überlassen worden.

Das Original des Artikels aus der Postzeitung wurde von Günter Krotil zur Verfügung gestellt.

Der Text des Artikels in Abschrift:

Zufolge gnädigsten Befehls der kön. Finanzdirektion des Lechkreises zu Augsburg wird Dienstag den 4. April in der Rentamtskanzley dahier das unweit Ottobeuern gelegene Kameralgut, Wolferts genannt, nach dem allerhöchsten Normale auf bodenzinsiges Eigenthum an den Meistbiethenden salva ratificatione öffentlich versteigert werden. Dieses Gut bestehet 1) in einer geräumigen gemauerten Behausung, Pferd- und Rindviehstallungen, Stadel und Tennen, alles unter einem Dache; 2) einem nächst daran gelegenen Pfründhäuschen und Holzschopf; 3) 11 ¼ Jauchert 114 Ruthen Gärten; 4) 51 ¾ Jauchert 116 Ruthen Äcker; 5) 78 Jauchert 108 Ruthen Mäder; 6) 23 ¼ Jauchert 83 Ruthen Viehweydböden; zusammen 165 Jauchert 46 Ruthen. Die Hälfte des Kaufschillings muß nach Abzug des von den Grundstücken nach dem Schätzungswerth zum vierten Theil liegenbleibenden Grundzinskapital bey der Immission gleich baar, die übrige Halbscheide hingegen in dreyjährigen, nach 4 Prozent verzinslichen Fristen ebenfalls baar entrichtet, oder kann mit annehmbaren 4 oder 5prozentigen Staatsobligationen abgeführt werden. Was übrigend die bey diesem Gut vorhandene todte und lebendige Haus- und Baumannsfahrnisse betrifft, so werden diese dem Käufer gegen gleich baare Bezahlung um den Schätzungspreis überlassen werden. Kaufslustige können inzwischen hievon Einsicht nehmen, und sich des Näheren hierorts erkundigen, übrigens wird man dieselbe am Tage der Versteigerung, welche Morgens 8 Uhr beginnt, mit den weitern Bedingnissen bekannt machen.
Ottobeuern, den 12. März 1809. Kön. Rentamt allda. - Durocher, Rentbeamter.

Die weiteren Themen dieser Zeitungsausgabe:
- der Tod des Geheimrats Mathias von Faßbender
- Besuch des italienischen Königs auf Capri
- Verbesserung der Beziehungen zw. Österreich und England
- Erhebung der ältesten Schwester Napoleons, Elisa, zur Großherzoging der Toskana
- Taufe der Prinzessin Hortensia Eugenia Napoleone der kaiserlichen Hoheiten/ Erdbeben in der Stadt Pignerol/ Ausgrabungen in der Nähe der Stadt Aquilea/ Räuberbanden bei Mayland (Mailand)
- König Ludwig (I.) kehrt aus Holland zurück; dort u.a. Streit zwischen Katholiken und Reformierten wegen des Besitzes von Kirchen geschlichtet
- Baumwollhandel und -preise
- Herausgabe des Buches von D.H. Stephani „Ueber die absolute Einheit der Kirche und des Staats“
- Versteigerung des Nachlasses der verstorbenen Oberin des Klosters Maria Stern, Maria Franziska Bavous, in Augsburg
- gegen den Bauern Simon Ertle aus Bobingen wurde die Gant erkannt (=Konkurs, Zwangsversteigerung)