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02-1929 - Faschingsumzug in Böhen


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Im Oktober 1929 sollte mit der „großen Depression“ die weltweite Wirtschaftskrise ausbrechen, doch noch gab es beim Faschingsumzug in Böhen etwas zu lachen.

Einmalige Bilder des Memminger Fotografen Ernst Köhle (Schrannenplatz 3) zeigen das lustige Faschings-Treiben in Böhen. Die Marktgemeinde Ottobeuren konnte die sechs Bilder 2014 erwerben. Böhen ist zwar eine selbständige Gemeinde, gehört aber der VG Ottobeuren an. Es ist anzunehmen, dass solche Umzüge auch in den Ottobeurer Ortsteilen abgehalten wurden.
Bilderserien vom Ottobeurer Faschingsumzug 1953 sind noch in Arbeit!

Über den Fotografen ist aufgrund der Fleißarbeit von Barbara Stenzel („die komplette Liste aller Fotoschülerinnen und Schüler der Münchner Fotoschule 1900 - 2000“; Link hier) bekannt, dass er 1894 in Memmingen geboren wurde und 1916/17 die Fotoschule in München besuchte. Weitere Details ergaben ein Besuch bei seiner Tochter Gerta Köhle am 20.05.2014: Ernst Köhle (19.07.1894 - 05.12.1990) hatte ab 1928 ein Fotostudio am Schrannenplatz 3, im 1. Stock. Das Gebäude beherbergte zuvor das Gasthaus zum Goldenen Adler, brannte ab und wurde leicht verändert wieder aufgebaut. Im 1. Weltkrieg wurde er durch einen Kieferschuss verwundet. Als Fotograf arbeitete er noch bis in die 1980er Jahre. Keines der fünf Kinder (Gerta, Ilse, Hedwig, Erika und Werner) übernahm das Handwerk. Den Großteil seiner Bilder wurden von ihm entsorgt.
Weitere biographische Details lassen sich auf den Seiten 112 - 114 einem Buch über die Familie Stählin entnehmen:
Stählin, Friedrich (Hrsg.), Stählin, Otto: Die Familie Stählin aus Memmingen, Degener & Co., Neumarkt a.d. Aisch, 1959, 300 S.
Daraus einige Zitate:
Demnach ging er bei einem Memminger Fotografen in die Lehre, besuchte Ernst Köhle (anders als oben angegeben) von 1911 - 13 die Münchner Fotografenschule. 1914 erkrankte er an einer Lungenentzündung und wurde deshalb erst 1916 eingezogen. Von einer schweren Verwundung (Mund- und Kieferschuss) kaum genesen, rückte er am Weihnachtsabend 1916 zu den Besatzungstruppen nach Rumänien. Im Herbst 1918 kam er an die Westfront und geriet in französische Gefangenschaft, aus der er erst 1920 zurückkehrte. Er gründete 1928 in Memmingen ein eigenes Fotogeschäft und heiratete im Jahr darauf Elise Brader, die Tochter des Weinwirtes zum Goldenen Pflug.

Gerta Köhle sei für ihre Bereitschaft gedankt, die Bilder verwenden zu dürfen. Mit etwas Glück tauchen aus dem Nachlass ihres Vaters noch weitere Bilder aus dem Raum Ottobeuren auf!