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04.06.1940 - Bild der einzigen Bombe, die im 2. Weltkrieg auf Ottobeuren niederging


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Das Loch sieht wenig spektakulär aus. Es zeigt gleichwohl den Krater, den ein Bombenabwurf auf Ottobeuren verursacht hat. Ob es sich um eine Übungsbombe aus Memmingerberg handelte oder um einen Blindgänger, hat sich bislang nicht klären lassen.

Es ranken sich verschiedene Theorien und Gerüchte um das Ereignis, das der damalige Chorregent Hermann Köbele (gefallen 11.03.1945), der mit seiner Familie im Ämtergebäude unmittelbar daneben wohnte, hautnah miterlebte. Das Bild ist wie folgt beschriftet: „4.6.1940 früh 1/2 2 h Aufn. Herberger“
Sein Sohn Wolfgang, der das Bild im Mai 2014 scannte, schrieb dazu:

Der Blindgänger ging hinter dem Amtsgebäude, wo früher Holzlegen standen, nieder; irgendein Trumm, weggesprengter Stein o.ä. sei ins Schlafzimmer meiner Eltern geflogen, sonst jedoch kein Schaden verursacht worden. Ob der Blindgänger geborgen wurde oder ob er noch heute dort schlummert, weiß ich natürlich nicht.

Über den Fotografen Herberger ist nichts bekannt, es war allerdings mit Sicherheit lebensgefährlich, das Bild zu machen. Es galt vermutlich Geheimhaltung: Der Allgäuer Beobachter berichtete nicht über den Vorfall. Gleichwohl kann auch Ludwig Rembold (*28.02.1931, †12.08.2017) noch im Juni 2014 die Stelle zeigen, an der die Bombe einschlug. Schon eine Woche nach dem Vorfall war der Trichter verfüllt. Die beiden Frauen auf dem Bild sind Martha Köbele (*28.07.1928) und Inge Fischer.

Pater Rupert Prusinovsky hat die Theorie, dass es sich um einen gegen das Kloster gerichteten Denkzettel gehandelt haben könnte. Gerüchte - bzw. die Propaganda - nennen eine französische Fliegerbombe. Im Juni 1940 gab es z.B. englische Lufangrifffe gegen Hannover, aber dass französische Flugzeuge im Juni 1940 so tief in den deutschen Luftraum eingedrungen wären, ist mehr als unwahrscheinlich: Am 14.05.1940 kapitulierten die Niederlande, am 28. Mai Belgien. Der „Westfeldzug“ war Anfang Juni bereits tief nach Frankreich vorangekommen, am 14.06. zogen Wehrmachtsverbände kampflos in Paris ein. Sprich, den Franzosen lässt sich die Ottobeurer Bombe nicht in die Schuhe schieben!

Gegen Kriegsende gab es einen Fliegerangriff auf die Memminger Straße, bei der einige Schafe getötet wurden und die Amerikaner schossen nach dem Einmarsch mit ihrer Artillerie von der Maibaumwiese (damals noch an die Karl-Riepp-Straße angrenzend) aus über die Basilika (!) in Richtung Guggenberg, wo sich SS-Einheiten aufhielten. Dabei geriet ein Bauernhof in Brand. Aber ansonsten blieb Ottobeuren von unmittelbaren Kampfhandlungen verschont.

Wer etwas zur Aufklärung beitragen kann, bitte über den „Kontakt-Button“ melden!

Wolfgang Köbele und seinen Schwestern Irmgard und Martha sei für die Zurverfügungstellung des einmaligen Zeitdokuments herzlich gedankt!