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29.12.1952 - Baugeschäft Mayer in der Luitpoldstraße, Karte von Maria Mayer


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Maria Mayer (geb. Amberger aus Vohburg bei Ingolstadt) hatte gerade erst ihren Josef geheiratet und schrieb ihrer Freundin Thilde von der Beck aus Bielefeld, dass sie in Ottobeuren nun ihre neue Heimat gefunden hat.

Das stattliche Haus des Baugeschäftes Mayer ist schon seit 1992 aus dem Ottobeurer Ortsbild verschwunden, fast zwei Jahrzehnte klaffte hier eine Baulücke. Der Eindruck von 1952 trügt: Obwohl von außen ein recht ansehnliches Anwesen, war die Substanz innen nicht mehr die beste. Der Erhalt des Hauses, das der Begründer der Baufirma, Johann Mayer (auf der Karte zu sehen; 11.08.1871 - 14.04.1965) um 1897 gekauft hatte, wurde zu aufwändig und so entschied man sich für den Abriss. Auch die große Kastanie wurde gefällt.

Hinter dem Gebäude - an der Ludwigstraße - war ein Stadel, aus dem sich die Bürger für wenig Geld Kalk holen konnten, um die Eier für den Winter einzulegen und auf diese Weise haltbar zu machen. Am Haus selbst gab es neben dem großen Birnenspalier - wichtig vor allem für die Obstversorgung in der Nachkriegszeit - außerdem einen Lorbeerstrauch, von dem die Blätter zum Einmachen des Sauerkrauts genutzt wurden.
Auf der Südseite des Grundstücks sieht man ein Denkmal (eine Nepomuk-Statue?), die irgendwann (ca. Ende der 1960er Jahre) wegkam. Links vom Haus (auf der Nordseite) war lange Zeit ein Baustofflager, das Haus selbst wurde als Wohnhaus und Büro genutzt.

Auf dem Bild erkennt man noch die bis 1951 gültige Hausnummer 127, während Maria Mayer als Absenderadresse schon die neue - und bis heute gültige - Nummer 29 angibt. Schon lange vor dem Abriss wechselte die Firma an den neuen Standort an der Stephansrieder Straße 8 (seit ca. 2012: Bauhof Ottobeuren). Das Areal in der Luitpoldstraße lag erst einige Jahre brach und ging dann in einem Tausch mit einem Grundstück im Baugebiet Konohof an die Gemeinde über. Der Werbekreis unter Richard Kaulitz hatte zunächst die Idee, dort einen Busparkplatz zu errichten (ebenso östlich der Bäckerei Frisch - dem "Stecker-Bäck" - in der Bahnhofstraße, dort wurde es auf einem von der Gemeinde gepachteten Grundstück auch umgesetzt, denn die Besucher sollten den Ort per pedes durchqueren. Aufgrund mangelnder Akzeptanz der Busfahrer wurde der Platz aber wieder aufgelassen). Auf dem Mayer-Areal ließ es sich nicht verwirklichen und so wurde das Grundstück etwa um 2012 verkauft. Es entstand ein modernes Bürogebäude (Eröffnung 19.07.2014) der Versicherungsmakler Christian und Danuta Elisabeth Czogalla sowie Sohn Thomas und zwei Untervermittlern; siehe auch: Czogalla.

Die Verkehrsführung, bei der die von Süden kommende Staatsstraße beim Baugeschäft direkt auf das Grundstück traf, wurde im Zuge der Kanalsanierung von 1988 etwas entschärft und leicht nach links gezogen.

Aus der Ehe von Josef Mayer (31.05.1900 - 14.02.1975) mit Theresia (geb. Schaupp aus Halbersberg; 11.02.1914 - 09.03.1950) gingen zwei Kinder hervor: Tochter Gabriele (verh. Grober, 21.03.1938 - 13.12.2013) sowie der Bauingenieur und Architekt Hans Walter Mayer (07.02.1940 - 31.08.2014). Nach dem Tod seiner ersten Frau Theresia heiratete Josef Maria Mayer (geb. Amberger; 07.02.1914 - 25.07.2009).

Der Kartentext:
10 Pf -Briefmarke aus der Posthorn-Serie (Ausgabe 20.06.1951, Michel-Nr. 128) mit 2 Pf Notopfer Berlin, Stempel vom 30.12.1952
Stempelinschrift: (13b) OTTOBEUREN GROSS=ARTIGE ROKKOKO=KIRCHE LUFTKURORT ALLGÄU

Frau Thilde v. d. Beck
Bielefeld / Westf.
Alfred Bozistr. 16

                                        29.12.52
Meine liebe Thilde!
Möchte dir kurz mitteilen, daß deine Vase gut hier angekommen ist. Wir freuen uns sehr über das schöne Stück, mein Mann ist ganz begeistert. Recht herzl. Dank auch! Auf dem Bild siehst du meine neue Heimat. Rechts von der Haustüre ist unsere Wohnung, oben und unten. Viele lb. Grüße u. ein gutes neues Jahr, dir u. deinem Julius!
Maria u. Mann

M. Mayer
Ottobeuren / Allgäu
Luitpoldstr. 29

Die Ansichtskarte konnte im Juni 2015 von Helmut Scharpf bei einer belgischen Auktionsplattform erworben werden. Das abgebildete Haus kann man auch aus einer etwas anderen Perspektive ansehen: 1911, als die Veteranen des Krieges 1870/71 vorbeizogen.
Das Vergleichsbild zeigt den Standort am 21.06.2015. Anbei außerdem eine Annonce aus dem Ottobeurer Wochenblatt vom 24.03.1904.