Marktgemeinde Ottobeuren
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15./16.07.1950 - Vereinsjubiläum des Trachten- und Heimatvereins »Günztaler« Ottobeuren mit Gautrachtenfest und Herausgabe einer Festschrift.


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Gerade einmal 15 Jahre war der Trachten- und Heimatverein „Günztaler“ Ottobeuren alt, da wurde er zum Jubiläum mit der Ausrichtung des 22. Gaufestes am 15. und 16. Juli 1950 einer richtigen Großveranstaltung mit ca. 40 - 50 beteiligten Vereinen betraut. Vielleicht wurde damit der Grundstein für die organisatorischen Künste des Vereins gelegt, denn er verfügt auf diesem Gebiet nach wie vor über eine große Zahl von Logistik-Profis.

Literaturzitat:
Reinl, Karl (Hrsg.): Festschrift zum 30jährigen Bestehen des Altbayerisch - Schwäbischen Gauverbandes, Buchdruckerei Oskar Schnitzer, Markt Oberdorf [Marktoberdorf], 1950, 14 S. (plus vier Seiten Umschlag)

Zwei Grußworte leiten ein: vom eben erst gewählten Bürgermeister Josef Hasel und vom Landrat des Altlandkreises Memmingen, Dr. Karl Lenz. Nach beiden sind heute in Ottobeuren Straßen benannt.

Gruß von dem Marktgemeinderat Ottobeuren
Ihr Wahlspruch „Treu dem guten alten Brauch” klingt wie eine Verpflichtung. Ein Ruf an Alle, die schönen alten Bräuche und Sitten unserer Väter zu erhalten und zu pflegen, um sie von Generation zu Generation überliefern zu können. Es ist dies wohl mit einer der wertvollsten Dienste an unserer lieben schwäbischen Heimat.
In diesem Sinne wünsche ich dem Gautrachtenfest in Ottobeuren einen günstigen und erfolgreichen Verlauf.
Josef Hasel, 1. Bürgermeister

Willkomm - Gruß des Landrates
Als Landrat des Landkreises Memmingen erfüllt es mich mit Freude und Stolz, daß sich die Trachtenvereine für ihr diesjähriges Gaufest gerade Ottobeuren ausgesucht haben, einen der lieblichsten und kulturhistorisch bedeutendsten Orte unseres an Naturschönheiten reichgesegneten Schwabenlandes.
Das Gaufest ist ein Treffen jener Vereine, die sich die Erhaltung der Trachten und Gebräuche auf ihre Fahne geschrieben haben, die eifrigst bemüht sind, diese Kulturgüter einer vergangenen Zeit der kommenden zu erhalten und den Generationen, die uns folgen, diesen Teil Vätererbes zu bewahren.
Der gepflegte Marktflecken mit seinem gutgestalteten Marktplatz geben einen günstigen Rahmen für das bunte Bild, das die „Trachtler“ in ihrem schmucken „Gwand“ bilden werden. Die Basilika, diese edle Schöpfung einer Großes gestaltenden Zeit ist ein Erlebnis für jeden, dessen Sinn für Harmonie und Schönheit aufgeschlossen ist. Gastliche Stätten werden auch für des Leibes Wohlfahrt sorgen.
Mit dem Wunsche, daß allen Besuchern dieses Festes ein schöner, auch vom Wetter begünstigter Tag geschenkt sei, dessen beglückende Freude die Festgäste in den Alltag begleite und diesen noch lange durchsonne, begrüße ich alle, die das Gautrachtenfest 1950 in Ottobeuren besuchen und entbiete ihnen ein
HERZLICH WILLKOMMEN
Dr. [Karl] Lenz, Landrat

Geschichtliche Beiträge kamen vom Bezirksverband und vom damaligen Vorsitzenden in Ottobeuren:
Zum 30jährigen Bestehen des Altbayerisch-Schwäb. Gauverbandes, Sitz Augsburg
Es war im Sommer 1920, als sich die Augsburger Trachtenvereine zusammensetzten, um eine Vereinigung der Trachtenvereine von Augsburg und Umgebung zu gründen. Der Grundgedanke dieser Gründung war, alle diejenigen Vereine zu einer größeren Körperschaft zusammenzuschließen, um einen Boden zu schaffen, um das bodenständige Volkstum in Mittelschwaben zu fördern, d.h., daß die bestehenden Trachtenvereine mehr als bisher für die Hebung der alten schwäbischen Volkstracht und nicht für die Gebirgstracht eintreten,
ebenso sich zur Aufgabe machen, die Altbayerische Tracht, welche nach dem 1. Weltkrieg auch dem verstädterten Modeteufel zum Opfer zu fallen drohte, zu erhalten.

Die Vereine, soweit sie damals schon bestanden im Schwäbischen und zum Teil auch an der Grenze von Altbayern, schlossen sich dieser Vereinigung an und so wurde im Jahre 1922 die Vereinigung Augsburg zum Altbayerisch-Schwäbischen Gauverband, Sitz Augsburg umbenannt.

Mit Stolz, Freude und Dank können alle diese Männer und Frauen zurückblicken welche damals mit dabei waren, diesen lieben altbayerisch-schwäbischen Heimatboden zu bearbeiten, ihre alten Trachten, ihre Volkslieder und ihre alten Volkstänze herauszuholen aus den alten Truhen und Kästen, um der heutigen Generation erhalten zu bleiben. Auch soll hier niedergeschrieben sein: „In Mittelschwaben war nämlich nichts mehr von den alten Volkstrachten zu sehen, außer in den Museen.”

So sind wir heute nach 30 Jahren den damals zu uns gekommenen Vereinen zu großem Dank verpflichtet, daß sie mitgeholfen haben und keine Mühe und Opfer scheuten, diese große kulturelle Tat zu vollbringen.

Wenn ich in dieser Schrift keinen Verein und keinen der Männer und Frauen besonders erwähne, so möge sich jeder an die Zeit erinnern und sich an die Brust klopfen und sagen: Ich war auch dabei.

Das noch erfreulichere an der Sache ist aber, daß die späteren Vereine, welche sich neu gründeten und dem Gau beigetreten sind, in die gleichen Fußstapfen treten mit dem gleichen Ziel: Sitte und Tracht der Alten wollen wir erhalten. So möchte ich am Schluß noch derer gedenken, welche im Laufe dieser Zeit von 30 Jahren von uns für immer gegangen sind, sei es durch natürlichen Tod, durch Unfall, auf dem Felde in Feindesland oder durch Fliegerangriffe.

Ehrend wollen wir ihrer gedenken, möge allen, unseren Toten Gottes heiliger Friede beschieden sein.
Und nun Kameraden, Männer und Deandl, marschiert weiter in alter Liebe und Treue zu unserer Heimat im Kranze des Altbayerisch-Schwäbischen Gauverbandes, bis zum nächsten Jahrzehnt.

Vergeßt es nie: Die Heimat verpflichtet!
Den sehr verehrten Festgästen von Ottobeuren und Umgebung aber rufen wir zu:
Treu dem guten alten Brauch.”
Trachtenvater Gottlieb Preitauer

Zum 15jährigen Jubiläum
Als 25 heimatliebende Menschen im Januar 1933 den Trachten- und Heimatverein „Günztaler” ins Leben riefen, ahnte niemand, daß in 15 Jahren später in den Mauern vom schönen Ottobeuren ein Trachten-Gaufest stattfinden könnte. Und gerade dies ist die schönste Anerkennung für den zähen Willen, den diese Leute auf brachten, denn es ist ihnen, wenigstens teilweise, gelungen, auch in
unserem Markt und der näheren Umgebung den Gedanken der Heimat und Trachtensache wachzurufen. Möge aber dem festgebenden Verein auch für die Zukunft die volle Unterstützung zuteil werden.
Das sei unser aufrichtiger Wunsch an unserem Ehrentag.
Leonhard Klein, 1. Vorsitzender.
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Die Herausgabe der Festschrift liegt schon so weit zurück, dass man so manches Mal auf heute unbekannte Details stößt: Wenn z.B. der Festzug in der Kemptener Straße am Hubertushaus begann, so ist der Ort wohl nur noch älteren Ottobeurern geläufig (die Straße war in der Nazi-Zeit die „Ritter-von-Epp-Straße“ und heißt heute „Sebastian-Kneipp-Straße“). Auch sprachlich drückte man sich noch anders aus. Wie Landrat Dr. Karl Lenz es schrieb, würde heute wohl niemand mehr sagen: „Gastliche Stätten werden auch für des Leibes Wohlfahrt sorgen.“
Heute ebenfalls passé: Am Sonntag, den 15.07.1950 stand um 8 Uhr der „Empfang der ankommenden Vereine am Bahnhof“ auf dem Programm. Individualverkehr mit Pkw war noch kaum entwickelt und die Bahn war günstiger als der Busverkehr.

Und beinahe genauso interessant wie der Text ist die Werbung: Das Klostermuseum weist auf seine Trachtensammlung hin, das Schachenbad mit seinem „Café- und Restaurationsbetrieb auf die „Weiherbeleuchtung“ sowie die Möglichkeit zur Kanufahrt, einige Wirte werden genannt, so Rudolf Zenker von der „Krone“ (in der Bahnhofstraße, 2015 Wohnhaus) - dem Stammlokal der Trachtler, Wilhelm Holzhai von der „Brieftaube“ (Ludwigstraße), das „Klosterbräustüberl“ wirbt mit dem Begriff „althistorisch“ und dem „schönsten Garten am Platze“, der Ratskeller unter Adolf Fergg hat im Beinamen „zum alten Pfarrhof“, der „Goldene Engel“ verfügt noch über eine „eigene Metzgerei“ und bietet als „Nachmittags-Spezialität“ kalte Platten an.
Das „Maßgeschäft“ von Leonhard Klein (dem damaligen Vorsitzenden) fertigt „Original Allgäuer Trachtenkleidung“, Sepp Reichenwallner (ebenfalls ein Vorstand) wirbt für seine Bäckerei („und Lebensmittel“) in der Oberen Straße, in der Luitpoldstraße gab es ein „Schuhhaus Merk“ mit „Mercedes Alleinverkauf“, Kürschnermeister Karl Reinold betrieb eine „Spezialwerkstätte für Leder- und Pelzwaren“, die Firma Theodor Graupe bot die „Fabrikation, Reparatur und den Verkauf von Verstärkeranlagen und Rundfunkgeräten“, Alfred Porkert betrieb (in der Rose?) eine „Lederhandschuherzeugung“, das Käsewerk von Alexander Krumm rief dazu auf, nach „Jodler-Qualitätskäse“ zu verlangen, die „Zentral-Molkerei Ottobeuren“ (heute: Genossenschaftbank) bot „Alpen-Vollmilch“ und Magermilchpulver, bei „Frischknecht & Co.“ (Bergstraße) gab es neben Butter auch Weich- und Schnittkäse), Trachten gab es auch bei Andreas Schober (Luitpoldstraße, später Herrenschneiderei von Baron), das „Modehaus Specht“ (gegenüber Hasebäck) warb für sich als dem „ersten Haus am Platze“, E. Bartsch betrieb einen Kiosk am Rathaus (heute: Kleiner Marktplatz) und schlug vor, den „Bedarf an Süßwaren, Obst, Tabakwaren und Feinkost“ bei ihm zu decken, im „Sattler- und Tapeziergeschäft“ von Martin Riedele (schräg gegenüber Stock in der Ludwigstraße) gab es – „einmalig und konkurrenzlos“ – Linoleum, Stragula (lt. Wikipedia eine kostengünstige Linoleum-Imitation, in den 1970er Jahren von PVC verdrängt worden), Gardinen, Tapeten und Teppiche, die „Bayerische Hypotheken- und Wechselbank“ war noch am Marktplatz 16 (bis Mai 2015: Schreibwaren Fergg).
Auffällig bei der Werbung sind die vielen auswärtigen Firmen – meist im Bereich Trachtenmode – , etliche davon aus dem Raum Augsburg sowie München bzw. Oberbayern.
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Am 04.09.1950 schrieb die Memminger Zeitung in einer kleinen Notiz:
Regelmäßige Arbeit des Heimatvereins
Der „Trachten- und Heimatverein“ wird während des Herbstes und Winters seine regelmäßige Arbeit wieder aufnehmen. Die Vereinsabende im Gasthaus „Zur Krone“ finden alle 14 Tage statt. Interessierte Trachten- und Heimatfreunde können auch ohne Mitgliedschaft jederzeit teilnehmen.

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Die Schrift wurde vom langjährigen Vorsitzenden Eduard Schneider dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Der Scan ist textbasiert angelegt (die pdf ist mit Strg + f durchsuchbar), die erste Seite wurde als Einzelbild stark nachbearbeitet (nicht in der pdf). Die pdf-Datei ist ca. 39 MB groß und kann nicht im Vorschaufenster abgebildet werden. Deshalb bitte über den Download-Button öffnen.
Abschrift und Aufbereitung: Helmut Scharpf (Juni 2015)
Link: Auch 1985 war der Ottobeurer Verein Ausrichter des Gautrachtenfestes.

Die pdf-Datei, die über den Reiter unten rechts abrufbar ist, beschreibt die Gründungsversammlung vom 09.01.1935 (Memminger Zeitung vom 10.01.1935).