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01.02.1999 - Facharbeit „Verlauf und Ende des Zweiten Weltkrieges in Ottobeuren“ von Catrin Altenried


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Je weiter wir uns zeitlich vom 2. Weltkrieg entfernen, desto schwieriger ist es, noch Zeitzeugen zu finden, die darüber berichten können. Ein Grund mehr, warum die Facharbeit, die Catrin Altenried (heute: Karrer) in der 13. Klasse 1999 schrieb, fürs virtuelle Museum so wertvoll ist, lässt sie doch eine Reihe von Zeitzeugen zu Wort kommen, die heute schon verstummt sind.

Die Arbeit kommt uns auch deshalb so entgegen, weil sie vom Alttag berichtet, von der schwierigen Versorgungslage, von den Einquartierungen, den Fliegerangriffen, den Amerikanern und schließlich auch vom Leben nach dem Krieg. Es geht um das Herunterbrechen des großen Zeitgeschehens auf die lokale Ebene.

Eindrücklich ist die Schilderung der Verfasserin von der Pferdemusterung 1938 und den Vorbereitungen auf den Polenfeldzug. Auf Ottobeuren wurde nur eine einzige Bombe abgeworfen, die Basilika diente aber als Orientierungspunkt für die fliegenden Verbände. Auch in Ottobeuren arbeitete man für die Rüstungsindustrie; in den späteren Kriegsjahren machten die vielen Alarme ein geregeltes Arbeitsleben mehr und mehr unmöglich. Die Ottobeurer Feuerwehr musste bis nach Augsburg ausrücken.
Die Jugend war meist in Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädels organisiert. Wer sich dem verweigerte, musste - zumindest in der Knabenschule war dies so - mit Nachteilen rechnen. Aber auch mitmenschliches Handeln hält Catrin Karrer fest, so ein Beispiel von Rot-Kreuz-Schwestern in Klosterwald, die Entlassungbefunde kurzerhand in den Papierkorb beförderten, um den Soldaten noch eine längere Schonfrist zu ermöglichen. 1941 wurde die Entfernung der Kreuze in der Schule angeordnet, im April 1942 musste sechs Kirchenglocken als „kriegswichtiges Rohmaterial“ abgeliefert werden.
Eindrücklich ist auch die Einwendung vom 18. Januar 1946, die Georg Wölfle an den Wahlausschuss schickte. Noch lange hielt die Spaltung der Ottobeurer zwischen ehemaligen Gefolgsleuten und Gegnern an. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Einwohner von 2.657 (1939) bis auf 4.754 (1950), was den Ort vor neue Probleme stellte. „Sonntags fuhr man zu den Bauern zum Hamstern; Schwarzmarkt und Kompensationsgeschäfte waren gang und gäbe“, so die angehende Abiturientin.

Die vorliegende Arbeit zitiert an vielen Stellen die 1995 erschienene Schrift des Heimatdienstes „Ottobeuren vor 50 Jahren“, ist aber an etlichen Stellen von Erzählungen und Ergänzungen aus der eigenen Verwandtschaft geprägt.
„Die vorliegende Facharbeit kann sowohl inhaltlich als auch sprachlich voll überzeugen. Besonders erwähnenswert ist hierbei die gekonnte Einbeziehung vielfältiger Materialien in die Arbeit. Sowohl Zeitzeugenberichte als auch die zum Teil in Eigenregie erstellten Bilder liefern einen wertvollen Beitrag zum überzeugenden Gelingen der vorliegenden Arbeit.“

Dem Urteil des Lehrers Arnold ist nichts hinzuzufügen - außer einem herzlichen Dank an Frau Karrer aus Lachen für die Überlassung ihrer Facharbeit!
Die beiden historischen Bilder sind dem Buch von 1995 entnommen und zeigen die Aufstellung einer Einheit von Soldaten auf dem Marktplatz Ottobeuren 1939 „vor dem Einsatz nach Osten“, das andere „Religionsunterricht unterm Hitlerbild“. Die beiden Bilder von der Steintafel am Rathaus mit der „Mahnung“ von Bildhauer Sepp Jakob („Alt- und Neubürger der Gemeinden Ottobeuren, Guggenberg, Betzisried und Haitzen ersehnen die Rückkehr ihrer Vermissten und Gefangenen“) wurden am 6. März 2016 gemacht (Helmut Scharpf).
Die Facharbeit hat als Datei ca. 14,4 MB und kann über das Vorschaubild unten rechts aufgerufen werden oder gleich hier.