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05.05.1935 - Treffen der Veteranen der Spartakus-Niederschlagung


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Beschriftet ist das Foto lediglich mit „Ottobeurer Geschäftsleute“. Letztlich handelt es sich aber um ein Treffen von Veteranen, die als Soldaten des Freikorps Schwaben 1919 in München und Kempten den Spartakus-Aufstand niederschlugen.

Eine Schlüsselrolle bei den Vorgängen nahm dabei Daniel Ritter von Pitrof (*14.02.1873 in Ochsenfurt, †27.10.1960 in Hechendorf) ein, der als Kommandeur das Freikorps Schwaben von Memmingen nach München führte. Sein Buch von 1937 ist im virtuellen Museum bereits abrufbar, darunter die Liste aller - über 100 - Ottobeurer Teilnehmer.
Von Pitrof war im Zuge von Manövern schon vor dem 1. Weltkrieg in Ottobeuren. Und auch danach hatte er - sicherlich mehrmals - Gelegenheit, hierher zu kommen: Das Angedenken an die Spartakus-Tage wurde in der Zwischenkriegszeit mit solchen Veteranen-Treffen wachgehalten und letztlich vom Nationalsozialismus ausgenutzt. In seinen Tagebüchern schrieb Pitrof als Polizei-Oberst a.D. im August 1926:
„Die deutsche Revolution 1918 war die sinnloseste Umwälzung in der Weltgeschichte - ihr fehlte eine große Idee! Deserteuren, Zuchthäuslern und verantwortungslosen Schwärmern sollte sie angeblich eine bessere Regierung und die Demokratie bringen, in der dann das Volk, wie der Revolutionsnutznießer [Philipp] Scheidemann sich ausdrückte, in Schönheit und Würde leben würde. Zur Begründung der Unsinnstat wurde angeführt, daß das alte System verrottet gewesen sei, daß das Kaisertum bzw. die leitenden Persönlichkeiten Schuld an dem schrecklichen Krieg gewesen. Letzteres ist längst als unwahr nachgewiesen und, was die monarchische Regierungsform, die wie alles auf der Welt gewiß auch ihre Schattenseiten hatte, betrifft, so beweist deren Geeignetheit für das Deutsche Reich allein schon der Umstand, daß die Feinde Deutschlands ihre Beseitungung verlangten, nachdem sich unter ihr Deutschland seit seiner Vereinigung im Jahre 1870 zum Neid der Feinde zu Macht und glänzendem Volkswohlstande emporgeschwungen hatte.“

Die Datierung des Bildes lässt sich genau festlegen, denn in Pitrofs Buch „Gegen Spartakus“ (Link s.o.) ist es auf S. 209 abgebildet (Beschriftung: „Anfang Mai 1935, Besuch der Freikorpsmänner von Ottobeuren“). Im Text auf S. 208 heißt es:
„Ein Besuch am 4. Mai 1935 in Kempten, am 5. Mai in Ottobeuren und Memmingen durch den Freikorpsführer [Pitrof] und einige Münchner Kameraden brachte Stunden, die die enge Verbundenheit der ehemals Schulter an Schulter Gestandenen erwiesen.“
Es fand damit noch während der Amtszeit von Bürgermeister Johann Fickler statt (1933 - 1935). Ein spektakuläres Bild vor dem Ottobeurer Rathaus dokumentiert den Moment des Freikorps-Abmarsches am 28. April 1919. (Zunächst ging es nach Memmingen und von dort aus weiter nach München.) Standort des Fotos zum Veteranentreffen war am Biergarten des Klosterbräustüberls, vor dem Kamin (Abriss Mai 1965) der Benediktiner-Brauerei.
Solche Treffen wurden gezielt gefördert. In einem Sitzungsprotokoll des Gemeinderates vom 03.11.1933 heißt es unter Punkt 21:
Freicorps Schwaben.
Alle ehemaligen Teilnehmer an der Ottobeurer Kompanie im Frei-Corps Schwaben sollen durch öffentliche Bekanntgabe aufgefordert werden, sich zwecks Teilnahme an der Wiedersehensfeier am 7.11.1933 in München bei Kaufmann Maurus dahier bis spätestens 6. November 1933 abends zu melden. Gleichzeitig soll in dieser Bekanntmachung um Sammlung von alten Lichtbildern der Ottobeurer Kompanie und Abgabe in der Gemeindekanzel ersucht werden.
Der 1. Bürgermeister Fickler

11 Personen konnten bislang zugeordnet werden: rechts der Frau steht Daniel von Pitrof, links von ihr Bürgermeister Johann Fickler - selbst aktiver Teilnehmer von 1919 - und links von ihm der Wirt des Bräuhauses, Mathias Wiesheu (mit Bierkrug, ebenfalls Veteran). Die einzige Frau auf dem Bild dürfte Irene Pritrof sein, das ist aber noch in Klärung. Leicht erhöht steht rechts von Herrn Pitrof der Glasermeister und Zinngießer Franz Sigl (20.02.1884 - Dezember 1967; 1925 Gründer der Sanitätskolonne des Roten Kreuzes in Ottobeuren). Ganz rechts unten steht Schulrat Siegfried Schwägele, über seinem Nachbarn steht der Kaufmann Josef Maurus; im linken Kaminrand steht der Käseschachtelhersteller Christian Nett. In der obersten Reihe, der dritte von links ist vermutlich Xaver Filgis zu sehen, über der Frau steht ev. Metzger Wagner. Die zweite Reihe von links begründet Robert Herz (betrieb in der Alexanderstraße einen Gemischtwarenladen, wo es Zucker, Mehl oder Salz aus Rupfensäcken gab).
(Umstellung auf die Zuordnung der Nummern demnächst!)

Wer Ottobeurer Geschäftsleute oder die an den Revers getragenen Symbole erkennt, bitte (über den „Kontakt-Button“) melden!

Günter Wagner hat das Foto dankenswerterweise zur Verfügung gestellt, es wurde im März 2016 digital restauriert (Helmut Scharpf).