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07-1936 - Johann Vögele am Schachenweiher


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Ein idyllisches Bild vom Schachenweiher im Juli 1936. Rechts steht Johann Vögele, der ab 1901 auf dem Schachen genannt wird, 1936 steht im Einwohnerbuch Josepha Weißenhorn (geb. Briechle von Brüchlins).
Unter Vögele gab es noch kein Lokal am Schachen, lediglich eine hier im Hintergrund gut erkennbare - Holzbaracke, aus der heraus man Milch ausschenkte. Man besaß keine Schanklizenz. Wollte man Bier, dann musste man es dem Wirt in Wolferts (Steiner) abkaufen. Das kleine Gebäude war aber groß genug, dass darin auch getanzt wurde.

Am Schachen gehörte bis zur Säkularisation 1803 als „Reichsabteihof“ alles zusammen. Daraus haben zwei Knechte die beiden Höfe gebaut, den ehemaligen „Zettler-Hof“ (29 ¼, jetzt Marktgemeinde Ottobeuren bzw. Spital) und den Hof von Michael Barnsteiner (seit 2011 Oli Kraus, Hausnummer 29 ⅓); sie nannten sich Herz (verwandt mit der Molkerei in Wolferts). Der Schachen (Besitz Fam. Mücke) ist ca. 1985 versteigert worden und wurde von Max Graf eingesteigert. Ca. 1995/96 kaufte Michael Barnsteiner das Anwesen samt Kraftwerk wiederum von Max Graf.

Nördlich der Stelle, an der Johann Vögele auf dem Bild steht, betrieb er seit ca. 1923 ein kleines Wasserkraftwerk; (Weißenhorn hatte eingeheiratet). Für den Schwellbetrieb des Kraftwerks durfte der Weiher einen Meter angestaut und wieder abgesenkt werden.
Als bei Kriegsende die Amerikaner kamen (vom Bühl-Hof her haben sie den Schachen „aufgerollt“), fanden sie unter dem Spitzdach des Kraftwerks drei Fahnenflüchtige, die dort einige Monate versteckt waren. Der Schachen ist noch heute eine beliebte Alternative zum Freibad Ottobeuren. Als die Amerikaner nach dem Krieg das Freibad für sich belegt hatten (1945/46), war der Weiher gar die einzige Bademöglichkeit, wenn man vom Günz-Abfall oder einigen Gumpen absieht.

Der heutige Weg über Brüchlins zum Schachen war früher ein Privatweg. Die offizielle Verbindung führte über Wolferts, beim Sawatzki vorbei. Heute ist dieser Weg ein gemeindlicher Feldweg.

Ein Foto von einem Wandertag der Knabenschule - mit Hakenkreuzfahne - stammt von ca. 1942. Im Hintergrund (Richtung Osten) sieht man das Haus Nr. 29 ¼.

Einige Besitzerdaten:
Leonhard Vögele kam 1841 aus Attenhausen und kaufte den Hof für 9000 Gulden. Ab 1869: Martin Vögele, ab 1901 Johann Vögele, ab 1936 Josefa Weißenhorn. 1927 (1926 ???) abgebrannt und wieder aufgebaut.

Haus 29 ⅓: 1863 wurden die Grundstücke von Vögele Lech. angekauft und zwar 48,27 Tagwerk (heute: 10,91 ha). Besitzer:
Stiegeler Johann Nepomuk.
1863 Engel Engelbert
1870 Schopp Johann
1872 Bräckle Xaver
1878 Herz Xaver
1913 Herz Xaver, dann Herz Ludwig

Haus 29 ¼: Anno 1867 hat Schäffler Stanislaus das Wohnhaus und Ökonomiegebäude gerichtet.
1875 Zillenbiller Math.
1877 Wölfle Michel
1916 Wölfle Michel
1919 Herz Willibald (4,23 ha)

Der Umlaufgraben auf der Ostseite des Schachenweihers entstand mit dem Bau der Kraftwerks (Nordseite des Weihers). Er diente dazu, bei Hochwasser das Wasser abzuleiten, der Weiher selbst hatte keinen Mönch, sondern nur „einen Stopsel“. Man nutzte den Graben auch beim Abfischen des Weihers zum Umleiten des Wassers. Mit den südlich des Weihers gelegenen Fischweihern hatte der Graben nichts zu tun. Man hatte den Weiher früher jedes Jahre leerlaufen lassen. Die Behälter für die Fische stellte man dort rein, wenn man den Weiher ausfischte.

Weitere Infos folgen – ebenso ein Vergleichsbild mit 2016, von derselben Stelle aus fotografiert.
Das Foto von 1936 wurde dankenswerterweise von Wolf Köbele zur Verfügung gestellt und digital restauriert (04/2016). Inhaltlich Beigetragen hat auch der „Schachen Sepp“ Josef Weißenhorn (22.04.1936 - 22.08.2017). Die beiden Stromrechnungen - man staune über den Stromverbrauch - stammen aus der Sammlung von Helmut Scharpf.