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1719 - Jacopo Amigoni beginnt seine künstlerische Tätigkeit in Ottobeuren


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Von 1719 - 1728 war Jacopo Amigoni (* 1682 in Neapel oder Venedig, † 1752 Madrid) in Ottobeuren als Maler und Freskant beschäftigt, so zumindest steht es auf der Seite „Süddeutscher Barock“. Bei „Kettererkunst“ wiederum wird seine Ottobeurer Schaffenszeit auf 1725-29 gelegt. Dort heißt es (Zitat):
Jacopo Amigoni selbst soll zu einem echten Hauptmeister des venezianischen Rokoko werden. Seine strahlenden Fresken, Grafiken und Gemälde, die sich bevorzugt mythologischen und historischen Szenen widmen, verströmen eine sanfte, elegante Heiterkeit.
Ab 1717 transportiert Jacopo Amigoni diesen Stil nach Süddeutschland. Hier fertigt er wichtige Arbeiten für die Schlösser in Nymphenburg und Schleißheim. Zwischen 1725 und 1729 ist Jacopo Amigoni, abgesehen von einer Reise nach Venedig (1726), insbesondere für die Benediktinerabtei in Ottobeuren tätig. Jacopo Amigonis Stil dieser Jahre, der als charakteristisch „venezianisch“ gilt, erweist sich als überaus einflussreich für die spätbarocke Kunst Europas und empfängt seinerseits Anregungen aus dem französischen Rokoko und dem flämischen Spätbarock. In den 1730er Jahren macht Jacopo Amigoni seine Kunst auch in England publik.

Allerdings ist dort - also bei Kettererkunst - bereits Amigonis Geburtsjahr falsch angegeben (1682 statt 1675), auch bei Süddt. Barock findet sich eine andere Angabe (1685).

Etwas verlässlicher sollte uns - hoffentlich - Wikipedia informieren. Dort heißt es u.a.:
Jacopo Amigoni, manchmal auch Amiconi (* 1675 in Venedig oder Neapel; † 1752 in Madrid) war ein italienischer Maler des Rokoko. Jacopo Amigoni kam im Laufe seines künstlerischen Schaffens durch halb Europa. Er wurde vor allem als Porträt- und Historienmaler zu einiger Berühmt- und Bekanntheit sowie zu einigem Wohlstand.
Seine Lehrjahre führten Amigoni von Venedig aus nach Flandern, wo er sich intensiv mit Flämischer Malerei auseinandersetzte. Seine eigentliche Karriere begann im Jahre 1715, als er beim bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel in Anstellung ging. Im Jahre 1730 ging er nach London, nahm dorthin auch Wagner mit. Offenbar lernte Amigoni dort bald den italienischen Komponisten Nicola Porpora kennen und kam über diesen in Kontakt zu dem wohl berühmtesten Kastratensänger des 18. Jahrhunderts – Farinelli. 1739 kehrte er nach Venedig zurück. Weitere Stationen seines Lebens waren Frankreich und Spanien. In Spanien wurde er 1747 Hofmaler am Königshof in Madrid, wo er fünf Jahre später auch starb.

Das hier vorliegende Portrait zeigt ein laut Bildunterschrift „wirklichkeitsgetreues Bildnis des Venezianers Amigoni“ („Vera effigies excellentis Pictoris Veneti Jacobi Amigoni a. 1752 in Hispania demortui / ab eodem paulo ante abitum delineata / et a Francisco Xaverio Jungwierth Cholocographo monacensi aeri incisa.“) Die Jahresangabe bezieht sich auf sein Sterbejahr, nicht das Jahr des Kupferstichs des deutschen Kupferstechers und Radierers Franz Xaver Andreas Jungwirth, auch Jungwierth (* 1. Dezember 1720 in München; † 5. Januar 1790 in München), über den es ebenfalls eine eigene Wikipedia-Seite gibt.
Wir haben das Datum des Portraits auf seine Anfänge in Ottobeuren 1719 gesetzt - im Alter von 44 Jahren. Vermutlich hat der Münchner Jungwirth ihn in Schleißheim (s. hier ein Zoombild) oder Nymphenburg getroffen und mit dieser Radierung portraitiert. Das Blatt hat im Original das Format 16 x 10,8. Im Klostermuseum findet sich ein Farbbild (aus neuerer Zeit), das dem Kupferstich 1:1 nachempfunden ist.

Im Heft „Straßenbezeichnungen“ des „Heimatdienstes Ottobeuren und Umgebung“ von 1988 steht zur Amiconistraße auf S. 9f:
Sie zweigt von der Johann-Michael-Fischer-Straße in östlicher Richtung ab und mündet in die Guggenberger Straße. Jacopo Amigoni, geb. 1675 in Venedig, gehörte zu den bedeutendsten höfischen Malern seiner Zeit. 1719 kam er nach Ottobeuren und malte sein Probebild vor der Bibliothek: „Hercules, der Seelenführer“. Er freskierte die Benediktuskapelle (1725) nach dem Programm des Abtes Rupert Neß, malte das berühmte Bild die „Geburt Christi“ im ersten Stock, 1728 malte er die Abtskapelle mit Vorsaal und die drei Deckenbilder der „Amigonizimmer“ im heutigen Museum. Ferner malte er in München, London, Paris, Venedig und Madrid, wo er 1752 starb.
[Auf Seite 10 ist hier ebenfalls eine Zeichnung von Richard Harzenetter abgebildet, die ebenfalls auf unserem Portrait beruht.]

Eine schöne Beschreibung zum Künstler finden wir bei Dieter Albrecht, Zitat:
Ein Wanderkünstler ist auch Jacopo Amigoni aus Venedig, der zwischen 1717 und 1727 für die Schlösser in Schleißheim und Nymphenburg tätig ist, auch im Kloster Ottobeuren einige religiöse Deckenbilder hinterließ. Als internationaler Wanderkünstler ist er hier vor allem wegen seines Einflusses zu nennnen, seine farblich äußerst duftigen, auch in der Zeichnung sehr weichen Bilder scheiden ihn völlig von seinen bayerischen Zeitgenossen. Doch bewundern sie ihn und sogar der neben ihm arbeitende Asam verdankt ihm einiges. Besonders verpflichtet ist ihm jedoch Joh. Bapt. Zimmermann (1680-1758), der Bruder des Dominikus. Wie dieser als Wessobrunner ursprünglich Stukkateur, sieht er in Ottobeuren, wo er neben Amigoni stuckiert, etwas von dessen lockerer Farbigkeit ab.

aus:
Albrecht, Dieter: D. VIII. Die Kunstentwicklung vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, S. 1102, in: Spindler, Max: Handbuch der bayerischen Geschichte, 4 Bde. in 6 Tl.-Bdn., Bd.2, Das alte Bayern, Der Territorialstaat vom Ausgang des 12. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts, Gebundene Ausgabe, Verlag C.H. Beck, 7. Oktober 1988, 1398 Seiten, ISBN-13: 978-3406323201, Größe und/oder Gewicht: 34,4 x 19,6 x 9 cm

Literaturempfehlung:
Wagner, Helga: Ein Freskenzyklus von Amigoni in Ottobeuren, S. 371-378, in: Buddensieg, Tilmann, Winner, Matthias (Hrsg.): Munuscula Discipulorum, Kunsthistorische Studien Hans Kauffmann zum 70. Geburtstag 1966, Berlin, B. Hessling Verlag, 1968, 420 S., 19 x 25 cm

Das Portrait konnte im Juni 2016 angekauft werden (Sammlung Helmut Scharpf).