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02.03.2017 - Der Heimatdienst besucht die Große Landesausstellung „Die Schwaben“ in Stuttgart


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Warum gehört Ottobeuren nicht zu Baden-Württemberg, wir sind doch auch Schwaben? Anfang des 19. Jh. verschmolz der Ostteil Schwabens mit dem Königreich Bayern. Einer der Teilaspekte, denen der Heimatdienst auf seiner Fahrt zur Großen Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ (Laufzeit: 22. Oktober 2016 bis 23. April 2017) nachgehen wird.

Die Fahrt am 2. März 2017 steht allen geschichts-interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen, es können max. 50 Personen teilnehmen. Der Tagesausflug beginnt um 9.04 ab Bhf. Memmingen, die Rückkehr ist für 18.57 Uhr vorgesehen. Die für uns gebuchten Führungen (10:20 und 10:40 Uhr) im „Alten Schloss“ dauern jeweils eine Stunde, anschließend steht eine gemeinsame Einkehr auf dem Programm. Mit der Eintrittskarte können nach der Führung alle regulären Sammlungen des Museums (Kunst- und Kulturgeschichte, Archäologie, Volkskunde) besichtigt werden, alternativ ist ein Bummel durch Stuttgart möglich. Die Kosten von 25 € beinhalten Fahrt, Eintritt und Führung. Anmelden kann man sich per E-Mail unter geschichte2@klarton.de (der Erhalt wird per Antwort-Mail bestätigt); falls nicht vorhanden, dann auch telefonisch: 08332/5433 (Helmut Scharpf).

Hier nachfolgend der Text aus der Pressemitteilung des Landesmuseums:
Der schillernde Begriff der „Schwaben“ und des „Schwabenlandes“ ist im deutschen Südwesten ebenso traditionsreich wie diffus, in jedem Fall aber bis heute weit über die Grenzen der Region hinaus in aller Munde. Die Verwendung der Bezeichnung „Schwaben“ löst Assoziationen aus und erfüllt offenbar seit jeher bestimmte Funktionen. Welche das sind, dem will die Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ auf über 1.000 Quadratmetern nachgehen. Sie zeigt zu diesem Zweck bedeutende Phänomene der Kunst-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte Schwabens auf teilweise neue, bisher ungesehen Art.

In der Landesausstellung werden ca. 300 Kunstwerke und Objekte der Alltagskultur, darunter 150 internationale und nationale Leihgaben, spannungsvoll präsentiert. „Schwäbische Kunst“ setzte sich immer aus Höchstleistungen der verschiedenen Metropolen zusammen, die international vernetzt waren und Spitzenprodukte exportierten. Konstanz und Ulm, Augsburg und Stuttgart werden mit ihren großen Marken und Exportschlagern seit dem Mittelalter vorgestellt. Kunstvolle Skulpturen, herausragende Tafelgemälde und Goldschmiedearbeiten stehen neben modernen Industrieprodukten und faszinierenden Objekten wie dem „Heiligen Blechle“.

Der Name „Schwaben“ lässt sich, anders als die Bevölkerung selbst, auf die germanischen Sueben zurückführen. Im Mittelalter, als feste Grenzen noch unbekannt waren, setzte er sich als Bezeichnung eines bedeutenden Herzogtums durch, aus dem mehrere deutsche Kaiser hervorgingen. Nach dem Untergang der Staufer blieb der Begriff Schwaben an Südwestdeutschland haften. Dieses immer stark von Ein- und Auswanderung geprägte Gebiet umfasste sehr unterschiedliche Landschaften wie den Schwarzwald, das Neckarland, die Alb, Oberschwaben oder das Allgäu und bestand bis zur Zeit Napoleons aus unzähligen katholischen und evangelischen Kleinstaaten.

Als im 19. Jahrhundert das neu geschaffene Königreich Württemberg seinen „Traum von Schwaben“ identitätsbildend nutzte und gleichzeitig der Ostteil Schwabens mit dem Königreich Bayern verschmolz, wurden die Mythen der Vergangenheit neu entdeckt. Man identifizierte sich mit berühmten großen Schwaben wie den Staufern, Herzog Eberhard oder Friedrich Schiller. Daneben rückten die „vaterländische“ Landschaft und großartige Gebäude wie das Ulmer Münster oder das neu erbaute Schloss Lichtenstein ins allgemeine Bewusstsein.

Zugleich fand im Land selbst die altbekannte Spotterzählung von den „Sieben Schwaben“ weite Verbreitung. Die tölpelhaften Schwaben als Kontrast zu den Erfindern und Genies sind nur ein Aspekt der im Laufe der Epochen sehr wechselhaften Schwabenbilder. Solche Widersprüche werden in der Ausstellung anhand faszinierender Objekte entlarvt. Die Besucher, die sich an vielen Stellen der Ausstellung selbst zu Wort melden können, begegnen am Beispiel eindrucksvoller Persönlichkeiten auch der Frage, wer eigentlich Schwabe ist? Wer grenzt sich ab, wer will dazugehören?

Der schwäbische Dialekt, für viele das eindeutigste Merkmal der Schwaben, wird in einem eigenen Bereich auf den Prüfstand gestellt. Über die Verkleinerungsform des „le“ hinaus geht es um den schwäbischen Wortschatz, die Besonderheiten der Aussprache – und wie sich die Mundart auf dem Dorf und in der Stadt unterscheidet. Stimmen die Dialektgrenzen überhaupt mit den Identitätsgrenzen überein?

Die Ausstellung untersucht auch „gefühlte Realitäten“ wie die behaupteten Eigenschaften, die den Schwaben in besonderem Maße zugeschrieben werden: Fleiß, Sparsamkeit, Ordnungsliebe und Putzwut, Häusle-Bauen, Spätzle- und Maultaschen-Essen. Ob diese Klischees auch heute noch stimmen, oder wie sie von „Medienschwaben“ als schwäbische „Marken“ stilisiert und gepflegt werden, darüber wird die Ausstellung mit einem Augenzwinkern berichten.

Zur Ausstellung ist ein umfassender Begleitband mit zahlreichen farbigen Abbildungen im Belser Verlag zum Preis von ca. 24,80 € (Museumsausgabe) erschienen. Die Buchhandelsausgabe kostet 34,99.
Dr. Heike Scholz (Leiterin Kommunikation und
Kulturvermittlung)
 
Hinweis zum Urheberrecht: Anders als sonst im virtuellen Museum, dürfen die hier eingestellten Bilder nicht gemeinfrei genutzt werden, sondern nur im Zusammenhang mit der Ausstellung sowie unter Angabe des Urhebers. Für die beiden Bilder der Ausstellungsräume gilt:
© Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Foto: Franziska Schneider
Für die Fotos der Einzelexponate (Teddy, Drei Heilige (mit St. Affra in der Mitte), Kehrschaufel, Sieben Schwaben, Christus-Johannes-Gruppe, Leitz-Ordner, Spätzlespresse und Märklin-Globus) und das Plakat (Key Visual "Schwaben") gilt:
© Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart