Marktgemeinde Ottobeuren
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13.03.2017 - Das virtuelle Museum wird in der Zeitschrift Heimat Allgäu vorgestellt.


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War das virtuelle Museum bislang nur im lokalen Bereich bekannt gemacht worden, so wurde es – pünktlich zum vierten Jahr der Online-Stellung – mit einem vierseitigen Artikel in der 2. Ausgabe 2017 der „Heimat Allgäu“ erstmals einem größeren Leserkreis vorgestellt und gewürdigt. Die Zeitschrift wird seit 1986 herausgegeben. Auf der Internetseite heißt es dazu:
Der Heimatbund Allgäu, Dachverband der Heimatvereine und Herausgeber der Zeitschrift ist der Ansprechpartner, wenn es um die Weitergabe und den Erhalt von Brauchtum, Kultur und Natur geht. Wo unsere Redaktion recherchiert, wird interessiert begleitet, kritisch hinterfragt und den Themen auf den Grund gegangen.

Dem Chefredakteur Elgaß Peter Elgaß sei für die Veröffentlichung sowie für die Bereitschaft gedankt, den Artikel bei OMG einstellen zu dürfen. Die Bilder sind allesamt dem Projekt entnommen und führen im virtuellen Museum zu den entsprechenden Themen.

Literaturzitat:
Ortsgeschichte im digitalen Zeitalter. Das virtuelle Museum Ottobeurens, S. 80 - 83, in: Heimatbund Allgäu e.V. (Hrsg.): Heimat Allgäu, Ausgabe 02/2017, 13.03.2017, Immenstadt-Werdenstein, 90 S., ISSN 0948-6593

Ein einen inhaltlichen Fehler sei hingewiesen: Auf S. 82 ist links oben nicht die Mobilmachung 1914 dargestellt, sondern der Abmarsch der Soldaten nach Memmingen im April 1919, um anschließend als Teil des Freikorps Schwaben den Spartakus-Aufstand in München und Kempten niederzuschlagen.

Hier nun der Originaltext des Artikels. (Die vier Seiten sind einzeln als jpg abrufbar sowie als vierseitige und textdurchsuchbare pdf.)

Ortsgeschichte im digitalen Zeitalter
Das virtuelle Museum Ottobeurens
Ein Museum, das 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr geöffnet hat? Und aus dem jeder mitnehmen darf, was ihm gefällt? Sie werden sagen, das gibt’s doch gar nicht. Und doch stimmt’s. Möglich ist es im virtuellen Museum des Marktes Ottobeuren. HEIMAT ALLGÄU verrät Ihnen, wie es dazu kam.

Nach drei Jahren Vorarbeit gingen im März 2013 die ersten Seiten des rein internet-basierten Museums der Marktgemeinde Ottobeuren online, Anfang 2017 ist die Zahl der abrufbaren Themen bereits auf über 500 angewachsen. Einige Eckdaten: Die Geschichte des Ortes ist in 160 Kategorien eingeteilt, die Stichwortsuche umfasst mehr als 2500 Schlagwörter, ein chronologisches Sortieren ist ebenso möglich wie das Scrollen durch die Jahrhunderte über eine Zeitleiste, die sich beim Aufruf einer Themen-Sammlung öffnet. Eine umfangreiche Linkliste, die zu Zeitungsarchiven, Vereinen, alten Lexika und in öffentliche Archive führt, bereichert das Angebot zusätzlich.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Museum hat rund um die Uhr geöffnet und ist dabei weltweit zugänglich. Vom „Ottobeurer Wochenblatt“ zum Beispiel – erschienen zwischen 1820 und 1909 –  sind schon ganze Jahrgänge gescannt und als textdurchsuchbare pdf-Dateien eingepflegt. Zahlreiche Bilder stehen in hohen Auflösungen zum Download bereit. Wird die Verwendung ihrer Bilder und Texte von vielen Museen oder Online-Angeboten oft sehr restriktiv gehandhabt, so geht man in Ottobeuren bewusst einen anderen Weg: Bis auf wenige Inhalte, die z.B. aus dem Staatsarchiv stammen oder wo urheberrechtliche Einschränkungen dies erforderlich machen, dürfen die angebotenen Materialien gemeinfrei nachgenutzt werden – sogar kommerziell. Im Gegenteil: Jede Nachnutzung wird begrüßt, denn sie führt zur Beschäftigung mit der Ortsgeschichte und generiert geschichtliches Bewusstsein.

Von der Briefmarke zur Heimatsammlung
„Es waren genau diese technischen Möglichkeiten, die Bildbearbeitung und Internet heute bieten, die mich dazu bewogen, das Sammeln auch in Ottobeuren wieder zu beginnen,“ so Helmut Scharpf, der das Projekt am 2. März 2010 vor einem großen geschichts-interessierten Kreis erstmals vorstellte. Als Jugendlicher sammelte er noch Briefmarken, später baute er eine Heimatsammlung für Bad Wörishofen auf, bis hin zur Ausstellung der Exponate. Nachdem er 1993 eine Stelle als Lehrer an der Realschule Ottobeuren angenommen hatte, war er sich noch sicher, nicht erneut mit dem Sammeln zu beginnen. Aber anders als Bad Wörishofen bietet Ottobeuren mit seiner langen Klostergeschichte ganz andere Möglichkeiten und letztlich weckten Vorträge im örtlichen Heimatdienst das Interesse, sich näher mit dieser langen Geschichte auseinanderzusetzen. Zunächst arbeitete er mit seinen Schülern für den Schüleraustausch englische Basilikaführungen aus, später erwarb er dann bei den örtlichen Flohmärkten erste Exponate. Durch das virtuelle Museum haben sich Kontakte zu etlichen anderen Sammlern ergeben, die – genauso wie viele Bürgerinnen und Bürger – gerne bereit waren und sind, ihre Schätze scannen zu lassen. Dazu kommen Funde in den Archiven auch der umliegenden Gemeinden und gute Kontakte zum Klosterachivar Pater Rupert Prusinovsky OSB sowie zum Memminger Stadtarchivar Christoph Engelhard. „Jedes Mal, wenn wieder ein Artikel in der Zeitung oder im monatlichen 'Ottobeuren Life' erschienen war, bekam ich Anrufe und Mails mit weiteren Angeboten“, so Scharpf über die gute Resonanz.

Aufwändige digitale Wiederherstellung
Die große Vielfalt an Themen und die Qualität der Bildmaterialien sind schon jetzt beeindruckend. Anfangs stand die Abarbeitung einer Prioritätenliste im Vordergrund, ganz oben dabei waren die vier Bände zur Ortsgeschichte von Pater Maurus Feyerabend, die dieser zwischen 1813 und 1816 schrieb. Der erste Band wurde komplett abgeschrieben (ca. 125.000 Wörter samt lateinischer Übersetzungen), die übrigen Bände sind textdurchsuchbar abrufbar. Für solche Abschriften oder professionelle Scans (Fa. Pixelprint in München) steht ein kleiner Etat zur Verfügung – schließlich handelt es sich um eine kommunale Internetseite. Die Arbeit vor Ort wird ehrenamtlich geleistet, ein paar Helfer gibt es beim Transkribieren alter Handschriften und bei der Bildbearbeitung.
Was hier heutzutage technisch möglich ist, macht ein Aquarell vom „Hofgut Boschach“ von 1860 deutlich: Aus dem vergilbten, gewellten Papier, das augenscheinlich einen Wasserschaden aufweist und wahrscheinlich sonst längst weggeworfen worden wäre, wurde wieder ein Bild in frischen Farben, das man gerne betrachtet. In die 1906 herausgegebenen Karte der „Herrschaftsverhältnisse im Bezirk Schwaben und Neuburg“, die den Stand Mitte 1801 – kurz vor der Säkularisation – zeigt, hat Scharpf selbst 50 Stunden investiert. „Sie ist antiquarisch nicht zu bekommen, ein 2003 erschienener Nachdruck kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht verwendet werden, die Karte ist aber vor allem für den Geschichtsunterricht an den Schulen sehr wertvoll. Für solche Ausnahmedokumente setzt man durchaus mal mehr Zeit ein als sonst,“ so Scharpf. Die über einen Meter hohe Karte wurde vom Stadtarchiv Memmingen zur Verfügung gestellt, in München gescannt und dann in Ottobeuren nachbearbeitet.
Letztlich vergeht kaum ein Tag ohne Arbeit fürs „Museum“. Zeit ist allerdings ein rares Gut, denn als Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz im Unterallgäu, als Chorleiter des überregional bekannten „Chor96“, als Naturschutzwächter für den Landkreis, im lokalen Energieteam oder für die Bunte Liste im Gemeinderat, hat Helmut Scharpf auch sonst viele ehrenamtlichen Aufgaben übernommen.

Im Kontakt mit der Bevölkerung
Als Gewinn sieht er nicht nur die teils spektakulären Zeitdokumente – erwähnt seien etwa die Funde zum Thema „Niederschlagung des Spartakus-Aufstandes“ in München 1919, Ottobeuren als großer Manöverstandort vor dem Ersten Weltkrieg oder zum Schicksal des Marktes während der napoleonischen Kriege sowie etliche alte Stiche und Gemälde –, sondern vor allem die unzähligen Interviews mit Zeitzeugen. Gerade zum Dritten Reich ist es sozusagen in letzter Minute gelungen, eine Reihe von Erzählungen festzuhalten. Scharpf resümiert: „Die Menschen sind gerne bereit, sich mitzuteilen und Dokumente zur Verfügung zu stellen. Das große Vertrauen – schließlich handelt es sich oft um Unikate – erstaunt mich immer wieder. Letztlich spürt man das Bedürfnis, etwas beitragen zu können, wenn es darum geht, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Man sitzt nicht nur stundenlang am Computer, sondern hat auch ganz viel Kontakt mit der Bevölkerung, die die Arbeit sehr schätzt.“ Solche Kontakte haben sich bis nach Brasilien ergeben und kaum ist ein neues Thema online, melden sich weitere Leser, die gerade über ihre eigene Kindheit oder die Familie forschen. Im bislang stärksten Monat – Oktober 2016 –  hatte „OMG“ über 5.000 unterschiedliche Besucher, fast 32.000 Mal wurden Seiten aufgesucht, davon 13.400 verschiedene.
Was früher mühsam von Flohmarkt und Sammlerbörse zusammengetragen werden musste, lässt sich heute über internationale Auktionsplattformen und über die Onlineangebote der Auktionshäuser sehr viel effizienter finden. Das Internet spielt auch in der Recherche seine Trümpfe aus. Freilich: Ist etwas mal falsch dargestellt, dann wird das immer und immer wieder falsch kopiert. Das war schon in Büchern so, heute manifestiert sich ein Fehler aber noch hartnäckiger.

Online im Vorteil
Was die Möglichkeiten eines virtuellen Museums angeht, so punktet es im Vergleich zu einem gedruckten Werk nicht nur mit der Verfügbarkeit: Der längste Eintrag umfasst an die 10.000 Wörter und bis zu 40 Bilder.  Natürlich lassen sich auch der Speicherbedarf und das zu übertragene Datenvolumen nicht beliebig erweitern, aber mit 100 GB ist schon sehr viel möglich. Was ins virtuelle Museum eingepflegt werden soll, will wohl überlegt sein: Was ist berichtenswert und was nicht? Es geht im Übrigen nicht nur um schöne bunte Bilder, auch unbequeme Themen wie der Nationalsozialismus und Euthanasie werden nicht ausgeklammert.

Allgemein gilt: Die Fortführung des kulturellen Erbes verlangt die Hinwendung zur Geschichte und bedarf der Aufmerksamkeit gegenüber den Veränderungen der Gegenwart. Deshalb finden sich nicht nur Ereignisse, die lange zurückliegen, sondern auch jüngste Themen aus 2017. „Was heute passiert, ist schon morgen Geschichte“, lautet die Devise. Wichtig wären deshalb weitere Mitstreiter, die als „Ortschronisten“ die vielen Veränderungen festhalten.

Je länger es läuft, desto mehr Verlinkungen finden innerhalb des Projekts statt, fast wie ein „lokales Wikipedia“. „Bei der Fülle an Informationen und Bildern ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten, da nutze ich die Plattform selbst als Nachschlagewerk“, verrät Scharpf.