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05.04.2017 - 60 alte Apfel- und Birnensorten auf dem Gelände des Allgäuer Golfclubs Ottobeuren gepflanzt


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Das Gemeinschaftsprojekt von Allianz Deutschland und NatureLife-International, unterstützt von der Allianz Umweltstiftung, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die in Deutschland fast verschwundenen Streuobstwiesen mit alten Obstsorten wieder aufleben zu lassen - als Bausteine der deutschen Kulturlandschaft. Zehn Golfclubs in Deutschland wurden für dieses Projekt ausgewählt - einer davon war der „Allgäuer Golf- und Landclub“ in Ottobeuren.

Gepflanzt wurden die 60 Bäume – jeweils mit 10 m Abstand – von den Greenkeepern des Golfclubs. Professionelle Unterstützung erfuhren sie hierbei von Mitglied Siegmar Olschewski, der mit seiner Erkheimer Firma Naturwerk aus dem Garten- und Landschaftsbau kommt und mit solchen Pflanzungen bestens vertraut ist. Gekauft hat man die 60 Bäume bei der Baumschule Scheerer in Bad Waldsee.

Für den Golfclub ist das Engagement im Naturschutz nichts Neues. Schon früher sei man mit der hohen Auszeichnung „Golf & Natur“ in Silber durch den Deutschen Golfverband ausgezeichnet worden. Auf der Homepage des Golfclubs heißt es:

„Wir haben uns den Landschafts- und Naturschutz auf die Fahnen geschrieben“, sagt AGLC-Präsident Horst Klüpfel. Als er vom Projekt „Allianz – Bäume für die Zukunft“ erfuhr, legte er sich ins Zeug.
Und so kam es, dass der Allgäuer Golf- und Landclub in Ottobeuren als einer von zehn Golfclubs in Deutschland für dieses Projekt ausgewählt wurde. Die vor über 25 Jahren gegründete Allianz Umweltstiftung hat auch im Allgäu schon viele Projekte durchgeführt.

In der Juli-Ausgabe 2017 (S. 20) des Ottobeuren-Life wird auf den Präsidenten des Golfclubs eingegangen. Horst Klüpfel dankte dem Paten des Projekts, Generalvertreter Oliver Spitz, für die Bereitstellung der Bäume mit allem was dazugehört, dem Verpächter des Golfplatzes, Axel Ungemach, der den Grund für die Pflanzung zur Verfügung gestellt hat, den Greenkeepern, die die Bäume gepflanzt haben, dem Mitglied Siegmar Olschewski, der fachmännisch die Pflanzung begleitet hat, Golffreund Kurt Käuffer, der die Bäume mit Standort und Namen erfasst hat, Susanna Gabler für die Mitarbeit und eine 1500 Euro-Spende sowie Manager Johannes Siemenczuk für die geleistete Vorarbeit.
Susanna Gabler steht zwar für die „Töpfer Babywelt“ aus Dietmannsried, die auf der Schautafel als Sponsor mit genannt wird. Entscheidend – und großartig – ist es, dass sie aus einer Familie von Förderern und Mäzenen stammt, wie die Veranstaltung für den Kabarettisten Maxi Schafroth im Oktober 2016 bewies. Ihr Bruder Stefan Gabler hatte im Kaisersaal das Füllhorn ausgeschüttet.

Die Pflanzliste

Apfelbäume:
01 Rheinischer Bohnapfel
02 Kaiser Wilhelm
03 Rheinischer Winterrambur
04 Grauer Hordapfel
05 Blauacher Wädenswil
06 Jakob Fischer
07 Schöner von Nordhausen
08 Schöner von Herrnhut
09 Martens Gravensteiner
10 Biesterfelder Renette
11 (kein Eintrag; Ziffer fehlt)
12 Börtlinger Weinapfel
13 Chüsenrainer
14 Gehrers Rambur
15 Hauxapfel
16 Kardinal Bea
17 Öhringer Blutstreifling
18 Schneiderapfel
19 Schweizer Orangenapfel
20 Sauergraeuch

Birnbäume:
21 Alexander Lucas
22 Conferencebirne
23 Gräfin von Paris
24 Gellerts Butterbirne
25 Schweizer Wasserbirne

Eine Pflanzliste mit Empfehlungen für Sorten für unseren heimischen Raum schließt die abrufbaren Dateien ab. Sorten aus der Golfplatzpflanzung, die mit der Unterallgäuer Liste übereinstimmen, wurden oben fett markiert.

Die Bilder stammen vom 03.07.2017 (Helmut Scharpf). Eine weitere Anpflanzung einer Ottobeurer Streuobstwiese ist in Vorbereitung.

Ein Blick in die Vergangenheit: Einen Eindruck vom ländlichen Ottobeuren ergibt ein Artikel aus dem Ottobeurer Wochenblatt Nr. 98 vom 07.12.1900. Auf Seite 2 heißt es:
Lokales und aus dem Kreise.
Ottobeuren. Die Volkszählung ergab im hiesigen Markte 989 männliche, 1069 weibliche, in Summa 2058 Einwohner. Eine Mehrung gegen die Zählung vom Jahre 1895 : 154 Personen. Im Jahre 1895 betrug die Mehrung 105 Personen.
Die Vieh- und Obstbaumzählung ergibt nachstehendes Resultat : 104 Pferde, 833 Rindvieh, 8 Schafe, 158 Schweine, 6 Ziegen, 2 Gänse, 97 Enten, 1053 Hühner, 108 Bienenstöcke, 1410 Apfelbäume, 712 Birnbäume, 644 Zwetschgen- und Pflaumenbäume und 68 Kirschbäume, zusammen 2834 Obstbäume.
_______________________ 

Aus dem Ottobeurer Wochenblatt, Ausgabe 76, vom 24.09.1901, S. 4

Der Verein für Obstbau und Bienenzucht in Ottobeuren beschickt mit den Erzeugnissen seiner Mitglieder die in der nächsten Woche in Augsburg stattfindende „Bayerische Landesausstellung für Obst- und Gartenbau“. Aus diesem Anlasse veranstaltete er hier gestern im Saale des Gasthauses zum goldenen Hirsch eine Lokalausstellung. Das geschmackvoll Arrangement und die Reichhaltigkeit derselben hat wohl jeden Besucher überrascht. Der Vorstand des Vereins, Herr Apotheker Beck, die Seele des ganzen Unternehmens, scheute keine Mühe, um die Ausstellung inhaltlich und inbezug auf äußere Form möglichst schön und interessant zu machen, was ihm vollständig gelungen ist. Auch die Herrn, Oekonomieverwalter Fl. Vicari von hier und die beiden Pomologen Depprich von Hawangen und Vetter von Bibelsberg haben durch ihre freundliche und unermüdete Beihilfe großen Anteil am Gelingen der Ausstellung. Die Dekoration des Saales war sehr hübsch, die Anordnung und Gruppierung der Ausstellungsobjekte übersichtlich und zweckentsprechend.

Im ganzen haben sich 23 Aussteller von hier und 3 aus der Umgebung mit 120 verschiedenen Sorten von Aepfeln und und 68 Birnsorten beteiligt, abgesehen von Beeren- und Steinobst. Das Benediktiner-Priorat allein hat 72 Obstsorten ausgestellt, Herr Brauereibesitzer Graf 31, Herr Kaufmann August Ripfel 30, Herr Apotheker Beck 29, Pomolg R. Vetter von Bibelsberg 29. Die feinsten Sorten Tafelobst lieferten die Gärten des Klosters, der Amtsgebäude und der Apotheke. Sonst sind noch durch Güte und Sortenzahl des Obstes hervorragende Aussteller die Herrn Privatier Schropp, Sägmühlbesitzer Schaber, Schuhmachermeister Herz, Steinmetzmeister Wiederhut, Brauereibesitzer Geiger, Drechslermeister Streicher, Oekonom Lohr von Leupolz u. a. Herr Baumeister Mayer von hier stellte die größte Apfelsorte aus, einen Kaiser-Alexander-Apfel im Gewicht von 490 Gramm. An gutem Steinobst war in der Ausstellung kein Mangel und die appetitlichen Reinclauden werden manchen Besucher besonders gefallen haben. Auch Weintrauben und Melonen waren ausgestellt (Herr Vetter, Bibelsberg), und riesige Speisekürbisse (von Herrn J. Braun, k. Notar, und Herrn Schaber) erregten allgemeines Erstaunen. Honig stellten aus das Benediktinerpriorat, ferner Herr Apotheker Beck und Herr Lehrer Kling, ersteres auch einige sehr praktische Apparate für Bienenzucht und Obstbau von Herrn Frater Buchmaier. Eine Kollektion von selbstbereiteten, vorzüglichen und gesunden Beerenweinen und Fruchtliqueuren in glänzend etikettierten Flaschen gaben Beweis von der Rührigkeit, mit der Herr Apotheker Beck auch diesen Zweig seines großes Geschäftes betreibt.

Daß wir hier ganz gutes Obst haben, wußten wir wohl; daß aber so viele verschiedene und darunter so viel feine Obstsorten gebaut werden, war uns neu. Das hat uns diese Ausstellung gelehrt. Nimmt man die Zahl jener Obstsorten, welche nicht ausgestellt werden konnten, weil es für sie zu spät ist, auf ungefähr 15, so kommt man zu dem überraschenden Resultat, daß allein in Ottobeuren sicher bei 200 verschiedene Sorten von Aepfeln und Birnen vorkommen. Davon ist das meiste sehr gutes Wirtschafts- und feines Tafelobst, nur weniges Mostobst.

Der Obstbau- und Bienenzuchtverein Ottobeuren hat sich durch die Veranstaltung dieser Ausstellung um den Obstbau in unserer Gegend aufs neue verdient gemacht. Konnte man aus derselben ersehen, daß hier für den Obstbau eine vorzügliche Lage ist und ein großes Verständnis für denselben von Seite der Bewohner, so mußte man aber auch durch dieselbe hohen Respekt bekommen vor den pomologischen Leistungen unserer Vorfahren: denn die meisten der hiesigen Bäume sind alt, und es ist nicht allein unser Verdienst, wenn hier so viel und gutes Obst gebaut wird. Es ist wohl gar kein Zweifel, daß sich da noch der große Segen geltend macht, der einst auch inbezug auf alle Zweige der Landwirtschaft vom alten „Freyen Reichsstifft Ottenbeuren“ ausging. Auch darf man hier nicht eines Mannes vergessen, der in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Jahrzehnte hindurch unter den mißlichsten Umständen sich die größten Verdienste um die Obstbaumzucht in Ottobeuren erwarb. Es ist dies der frühere Lehrer und Chorregent Benedikt Baur. Wohl ist nicht zuviel gesagt, wenn wir behaupten, daß es ohne dessen uneigennütziges und sachverständiges Wirken mit dem Obstbau in Ottobeuren wahrscheinlich traurig stände und demzufolge auch die Ausstellung darnach ausgesehen haben würde.   R.