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1911 - Das Haus Schmalholz in der Ludwigstraße / Primiz


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Auf den ersten Blick rätselt man bei dieser Ansicht, wo dieses Haus wohl stehen könnte. Tatsächlich hat es seinen Charakter bis heute einigermaßen bewahrt, auch wenn ca. 1970 eine Garage angebaut und ca. 2007 die Fenster ersetzt wurden. Die Wärmedämmung auf Nr. 54 bedingt eine leichte optische Trennung der beiden Haushälften.

Das Baujahr des Hauses in der Ludwigstraße 52 und 54 (bis 1951: 137 1/3 a und 137 1/3 b) steht auf dem Schild zwischen den beiden Eingängen: 1906. Links vom Haus (Hörmannstraße) finden sich nur landwirtschaftliche Flächen, das Schmalholz-Haus war auf dieser Seite der Ludwigstraße nach der Pater-Maurus-Feyerabend-Straße das erste. Auf dem Urkatasterplan von 1819 und auf dem Ortsplan von 1876 befand sich hier der „Hofacker“ (der Name deutet auf Klosterbesitz vor 1802), eine Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße nach Süden gab es nur bis zur Schreinerei Kuhn (Nr. 135) auf der Ostseite (zwischen Ludwigstraße und Stauderweg; gegenüber der evangelischen Kirche), was vermutlich die beiden merkwürdigen Hausnummern erklärt.
Man beachte die schlammige offene Straße!

1951 werden die Besitzer Georg Wanner (Klosterwald) und Franz Schmalholz genannt. Die Familie Schmalholz hat das Haus entweder 1906 gebaut oder später gekauft – als Austragshaus für das landwirtschaftliche Anwesen in Reuthen. Nach dem Tode von Franz Schmalholz wohnte auf 54 Karl Schmalholz; heute lebt hier noch seine aus Lachen stammende Witwe, Josepha „Peppi“ Schmalholz (geb. Diepolder).

Das erste Foto lief 1911 als Bildpostkarte an Frau Senzi Schütz, Gastwirtsgattin in Bayersried, Post Unteregg:
Liebe Schwester!
Zu deinem morgigen Namensfeste sendet die besten Wünsche dein Bruder Ludwig und Mutter. War heute bei der ? von Eitlers kleiner Elisabeth. Maria und Martin auch. Gruß an Franz.

Die zweite - unbeschriebene - Fotokarte stammt vermutlich ebenfalls aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Über eine Primiz im Hause Schmalholz ist nichts mehr bekannt; ev. lässt sich der Name des Primizianten und damit auch die Datierung über das Klosterarchiv herausfinden. Die Ludwigstraße und die südliche Haushälfte ist festlich geschmückt. Im Triumphbogen lässt sich folgender Spruch lesen:

Mögst lange Du das Opfer feiern
Und Christi Sühnetod erneuern.
Draus uns die Gnade niedertaut (?)
Und Seelentempel Gottes baut.

Darüber sieht man einen Kelch mit Hostie.

Die Vergleichsbilder stammen vom 25.08.2017. Auf einer schönen Aufnahme von 1936 ist das Haus mit einem Spalier an der Südfassade zu sehen.
Mit den drei Primizen, die im Hause Kuhn gegenüber gefeiert wurden, hat die zweite Aufnahme wahrscheinlich nichts zu tun.