Marktgemeinde Ottobeuren
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Ca. 1808 - Charte von Schwaben; hier: Nr. 34 Memmingen-Ottobeuren


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Ignaz Ambros von Amman (* 7. Dezember 1753 in Nusplingen; † 17. Januar 1840 in Dillingen an der Donau) war ein deutscher Kartograf und Landesgeometer.
Amman war Fürstlich-Augsburgischer Hofkammerrat und Landesgeometer des Hochstifts Augsburg, das 1803 zu Bayern kam. Er war mit Bohnenberger aus Württemberg Herausgeber der Landkartenserie „Charte von Schwaben“ (1798-1828).

Interessant sind neben den orthografischen Besonderheiten in der Schreibweise der Ortsnamen (z.B. Ekisried für Eggisried, Tennenberg statt Dennenberg, Dingelsweiler statt Dingisweiler, Roschach statt Boschach [vermutlich ein damaliger Lesefehler], Altusried statt Altisried, Liebas statt Niebers, Teisselberg statt Teinselberg, Attahausen statt Attenhausen [vermutlich durch Dialekteinfluss] oder Ottobeuern statt Ottobeuren) insbesondere der Blick auf das damalige Straßennetz.

Die Verbindung von Ottobeuren nach Markt Rettenbach z.B. verlief von Ottobeuren aus in der direkten Verlängerung der Guggenberger Straße nach Osten und von Guggenberg weiter südlich von Ölbrechts direkt nach Guth [Gut]. Heute verläuft hier der Crescentia-Pilgerweg. Bis ca. 1920 war das immer noch die einzige Verbindungsstraße nach Markt Rettenbach. Die Eheimer Säge wurde erst mir dem Ausbau der Trasse der heutigen Staatsstraße (St 2013) gebaut.

Leider sind die 61 Karten (bis auf wenige Ausnahmen) nicht datiert. Eine nähere Eingrenzung ergibt eine Annäherung über anderweitige Angaben, so z.B. die angegebenen Widmungen oder die Angaben zu Amman selbst. Auf Karte 25 (Günzburg - Ulm) nennt er sich noch „Fürstlich Augsburgischer Hofkammer-Rath und Landesgeometer“ (das Hochstift Augsburg wurde im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst). Auf Karte 43 bezeichnet er sich als „Kur-bair'schen Landes-Directions-Rath“, was den Zeitraum in diesem Fall auf 1803 - 1806 (Ende des Kurfürstentums Bayern*, Ausrufung des Königreiches Bayern) eingrenzt. Und auf den Kartenblättern 33, 34 und 35 nennt er sich „Königlich Bairischer Landesdirektionsrath“.

*Kurfürstentum Bayern ist die rechtlich ungenaue Bezeichnung für das Herzogtum Bayern seit der Erlangung der Kurwürde für die Herzöge von Bayern im Jahr 1623 bis zur Ausrufung des Königreichs Bayern 1806.

Die Wikipedia-Seite zur Kartenserie gibt nicht allzu viel her, enthält aber einige Links.

Unser Exemplar der Karte 34 ist schwarz-weiß gedruckt, bei Wikimedia Commons ist eine farbige Variante abrufbar (Quelle: Uni-Bibliothek Tübingen), die Angabe des Zeitraumes bezieht sich auf die Gesamtheit der Karten „zwischen 1798 und 1828“

Karte 35 schließt im Osten an (Mindelheim).
(Widmung: „Seiner königlichen Hoheit Ludwig, Kronprinz von Baiern“)

Karte 33 grenzt im Westen (Biberach) an.
(Widmung: „Seiner Hoheit, dem durchlauchtigsten Fürsten, Carl, Fürst Erz-Bischoff von Regenspurg und Primas des Rheinbundes*“)

*Zitat aus Wikipedia: Der Rheinbund war eine auf Initiative des französischen Kaisers Napoleons 1806 in Paris gebildete Konföderation deutscher Staaten. Faktisch blieb der Rheinbund im Wesentlichen ein Militärbündnis deutscher Staaten mit Frankreich. Er brach nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 zusammen.

Der Anschluss nach Norden erfolgt mit Karte 25 (Günzburg).
(Widmung: „Seiner königlichen Hoheit dem Erzherzog Carl von Österreich, K.K. u. R. Feldmarschall“)

Auf der nach Süden anschließenden Karte 43 (Kempten - Leutkirch) finden sich rechts oben noch ein paar (heute) zu Ottobeuren gehörige Ortsteile: Leupolz, Hessen, Ollarzried, Oberhaslach, Bibelsberg, Reuten [Reuthen], Schoren, Daschberg [Daxberg], Oberried, Höhe, Vogelsang und Schochen.
(Widmung: „Dem durchlauchtigsten Fürsten, Carl August, Herzog zu Sachsen-Weimar und Eisenach“)

Die Karten 25, 33, 34 und 35 sind von [Gottlieb Friedrich] Abel (*1763 in Stuttgart; ab 1786 war er „königlich württembergischer Hofkupferstecher“*) gestochen, Nr. 43 von „J. Carl Ausfeld“.
Quelle: Seite 7 in: Vierhaus, Rudolf: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 1, Aachen-Braniß, München, 2. Auflage 2005

Es wird auch auf der Karte kein Maßstab genannt, sondern „Reisestunden“.
la toise = die Messlatte; der auf der Karte angegeben Begriff (Toises) steht im Plural: die Messlatten.

Alle Karten in einer Datei sind über die Unibibliothek Tübingen verlinkt. Das Digitalisat stammt aus der Universitätsbibliothek Greifswald, Signatur 727/Pb 424(3).

Im virtuellen Museum gibt es bereits eine Reihe alter Karten, z.B.:
1824 - Militärlandkarte von Ottobeuren („Ottobeuern“)
Oberleutnant Josef Naus bezwang 1820 als erster die Zugspitze - um sie kartografisch zu erfassen. 1800 war mit der Gründung des Bureau topographique militaire de l'Armée (ab 1801 nach dem Abzug der Franzosen das Topographische Bureau unter der Ltg. von Charles Rigobert Bonne*) die amtliche Kartografie in Bayern begonnen worden, die erste bayerische Landesaufnahme erfolgte zwischen 1817 und 1872. Bayern war das erste Land Europas, das exakt vermessen wurde.

1703 - „Ottenbeüre“ auf einem Kupferstich von Johann Stridbeck jun. (1665-1714)

Zur Widmung auf Karte 34:
Dédier a [= Gewidmet für] S.A.S. Monseigneur Le Prince Talleyrand-Perigord, Prince de Bénévent &c.
Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord. Laut der Wikipedia-Seite zu Talleyrand war er von 1806 bis 1815 von Napoleons Gnaden souveräner Fürst von Benevent in Italien.

Welchem Muster diese und die vorher aufgezählten Widmungen folgen, ist unklar. Entweder unterstützten die Genannten die Herausgabe des Kartenwerks oder waren Sammler. Dies würde zumindest auf Talleyrand zutreffen. Oder man wählte einfach wichtige Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, um sich diesen - sozusagen als Werbung - anzuempfehlen.

Bei einer Quelle geht es um Talleyrand als Kartensammler:
Durch handschriftliche Notizen im Codex ist die Geschichte des Vallard-Atlas (ein kostbarer Codex, 1547 von einem französischen Kartographen angefertigt) ist außerordentlich gut dokumentiert. Nicolas Vallard, ein bekannter Kartograph der Schule von Dieppe, war wohl nicht der Autor des Werkes, allerdings war er der erste Besitzer. Im Jahre 1816 wurde die Kartensammlung von Charles Maurice de Talleyrand-Périgord, dem Prinzen von Bénévent, an den englischen Kunstsammler Robert Triphook verkauft. (...)

Talleyrand war wohl Sammler von Büchern, Karten und Plänen sowie von Graphiken (Karikaturen, Porträts, Ansichten); in seiner Londoner Zeit hat er sich eine große Bibliothek zugelegt.

Der Prinz wird noch heute zitiert. Aber er musste sich aufgrund seiner zeitlebens wechselnden Loyalitäten auch selbst ein Zitat gefallen lassen:
(Artikel der Wiener Zeitung vom 12.12.2014) Zitat Napoleons, der Talleyrand als ein „Haufen Scheiße in Seidenstrümpfen“ bezeichnete.

Ankauf für die Marktgemeinde (Mitte September 2017), digitale Restaurierung, Recherche und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 12/2017