Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




15.03.1938 - Karte einer Teilnehmerin an der Kundgebung Hitlers in Wien zum „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich


  • Die Datei ist zu groß, um als Vorschau angezeigt zu werden. Bitte öffnen oder speichern Sie sie über den Download-Button (hier am Fenster rechts unten).
    This file is too big to be displayed in the preview window. Please open or save it by using the download button (bottom right, next to this window).

   Download

Sowohl die Postkarte aus Wien als auch die Fotos von Salzburg und Villach sind einmalige Zeitdokumente für den sog. „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich. Ottobeuren hatte mit dem Beitritt der Gemeinde zum Österreichisch-Deutschen Volksbund am 28.12.1925 seinen (kleinen) Beitrag zur Vorbereitung geleistet. Juristisch gilt der 13. März 1938 als Datum des Anschlusses.

Die Transkription der in Deutscher Kurrentschrift geschriebenen Karte können Sie unten oder in der angehängten Gegenüberstellung lesen. Elsa Harbick war eine Teilnehmerin „von angeblich ca. 250.000 Menschen“ (Wikipedia) auf dem Heldenplatz in Wien am 15.03.1938.
Die Begeisterung von Frau Harbick kennt keine Grenzen: Adolf Hitler als der „gottbegnadete Retter“, der „den geknechteten Menschen vor dem Bolschwismus“ bewahrt. Abrufbar sind im virtuellen Museum außerdem fünf Fotos, die der Bad Wörishofer Badearzt Dr. Fritz Sieber (1894 - 1982) am Karfreitag 1938 (15. April) in Salzburg und am Ostersonntag (17.04.1938) in Villach machte.

Postkarte mit Hakenkreuz-Stempel „Der Führer in Wien“
Stempel Wien 110, 16. III. 38 13 [Uhr]

Frau
Constanze Bieregel
Bad Wörishofen Bayern.
Heuweg Nr. 5.

Absenderin: Elsa Harbick
Wien 18./ Wallrißstraße 89/5 (Gersthof, Pötzleinsdorf, bis 1999 amtlich Wallrißstr., heute Wallrissstrasse)

Meine liebe Constanze!            Wien, 15.3.1938.
Ich möchte die ganze Welt umarmen; so glücklich sind wir jetzt. Unbeschreiblich ist der Siegestaumel in Wien und wir können es kaum glauben, daß wir ein Teil des großen deutschen Reiches sind. Es kam so unerwartet schnell, aber schon in höchster Not. Unblutig und diszipliniert vollzog sich in 12. Mitternachtsstunde diese historische Wandlung und steht einzig in der Weltgeschichte da. So ein großes Werk kann nur unser gottbegnadete[r] Führer Adolf Hitler vollbringen und wir sind dem Schöpfer dank-
bar, daß er uns diesen Retter gesandt hat.


Dies ist die 12. Karte, die ich heute schreibe. Wie es in Wien zugegangen ist, wirst du ja in den Zeitungen gelesen haben. Wir standen vor dem Bolschewismus und durften uns nicht rühren; umsomehr wirst du unsere Freude begreifen, wenn wir uns als freies deutsches Volk bekennen dürfen. Wie wohl das tut, kann nur der einmal schon geknechtete Mensch ermessen.
Für deine ausführlichen Briefe habe Dank. Meine Zeitung wirst du wohl erhalten haben? Es gibt ein freudiges Wiedersehen und viel des Erlebten in den letzten bewegten Tagen. Nicht umsonst haben wir die ganzen Jahre so gelitten, der Sieg ist jetzt unser und er war die Gefahr wert.
Zum Briefeschreiben bin ich noch zu viel unterwegs und so schreibe ich mit einem kräftigen Sieg Heil! Und grüße dich und Frl. Irene herzlichst. In alter Treue und Freundschaft deine Elsa s.[amt] Familie
Wegen des Stempels schreibe ich noch an Fr. Jelenot. Karl
ist Markensammler.
__________________

Die Fotos im Einzelnen:
15.04.1938:
Nr. 34; In Salzburg am Karfreitag 1938

17.04.1938:
Nr. 45; Villach an Ostern 1938
Nr. 46; Villach am Ostersonntag 1938 (Adolf-Hitler-Platz)
Nr. 47; Villach an Ostern 1938 (Wir grüßen den Führer; Wir danken dem Führer)
Nr. 50; Vor dem Hotel in Villach Ostern 1938
(Alle Bilder wurden als Stereofotos aufgenommen.)

__________________

Der Ankauf der Karte gelang Mitte Dezember 2017. Transkription, Bildbearbeitung und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 12/2017. Die Fotos stellte die Tocher von Fritz Sieber, Frau Schneiderbanger, zur Verfügung (Scans Michael Scharpf). Ein Stereobild hat Sieber ein Jahr vorher (1937) auch in Ottobeuren aufgenommen.

Die Abb. erfolgen als zeitgeschichtliche Dokumente! Sie sind zwar gemeinfrei, eine missbräuchliche Nutzung ist dennoch untersagt! Die zeitgeschichtlichen Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus werden nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungs- feindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder der Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens gezeigt und sind in keiner Weise propagandistisch, insbesondere wie in § 86 und 86a StGB ausgeführt, zu benutzen.