Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




15.07.1961 - Café - Gasthof Eldern


   Download

Die Wirtschaft in Eldern reicht sicherlich bis in die Zeit des Eldernklosters, um die Wallfahrer zu bewirten. Die neuere Geschichte der „König Ludwig Kaminstube“ geht auf das Jahr 1911 zurück; davon unten etwas mehr. Hier zunächst der Text einer Werbefaltkarte aus den 1960er Jahren:

Café – Gasthof Eldern. Das neuzeitlich eingerichtete Haus mit behaglichen Aufenthaltsräumen und modernen Fremdenzimmern liegt 20 Minuten von dem Kurort Ottobeuren entfernt. Mit seiner schönen ruhigen Lage, nahe am Wald, bietet es den stadtmüden Menschen die beste Erholung. Auch ist es geeignet für kleinere Gesellschaften und Hochzeiten. Günstiger Standort für Ausflüge zu Fuß und per Auto. Parkplatz und Garagen vorhanden.
Modern eingerichtete Fremdenzimmer mit fließendem kaltem und warmem Wasser, Zentralheizung und Badegelegenheit. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Familie Stefan Kennerknecht.

Die Werbefaltkarte ist nicht datiert. Vor dem Haus steht ein Opel Rekord P2, der vom August 1960 bis Februar 1962 gebaut wurde.
Das jüngere Schwarz-Weiß-Bild stammt aus dem Jahre 1952, das ältere - mit der Biergesellschaft, den Kindern und den beiden Fahrradfahrern vor dem Haus - von 1923.

Die Idylle von damals („schöne ruhige Lage“) ist an der heutigen Staatsstraße 2011 längst passé (siehe Vergleichsbilder vom 21.02.2018). Im Nebengebäude hatte der „Schützenverein Günztal-Eldern“ seine Schießanlage. Nachdem sich der Schützenverein in sein im November 1997 bezogenes Domizil verlagerte* (offizielle Einweihung 14.06.1998), blieben zuletzt nur noch einige wenige Stammtische übrig. Seit 2017 finden größere Umbaumaßnahmen statt, wobei unklar ist, ob das Gebäude weiterhin Gaststätte bleibt.
Zwischenzeitlich gab es durch den Roman von Fiffi Steiner und Emil Kadletz („Tanderon“, novum Verlag, 1.10.2008, 469 S., ISBN 978-3850225991) sogar eine literarische Würdigung des Ortes.

Die neuzeitliche Geschichte der Eldern-Wirtschaft hat Walter Kennerknecht im Februar 2018 aufgearbeitet:

Entstehung der Gastwirtschaft Eldern und Beginn der Kennerknechts in Ottobeuren
Es gab vor 1911 eine Gastwirtschaft in Eldern, die in dem Hof südlich der heutigen Gaststätte untergebracht war (ehemals Petrich-Hof). Damals lag diese an der über Boschach verlaufenden Straße nach Ollarzried. Eigentümer war ein Herr Immerz. Die Straße wurde später verlegt, so wie sie heute läuft. Dies hatte zur Folge, dass die Fuhrwerke nicht mehr so oft in der Gaststätte Rast machten und damit der Gewinn schwand. Deshalb baute Herr Immerz eine neue Gaststätte, eben die heutige. Dabei hatte er sich aber finanziell verausgabt. Zudem musste er noch für eine Bürgschaftsverpflichtung einstehen, die er einmal übernommen hatte.
Er drängte daher seine einzige Tochter Josefa einen wohlhabenden Mann zu ehelichen, um die Misere zu beenden. Diese liebte zwar eigentlich den Theodor Keidler von Ottobeuren, musste aber dennoch den Johann Kennerknecht aus Akams (ursprünglich Steibis) heiraten. Ob dieser dann wirklich Geld hatte, kann man heute nicht mehr sagen. Auf jeden Fall führte er die Gastwirtschaft bis zu seinem frühen Tod 1923.

Er hatte bis dahin mit seiner Frau Josefa fünf Kinder und zwar Stefan, Georg, Michael, Viktoria und Walburga Kennerknecht. Nun konnte die Josefa den geliebten Keidler heiraten. Sie wurde nochmals schwanger, starb aber bei der Geburt dieses Kindes zusammen mit dem Kind im Jahr 1926. Der Arzt hatte sie gewarnt, dass es lebensgefährlich für sie sei, das Kind auszutragen, aber sie wollte es dennoch so.
Nun zog der Witwer Theodor Keidler die fünf Kennerknecht-Kinder auf, ohne nochmal zu heiraten und führte die Gastwirtschaft weiter. Er muss seine Sache gut gemacht haben, denn er wurde von diesen Fünfen immer wieder als sehr guter Stiefvater gelobt. Er starb Ende der vierziger Jahre an einem Magenleiden.

Stefan Kennerknecht betrieb die Gaststätte bis zu seinem Tod Anfang 1975, anschließend seine Witwe, Rosmarie Kennerknecht, bis diese Anfang der 80er Jahre wiederum von ihrer Tochter Christina abgelöst wurde, die das Lokal bis 1995 als „Elderner Kaminstube“ in Form eines guten Speiserestaurants weiterführte. Dann verkaufte sie die Gaststätte und so endete die Geschichte der Kennerknechts auf der Gaststätte in Eldern.


*Auf der Homepage des Schützenvereins heißt es: 1996/1997 - Es ist die letzte Schießsaison in der Elderner Kaminstube. Wegen Eigentümerwechsel werden die Planung und der Bau eines neuen Schützenheimes immer dringender.
1997 - Der Neubau einer eigenen Schießanlage war sicher die größte Herausforderung in unserer Vereinsgeschichte. In nur sieben Monaten wurde mit ca. 9.000 Stunden Eigenleistung ein Vereinsheim im Wert von etwa 1,1 Millionen gebaut. Die Schießsaison 1997/98 konnte schon im November begonnen werden.
1998 wurde die Schießanlage nach Fertigstellung der Außenanlagen am 14. Juni mit vielen kirchlichen, politischen und sportlichen Ehrengästen eingeweiht.