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23.03.2018 - Spatenstich zur Elektrifizierung Geltendorf - Memmingen - Lindau; Mobilität einst und jetzt


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„Zwei Stunden Wegs“ war man vor 200 Jahren unterwegs, wenn man von Ottobeuren nach Memmingen wollte. Noch früher – 1643 – liegt uns folgende Beschreibung der Abtei Ottobeuren vor: „EIN schön / unnd stattlich Benedictiner MönchsCloster / zwischen Mindelheim / unnd Memmingen / unnd zwar / von dieser letzten Statt / ein starcke Weil-Wegs / und an einem Wässerlein gelegen / so ein wenig underhalb in die Güntz fällt.“
Mobilität 2018: Der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer flog am 23. März 2018 – dem Tag des Spatenstichs zur Elektrifizierung der Bahnstrecke München – Memmingen – Lindau (bis Zürich) – von Berlin nach Memmingerberg und stand nach ca. einer Stunde und 20 Minuten am Rednerpult. Die IHK Schwaben meldete in einem Online-Artikel zur Ausgabe 04/2018 der Zeitschrift „Bayerisch-Schwäbische Wirtschaft“, es würden momentan doppelt so viele Flugzeuge von München nach Zürich fliegen wie Eurocity-Züge fahren.
Mobilität passt sich an die globalisierte Welt an: Am 26.03.2018 meldete die Memminger Zeitung auf Seite 7, es gebe seit dem Wochenende erstmals regelmäßige Nonstop-Linienflüge von Australien nach Großbritannien. Ein sogenannter „Dreamliner“ der australischen Fluggesellschaft Qantas sei nach 17 Stunden Flug am 25.3.2018 in London Heathrow gelandet. Passend dazu außerdem der Artikel vom 22.03.2018 („Allgäu-Wirtschaft“: „Dachser-Transporte per Bahn quer durch Asien“) mit einem Vergleich von Luft-, Seefracht und Bahnverkehr von China nach Europa:
Die Schiene lohne „sich immer dann, wenn Seefracht zu langsam und Luftfracht zu kostenintensiv ist“, so Thomas Krüger, Chef-Manager für Luft- und Seefracht. Die Bahn würde zwischen Asien und Europa auf der 11.000 Kilometer langen Verbindung nur zwischen 16 und 22 Tage benötigen. Per Seefracht sei die Sendung hingegen zwischen 28 und 36 Tage unterwegs. Auch bei der Treibhausgasbilanz punkte der Transport per Bahn mit bis zu 90 Prozent weniger CO2-Ausstoß gegenüber dem Flugzeug, teilt die Firma mit.
Am Rande erwähnt: Der letzte Güterzug hat Ottobeuren am 30.09.1996 mit Ziel Mulhouse-Nord in Frankreich verlassen.

Das offizielle Programm für den Spatenstich am 23. März 2018 sah neben Ronald Pofalla, Andreas Scheuer und Winfried Hermann auch Doris Leuthardt (Bundesrätin, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation der Schweiz ) und Helmut Schütz (Leiter der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr des Freistaates Bayern ) vor. Die beiden letztgenannten nahmen kurzfristig jedoch nicht Teil, dafür sprach der Ministerialdirigent Hans-Peter Böhner. Nach dem „symbolischen Spatenstich gab es einen Empfang mit kleinem Imbiss, gleichzeitig bestand die Möglichkeit zur Besichtigung des schweizer Hochgeschwindigkeitszuges ETR 610 .

Hier nun die Redebeiträge vom 23.03.2018:

Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn AG
(…) Gestartet sind wir in der Absprache mit dem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, zwischenzeitlich haben wir dann mit dem geschäftsführenden Bundesminister Christian Schmidt über diese Veranstaltung geredet und seit wenigen Tagen stehen wir mit dem neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Kontakt und deshalb kann ich jetzt schon gleich hier anfügen – und darüber bin ich sehr froh – dass er gleich zu uns kommen wird. Deshalb werden wir den Ablauf jetzt ein bisschen umbauen, weil der Bundesminister etwas später kommt, weil er heute Morgen noch die Regierungserklärung des neuen Innenministers Seehofer mitbekommen wollte.

In Vertretung der bayerischen Staatsregierung sind wir mit Joachim Herrmann als dem [bislang] zuständigen Verkehrsminister gestartet. Die neue Staatsministerin Ilse Aigner, die jetzt das Verkehrsressort bekommen hat, kann heute nun wirklich nicht dabei sein, weil in dieser Stunde, wo wir heute zusammen sitzen, das neue bayerische Kabinett zum ersten Mal zusammentritt. Sie lässt sich entschuldigen und grüßt Sie alle recht herzlich. In Vertretung wird Sie der Ministerialdirigent Hans-Peter Böhner begrüßen. Herzlich willkommen!

Ich freue mich sehr, den baden-württembergischen Verkehrsminister begrüßen zu dürfen, der auch deswegen heute hier ist, weil das Verhältnis zwischen Baden-Württemberg und Bayern an dieser Strecke sehr deutlich wird; Herr Winfried Hermann, herzlich willkommen. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Manfred Schilder, ebenfalls herzlich willkommen. Heute darf ich sagen, dass ich mich freue, dass Sie heute bei uns zu Gast sind.

Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten des Deutschen Bundestages – viele davon sind heute hier vertreten –, und auch die Vertreter des Bayerischen Landtags, kommunale Abgeordnete; ich will keinen besonders herausgreifen, weil es besteht die Gefahr, dass ich einen dabei vergesse, deshalb freue ich mich, dass heute so viele Bundestags-, Landtags- und kommunale Abgeordnete vertreten sind. Herzlich willkommen!
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Bahn. Heute ist ein Tag, ich würde sagen, ein Tag der Elektromobilität. Jetzt hier in Memmingen und heute Nachmittag in der Nachbarschaft, in Baden-Württemberg, starten wir an einem Tag gleich zwei große Projekte zum Ausbau des elektrifizierten Streckennetzes. Zwei Projekte für – wie ich finde – aktiven Klimaschutz. Mit dem Ausbau und der Elektrifizierung stärken wir die Schiene. Und eine Stärkung der Schiene zahlt positiv auf die Erreichung der Klimaziele ein.

Mit der Elektrifizierung kann nicht nur klima-neutraler Strom die Züge antreiben, wir schaffen auch die Grundlage für schnellere Fahrzeiten und dafür für attraktivere Angebote; auf der Strecke zwischen München und Zürich wird das sehr deutlich. Die Fahrzeit wird auf dreieinhalb Stunden schrumpfen und um es andersherum auszudrücken: Wir sparen eine Stunde Fahrzeit. Die schweizer Züge werden hier in Memmingen doppelt so oft halten, sechs Mal je Richtung. Nach Zürich geht es von hier eine dreiviertel Stunde schneller als bisher. Von Lindau nach München eine halbe Stunde schneller und auch im Nahverkehr werden sich die Fahrzeiten verkürzen und die Anschlüsse verbessern.
Beide Projekte, die wir heute starten, sind Teil einer umfassenden Investitionsoffensive, mit der die Schiene gestärkt wird. In diesem Jahr investieren wir in das Deutsche Bahnnetz die Rekordsumme von 9,3 Milliarden Euro – in die Erhaltung, Erneuerung sowie den Ausbau der Bahnstrecken und Bahnhöfe, rund 800 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Wir haben 42 große Projekte im Bau, starten neben den beiden Projekten, deren Beginn wir heute feiern, noch zehn weitere in diesem Jahr. 19 Bauprojekte gehen in 2018 in Betrieb, darunter die Neufahrner Kurve am Münchner Flughafen, mit der Regensburg und Landshut eine direkte Verbindung zum Münchner Flughafen bekommen. Über eine Milliarde Euro investieren wir in diesem Jahr in das Schienennetz und die Bahnhöfe in Bayern. Fast 300 km Gleise, 300 Weichen, 74 Brücken und 100 Bahnhöfe werden modernisiert. Ein Investitionsschwerpunkt ist das Allgäu. Und hier vor allem die Elektrifizierung der Strecke zwischen München und Lindau.

In den kommenden Jahren werden wir das Netz der elektrifizierten Strecken in Bayern deutlich erweitern. Unter anderem haben wir mit dem Planungen für 333 km Strecken in Nordostbayern für fünf Bahnlinien im Dreieck zwischen Nürnberg, Hof und Regensburg begonnen. Mit der Elektrifizierung zwischen München und Lindau wollen wir bereits in knapp drei Jahren fertig sein. Nach zehn Jahren Planung geht es nun ganz intensiv an das Bauen. Wir investieren dafür insgesamt 440 Millionen Euro. In diesem Jahr haben wir bereits Aufträge für 140 Millionen Euro vergeben, also ein Drittel der Gesamtinvestition. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf den östlichen Teil der Strecke, den Abschnitt zwischen Memmingen und München, im kommenden Jahr geht es dann auch im westlichen Abschnitt Richtung Bodensee los.
3500 Masten für die elektrische Oberleitung müssen gesetzt werden, 47 Straßenbrücken sind an die Oberleitung anzupassen, viele Bahnübergänge ebenfalls. Für die Oberleitungen brauchen wir mehr Platz nach oben, also müssen Gleise teilweise abgesenkt oder Brücken aufgeweitet werden. Zudem wird in 17 Stellwerken die Technik umzubauen sein und wir werden mehrere Kilometer Gleise erneuern. Also jede Menge Arbeit in kurzer Zeit.

Besonders hervorheben möchte ich, dass zum Streckenausbau natürlich die Stationen gehören. Den Bahnhof in Memmingen haben wir bereits vor einigen Jahren komplett neu gebaut. An anderer Stelle bauen wir jetzt um oder sogar auch neu. Sechs Bahnhöfe an der Strecke sind bereits barrierefrei, die Bahnhöfe in Türkheim und Kißlegg nehmen wir uns jetzt vor. Der Freistaat Bayern unterstützt uns im Rahmen der „Stationsoffensive Bayern“. Zeitnah nach der Elektrifizierung wollen wir sieben neue Haltepunkte entlang der Strecke bauen und fünf weitere Stationen modernisieren und barrierefrei ausbauen. Ein ganz neuer Bahnhof für den Fernverkehr wird zeitgleich mit der Elektrifizierung in Lindau auf dem Festland im Stadtteil Reutlin entstehen. Mehr als 100 Millionen Euro wenden wir für den großen Umbau in Lindau auf. Die Fernverkehrszüge können dann am neuen Bahnhof halten, was die Fahrzeit zwischen München und Zürich beschleunigt und Lindau in das Fernverkehrsnetz einbindet.

Wichtig ist mir das Thema Lärmschutz: Es wird leiser an der Strecke, nicht nur weil künftig elektrisch gefahren wird, sondern weil wir jeden fünften Euro, den wir im Projekt ausgeben, in den Lärmschutz investieren. Das ist mehr als ursprünglich vorgesehen war und ein wesentlicher Grund, weshalb wir die Planung mehrfach angepasst und auch eine längere Planungszeit in Kauf genommen haben. 25 km Lärmschutzwände und Schallschutzfenster für 2700 Gebäude sind das Ergebnis auch des Dialogs, der hier in der Region geführt worden ist. Von Beginn der Planung an haben wir das Gespräch in zahlreichen Veranstaltung gesucht, in Dialogforen haben Projektexperten und Bürger die Planungen unter die Lupe genommen, das hat sich gelohnt: In den Planfeststellungsverfahren gab es deutlich weniger Einwendungen als dort, wo wir diese Form der Bürgerbeteiligung nicht durchführen. So wünsche ich mir Infrastrukturplanung für die Zukunft im gesamten System! Allen, die daran mitgewirkt haben, einen herzlichen Dank.

Und wir machen so weiter. Kommunen und Anleger werden von uns über die einzelnen Bauphasen ausgiebig informiert. Auf unseren Websites und in persönlichen Gesprächen mit Projektmitarbeitern an der Strecke und in unserem Bürgerinfo-Büro in Lindau. Zu erklären haben wir jetzt allerdings einiges: Die Bauarbeiten werden nicht geräuschlos ablaufen, aber wir werden den Lärm so weit wie möglich in Grenzen halten. Verfahren und Baumaschinen werden nach dem aktuellen Stand der Technik eingesetzt. Laute Bauarbeiten für die Fundamente von Masten und und Lärmschutzwänden finden überwiegend tagsüber statt. Ein Immissionsschutzbeauftragter vor Ort wird sich um die Einhaltung der Vorgaben kümmern und Ansprechpartner der Anrainer sein.
Die vielen Bauarbeiten entlang der Strecke können am besten durchgeführt werden, wenn die eingleisige Strecke gesperrt ist. Mir ist bewusst, dass die Streckensperrungen in den kommenden Monaten und der Umstieg auf Ersatzbusse für Bahnkunden längere Reisezeiten und Unannehmlichkeiten bedeuten. Die Kollegen von DB-Regio haben aber ein umfangreiches Ersatzbuskonzept organisiert. Teilweise werden Schnellbusse unterwegs sein, so dass sich der Zeitverlust in Grenzen hält. Wir werden Sie auch in den kommenden Monaten nach unserer Überzeugung gut ans Ziel bringen. [Immerhin 3600 Fahrgäste müssen auf Busse umsteigen.] Aber ich werbe an dieser Stelle noch einmal für Verständnis. Denn nur mit diesen sehr konzentrierten Bauen werden wir unser Ziel schnell erreichen: einen klimafreundlichen, schnellen Zugverkehr auf der Verbindung Zürich – München. Und nun ein herzliches Willkommen dem neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer!

Lieber Andi, ich habe erklärt, wie heute deine Zeitplanungen sind und dass du heute morgen noch bei der Regierungserklärung des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer dabei sein wolltest. Ich halte es für ein außerordentlich gutes Zeichen, wenn der neue Bundesverkehrsminister heute –  wenn ich das so sagen darf – bei seiner ersten großen Veranstaltung an einem Spatenstich für ein Infrastrukturprojekt nicht nur hier in Bayern, das natürlich sowieso, sondern in einem Schienenprojekt, und nicht in einem Straßenprojekt, anwesend ist. Herzlich willkommen!

Dass wir heute hier den Bau starten können haben wir, neben den vielen in der Planung und Vorbereitung Beteiligten vor allem der Schweiz und dem Freistaat Bayern zu verdanken. Die Schweiz hat mit der Entscheidung, einen Teil der Finanzmittel für das Projekt vorzustrecken, dem Projekt sehr geholfen und hat damit die internationale Bedeutung der Verbindung zwischen Zürich und München auf eine besondere Art unterstrichen. Deshalb freut es mich, dass heute der schweizer Generalkonsul Markus Thür hier ist, den ich heute hier auch noch einmal besonders willkommen heißen möchte. Ebenfalls bedanken möchte ich mich beim Freistaat Bayern, werter Herr Ministerialdirigent Hans-Dieter Böhner, herzlichen Dank auch für die Baukostenzuschüsse des Freistaates Bayern!

Auf der Herfahrt habe ich noch einmal die Aufstellung der Summen über die Finanzierung gesehen, und habe für mich zur Kenntnis genommen, dass diese Finanzierung eine Finanzierung besonderer Art ist. Ohne die positive Kreativität aller Beteiligten wäre es am Ende nicht zu einer Realisierung des Projektes gekommen. Wenn wir in den üblichen Finanzierungssträngen verblieben wären, hätten wir eine Gesamtfinanzierung nicht sicherstellen können; dafür deshalb auch noch einmal herzlichen Dank an den Freistaat Bayern. Ein großer Dank gilt auch dem Eisenbahn-Bundesamt für die konstruktive Zusammenarbeit und die schnelle Bearbeitung der Planfeststellungsunterlagen. Und zuletzt möchte ich mich – und dafür bitte ich um Verständnis –  ganz herzlich bei unserem Bahn-Projektleiter, Herrn Matthias Neumaier, und seinen Mitarbeitern bedanken. Ohne Ihren tatkräftigen Einsatz könnten wir den heutigen Spatenstich nicht feiern und schon gar nicht zu diesem Zeitpunkt und deswegen Herr Neumaier, herzlichen Dank für Ihren Einsatz und weiterhin viel Glück!

Jetzt gilt es, die Arbeiten mit voller Kraft anzupacken, denn der Tag der Inbetriebnahme wird schon ungeduldig erwartet. Den Schnellzug unserer schweizer Kollegen haben Sie hinter dem Zelt ja bereits stehen sehen. Die Anbindung an die Schweiz ist eben der zentrale Punkt für das Projekt, dass wir heute Nachmittag eröffnen werden. Deswegen ein herzliches Willkommen auch den Kollegen der SBB, mit denen wir an vielen Stellen partnerschaftlich zusammenarbeiten. Ich darf nun das Wort an den neuen Bundesverkehrsminister übergeben.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer
(gegen 11.20 Uhr)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus der Schweiz, verehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Bayerischen Landtags, meine Damen und Herren, Herr Oberbürgermeister, liebe Vertreter der kommunalen Familie, liebe Bahnfreunde,

Ronald, du hast ja jetzt schon allen gedankt. Vielen Dank dafür! (Lacher) Also ich bin ein überpünktlicher Mensch und das wollte ich gleich einmal an die Organisatoren der DB-AG sagen, wenn wieder einmal so etwas stattfindet: Ich versuche pünktlich zu sein, du brauchst die Zeit nicht zu füllen, ich komme schon, so wie vereinbart. Aber der Hintergrund war in der Tat, dass die Regierungserklärung der Ressorts abgearbeitet werden und heute früh um 9 Uhr Horst Seehofer seine Erklärung gegeben hat und ich erst um 10 Uhr von Berlin losgeflogen bin. Und deswegen freut es mich, Herr Oberbürgermeister Schilder, dass Memmingen einen Flughafen hat. Ich muss Ihnen sagen, ich bin jetzt multimodal unterwegs, mit verschiedenen Verkehrsträgern und das ist auch – Winfried Hermann – der Ansatz, den wir über Parteigrenzen hinweg verfolgen und ich freue mich, dass du mit dabei bist. Ich denke, dass du das protokollarisch mit Baden-Württemberg und Bayern irgendwie geregelt hast, dass du einreisen darfst. (Schmunzeln)

Auf jeden Fall freut es mich, dass wir heute einen Freudentag begehen. Nämlich eine Mega-Investition. Und das ist zugleich der erste Tag, an dem ich zwei Spatenstiche machen darf. Ich bin jetzt ein paar Tage – seit vorletzten Mittwoch [13-03.2018] – im Amt, und wenn du an einem Tag Spatenstiche für 660 Millionen Euro abfeiern kannst, dann muss ich sagen, da ist gut gearbeitet worden. Da sage ich ein herzlichen Dank nicht nur der Bahn, sondern auch denen, die die Grundlagen geschaffen haben: dem Deutschen Bundestag und den Abgeordneten im Bundestag und Landtag, denn es ist ein Gemeinschaftsprojekt. Erst brauchst du Finanzmittel, damit du solche Megaprojekte aufs Gleis schieben kannst.
Und natürlich auch den Landtag in Baden-Württemberg, auch den Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz. Wir haben ein Gemeinschaftsprojekt, das, glaube ich schon, beispielhaft sein kann. Ja, wir haben sehr sehr lange diskutiert und ich sage Ihnen: Ich war ja schon mal vier Jahre Staatssekretär in diesem Ministerium und auch dieses Projekt hat mich da begleitet. Und ich sage: Der Täter kommt gewöhnlicherweise an den Tatort zurück. Und wenn es ein schöner Anlass ist, nämlich ein Spatenstich für 456 Millionen Euro – sage ich dennoch gleich dazu: Bitte im Kostenrahmen und im Zeitplan bleiben; das wäre sehr gut – weil ich drohe an, dass ich sonst jeden Tag bei dir, Ronald, anrufe, wenn es nicht läuft.

Die Strecke München – Geltendorf – Memmingen – Lindau machen wir fit für die wachsenden Personenverkehre und ich beglückwünsche auch die DB-AG. Wir haben ja gestern [auf der Pressekonferenz der Bahn] auch die Zahlen gehört, die Zuwachsraten bei den Fahrgästen; das ist ein erfreulicher Schritt, das wollen wir ausbauen. Die Attraktivität des Bahnverkehrs steigt mit höherer Geschwindigkeit, kürzeren Fahrzeiten, wovon alle Reisenden profitieren; ich glaube davon profitieren alle Reisenden, egal ob im Regional- und Fernverkehr. Deswegen sind die Schweizer Freunde dabei, auch mit Finanzmitteln. Mit dem Ausbau kommen wir dem Ziel näher, bis 2025 70% Schienennetzes in Deutschland elektrifiziert zu haben.

Bei meiner Regierungserklärung am Donnerstag habe ich gesagt: „Luftqualität ist auch Lebensqualität“ und die Bahn trägt mit dieser Elektrifizierung dazu bei. Die Eisenbahn soll moderner und sauberer werden und ich sage ganz bewusst: Wir haben einen verkehrsträger-übergreifenden Ansatz; und ich sage auch dazu, wenn du dich umhörst, über die Bahn und die Bahnen in Deutschland außerhalb Deutschlands, dann wird gewöhnlicherweise außerhalb Deutschlands oftmals mit Neid auf unseren Standort geschaut. Aber ich weiß auch, dass hier über die Bahn und die Bahnen in Deutschland sehr sehr gern diskutiert wird, vor allem wenn irgendwelche Unpünktlichkeit oder technischen Probleme sind. Ich sage, wir sollten auch mal darüber reden, wenn die Bahn pünktlich ist, wenn die Bahn einen guten Service und eine gute Qualität bietet und vor allem kräftig investiert! Und deswegen heute der offizielle Spatenstich, der Startschuss für ein grenzüberschreitendes Projekt und ein Spatenstich, wo wir über ein transeuropäisches Netz, ein Dreiländereck Deutschland – Österreich – Schweiz besser anbinden und Metropolen verbinden, nämlich Zürich und München. Und deswegen wird es auch dazu führen, dass wir noch mehr für die Strukturpolitik tun, für die Gleichheit der Lebensverhältnisse. Wohlstand entsteht nur da, wo Infrastruktur funktioniert. Und deswegen ist dieses Projekt auch so wichtig.

Meine Damen und Herren, eine 200 km lange Strecke zwischen München über Memmingen nach Lindau mit 439 Millionen Euro; wir investieren das Geld des Steuerzahlers wieder zurück in die Region. Und deswegen bedanke ich mich auch, dass so viele Medienvertreter da sind, schreiben Sie gut darüber, dass die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler diese Investition in die Infrastruktur der Region besser greifen können. Wir bauen die Strecke Geltendorf – Memmingen – Lindau für den – Achtung: – Bogen-schnellen Betrieb, für die Neigetechnik und wir werden eine Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 160 km pro Stunde haben, deswegen wird die Fahrzeit auf 3 Stunden 30 verkürzt werden und wir bauen und modernisieren auch den Knoten Lindau.
 
Wir bauen Bahnsteigunterführungen und den Mittelbahnsteig in Türkheim und in Kißlegg und erhöhen damit die Sicherheit an unseren Schienenwegen. Und die Akzeptanz vor Ort, meine Damen und Herren, ist uns auch wichtig. Wir haben breite Dialoge in den Planungen und ja, manche können sagen, wir brauchen zu lange, um solche Projekte umzusetzen, aber trotzdem ist uns der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sehr wichtig und ich sage von dem gut investierten Geld haben wir 80 Millionen in den Lärmschutz gesteckt. Das ist eine gute Botschaft, wir gehen damit einen Schritt auf die Bürgerinnen und Bürger zu. Ja, wenn Infrastruktur da ist, dann macht das auch Lärm. Aber wir haben gute Schutzmaßnahmen.
(zählt die Vertreter der Bürger aus der Politik auf:)
Ich sehe Frau Brugger, Martin Gerster, Stephan Stracke, Josef Rief und viele mehr; Herr Müller, Herr Brunner, die geballte Kraft aus dem Deutschen Bundestag ist parteiübergreifend da, um sich über das Projekt zu freuen. Auch Klaus Holetschek und die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bayerischen Landtag sind auch wichtige Ansprechpartner, weil auch Bayern bei der Finanzierung mit dabei ist.

Dieses Projekt ist ein maßgebliches Projekt für diesen Raum. Wir gehen aktiv mit 25 km Schallschutzwänden an den Start. Und wir statten 2800 Häuser von Anwohnern mit individuellem Lärmschutz aus. Auf 14 km werden wir besonders überwachte Gleise installieren und achten dort ganz penibel darauf, dass die zulässige Höchstwerte nicht überschritten werden.

Dieses Projekt ist nicht nur von den Kosten ambitioniert, sondern auch vom Zeitplan her. Deswegen stehen wir unter der Dringlichkeit, bis Dezember 2020 fertig zu werden. Ich möchte ja wieder hierher kommen. Und vor allem nicht geschimpft werden, sondern dass wir im Kostenrahmen und Zeitplan bleiben. Auf dem 100 km langen Abschnitt zwischen Geltendorf, über Buchloe, Memmingen, bis nach Leutkirch, liegt durchgehend Baurecht vor. Die Hauptbaumaßnahme beginnt in Kürze. Der Streckenausbau zwischen Leutkirch und Lindau erfolgt dann 2019 und 2020 und ich sage Ihnen zu, dass wir vor allem auch die grenzüberschreitenden Verkehre mit im Blick haben. Das ist uns besonders wichtig. Deswegen nochmals die Grußadresse an die Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz. Ich habe diese Woche mit Doris Leuthard [Bundesrätin Doris Leuthard vom Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation] telefoniert. Wir haben uns noch mal ausgetauscht auch über andere Themen; wir vertrauen auf die Zusammenarbeit mit der Schweiz. Die Schweiz ist bekannt für Präzision und ich möchte, dass dieses Projekt auch so präzise ist, wie ein schweizer Uhrwerk und wir mit dem Zeitplan durchkommen. Ich bedanke mich bei allen, bei den Abgeordneten, bei den Planern, den ausführenden Firmen, denen, die Verantwortung bei den Bahnen tragen und vor allem bei denen, die es jetzt umsetzen müssen, bei den Bauarbeitern – auch wenn ich sonst alles politisch korrekt „durch-gendere“ sage ich bewusst Bauarbeiter – und wünsche einen unfallfreien Verlauf, dass das Projekt zu einem Beispielprojekt des grenzüberschreitenden Verkehrs wird. Meine Damen und Herren, es ist Ihr Projekt, es ist unser Projekt, machen Sie etwas daraus. Unfallfreien Verlauf und alles Gute!

Ministerialdirigent Hans-Peter Böhner (Oberste Baubehörde bzw. Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr) als Vertreter der Bayer. Staatsregierung

Sehr geehrter Herr Bundesminister Scheuer, Herr Pofalla, Herr Jodl, Herr Minister [Winfried] Hermann, sehr geehrter Herr Generalkonsul Thür der schweizerischen Eidgenossenschaft, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten aus dem Bundestag und dem Landtag, sehr geehrte Landräte und Bürgermeister, meine sehr verehrten Damen und Herren,

ein herzliches Grüß Gott und gleich am Anfang die besten Grüße unserer neuen bayerischen Verkehrs- und Bauministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner. Es hätte eigentlich keinen besseren Termin für einen Einstand für sie geben können, als diesen Spatenstich, aber – Herr Pofalla hat's erwähnt – Ministerpräsident Stoiber (Lacher) – äh Dr. Söder – hat heute erstmals sein neues Kabinett einberufen, sodass sie mich gebeten hat, sie hier zu vertreten. Ich kann Ihnen versichern, dass sie sich den Dezember 2020 in ihrem Terminkalender rot angestrichen hat,  wenn der Abfahrauftrag für den ersten elektrischen Zug auf der ABS 48 erteilt wird.

Nach der zweiten Stammstrecke in München im letzten Jahr geben wir heute den Startschuss für das nächste Mega-Bahnprojekt im Freistaat. Es beschert uns zunächst einmal Bayerns längste Baustelle und im Anschluss daran hoffentlich auch attraktive und umweltschonende Bahnverkehre. Ganz bewusst stehen wir heute auch hier in Memmingen ziemlich genau in der Mitte der Strecke, ganz nah an der Länder Grenze zu Baden-Württemberg, denn die ABS 48 gehört zwar zum europäischen Verkehrsnetz und hat eine tri-nationale Funktion, aber vor allem ist sie ein länderübergreifendes Eisenbahninfrastrukturprojekt, das zu zwei Drittel in Bayern und zu einem Drittel in Baden-Württemberg durchgeführt wird.

Wir haben es hier mit einer ganz besonderen Ausbaustrecke zu tun: Es ist das erste Großprojekt in Bayern, bei dem erfolgreich ein Projektbeirat eingesetzt wurde und die DB eine neue Form der Bürgerbeteiligung umgesetzt hat. In diesem Projektbeirat waren natürlich Vertreter der DB selbst, des Bundes, mit den Kollegen aus dem bmvi, des Freistaates Bayern, also dem bayerischen Verkehrsministerium, aber auch Herr Menzi aus der Schweiz war mit im Projektbeirat (und ist es weiterhin) und genauso regionale Abgeordnete und Kommunalpolitiker. Es ist zum anderen die einzige Bedarfsplanstrecke, an der sich der Freistaat auch mit Landesmitteln beteiligt hat – derzeit etwa 25 Millionen Euro; da muss man aber noch ein „x“ dahinter setzen. Und für die Kundigen unter Ihnen: Es gibt dann auch noch diverse Entscheidungen im Bereich der uf-Anlage 87 [?] - die auch zugunsten dieses Projektes hier fließen. Auch das ein Beitrag, der nicht gering zu schätzen ist.
Es ist zum anderen die einzige Bahnstrecke, bei der wir vom Freistaat verantworteten Finanzmitteln, Herr Minister Hermann, auch aktive Nachbarschaftshilfe betreiben, damit auch das Strecken-Drittel in Baden-Württemberg ausgebaut werden kann. Und nicht zuletzt kommt natürlich auch dankenswerterweise ein Teil der Finanzierung von unseren schweizer Freunden und Nachbarn. Es war, meine Damen und Herren, gerade dieses Entgegenkommen der schweizerischen Eidgenossenschaft, das in Kombination mit der bayerischen Ko-Finanzierungszusage vor mehr als zehn Jahren die Weichen dafür gestellt hat, dass der Ausbau zwischen München und Zürich auf deutscher Seite sozusagen vom Abstellgleis aufs Überholgleis kam.

Bayern, der Großraum München und das Allgäu freuen sich schon heute auf das, was in Zukunft möglich sein wird. Zum einen deutlich attraktivere Reisezeiten im Fernverkehr – und ich bin zuversichtlich, dass wir damit auch Verkehre von der Straße auf die Schiene bringen können und dass die Bahn auch im Wettbewerb mit dem Fernbus gute Argumente haben wird, Kunden zurück zur Bahn zu gewinnen.
Zum anderen wird der Freistaat die modernisierte Infrastruktur zum Anlass nehmen, auch im Schienenpersonennahverkehr im Allgäu ein neues Zeitalter einzuläuten, mit schnellen Expressverbindungen Richtung Landeshauptstadt. Wir nehmen hier viel Geld in die Hand, um das Zugangebot um rund 300.000 km pro Jahr - etwa 15% - auszuweiten.

Mit den heutigen einzelnen Bau beginnen das ABS 48 und dem Zwillingsprojekt Südbahn wird der Abschied von Deutschlands größte Diesel-Insel im Bahnnetz eingeläutet. Dabei ist uns allen klar: Bis hin zu einer kompletten Elektrifizierung dieser Diesel-Insel wird es kein Sprint, aber, sehr geehrter Herr Bundesminister, es darf bitte auch keinen Marathon werden! Da setzt jetzt nicht nur das Allgäu auf Sie persönlich, sondern auch die Bayerische Staatsregierung. Sie alle wissen, dass der Umstieg von Diesel auf Elektroverkehre im Bahnbetrieb eines der Kernanliegen der Bayerischen Staatsregierung ist. Die Staatsregierung hat erst vor zwei Monaten eine eigene „Elektromobilitätsstrategie Schiene“ beschlossen, die im Übrigen mit der Illertalbahn eine weitere, durch Memmingen laufende Trasse als ganz prioritär einstuft. (Verweis auf den Koalitionsvertrag)

Abschließend ist es mir noch ein ganz wichtiges Anliegen, im Namen des bisherigen Verkehrsministers und der neuen Verkehrsministerin allen „Müttern und Vätern“ dieses Streckenausbaus zu danken – stellvertretend möchte ich den ehemaligen bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller nennen, der heute unter den Ehrengästen weilt; danke, Herr Bundesverkehrsminister, auch Ihrem Haus, es hat dieser Strecke immer die Stange gehalten und das Projekt mit hoher Priorität behandelt und ich weiß, es hat auch dem Bundesfinanzministerium gegenüber große ausdauernde Hartnäckigkeit bewiesen, um die Finanzierungsfragen, die wahrlich keine kleinen waren, zu stemmen. Danke auch Ihnen, Herr Minister Hermann, dass Sie den Weg geebnet haben, für die Unterstützung bei den Anrainer-Kommunen in Ihrem Land bei den Bahnübergangsinvestitionen. Ein Dankeschön richte ich auch an die ehemaligen und aktuellen Mitglieder des Projektbeirates des ABS 48, unter der Leitung des Konzernbevollmächtigten Klaus-Dieter Josel und ich greife jetzt pars pro toto nur einen raus: den früheren Memminger Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, der diesem Plenum auch lange Jahre angehört hat. Auch er hat ein großes Maß an Mitverantwortung für den heutigen Erfolg.

Ein großer Dank gilt abschließend auch dem verantwortlichen Team für die ABS 48 unter dem Gesamtprojektleiter Matthias Neumaier sowie dem Eisenbahn-Bundesamt. Es gab einige Telefonate – auch von mir persönlich – mit Herrn Dr. Wagmann, dem Verantwortlichen hier in Bayern. Ich weiß, dass er dieses Projekt aufgrund der Zeitnot vorgezogen hat, wohl wissend, dass er damit andere Projekte, die uns auch am Herzen liegen und die auch unter Zeitnot stehen, zurückstellen musste. Ein ganz herzlicher Dank an die Kollegen im Eisenbahn-Bundesamt; ohne sie wäre der Termin heute nicht zustande gekommen!

Zum Schluss wünsche ich, dass der Bau pünktlich und unfallfrei über die Bühne geht. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass alle Beteiligten die nächsten zwei-dreiviertel Jahre so unter Strom stehen werden, dass wir ab Dezember 2020 endlich alle mit Strom Bahnfahren können. Herzlichen Dank!

Winfried Hermann, Verkehrsminister Baden-Württemberg

Einen wunderschönen guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich grüße sehr herzlich den neuen Bundesminister Andi Scheuer und freue mich, dass wir heute mal wieder einen gemeinsamen Spatenstich machen und ich will gleich sagen: Wenn es dir gelingt, so wie in den ersten 10 Tagen bei Schienen-Großprojekten gleich zwei Spatenstiche zu machen, wenn du so weiter machst, dann wirst du in die Geschichte des deutschen Eisenbahnwesens eingehen! Sehr geehrter Herr Pofalla, Sie haben es schon gesagt, es war ein großer Wechsel, wer heute spricht und wer da ist. Sie waren die Konstanz in dieser Nummer, aber die noch größere Konstanz war ich bzw. Baden-Württemberg, denn wir sind schon ganz lange dabei, jetzt bei diesem Projekt wie auch bei dem anderen.

Ich freue mich, dass viele Bundestags- und Landtagsabgeordnete hier sind, sowohl aus Bayern als auch aus Baden-Württemberg; aus beiden Ländern sind Mitarbeiter der Behörden da, gleichzeitig viele Bürgermeister. Herr Oberbürgermeister Schilder, vielen Dank dass Sie heute Gastgeber sind. Es ist ein Zeichen dafür, dass dieses Projekt von vielen seit Jahren parteiübergreifend sehr wichtig genommen wird, dass es eine gemeinsame Freude gibt, dass wir heute dieses Zwillings-Projekt zusammen machen können. Herr Böhner, ich freue mich auch darüber, dass Sie die gute Zusammenarbeit deutlich herausgestellt haben. Sie haben für uns den baden-württembergischen Teil übernommen, beim anderen Projekt übernehmen wir dann den bayerischen Teil. Man sagt ja in der Politik bisweilen: „Wenn es schwierig wird, bemüht mal die Südschiene.“ Das heißt, es muss dann der Ministerpräsident aus Bayern mit dem aus Baden-Württemberg sprechen – oder die Minister – und in der Regel kriegen wir etwas voran. Heute kann man sagen, dass die Südschiene im doppelten Sinne funktioniert hat. Und jetzt wird sie sogar elektrifiziert.

Ich freue mich auch, dass aus der bayerischen Landesregierung und von Bundesministern heute das Ende des Diesels eingeleitet wird (Lacher) - es ist vielleicht nicht so klar geworden, aber in drei, vier Jahren gibt es keinen Diesel mehr auf den Strecken. Wir wollen, dass auch die Schiene umweltfreundlicher, klimafreundlicher wird, das finde ich sehr schön. Ich bin mit beiden Projekten übrigens schon seit 20 Jahren befasst, ich bin 1998 zum ersten Mal in den Bundestag gekommen, 2002 haben Andi Scheuer und ich uns im Verkehrsausschuss kennengelernt. Und da waren diese Projekte bereits im Netz, im Bundesverkehrswegeplan enthalten, als internationale Projekte in Verbindung mit Österreich und der Schweiz. Und natürlich war es uns damals schon ein Anliegen zu sagen, es wird allerhöchste Zeit, dass wir nicht im Süden Deutschlands, in Bayern und in Baden-Württemberg noch „herumdieseln“, während die Schweiz und Österreich praktisch komplett elektrifiziert sind; da rüsten wir dringend nach. Und deswegen war es mir immer ein großes Anliegen, diese internationalen Projekte voranzutreiben und bin froh, dass wir heute tatsächlich den Baubeginn feiern können. Es geht also voran.
Und vielleicht noch eine Besonderheit: Auch die Neigetechnik spielt beim Ausbau beider Projekte eine Rolle. Herr Pofalla, Sie wissen ja, dass die Bahn einige Probleme mit der Neigetechnik hat. Jetzt haben wir da draußen einen schönen Neigetechnik-Zug und freuen uns richtig, dass hier in Bayern und auf der Allgäu-Bahn dieser schweizer Neigetechnik-Zug eingesetzt werden soll. Das ist der Beweis dafür, dass es auch bei uns auf der Gäu-Bahn geht. Da gab es technische Bedenken und es sei auch zu teuer, aber nein, es ist ein Zeichen dafür, dass es funktioniert. Wir würden da gerne anknüpfen.

Sie merken schon: Es gibt eine Reihe von Verbindungen zwischen uns, auch bei den Bahn-Projekten. Es ist nicht so, dass es hier landesspezifische Mittel gibt. Ich habe gerade nachgerechnet: Die Allgäu-Bahn und die Südbahn sind von der Streckenlänge hier ungefähr gleich lang, aber wir in Baden-Württemberg machen das fast zum halben Preis. (Lacher). Wir sind immer sparsamer, könnte man sagen. Aber so einfach ist es nicht: Durchs Allgäu zu fahren, durchs Gäu zu fahren, wird den Aufwand erhöhen. Beim baden-württembergischen Projekt der Südbahn sind es 215 Millionen, hier über 450 Millionen Euro; wir hoffen, dass wir in beiden Projekten einigermaßen im Rahmen bleiben.
Hier sind es rund 157 km, 50 km in Baden-Württemberg. Beim anderen Projekt ist es nicht ganz so, da sind es nur wenige Kilometer in Bayern, aber es ist wichtig, dass die Zusammenarbeit funktioniert, sei es bei den Bestellungen im Nahverkehr, beim grenzüberschreitenden Verkehr oder bei solchen Projekten. Wir arbeiten gut und gerne zusammen. Ich will mich auch gerne beim Generalkonsul bedanken, denn eins muss man auch sagen: Ohne den Druck aus der Schweiz, wo es immer hieß, „man müsse es endlich machen, man wolle auf modernem Wege elektrisch von Zürich nach München oder nach Stuttgart fahren“, [hätte es nicht funktioniert]. Da waren die Schweizer immer treibende Kraft. Und sie haben uns finanziell unter die Arme gegriffen, was keine Selbstverständlichkeit ist; uns, die wir ja nicht gerade die Ärmsten sind. Also, herzlichen Dank an die Schweiz!

Im Ländle hatten wir tatsächlich auch Probleme, denn die Strecke führt durch eine Reihe von kleineren und größeren Gemeinden, die das Problem hatten, die Eisenbahnkreuzungen mit ihrem Anteil zu finanzieren, ohne etwas von der Bahn zu haben, denn die fährt ja nur durch. Insofern war es wichtig, dass wir als Landesregierung eine Ausnahme gemacht haben und mit 75% in die Förderung reingegangen sind. Das hat den Widerstand letztlich gebrochen und die Freundschaft mit dem Projekt in Baden-Württemberg eröffnet. Alle sind jetzt froh, dass es da durch geht, denn auch wenn die schnellen Züge von München nach Zürich und umgekehrt nicht halten, so werden zukünftig unsere schnellen Nahverkehrszüge, die elektrisch fahren, natürlich halten. Insofern profitieren auch wir von diesem Neubau und von dieser Elektrifizierung.

Meine Damen und Herren, sie sehen, wir sind wirklich sehr froh, wir sind glücklich und zufrieden, wir danken der Deutschen Bahn für die Projekt-Vorbereitung und wünschen, dass alles gut klappt; selbstverständlich dem Bund, der die finanziellen Mittel stellt, den Mitarbeitern bei den Behörden und auch den Abgeordneten, dass sie diese Projekte unterstützen. Ich wünsche mir, dass wir bei der Elektrifizierung der Schiene in Deutschland tatsächlich gut vorankommen. Wir in Baden-Württemberg sind gerade dabei, die Elektrifizierung vorzubereiten, wir haben im Moment noch rund 30 bis 35% der Strecke nicht elektrifiziert. Wir haben einen Plan, wie wir auf fast 100% kommen, wobei wir nicht alles mit der Oberleitung elektrifizieren werden, sondern wir werden auch mit batterie-elektrischen- oder Hybridfahrzeugen oder Brennstoffzellenfahrzeugen arbeiten, aber unser Ziel ist, die Bahn noch umweltfreundlicher noch klimafreundlicher zu machen und ich glaube, es ist ein guter Beitrag für neue nachhaltige Mobilität. Ich danke Ihnen.
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Ein Spatenstich ist nicht der geeignete Moment, um das Thema Elektrifizierung oder die Verkehrsproblematik insgesamt kritisch zu hinterfragen. Zwischen den Zeilen konnte man selbst bei Bundesverkehrsminister Scheuer herauslesen, dass die Vorgeschichte des Projektes lang gewesen sein musste („Ja, wir haben sehr sehr lange diskutiert ...“). Letztlich war die Idee der Elektrifizierung schon Ende der 1960er aufgekommen. Doris Bimmer schrieb am 23.03.2018 für den Bayerischen Rundfunk zum Thema Spatenstich: „Dass es soweit kommt, damit haben manche im Allgäu schon nicht mehr gerechnet. Das Projekt hat sich extrem lange hingezogen.“ Und rollt die Chronologie bis ins Jahr 1975 zurückgehend auf.

Der schweizer „Tagesspiegel“ schrieb am 06.06.2015:
„Eine Zugreise von Zürich nach München ist zugleich eine Reise in die Vergangenheit der Bahntechnik: Rollmaterial aus Grossmutters Tagen, Fortkommen im Schneckentempo – und vor allem 155 Kilometer nicht elektrifizierte Strecke zwischen Lindau am Bodensee und Geltendorf nahe München. Die Dieselloks bewältigen die Fahrt durch das Allgäu derart schleppend, dass Schweizer auf der Schiene bis nach München weit über vier Stunden brauchen – obschon die bayrische Metropole von Zürich in Luftlinie nur etwa 250 Kilometer entfernt ist.“
Tim Guldimann, damals noch Schweizer Botschafter in Berlin, sprach sogar von einer „elenden Schlamperei“.

Auch der Deutschlandfunk beschäftigte sich mit dem Thema (am 11.12.2017: „Fehlende Elektrifizierung. Warum die Schweiz Bayern beim Bahnausbau helfen muss.“); Michael Watzke schrieb: „Im High-Tech-Land [Deutschland] sind wichtige Strecken nicht elektrifiziert - ökonomisch wie ökologisch ein Armutszeugnis.“ Und zitiert die „Passagierin Gisela Niggli aus der Schweiz“, die den Eurocity 194 (München – Zürich) als „rückständig“ bezeichnet. Watzke folgert: „Rückständig, weil der Zug zwischen den Metropolen München und Zürich röhrt und stinkt wie ein russischer Kohletransporter. Es ist ein Diesel.“ Weil die Kraft der 50 Jahre alten Diesellok der Baureihe 218 50 Jahre alt ist, braucht es zwei davon, um die Strecke durchs Allgäu zu bewältigen.
Wie schon im Redebeitrag des grünen Umweltministers Winfried Hermann deutlich wurde, ist das Ende des Diesels ein zentrales Thema. Und Ministerialdirigent Hans-Peter Böhner, der die Bayerische Staatsregierung am 23.3.2018 vertrat, sprach von einem „Tag der Elektromobilität, von „aktivem Klimaschutz“ und von der „Erreichung der Klimaziele“.
Die Bahn hat wegen der langen Fahrzeiten ein erhebliches Problem mit der Konkurrenz der Fernbusse. Böhner sprach das Problem offen an und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass „die Bahn auch im Wettbewerb mit dem Fernbus gute Argumente haben wird, Kunden zurück zur Bahn zu gewinnen.
Nochmals Michael Watzke in seinem Radio-Beitrag: „500 Meter vom Hauptbahnhof München entfernt, am Zentralen Omnibus-Bahnhof, fährt regelmäßig ein Bus nach Zürich. Er ist eine Stunde schneller, kostet die Hälfte – und fährt genauso klimaschädlich mit Diesel wie die Deutsche Bahn.“

Das Presseecho zum Spatenstich war eher verhalten. Die Abendschau im bayerischen Fernsehen sendete einen 90-Sekunden-Beitrag. In der Memminger Zeitung wurde zwar recht ausführlich berichtet – schließlich fand die Veranstaltung in Memmingen statt –, wichtige Hintergrundinformationen waren aber schon viele in früheren Artikel präsentiert worden. So z.B., dass Deutschland gerade einmal 49 Euro pro Bürger und Jahr in den Bahnverkehr investiert, Österreich 210 (Platz 2), während der Europasieger Schweiz bei 351 Euro liegt.

Umgekehrt sieht es beim Umsetzungsgrad der Elektrifizierung aus. Hans-Peter Böhner sprach denn auch vom „Abschied von Deutschlands größter Diesel-Insel im deutschen Bahnnetz“. Der Umsetzungsgrad beträgt im Allgäu tatsächlich 0%, in Bayern 49%, in Deutschland 60%, in Österreich 70%, in der Schweiz aber – wen wundert es – 100%. Der Bundesverkehrsminister gab in Memmingen das Ziel aus, „bis 2025 70% Schienennetzes in Deutschland elektrifiziert zu haben“. Und ergänzte, dass „gewöhnlicherweise außerhalb Deutschlands oftmals mit Neid auf unseren Standort geschaut“ werde. Die Zahlen und die vielen Pressemeldungen der Vergangenheit sprechen allerdings eine andere Sprache. Bei einer Pressefahrt auf der Oberpfalzbahn mit dem bisher für Verkehr zuständigen bayerischen Innenminister Joachim Herrmann erklärte dieser, „dass die Tschechen mit der Elektrifizierung schon viel weiter seien als die Bayern“. Obwohl Deutschland in einem Staatsvertrag in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts zugesichert hatte, die Strecke München-Prag auf bayerischer Seite auszubauen. Herrmann wird zitiert: „Und der tschechische Verkehrsminister wird nicht müde, das auch jedes Mal wieder zu fordern. Die Tschechen haben das, was im Staatsvertrag steht, im Prinzip voll eingehalten. Auf deren Seite ist die Elektrifizierung bis Cheb, also Eger, abgeschlossen. Das läuft perfekt. Bloß auf der deutschen Seite ist so gut wie nichts passiert.
Der Neid hält sich so gesehen vermutlich in Grenzen.

Vielleicht ist das Schnellbahnnetz gemeint, wo auf der neuen Sprinter-Strecke München – Berlin in den ersten 100 Tagen nach Eröffnung im Dezember 2017 schon 1,2 Millionen Passagiere befördert wurden (MMZ am 28.03.2018: „In 100 Tagen vom Pannenchaos zum Pünktlichkeitsrekord“). Die Bahn musste 2017 gleichwohl 35 Millionen an Entschädigungen für Verspätungen zahlen. In der von Minister Scheuer erwähnten Bilanzpressekonferenz der DB AG vom 22.03.2018 wurden zwar von 2,08 Milliarden Bahnkunden in 2017 berichtet und von einem „Gewinn von 765 Millionen Euro“, gleichzeitig sank die Verkehrsleistung der DB Cargo um 2,3 Prozent – obwohl überall mehr Güter transportiert werden; halt leider auf der Straße. Trotz des „Gewinns“ häufte der Konzern laut Artikel im Wirtschaftsteil der MMZ vom 23.03.2018 („Die Bahn will pünktlicher werden“) zusätzliche Schulden an. Die Nettoschulden stiegen um eine Milliarde auf 18,6 Milliarden Euro. „In diesem Jahr wachsen wir auf 20 Milliarden zu“ – wird Bahnvorstandschef Richard Lutz zitiert. Das Positive daran: Die Schulden wachsen wegen der Investitionen in Fahrzeuge und Schienennetz – und der „ABS 48“ (Ausbauabschnitt 48) der Allgäu-Bahn ist dafür der gute Anlass.
Beispielhaft ist auch die erfolgreiche Bürgerbeteiligung durch das Dialogverfahren und besonders positiv wurden von allen Rednern auch die hohen Investitionen in den Lärmschutz hervorgehoben.

Zu den über zwei Milliarden Bahnkunden in 2017 sollte man noch wissen, dass im selben Jahr ein weiterer deutscher Rekord aufgestellt wurde: Die Zahl der Berufspendler hat sich auf 60% erhöht. 18,4 Millionen Menschen arbeiten in einer anderen Gemeinde als der, in der sie wohnen.

Es liegt noch ein weiter Weg vor uns: 1973 gab es mehr Schnellzüge von München nach Zürich als heute und schon in den 1930er Jahren gab es schnelle Dieselloks, die die Strecke mit Tempo 120 befuhren.
Wir sind im Autoland Deutschland – aber auch in der „Staurepublik Deutschland“. Stärker als anderswo ist Mobilität auf Auto und Flugzeug ausgerichtet. Passend dazu eine Meldung vom 21.3.2018, die durch viele Medien ging: Susanne Klatten und Stefan Quandt bekommen für 2017 von BMW 1,1 Milliarden Gewinn ausgeschüttet. Verdient wird am Individualverkehr und am Verbrennungsmotor. Im Vergleich zu Norwegen oder China führt Elektromobilität in Deutschland gleichzeitig ein Nischendasein.
Auch nach Abschluss der Bauarbeiten im Dezember 2020 bleiben ungelöste Probleme: Fahrgäste müssen auf der Strecke von Kempten über Kaufbeuren nach Buchloe zukünftig immer umsteigen, wenn sie nach München weiterfahren wollen. Und die Verdoppelung der Zugpaare in Memmingen bedeutet voraussichtlich für „unsere schnellen Nahverkehrszüge“, dass diese ausgebremst werden, weil sie – wie gegenwärtig – die Fernverkehrszüge passieren lassen müssen: Die Strecke Buchloe - Memmingen bleibt weiterhin nur eingleisig.

Weiterführende Links:
Bahnseite zum ABS 48

ProBahn-Blog
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Transkription der Redebeiträge, Zusammenstellung sowie Fotos:
Helmut Scharpf, 03/2018 fürs virtuelle Museum Ottobeuren