Marktgemeinde Ottobeuren
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12.03.1871 - Ottobeurer Friedensfeier zum Ende des Krieges gegen Frankreich 1870/71.


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Bürgermeister Mahler veröffentlichte im Ottobeurer Wochenblatt vom 09.03.1871 folgende Einladung:
„Se. Majestät, unser allergnädigster König, hat auf Sonntag den 12. ds. Mts. aus Anlaß des nunmehr erfolgten Friedensschlußes eine kirchliche Festfeier angeordnet. Zu diesem Behufe sah man sich auch veranlasst, eine weltliche Friedensfeier im Markte Ottobeuren zu veranstalten. Daher werden die Einwohner Ottobeurens eingeladen, nach ihren Kräften ihre Häuser zu schmücken, zu bekränzen und dieselben Abends 7 Uhr zu beleuchten.
Ottobeuren am 8. März 1871.“

Auch sieben Ottobeurer und vier Ollarzrieder waren im Krieg gefallen (siehe Gedächtnis-Tafeln in der Sebastianskapelle und in St. Ulrich in Ollarzried). Am unmittelbarsten wirkten sich die Ereignisse in Ottobeuren daneben wegen der internierten Kriegsgefangenen aus: Am Abend des 02.02.1871 kamen von Ulm über Memmingen 160 Mann Infanterie in Ottobeuren an, welche zur Bewachung der demnächst hier ankommenden französischen Gefangenen bestimmt waren. Am 09.02.1871 kamen 600 französische Gefangene in die Kaserne.

Das Ottobeurer Wochenblatt meldete am 16.02.1871, S. 3 (bzw. 27):
Vermischtes. Ottobeuren 15. Februar. Am Sonntag Abend sind abermals 750 franz. Kriegsgefangene unter bayer. Eskorte hier eingetroffen; 1350 Mann sind jetzt in hiesiger Kaserne untergebracht.

Das waren in etwas so viele Gefangene wie es in Ottobeuren Einwohner gab. Wie lange die Franzosen hier interniert waren, ist noch nicht recherchiert. Die Feierlichkeiten ließ man sich jedenfalls nicht nehmen.

Das Programm der Friedensfeier sah wie folgt aus:
I.
Früh 5 Uhr wird der Anbruch des Festtages mit Böllerschüssen verkündet werden.
II.
Morgens 8½ Uhr der Festgottesdienst mit Te Deum, Glockengeläute und Böllerschüssen.
III.
Abends 7 Uhr Aufstellung des Festzuges auf dem Marktplatze und zwar in der Weise: 50 Fackelträger, Musik, Sängerchor, deutsche Fahnen, die dahier sich befindlichen Verwundeten und Beurlaubten des Heeres, die Veteranen und Kampfgenossen, die Mitglieder der hiesigen Behörden und das Gemeinde-Collegium, dann die Bürger und übrigen Theilnehmer.
IV.
Der Festzug bewegt sich von da durch verschiedene Straßen wieder auf den Marktplatz. Daselbst angekommen Absingen patriotischer Lieder, Musik, Feuerwerk etc.
V.
Hieraus begibt man sich zur geselligen Unterhaltung mit Musik und Gesang in das Gasthaus zur Post.

Kaum angekündigt, schon witterte jemand das große Geschäft: In derselben Ausgabe war auf S. 2 folgende Annonce abgedruckt:
Bundesfahnen dreifarbig nach neuester Verfügung mit oder ohne Germania waschächt. Auch Transparente und Illuminations-Sachen, Gefüllte Illumination-Töpfchen, Paraphin-Lichter mit Leuchter 1 Sgr. drei Stunden brennend.
Bonner Fahnenfabrik Bonn a/Rh.

Der Ottobeurer Lehrer Willibald Eberle dichtete Zum Frieden 1871:
Ein Heer, das Satan sonst geschaffen,
Zog rasch an Deutschlands Gränze hin,
Ein Heer halb Tiger und halb Affen
Schrie toll und wüthend: „Nach Berlin!“ (usw.)

Eberle beschrieb in Nachgang (im Ottobeurer Wochenblatt Nr. 11 vom 16.03.1871, S. 2 bzw. 42) die Feierlichkeiten:
Das Friedensfest in Ottobeuren.
Ehe ich eine kurze Beschreibung des Friedensfestes beginne, fühle ich mich gedrungen den wackern Bewohnern Ottobeurens ein flottes Hoch zu bringen, welche über aller Erwartung dasselbe in würdiger Weise feierten; denn was in großen und kleinen Städten im großartigen Style ausgeführt wurde, das ist hier Alles im verjüngten Maßstabe geleistet worden. – Morgens 5 Uhr erklang die herrliche „Hosanna“ vom hohen, beflaggten Kirchthurme herab, und erfüllte die Luft mit ihrem majestätischen Tone, in welchen Böllerschüsse mit militärischem ernste sich mengten – nur Böllerschüsse? – ja nur Böllerschüsse; denn die vor Ausbruch des mörderischen Krieges dahier liegende Batterie brach eilends nach Frankreich auf, um mit Hunderten von Geschützen den stolzen und frechen Französlein mores zu lehren, und den wilden Turkos und Zuaven bei Weißenburg, Wörth und Sedan den Todesstoß zu versetzen – doch genug von diesen schrecklichen Horden, bei dessen Namen schon Deutschlands Frauen und Jungfrauen zittern und sich ängstigen. – Bald stieg die Friedenssonne am blauen Himmel herauf, verkündete einen heitern und herrlichen Wonnetag, und lachte freundlich auf das frohbewegte Deutschland herab! Die Häuser des Marktes waren jetzt alle mit Krünzen geschmückt, und größten Theils mit Flaggen geziert. – Um 8½  Uhr begann der Gottesdienst mit einem solennen Hochamte und Te

S. 3 (43)
Deum, in welch letzteres das imposante Glockengeläute und die krachenden Böller gewaltig einfielen. Die Glocken schienen uns zuzurufen: „Ehre und Dank sei Gott in der Höhe, und Friede allen Menschen! Danket Ihm, denn Großes hat der Herr am deutschen Volke gethan! Alleluja! Alleluja!!“ – Die Böller aber jubelten uns donnern zu: „Viktoria! Großer Krieg, großer Sieg! Der Feind liegt ohnmächtig zu unsern Füßen! Hurrah, Hurrah! Germania!“ – Abends 7 Uhr waren schon alle Häuser beleuchtet, worunter hauptsächlich die östliche Front des hiesigen Klosters einen prachtvollen Anblick gewährte, darunter viele mit sehr schönen und dem Feste entsprechenden Transparenten geschmückt; man erblickte die „Germania, die Wacht am Rhein, Moltke und Bismark in Lebensgröße“ und viele  Transparente mit trefflichen und sinnreichen Inschriften, mitunter auch die Namen der Schlachtorte. – Um diese Zeit war Aufstellung des Festzuges auf dem marktplatze nach dem vorausgeschickten Programm. Den Zug eröffneten 50 Fackelträger, ihnen schlossen sich die Blechmusiker und das Sänger-Chor an; dann folgten deutsche Fahnen, die dahier sich befindenden Rekonvalescenten und Beurlaubten des Heeres, die Veteranen, die kgl. Behörden, das Gemeinde-Collegium, Bürger und übrigen Theilnehmer schloßen den Zug, welcher, nachdem er verschiedene Straßen durchzog, auf dem Marktplatze sich wieder aufstellte. Das Sängerchor trug daselbst patriotische, dem Feste entsprechende Lieder vor mit abwechselnden Musikstücken, worauf Herr Bürgermeister Mahler eine kurze Anrede hielt, und einen Toast auf den deutschen Kaiser, unsern König Ludwig II., auf die Tapferkeit des deutschen Heeres und seiner Führer ausbrach, in welchen Alle freudig gerührt einstimmten.
Nun sollte man glauben, es sei Alles abgethan, doch nein! – ein brillantes Feuerwerk überraschte die Menge der Zuschauer, wobei die Knallraketen sich famos auszeichneten. Endlich begaben sich die Festtheilnehmer in das Gasthaus zur Post, wo sie in dem sinnreich dekorirten Saale eine gesellige und gemüthliche Abendunterhaltung mit Gesang, Vorträgen, Toasten und Musik genossen. Die Mitternacht kam – aber viele hielten noch eine Morgensitzung und dachten:
Liebs Vaterland magst ruhig sein,
Wir sitzen hier bei Bier und Wein,
Denn unser ist der ganze Rhein,
Wir brauchen keine Wacht am Rhein!
Wir ich begann, so endige ich mit dem Rufe: Ein dreifaches Hoch den deutschgesinnten Bewohnern Ottobeurens!
Der 75 jährige Greis Willibald Eberle.

Und was hat es mit dem abgebildeten Rinderhorn (wahrscheinlich vom Bullen eines Schottischen Hochlandrindes oder eines Englischen Longhorns) auf sich? Die Gravur der Fassung gibt Auskunft: Andenken an den 12. März 1871 von der Gemeinde Ottobeuren.
Wer es erhalten hat, ist unklar, die Zeitungen erwähnten das Geschenk nicht. (Vielleicht findet sich ein Hinweis in den Sitzungsprotokollen des Gemeinderats.) Das Horn ist ca. einen Meter lang, die Öffnung hat einen Durchmesser von 11 - 14 cm.

Was haben die Ottobeurer Zeitungsleser über die Kriegsereignisse erfahren? Hier eine Chronologie der Ereignisse (mit eingestreuten weiteren interessanten Meldungen):

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 5 vom 03.02.1871
S. 2f. (lf. 18/19)
Vermischtes.
Paris ist gefallen. Deutscher Muth, deutsche Tapferkeit, deutsche Ausdauer und Unverdrossenheit in Vereinigung mit den furchtbaren Verbündeten, dem Hunger, haben die feindliche Hauptstadt in unsere

Gewalt gebracht. Wir haben ihr Forts besetzt, die Armee bleibt kriegsgefangen in der Stadt – es naht das Ende des blutigen Dramas. Ein zweiwöchentlicher Waffenstillstand, der Vorbote des nahen Friedens, ist abegschlossen, Gambetta, der böse Geist der französischen Regierung hat seine Entlassung genommen und darin ist wohl die größte Bürgschaft gegeben, daß eine ruhige Einsicht an Stelle des bisherigen unsinnigen Stürmens und Ringens der französischen Nation treten wird. Diese Einsicht wird es ermöglichen, daß dem gegenseitigen Schlachten und Wüthen, das dem Jammern und Elende des Krieges ein nahes Ende wird. Und ist es nicht gerade die Hoffnung auf dieses Ende, die unserm Jubel über den Erfolg unserer stets siegreichen Waffen steigert, ist es nicht diese Hoffnung, die uns sagt, der Fall von Paris sein ein Glück gleich groß für die Sieger und Besiegten? Wem wollen wir, dem beim Gedanken an den wiederkehrenden Frieden das Herz höher schlägt, darob den Vorwirf menschlicher Schwäche machen? Nein, weit entfernt; gestehen wir es offen, daß wir uns nach den Segenungen des Friedens sehnen, und wenn wir es jetzt gestehen, so glauben wir, unsere Pflichten gegenüber, nicht mehr zu verletzen. Nicht blos Frankreichs Hauptstadt, neun, das ganze Reich liegt gefesselt zu unsern Füßen, eine in der Geschichte nicht erhörte Zahl verlorener Schlachten, ein jeder Schilderung Hohn sprechender Jammer hat dem französischen Volke gezeigt, daß es eine Möglichkeit, Ehre und Vaterland zu retten, nicht mehr gibt, das Unglück hat Land und Leute an den Rand des Abgrundes gebracht, und damit beginnen unsere Hoffnungen auf den Frieden. Wir diktiren den Frieden und darum wird derselbe ein ehrenvoller sein und muß ein solcher sein, soll nicht der deutschen Nation ins Gesicht geschlagen werden; nicht auf Kosten der deutschen Ehre wollen wir den Frieden, nein, er soll des Reiches Herrlichkeit fördern und mehren! Zum dritten Male in diesem Jahrhunderte ziehen unsere Heere in Paris ein. Damals hat die deutsche Zwietracht getragen von einer landesverrätherischen Diplomatie, preisgegeben, was das Volk in Waffen mit blutigem Schweiße errungen hatte; heute wird die deutsche Einheit dem deutschen Rechte, dem deutschen Namen Geltung verschaffen, das walte Gott!

Ottobeuren, 2. Febr. [Ottobeurer Wochenblatt Nr. 5 vom 03.02.1871, S. 3] Am Montag Abends kamen von Ulm über Memmingen 160 Mann Infanterie hier an, welche zur Bewachung der demnächst hier ankommenden französischen Gefangenen bestimmt sind.

Die Kunde von der Einleitung der Kapitulationsverhandlungen hat natürlich im deutschen Heer vor Paris großen Jubel erregt. Nie ist mir, schreibt ein Korrespondent des „Frkf. J.“, unsere Nation, von welcher jedenfalls ein guter und tüchtiger Theil hier vertreten ist, liebenswürdiger erschienen, als in diesem Augenblick. Dieselben Männer, die Tag für Tag und Stunde für Stunde mit heldenmüthiger Todesverachtung ihre Schuldigkeit als Soldaten gethan und die verzweifelten Versuche des Feindes,  den eisernen Gürtel des Feindes zu durchbrechen, vereitelt haben, jubeln jetzt hell auf bei dem Gedanken, bald wieder in der Heimath und zu dem immerhin anstrengenden, aber friedlichen bürgerlichen Beruf, zu Weib und Kind, zu Eltern und Geschwistern zurückkehren zu können. Noch brennen St. Cloud und Garches vom letzten Ausfall her. Aber dieselben Männer, welche diese Flammen vor ein paar Tagen mit Befriedigung als Zerstörerinnen der letzten Zufluchtsstätte des weichenden Feindes emporzingeln sahen, werden sie freudig löschen helfen, wenn das lang ersehnte Wort „Friede“ ihnen verkündigt, daß dem Vernichtungskampfe ein Ziel gesetzt ist.

Die nächsten Kriegsgefangenen, welche nach Bayern verbracht werden, kommen, wenn der angezeigte Transport in Amberg und auf dem Lechfelde internirt sein wird, nach Ottobeuren und Roggenburg.

Nach Beendigung des gegenwärtigen Krieges soll die gesammte bayerische Cavallerie einer Reorganisation unterzogen und insbesondere die beiden Cuirassier- in leichte Cavallerie-Regimenter umgewandelt werden.

S. 4 (20)

(…) Die Gemeinde von Paris zahlt eine städtische Contribution von 200 Millionen Francs innerhalb 14 Tagen. Öffentliche Werthe dürfen während der Dauer des Waffenstillstandes nicht entfernt werden. – Alle deutschen Kriegsgefangenen sollen sofort gegen eine entsprechende Anzahl französischer Gefangener ausgewechselt werden; deßgleichen Schiffskapitäne und die andern beiderseitigen Gefangenen vom Civil.

London, 31. Jan., wird gemeldet: Die Noth in Paris ist sehr groß. Die Herbeischaffung der Lebensmittel ist gegen Sprengung der Eisenbahnlinien durch die Franzosen in Folge des Krieges sehr erschwert. Die deutsche Armee versieht einstweilen aus eigenen Vorräthen die Stadt mit dem Nothwendigsten.

An das Unlöbliche Vertheidigungs-Komite in Paris.
Hannibal ante portas!
Wie? wollt ihr den Frieden noch länger verweigern,
Und Unglück und Jammer noch mächtiger steigern?
Wenn Tausende zwecklos ihr Blut vergießen –
Wenn Frauen und Kinder in Thränen zerfließen,
Umgeben von Elend und Hunger und Noth.
Zu dem noch von flammenden Bomben bedroht;

Ergreift euch dann niemal ein Schauer und Grauen
Solch herzzerreißende Szenen zu schauen?
Ja, fühlt ihr kein Mitleid, kein menschlich Erbarmen
Für Tausende am Hungertuch nagende Armen?
Ihr hört nicht das Schreiben der Kinder um Brod,
Das Seufzen der Mutter: „O, wäret ihr todt!“

Ihr seh't nicht die blutigen Zähren hangen
An ihren erbleichenden hohlen Wangen!
Wie lang wollt ihr's Volk noch tyrannisiren,
Mit Siegesberichten am Narrenseil führen?
Ihr stehet am Abgrund – das End naht heran,
Die Strafe ereilt euch auf blutiger Bahn!

Geschütze donnern – der Erboden zittert –
Die Mauern stürzen von Bomben zersplittert!
Die Flammen wüthen in Schlössern und Hütten –
Und Tod und Verderben folgt eueren Schritten!

Und siehe da! Deutschland hat triumphirt,
Die riesige Hauptstadt hat – kapitulirt!
Hurrah, hurrah, Germania!
Anmerkung: Man sieht, der Schluß des Gedichtes mußte in Folge der Kapitulation abgeändert werden.
W. Eberle
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Ottobeurer Wochenblatt Nr. 6, vom 09.02.1871, S. 2 (22)
Todes-Anzeige.
Am 28. Januar ds. Js. starb in Verrières le Buisson bei Paris der ehrengeachtete Herr Joseph Willer,
Cand. med. von hier, als Assistenzarzt
in treuer Erfüllung seines Berufes im dortigen Aufnahme-Feldspitale. Auch er starb den schönen Tod für das theure Vaterland!
Indem ich diese Treuerkunde im Namen der tieftrauernd Hinterbliebenen allen Freunden und Bekannten zur Kenntniß bringe, verbinde ich hiemit die Anzeige, daß der Trauergottesdienst Mittwoch den 15. Februar Vormittags 10 Uhr in hiesiger Pfarrkirche stattfinde. Außer den Genannten lade ich die in Urlaub sich befindenden Soldaten freundlichst ein, dem Hingeschiedenen durch ihr Erscheinen beim Gottesdienste die letzte Ehre erweisen zu wollen.
Ollarzried den 8. Februar 1871.
Ignaz Schuster, Pfarrer.

S. 3 (23)
Wo bleibt die Straßenbeleuchtung bei dunkler Nacht?

Vermischtes.
München, 5. Febr. Nach der Aussage von Betheiligten stellen die acht Kreise Bayerns für die Ausgewiesenen folgende Entschädigungsklagen an Frankreich: Oberbayern 1,200,000 Frcs., Niederbayern 64,000 Frcs., die Pfalz 5 Mill. Frcs., Oberpfalz und Regensburg 69,000 Frcs., Oberfranken 300,000 Frcs., Mittelfranken 2,770,000 Frcs., Unterfranken und Aschaffenburg 1,500,000 Frcs., Schwaben und Neuburg 1 Million Frcs., was demnach eine Summe von fast 15 Millionen Frcs. entziffert. – Gestern sind 119 kranke und 29 schwer verwundete bayerische Soldaten hier angekommen und heute ist wieder der Abgang 219 kranker Soldaten, angeblich nach München bestimmt, von Mühlacker angezeigt.
– Der erste Eisenbahnzug mit Mehr aus Bayern ist einem Telegramm zufolge am 2. Februar in Paris eingetroffen und dortselbst mit großem Jubel empfangen worden.

Schweiz, den 4. Febr. Der Bahnhof von Lausanne bietet seit drei Tagen einen Anblick, wie er nicht trauriger und jämmerlicher sein kann. Zug auf Zug kommen mit Verwundeten: die meisten stammen aus den Kämpfen bei Belfort. Gestern brachte der Nachmittagszug aus Neuenburg nicht weniger als 500. Alle diese Unglücklichen sind im Zustande vollständiger Entblößung, kaum wagen sie sich noch zu zeigen; wer Schuhe hat, gehört zu den Glücklichen. Ein dringender Hilferuf wurde daher an die Einwohnerschaft gerichtet; alte Schuhe, alte Kleider, alte Hemden,kurz Alles ist erwünscht.

Bern, 3. Febr. Bis jetzt sind ungefähr 45,000 Franzosen in vollständig abgerissenem Zustand übergetreten. Der Bundesrath verlangt von der französischen Regierung von Kleidungsstücken.

Man schreibt aus Calats vom 2. Febr.: Die Nord-Armee ist in Lille eingerückt, wo sie sich während des Waffenstillstandes neu herrichten will. Dieselbe besteht zur Zeit aus dem 75. Linien-Regiment und circa 50,000 Mobilen und mobilisirten Garden. Die Cavallerie, Artillerier, die Marinetruppen und ein Theil der Regulären bleiben in Donai. – Die Züge mit Lebensmitteln werden nur schwierig in Paris ankommen, da an den von den Preußen eröffneten Eisenbahnen die Hauptbrücken zerstört und die Schienen auf einer Strecke von mehreren Kilometern aufgerissen sind. Der erste Eisenbahnzug mit Mehl wird erst morgen von Amiens direkt nach Paris gesandt und dabei muß der Zug bei Ailly über eine Schiffbrücke gehen, die nur drei Wagen zu gleicher Zeit tragen kann. Der Seeweg ist für das Vieh sehr schlecht; es verträgt das Meer nicht gut. Alles dies ist tief zu beklagen, dann wie ein gerade aus Paris angekommener Beamter mittheilt, so stirbt Paris vor Hunger. Derselbe brachte ein Stück des Brodes mit, welches man jetzt in Paris ißt. Es ist ein furchtbares Gemisch; es ekelt einen furchtbar an und schmeckt nach Schimmel. (…)

S. 4 (24)
(…) Die Bedingungen, welche Paris hat eingehen müssen, sind bei aller Milde doch militärisch so gewaltig, daß ein Nachtheil für uns nicht zu besorgen ist, wenn wider Erwarten die Gambetta'sche Richtung die Oberhand bekommen sollte, und der fernere Kampf würde unter den schlechtesten Bedingungen für Frankreich geführt werden. Schon sind von seinen Streifkräften, die Pariser und Schweizer Kapitulanten eingerechnet, 930,000 Mann kriegsgefangen, die garibaldische Armee hat es für angezeigt gehalten, sich nach dem Süden zurückzuziehen, so daß die ganze Nordhälfte Frankreichs bis auf die letzten Grenzfestungen am Meere und an der belgischen Grenze okkupirt ist.

Straßburg, 4. Febr. Die Eintheilung des Elsaß in verschiedene Kreise nimmt ihren Fortgang. Die Reichsbehörden im Elsaß unterzeichnen sich jetzt als „kaiserliche“ Beamte. In Mühlhausen wurde eine neue Buchdruckerei gegründet, aus der ein deutsches täglich erscheinendes Blatt hervorgehen soll.

Altbreisach, 3. Febr. Seit heute früh anhaltendes Feuer aus schweren Geschützen von Belfort her hörbar. Es scheint die in die Werder'schen Stellung verbracht gewesenen Geschütze wieder in Batterien zu stehen; die Belagerungstruppen sind rückenfrei, und nach Allem, was hier gehört wird, wird die Übergabe der Festung bald erfolgen.

Pruntrut, 2. Febr. Während fast überall in Frankreich schon jetzt glücklicherweise die Waffen ruhen, donnern hier die Kanonen von beiden Seiten leider noch mit ungeschwächter Heftigkeit fort. Der Commandant von Belfort, Oberst Denfert, ein eifriger Republicaner, will die Festung nicht übergeben, obgleich nach der Vernichtung des Bourbaki'schen Corps auch jegliche Hoffnung zum Ersatz geschwunden ist, und deutscherseits strebt man darnach die Festung zu erobern bevor die Friedensverhandlungen beginnen, damit die Franzosen nicht behaupten können, daß sie uns im Elsaß eine Stadt übergeben sollen, die wir noch nicht erobert haben. Im Interesse der Menschlichkeit wäre übrigens dringend zu wünschen, daß jetzt endlich auch vor Belfort das Bombardement aufhörte, denn wahrlich nur zu viel Blutes ist in diesem entsetzlichen Kriege schon auf beiden Seiten vergossen worden; geht die Beschießung in der Weise wie sie seit den letzten acht Tagen begonnen hat, nur noch einige Zeit fort, so wird die arme Stadt Belfort ein rauchende Trümmerhaufen sein, bevor die deutsche Fahne dort weht.
Versailles, 5. Febr. Der Kaiserin und der Königin in Berlin. Wegen der letzten entscheidenden Kämpfe, des erzwungenen Übertritts der 80,000 Mann starken feindlichen Korps auf Schweizergebiet, sowie für die vollzogene Besetzung aller Forts um Paris soll Viktoria geschossen werden. Wilhelm.

Paris, 2. Febr. Fünf Mitglieder der Pariser Regierung werden am 10. nach Bordeaux gehen, um der National-Versammlung Rechenschaft abzulegen. – Trochu lehnte jede Candidatur ab. – 914 deutsche Kriegsgefangene wurden gegen gleiche Anzahl französischer ausgewechselt.

Ottobeuren, 9. [Februar 1871] Heute Mittag sind von Ulm über Memmingen 600 französische Gefangene unter großem Zulauf des Volkes hier eingetroffen, dieselben werden im Kasernengebäude untergebracht.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 7 vom 16.02.1871
S. 1 (25)
Bei Unterzeichnetem sind Feldpost-Couvert, sowie Feldpost-Kistchen zum Versenden von Paketen zu haben. Auch sind Ballons zu Festbeleuchtungen angekommen und können daselbst bestellt werden.
Fergg, Buchbinder.

S. 2 (26)
Danksagung.
Für die liebevolle, ehrende und zahlreiche Beiwohnung bei den Trauergottesdiensten unseres zu früh dahingeschiedenen Sohnes und Bruders
Max Madlener,
Soldat der 4. Festungs-Genie-Kompagnie,
welcher im Lazareth zu Karlsruhe den 29. Januar d. Js. 24 Jahre als am Typhus gestorben ist, sagen wir allen Verwandten und Freunden den herzlichsten Dank. Empfehlen den Verblichenen dem frommen Andenken, mit dem Wunsche, der Allmächtige möge jede Familie vor so herbem Verluste gnädig bewahren.
Ottobeuren den 16. Februar 1871.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen.
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Danksagung.
Für die außerordentlich zahlreiche Betheiligung bei dem Trauergottesdienste, welcher am Mottwoch den 15. ds. Mts. Für den ehrengeachteten
Herrn Joseph Willer,
Assistenzarzt von Vogelsang,
dahier abgehalten wurde, sagt der Unterzeichnete im Namen der trauernden Hinterbliebenen seinen innigsten Dank. Insbesondere herzlichen Dank Ttl. Herrn Hauptmann Büttner, sowie den zahlreich anwesend gewesenen Soldaten, welche dem Hingeschiedenen durch ihr Erscheinen die letzte Ehre zu erweisen die Güte hatten.
Ollarzried den 16. Februar 1871.
Ignaz Schuster, Pfarrer.

(Das Ottobeurer Wochenblatt meldete hierzu am 23.02.1871, S. 2: „Die am 15. Februar in der Pfarrkirche zu Ollarzried gehaltene Trauerrede auf den in Verrières verstorbenen Herrn Joseph Willer von Vogelsang ist in der Buchdruckerei um 3 Kreuzer zu haben.“)

S. 3 (27)
Vermischtes. Ottobeuren 15. Februar. Am Sonntag Abend sind abermals 750 franz. Kriegsgefangene unter bayer. Eskorte hier eingetroffen; 1350 Mann sind jetzt in hiesiger Kaserne untergebracht.

Über die in die Schweiz geworfene Armee Bourbakis entnehmen wir der „Kölner Zeitung“ folgendes: Man raffte in Südfrankreich alles zusammen, was nur irgendwie im Stande war, eine Muskete zu tragen, rüstete es auf das erbärmlichste aus, machte die Hauptschreier in den Clubs zu Offizieren und brachte so an 120,000 Mann zusammen, die man dem unglücklichen Bourbaki gab, um damit Belfort zu befreien und dann weiter in den Elsaß einzumarschiren. General Bourbaki, ein alter, sehr erprobter Soldat soll sich anfänglich bestimmt geweigert haben, den Oberbefehl über diese zusammen gelaufenen Haufen, ohne Cavallerie, Ambulanzen, Fuhrwesentrains, kurz, ohne alles und jedes, was eine Armee erst kriegstüchtig macht, zu übernehmen. Nur als Gambetta an seinen Patriotismus appellirte, soll er widerstrebend eingewilligt und ausgerufen haben: „Ich will diese Horden führen, aber es wird mein Tod sein; Erfolge vermag ich nicht damit zu erringen und eine Niederlage oder gar eine Capitulation wie bei Sedan vermag ich nicht zu überleben.“ Auf jedem Marsche sollen Hunderte von Soldaten aus Kälte, Erschöpfung, Marschungewohntheit, schlechter Verpflegung und dürftiger, zerlumpter Kleider todt auf den Wegen zusammengestürzt sein. Wie ein Heuschreckenschwarm, der alles, was nur irgend eßbar ist, vernichtet, fielen diese dem Verderben geweihten Menschen, die weder Sold noch irgend nur die mindeste geregelte Verpflegung erhielten, in die ohnehin nur armen und jetzt von den Lasten des Krieges sehr hart mitgenommenen Ortschaften des Jura ein. Was nur zu essen war, das verzehrten sie auch sicherlich, denn schon bei dem Vormarsch war ihr Hunger sehr groß und sie ließen den Bewohnern nichts wie gänzlich geleerte Scheunen, Keller, Küchen und Speisekammern. Unsere eigenen nachrückenden Truppen litten in den vollständig verheerten Gegenden des Jura selbst schon Mangel und man hat zuletzt absichtlich keine französischen Gefangenen mehr gemacht, weil man keine Möglichkeit mehr sah, solche auch nur halbwegs zu ernähren. Da sind viele Hunderte von französischen Verwundeten und Marodeurs elend aus Kälte, Hunger und Mangel an jeglicher Hilfe zu Grunde gegangen und selbst bei dem Rückzuge aus Rußland kann es nicht grausiger gewesen sein, wie es jetzt hier ist. Unbegrabene, bereits in Fäulniß übergegangene Leichen liegen in den Gebäsuchen noch zahllos umher. Unweit Montbéliard fanden wir in einem total zusammengeschossenen kleinen Häuschen 7 bis 8 todte Franzosen liegen, die alle schon in die größte Verwesung übergegangen waren, mitten zwischen ihnen ein blutjunges Bürschlein von kaum 17 Jahren, ein Student aus Avignon. Eine preußische Granate hatte ihm beide Füße unterhalb des Kniees arg zerrissen. In dieser Lage hatte er sieben, sage volle 7 Tage, ohne verbunden zu sein, ohne Speise und Trank, ganz hilflos und verlassen zwischen allen diesen Leichen hier in diesem Häuschen gelegen. Er hatte sich seine Wunden selbst mit Fetzen von Uniformstücken verbunden und die Kälte hatte das Verbluten verhindert. Auf dem Bauche rutschend, war er mühsam in der Kammer umhergekrochen und hatte in den Taschen der Leichen noch einige harte Zweibackkrumen gefunden, die ihm als Nahrung dienten, während er seinen brennenden Durst mit Schnee stillte, der durch die zertrümmerten Fenster reichlich fiel. So hatte er eine volle Woche, wie er uns mit kaum vernehmbarer Stimme mittheilte, zugebracht. Man hat den Unglücklichen jetzt in die Schweiz transportirt und der Arzt meint, es sei möglich, daß er noch gerettet werden könne. Das Fleisch gefallener Pferde bildet die beste Nahrung der Einwohner in allen diesen Gegenden und ich sah selbst, daß ein Haufe halbverhungerter Frauen wie ein Rudel gieriger Wölfe über ein am Wege liegendes todtes Pferd, das bei dem plötzlich eingetretenen Thauwetter schon zu riechen anfing, herstürzte, das Fleisch mit allen möglichen scharfen Instrumenten auseinader rissen und nun so, wie es war, heißhungrig verschlagen. Es ist Alles so grausig und gräßlich hier, daß jede Beschreibung doch nicht das erreicht, was man stündlich sehen muß.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 8 vom 23.02.1871
S. 1 (29)
An die Wähler im Reichstage im Wahl-Kreise Illertissen.
[Der königliche Appellationsgerichtsrath Wilhelm Behringer begründet seine Kandidatur und wird am Ende der Seite auf seitens des „Wahl-Comitès“ gelobt: „Behringer ist nicht blos in seinem politischen Leben ein Charakter der seine Überzeugungen zu allen Zeiten freimütig bekannte, unbekümmert darum, welche Folgen es für ihn haben könnte, sonder er ist auch in seinem Privatleben ein musterhafter Familienvater und ein durch und durch rechtschaffener, ehrenhafter Mann.“]

Auf S. 2 (30) heißt es zur Wahl:
Bekanntmachung.
Nach allerhöchster Entschließung hat die Wahl zum deutschen Reichstag am Freitag den 3. März l. Js. stattzufinden; zu welchem Behufe für die Marktgemeinde Ottobeuren der Bürgermeister Mahler als Wahlvorsteher und der Beigeordnete Rupert Steigleder Rentamtsoberschreiber dahier als Stellvertreter aufgestellt wurde.
Deshalb wird jeder Angehörige der deutschen Bundesstaaten, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, in der Wählerliste verzeichnet ist und dahier wohnt hiemit eingeladen am Freitag den 3. März l. J. [laufenden Jahres] im Rathaus dahier zu erscheinen um seine Stimme abzugeben und zwar beginnt die Wahlhandlung Vormittags 10 Uhr und wird Abends Schlag 6 Uhr geschlossen, welches hiemit zu Idermanns Kenntniß bringt.
Ottobeuren am 22. Februar 1871.
Der Bürgermeister:
Mahler.

S. 3 (31):
Vermischtes.
London, 22. Febr. Ein Telegramm der der „Times“ aus Versailles 20. Februar meldet:
Der Friede ist als gesichert zu betrachten. Der Tag des Einzuges der Deutschen in Paris ist noch nicht endgiltig festgesetzt.

S. 4 (32)
München, 20. Febr. Gestern Vormittag gingen wieder drei Ersatzcompagnien des 2. Infanterie-Regiments mit dem Postzuge von hier ab, um über Straßburg zu ihrem Regiment vor Paris zu stoßen. Die Mannschaft war durchaus neu equipirt und mit warmen Monturstücken wohl versehen. Die Bataillonsmusik begleitete dieselbe bis zum Bahnhof.

Wachenhusen* schreibt der „Kölner Zeitung“: Die Rache kocht in Paris in den Gemüthern. Jede geschäftliche Gemeinschaft soll hinfort mit Deutschland abgebrochen werden, so ist die Losung. Niemand soll mit einem Deutschen in Correspondenz stehen, Niemand einem Deutschen Zutritt oder Arbeit geben; das Haus sei verflucht, das einem Deutschen unter seinem Dache beherbergt! Wie albern, wie undankbar in der Wirklichkeit! Paris ist ohne die Deutschen nicht mehr zu denken und schon in den nächsten Monaten wird man das empfinden. Was macht die Pariser Börse ohne die Deutschen; was fingen die Comptaire, die Werkstätten ohne die deutschen Arbeiter an; was wird aus Paris ohne die deutschen Schneider allein, deren Zahl man bisher auf nicht weniger als 10000 rechnen konnte?

[*Fund bei ZVAB: Wachenhusen, Hans: Tagebuch vom Italienischen Kriegsschauplatz. Aus dem Hauptquartier, Berlin, Verlags-Comptoir (A. Dominé), 1860, 301 Seiten, 95 €]

Hans Wachenhusen berichtet aus Versailles, 13. d.: Gestern rückte die viel geprüfte und viel erprobte 22. Division herein und hielt ihren Vorbeimarsch am Präfektur-Gebäude, der Residenz des Kaisers. Die ganze Stadt lief zusammen. Alles Soldaten, die nicht im Dienst, bildeten Spalier, um die tapferen Kameraden zu begrüßen, die mit so viel Heldenmuth und Ausdauer an der Loire gekämpft. War es doch die Aufgabe dieser Division und des ersten bayerischen Corps, damals noch der ersten unglücklichen Orleans-Affaire der ganzen Armee des Generals Paladine einige Tage lang Schach zu bieten. Die Bayern, die 22. Division und die 17. Division hatten es schlimm, sehr schlimm, sie haben die Lorbeern, die Anerkennung verdinet, die ihnen das Vaterland widmet. Ich erinnere mich noch, wie General von der Tann in Logron vor Chateaudun mich unruhig fragte: „Haben Sie denn keine Colonne mit Schuhzeug gesehen“ Meine Leute laufen barfuß im Schnee!“ Also die 22. Division marschirte vor dem Kaiser vorbei, der sie vom Fenster aus begrüßte. Die Hymne und das Preußenlied erschallten eine Stunde lang. Vor der Präfektur hielten die Offiziere des Generalstabs. Der Vorbeimarsch wollte kein Ende nehmen. Sie hatten alle jetzt Toilette gemacht; sie mußten alle erst beim Schneider und Schuster gewesen sein, so balnk und flott defilirte die ganze Division. Ich sah den Zug wohl auf und ab, aber es fehlte so mancher, der nimmer wieder kommt.

Einige Batterien deutscher Geschütze gehen nach Deutschland zurück und treten an ihrer Stelle neue. Aus einzelnen abgehenden Rühren sollen bei 10,000 Schüsse abgefeuert worden sein; solche Kanonen ist gewiß Ruhe zu gönnen.
Die deutschen Lazarette um Belfort bergen nach der „Corr. S.“ 5000 Kranke, die Zahl der Todten und Verwundeten aus den Kämpfen um Belfort wird auf 2000 berechnet. Nun sind zwar die dortigen Depots vorläufig noch reichlich mit Allem versehen, wenn aber die sehr zahlreichen Kranken in Belfort jetzt auch den deutschen Vereinen zufallen, so wird es aller Anstrengungen bedürfen, damit nicht Mangel eintrete.
Der Mann des Augenblicks ist Thiers. Abgesehen davon, daß er in 18 Departements gewählt wurde, unterstützt ihn auch ein großer Theil der französischen Blätter, und inParis haben sich mit Ausnahme der republikanischen Blätter fast alle andern, sogar der größte Theil der bonapartistischen für ihn erklärt. Die imperialistische Partei hat gar keinen Anhang mehr. In Paris ist wohl nie ein Mann in der öffentlichen Meinung so tief gefallen als Louis Napoleon. Alles was an seine Regierung nur im mindesten erinnert, wurde vernichtet, dagegen sind er, die Kaiserin und der kaiserliche Prinz in den absurdesten, lächerlichsten, komischsten und oft unanständigsten Haltungen in allen Schaufesntern ausgestellt. Spottlieder auf den Exkaiser, seine Familie und seine Genossen circuliren in Masse. – Die Omnibusse fahren in Paris jetzt wieder in voller Zahl. Die Militärverwaltung hat nämlich der betreffenden Gesellschaft den größten Theil der Pferde zurückgegen, welche sie grüher requirirt hatte. Fiaker sind in Paris noch immer selten. Auf den Pariser Straßen finden sich in diesem Augenblick eine Unmasse Händler, die den ganzen Tag über alle möglichen Lebensmittel feil bieten. Am 16. kostete Rindfleisch kaum mehr wie vor der Belagerung. Kalb- und Schweinefleisch wurden mit 2 Frcs. 10 Cent. das Kilogramm bezahlt. Geflügel, Butter und Käse waren immer noch sehr theuer. Eier kosteten das Dutzend nur noch 1 Fr. 80 Cent. bis 2 Fr. 10 Cent. Dagegen waren die Gemüse wieder theurer geworden.

Dieser Tage reiste die Frau eines Turko mit einem 2 – 3 Jahre alten Kinde, vom Besuche ihres Mannes in Ingolstadt kommend, durch Ulm. Dieselbe war in orientalischer Tracht und fuhr per Eilzug in erster Wagenklasse nach Stuttgart. Mutter und Kind waren beinahe schwarzer Gesichtsfarbe.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 9 vom 02.03.1871
S. 3 (35)
Vermischtes.
München, 28. Febr. Bayern erhält Landeszuwachs im Elsaß (Weissenburg) mit mehr als hunderttausend Seelen. Die Kriegs-Entschädigung berücksichtigt die 30 Millionen von 1866.

Versailles, 27. Februar, 10 Uhr Vormittags: Telegramm des Kaisers von Deutschland an den König von Bayern. Mit dankerfülltem Herzen gegen die Vorsehung zeige ich Ihnen an, daß gestern Nachmittag die Friedenspräliminarien hier unterzeichnet worden sind, auf welche der Elsaß aber ohne Belfort, Deutsch-Lothringen mit Metz an Deutschland abgetreten worden sind, 5 Milliarden Francs bezahlt werden und Theile Frankreichs besetzt bleiben bis zur Abzahlung dieser Summe. Paris wird theilweise besetzt. Wenn die Ratifikation in Bordeaux erfolgt, so stehen wir am Ende dieses glorreichen, aber auch blutigen Krieges, der uns mit Frivolität ohne gleichen aufgezwungen wurde und an dem Ihre Truppen so ehrenvollen Antheil nahmen. Möge Deutschlands Größe sich nun in Frieden consolidiren. Wilhelm.

Brüssel, 27. Febr., Morgens 2 Uhr. Die Unterzeichnung der Friedenspräliminarien fand gestern zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittag statt. Elsaß und Deutsch-Lothringen mit Metz geht in deutschen Besitz über, während Belfort an Frankreich zurückgegeben wird. Die Kriegskosten-Entschädigung beträgt 3 Milliarden Francs und muß innerhalb 3 Jahren abgetragen werden, während welcher Zeit französische Festungen von den deutschen Truppen occupirt bleiben. Der Waffenstillstand wurde bis 6. März verlängert.

Brüssel, 27. Febr. (Ohne Quelle.) Morgens. Da der Waffenstillstand in verflossener Nacht um 12 Uhr ablief und die Ratification der gestern unterzeichneten Friedenspräliminarien von Seiten der Versammlung in Bordeaux vorbehalten werden mußte, ist die Verlängerung des Waffenstillstandes bis zum 6. März gleichzeitig mit der Unterzeichnung der  Friedenspräliminarien stipulirt worden. Der Einmarsch der Truppen in Paris steht bevor. Es heißt, daß zunächst zwei deutsche Corps einrücken werden.

Versailles, 20. Febr. Hier lacht schon seit 14 Tagen die Sonne frühlingswarm und blitzend nieder; an den sonnigen Abhängen der Villengärten über Sebres blühen die Veilchen, und wir trinken den Kaffee im Freien. Und mit dem Frühlingsgrüßen wird’s immer friedlicher vor Paris. Hier regt sich der Friede von Tag zu Tag immer freundlicher, geschäftiger, verheißungsvoller! Der Pflug geht schon über die Äcker, wo vor Kurzem noch die letzten Verzweiflungskämpfe der Pariser geschlagen wurden, und in wenigen Wochen wird grüne Saat aus der blutgedüngten Erde nur um so üppiger sprießen. In den Gärten und Weinbergen, in denen nicht selten noch die Früchte vom letzten Herbst faulen, wird wieder friedlich gearbeitet. In die traurig verlassenen Dörfer und Städchen um Paris herum kehren die Bewohner immer zahlreicher zurück. Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Steinmetze regen sich allerorts, in und auf und vor den Häusern, und die Glaser von Versailles wandern mit ihren grünen Glasbutten über Land. – Der guten Stadt München soll bei der Heimkehr des siegreichen Heeres nach Deutschland eine große festliche Überraschung zugedacht sein. Es wird versichert, daß ein bayer. Korps den Siegeszug in Berlin mitmachen werde, während zugleich das 11. nordd. Korps siegjubelnd in München einziehet. Beim Bekanntwerden dieser frohen Botschaft soll sich schon jetzt beim 11. Korps ein riesi-
[S. 4 bzw. 36]
ger, ächt deutscher Durst auf ächt bayer. Bier gemeldet haben. Die gute Stadt München wird also gut daran thun, besten Stoff für 30,000 durstige Soldatenkehlen zu besorgen. (N. Fr. Pr.)

Versailles wurde eine Requisition von 1 Mill. Francs auferlegt, dieselbe aber auf 300,000 Francs herabgesetzt, von welcher Summer 100,000 Francs sofort bezahlt wurden und der Rest am Sonnabend bezahlt werden mußte.

Von Bordeaux, 25. Febr. Wird berichtet: Vollständige Ruhe, trotzdem die Bedingungen: Abtretung des Elsasses, 2 Milliarden (Thaler) in den Blättern, mit Ausnahme des „Moniteaur“, enthalten. Die „Liberte“ schreibt: „Morgen wird die Kammer schweigend den Friedensvertrag genehmigen, es handelt sich nicht um einen Frieden, in welchem Frankreich einwilligt, sondern welchem es unterworfen wird unter der Strafe neuer Katastrophen und eines ebenso gewissen als schimpflichen Todes; über welchen Rache zu nehmen es sich vorbereiten muß!

Österreich. Aus Graz wird gemeldet: Mit den deutschen Sieges- und Friedensfesten in Steiermark wird eine Höhenbeleuchtung verbunden sein, die sich gleichfalls über das ganze Land erstrecken wird.

Wien, 27. Febr. Der gestern im Saale der Handels-Akademie stattgehabte Parteitag der Deutschnationalen zählte gegen 300 Theilnehmer, darunter Reichsraths-Abgeordnete und Publizisten. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Wir begrüßen die errungene deutsche Einheit; wir erblicken darin keine Gefährdung unserer Interessen, sondern wir wollen die Beziehun zu Deutschland durch ein inniges Bündnis mit Deutschland auf völkerrechtlichem Gebiete erhalten und befestigen.“

Ein gräßliches Schiffsunglück hat sich in der Nach vom 6. zum 7. Februar zugetragen, während welcher das französische Transportschiff „Le Cerf“ auf den Klippen des Cape de la Hague scheiterte und mit 1080 französischen Verwundeten und Reconvalescenten wie einer Bemannung von 130 Mann unterging. Von letzterer retteten sich nur zehn auf Raaen und anderen Schiffstrümmern. (…)

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 10 vom 09.03.1871
S. 1 (37)
Einladung.
Se. Majestät, unser allergnädigster König hat auf Sonntag den 12. ds. Mts. aus Anlaß des nunmehr erfolgten Friedensschlußes eine kirchliche Festfeier angeordnet. Zu diesem Behufe sah man sich auch veranlasst, eine weltliche Friedensfeier im Markte Ottobeuren zu veranstalten.
Daher werden die Einwohner Ottobeurens eingeladen, nach ihren Kräften ihre Häuser zu schmücken, zu bekränzen und dieselben Abends 7 Uhr zu beleuchten.
Ottobeuren am 8. März 1871.
Die Marktgemeinde-Verwaltung.
Mahler, Bürgermeister.
________________________

Programm für die am Sonntag den 12. März 1871 in Ottobeuren stattfindende Friedens-Feier.
I.
Früh 5 Uhr wird der Anbruch des Festtages mit Böllerschüssen verkündet werden.
II.
Morgens 8½ Uhr der Festgottesdienst mit Te Deum, Glockengeläute und Böllerschüssen.
III.
Abends 7 Uhr Aufstellung des Festzuges auf dem Marktplatze und zwar in der Weise: 50 Fackelträger, Musik, Sängerchor, deutsche Fahnen, die dahier sich befindlichen Verwundeten und Beurlaubten des Heeres, die Veteranen und Kampfgenossen, die Mitglieder der hiesigen Behörden und das Gemeinde-Collegium, dann die Bürger und übrigen Theilnehmer.
IV.
Der Festzug bewegt sich von da durch verschiedene Straßen wieder auf den Marktplatz. Daselbst angekommen Absingen patriotischer Lieder, Musik, Feuerwerk etc.
V.
Hieraus begibt man sich zur geselligen Unterhaltung mit Musik und Gesang in das Gasthaus zur Post.
Ottobeuren am 8. März 1871.
Die Marktsgemeinde-Verwaltung.
Mahler, Bürgermeister.

S. 2 (38), Annonce:
Bundesfahnen dreifarbig nach neuester Verfügung mit oder ohne Germania waschächt. Auch Transparente und Illuminations-Sachen, Gefüllte Illumination-Töpfchen, Paraphin-Lichter mit Leuchter 1 Sgr. drei Stunden brennend.
Bonner Fahnenfabrik Bonn a/Rh.

S. 3 (39):
Resultat der Reichstagswahl im Wahlkreise Memmingen-Illertissen.
            
            Behringer:        Grabner:
Memmingen        1152            37
Ottobeuren          158            58
Guggenberg          50             12
Ollarzried              35              5    
Haitzen                12             48

Das Ergebnis der Wahl zum deutschen Reichstag ist im Wahlkreise Illertissen folgendes: 1) Wahlberechtigte 22,370;  2) Abgegeben wurden im Ganzen 13,068 Stimmen;  3) Davon fielen:  a) auf den kgl. Appelationsgerichtsrath Herrn Wilhelm Behringer in Augsburg 10,131 Stimmen;  b) auf den kgl. Appelationsgerichtsrath Herrn Max Grabner von da 4,932 Stimmen;  c) die übrigen 5 Stimmen zersplitterten sich. Als bayr. Abgeordneter zum deutschen Reichstage ist demnach mit absoluter Stimmenmehrheit der genannte 1. Appelationsgerichtsrath Behringer gewählt.

Vermischtes.
Der nun abgeschlossene Friede bringt zum deutschen Reiche eine schöne, seit zwei Jahrhunderten verlorene Provinz zurück, die jedoch noch mehr wie durch ihre Größe und Bevölkerungszahl, durch ihre strategische Wichtigkeit für Deutschland einen reichen Gewinn darstellt. Das neue Reichsland umfaßt auf 274 Quadratmeilen 1,682,505 Einwohner, mit welchen die Bevölkerungszahl des deutschen Reiches auf rund 40 Millionen steigt. Der Erwerb von Elsaß und Lothringen ist aber nicht nur wegen der Rückkehr von 1½ Millionen Deutschen zum Reiche erfreulich, sondern auch um des Schutzes willen wichtig, den er im Kriegsfalle dem linken Rheinufer sowohl wie Süddeutschland gewährt. Straßburg und Metz waren die stets bedrohlichen Ein-

S. 4 (40)
fallsthore Frankreichs gegen Deutschland. In Zukunft wird umgekehrt Straßburg das mächtige Bollwerk Süddeutschlands sein uns selbst diese Stadt ist noch durch den gewaltigen Gebirgswall der Vogesen gedeckt, die eine unvergleichliche Vertheidigungslinien bilden. Jenseits der Vogesen setzt die unüberwindliche Festung Metz, durch Diedenhofen und Saarlouis Verstärkt, dem Vordringen in die Rheinprovinzen ein riesiges Hinderniß entgegen. Die neue deutsche Grneze würde nahezu undurchdringlich werden, wenn an die Stelle der kleinen Festung Marsal ein wohl befestigter Platz, z.B. Chateau Salins, träte und anstatt der ungehbaren  Festung Belfort ein großes befestigtes Lager bei Mühlhausen errichtet würde, wie es auch wohl beabsichtigt wird. Angesichts dieser Thatsachen scheinen die französischen Nachschreie ungemein lächerlich; diese Defensifstellung werden sie und nie abnehmen, wenn wir nicht etwa unsere Wehreinrichtungen selbst zerstören.
Die Summe von fünf Milliarden Franken (Betrag der französischen Kriegsentschädigung) übersteigt die Zahlen, mit denen man im gewöhnlichen Leben umzugehen pflegt, so sehr, daß es schwer ist, sich von der Größe dieser Summe einen Begriff zu machen. Durch einige Exempel kann man dieselbe etwas veranschaulichen. Das Gewicht der Summe von fünf Milliarden in goldenen Zwanzig-Frank-Stücken beträgt 32,258 Zentner; auf Eisenbahnwagen zu 100 Ztr. Ladung würde sie zu ihrer Fortschaffung einen Zug von 322 Wagen erfordern. Dieselbe Summe in selbernen Fünf-Frank-Stücken wiegt 500,000 Zentner. In Stücken von je einem Frank, flach nebeneinander gelegt, würde die Summe eine Länge von 115,000 Kilometer, fast ein Drittheil der Entfernung zwischen Erde und Mond einnehmen. In goldenen Zwanzig-Frank-Stücken würde diese Distanz genau 700 Meilen (Neumeilen = 7500 Meter) betragen. Endlich vergegenwärtige man sich, daß seit Christi Geburt noch nicht eine Milliard Minuten verflossen sind.
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Zum Frieden 1871.
Ein Heer, das Satan sonst geschaffen,
Zog rasch an Deutschlands Gränze hin,
Ein Heer halb Tiger und halb Affen
Schrie toll und wüthend: Nach Berlin!“

Doch „Halt!“ geboten deutsche Brüder,
Und Sieg auf Sieg erkämpften sie –
Errangen uns den Frieden wieder
In zwanzig Schlachten, wie noch nie!! –

Verstummt ist nun das Kriegsgetümmel,
Der Schlachtenruf ertönt nicht mehr!
Die Friedens-Sonne lacht am Himmel,
Ergießt sich über Land und Meer.

Das stolze Frankreich ist erlegen,
Gestürzt die große Nation –
Zerbrochen ist des Cäsars Degen,
In Trümmern liegt des Frevlers Thron!

Paris – zur Weltstadt auserkoren,
Die stärkste Festung in der Welt –
Hat Ruhm und Glanz und Macht verloren,
Ist an der Deutschen Kraft zerschellt!

Nichts konnt' den Helden widerstehen,
Sie würgten fest den wälschen Hahn –
Man sah die Siegesflaggen wehen
Von Sedan bis nach Orleans.

Und Jubel herrscht vom deutschen Meere
Bis zu den Alpen himmelan!
Den Helden Dank, und Ruhm dem Heere,
Es stand im Kampfe wie Ein Mann!!

Frohlockend zieh'n bekränzte Sieger
In's deutsche Reich mit heit'rem Blick' –
Doch Tausende der tapfern Krieger
Ach! kehren nimmermehr zurück!!

Die Wittwen trauern mit den Kleinen,
das Aug' der Braut ist thränenschwer –
Und Eltern, Brüder, Schwestern weinen,
Denn ihre Lieben sind nicht mehr!!

Sie sind für's Vaterland gefallen,
Vor ihren Thaten staunt die Welt!
Sie glänzen nun in seligen Hallen,
Wo keine Trennungsthräne fällt!! –
                                W. Eberle.

S. 5 - 8 (41 - 44, wobei die Sonderseiten nicht der Durchnummerierung des Gesamtjahrgangs folgen!)
Programm für die am Sonntag den 5. März 1871 in Memmingen stattfindende Friedens-Feier.
I.
Früh 6 Uhr wird Musik, welche vom großen Markt ab die Straßen der Stadt durchzieht, den Festtag ankündigen.
II.
Morgens 8½ Uhr Festgottesdienst in den Kirchen von St. Martin, Unser Frauen und St. Johann.
III.
Nachmittags 2½ Uhr Aufstellung des Festzugs auf dem Schmiedplatz und Weinmarkt in der Weise, daß sich an die Musik die Schuljugend, die Verwundeten und Beurlaubten des Heeres, die Veteranen und Kampfgenossen, die Mitglieder der hiesigen Behörden, die Mitglieder der auswärtigen und der hiesigen Gemeinde-Collegien, dann die hiesigen Verein und Gesellschaften mit ihren Fahnen sowie die übrigen Theilnehmer anreihen.
Der Festzug bewegt sich durch verschiedene Stadttheile auf den großen markt. Daselbst angelangt, wird mit allen Glocken geläutet. Hierauf gemeinsames Absingen der Lieder:
Großer Gott wie loben dich! und Nun danket alle Gott!
unter Begleitung der Musik. Kurze Ansprache an die Versammelten.
Zum Schlusse nochmaliges Läuten mit allen Glocken.
IV.
Abends 7 ½ Uhr Beginn der Festbeleuchtung und Abbrennen eines Feuerwerks auf dem Martinsthurme.
V.
Von 8 ½ Uhr gesellige Unterhaltung mit Musik und Gesang in den Räumen des Gasthofs zum Falken.
Die hier befindlichen Verwundeten und Beurlaubten, die Kriegsveteranen und Kampfgenossen sind hier die Gäste der Stadt Memmingen.
In der Früh, ehe die Musik durch die Straßen zieht, wird mit Böllern geschossen, ebenso von Mittag 2½ Uhr an bis zum Eintreffen des Festzuges auf dem großen Markt.
Die Einwohner Memmingens werden eingeladen ihre Häuser zu schmücken und dieselben Abends zu beleuchten.

Memmingen, den 2. März 1871.
    Stadtmagistrat.
            Roeck.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 11 vom 16.03.1871.
S. 2 (42)
Das Friedensfest in Ottobeuren.
Ehe ich eine kurze Beschreibung des Friedensfestes beginne, fühle ich mich gedrungen den wackern Bewohnern Ottobeurens ein flottes Hoch zu bringen, welche über aller Erwartung dasselbe in würdiger Weise feierten; denn was in großen und kleinen Städten im großartigen Style ausgeführt wurde, das ist hier Alles im verjüngten Maßstabe geleistet worden. – Morgens 5 Uhr erklang die herrliche „Hosanna“ vom hohen, beflaggten Kirchthurme herab, und erfüllte die Luft mit ihrem majestätischen Tone, in welchen Böllerschüsse mit militärischem ernste sich mengten – nur Böllerschüsse? – ja nur Böllerschüsse; denn die vor Ausbruch des mörderischen Krieges dahier liegende Batterie brach eilends nach Frankreich auf, um mit Hunderten von Geschützen den stolzen und frechen Französlein mores zu lehren, und den wilden Turkos und Zuaven bei Weißenburg, Wörth und Sedan den Todesstoß zu versetzen – doch genug von diesen schrecklichen Horden, bei dessen Namen schon Deutschlands Frauen und Jungfrauen zittern und sich ängstigen. – Bald stieg die Friedenssonne am blauen Himmel herauf, verkündete einen heitern und herrlichen Wonnetag, und lachte freundlich auf das frohbewegte Deutschland herab! Die Häuser des Marktes waren jetzt alle mit Krünzen geschmückt, und größten Theils mit Flaggen geziert. – Um 8½  Uhr begann der Gottesdienst mit einem solennen Hochamte und Te

S. 3 (43)
Deum, in welch letzteres das imposante Glockengeläute und die krachenden Böller gewaltig einfielen. Die Glocken schienen uns zuzurufen: „Ehre und Dank sei Gott in der Höhe, und Friede allen Menschen! Danket Ihm, denn Großes hat der Herr am deutschen Volke gethan! Alleluja! Alleluja!!“ – Die Böller aber jubelten uns donnern zu: „Viktoria! Großer Krieg, großer Sieg! Der Feind liegt ohnmächtig zu unsern Füßen! Hurrah, Hurrah! Germania!“ – Abends 7 Uhr waren schon alle Häuser beleuchtet, worunter hauptsächlich die östliche Front des hiesigen Klosters einen prachtvollen Anblick gewährte, darunter viele mit sehr schönen und dem Feste entsprechenden Transparenten geschmückt; man erblickte die „Germania, die Wacht am Rhein, Moltke und Bismark in Lebensgröße“ und viele  Transparente mit trefflichen und sinnreichen Inschriften, mitunter auch die Namen der Schlachtorte. – Um diese Zeit war Aufstellung des Festzuges auf dem marktplatze nach dem vorausgeschickten Programm. Den Zug eröffneten 50 Fackelträger, ihnen schlossen sich die Blechmusiker und das Sänger-Chor an; dann folgten deutsche Fahnen, die dahier sich befindenden Rekonvalescenten und Beurlaubten des Heeres, die Veteranen, die kgl. Behörden, das Gemeinde-Collegium, Bürger und übrigen Theilnehmer schloßen den Zug, welcher, nachdem er verschiedene Straßen durchzog, auf dem Marktplatze sich wieder aufstellte. Das Sängerchor trug daselbst patriotische, dem Feste entsprechende Lieder vor mit abwechselnden Musikstücken, worauf Herr Bürgermeister Mahler eine kurze Anrede hielt, und einen Toast auf den deutschen Kaiser, unsern König Ludwig II., auf die Tapferkeit des deutschen Heeres und seiner Führer ausbrach, in welchen Alle freudig gerührt einstimmten.
Nun sollte man glauben, es sei Alles abgethan, doch nein! – ein brillantes Feuerwerk überraschte die Menge der Zuschauer, wobei die Knallraketen sich famos auszeichneten. Endlich begaben sich die Festtheilnehmer in das Gasthaus zur Post, wo sie in dem sinnreich dekorirten Saale eine gesellige und gemüthliche Abendunterhaltung mit Gesang, Vorträgen, Toasten und Musik genossen. Die Mitternacht kam – aber viele hielten noch eine Morgensitzung und dachten:
Liebs Vaterland magst ruhig sein,
Wir sitzen hier bei Bier und Wein,
Denn unser ist der ganze Rhein,
Wir brauchen keine Wacht am Rhein!
Wir ich begann, so endige ich mit dem Rufe: Ein dreifaches Hoch den deutschgesinnten Bewohnern Ottobeurens!
Der 75 jährige Greis
Willibald Eberle.

Auch: Friedensfeier Wolfertschwenden und Frechenrieden: Zu letzterer hieß es am Ende des Artikels: „Unser Herr Lehrer [Philipp Jakob] Eberle, ein betagter Greis leitete die ganze Feierlichkeit, welchem wir den innigsten Dank aussprechen. Mehrere Bürger.“

S. 4 (44)
Gesangesvorträge der deutschen Liedertafel zum Friedensfeste am 9. März 1871 in der Tonhalle zu Zürich.
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(Eingesandt.) Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, wurde jüngst Herr Pfarrer Ignaz Schuster von Ollarzried mit einem höchst anerkennenden Dankschreiben aus dem königlichen Kabinette für ein aus Anlaß der Festfeier an Se. Majestät König Ludwig II. abgesandtes patriotisches Gedicht beehrt.

Ottobeurer Wochenblatt Nr. 12 vom 23.03.1871, S. 1
Des Vaterlandes Dank
für Seine Majestät unsern erhabenen König und Landesvater Ludwig II. „den Deutschen
zur Erinnerung an die Festfeier des 12. März 1871.
(längeres patriotisches Gedicht)

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Im Zusammenhang mit dem Krieg 1870/71 sind im virtuellen Museum noch einige weitere Dokumente eingepflegt:
- Gründung des Veteranen- und Soldatenvereins am 28.09.1871
- Die Aufstellung des Kriegerdenkmals am 12.10.1874
- Enthüllung und Einweihung der Veteranen-Ehrentafel am 16.07.1911.

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Das abgebildete Horn stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf (auch: Recherche, Abschriften und Zusammenstellung 10/2018)