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25.12.1932 - Der KGV führt das Werk „Im Hungerjahr“ von Peter Dörfler auf.


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Das Foto zeigt 27 Schauspieler einer Theateraufführung des Katholischen Gesellenvereins (heute: Kolpingsfamilie) am 25.12.1932. Die meisten der Mitwirkenden können in den nächsten Wochen zugeordnet werden. Über das Stück sowie die Weihnachtsfeiern auch anderer Vereine erfahren wir aus dem Memminger Volksblatt. Der Titel der „Dichtung für die Laienbühne“ von Peter Dörfler mit Bezug auf das Hungerjahr 1816/1817 passte gut zur Zeit, denn auch 1932 herrschte aufgrund der Massenarbeitslosigkeit große Not.
Nach einer Annonce des Vereins (pdf 652 und 660 bzw. 01366 tif) am 22. und 23.12.1932 (S. 8), wurde das Theaterstück im Memminger Volksblatt (= Ottobeurer Tagblatt) Nr. 296 vom 24.12.1932 auf S. 8 wie folgt redaktionell angekündigt:

Ottobeuren, 24. Dez. Weihnachts-Veranstaltungen. Am morgigen Weihnachtsfeste abends halb 8 Uhr hält der Kath. Gesellenverein im „Hirschsaal“ seine Weihnachtsfeier ab, bei welcher das [in Lindenberg geschriebene und uraufgeführte] 5aktige Volksstück „Das Hungerjahr“ von Peter Dörfler [1878 - 1955] zur Aufführung gelangt; das Theaterstück wird am Stephanstag und Neujahr je abends 8 Uhr für die Allgemeinheit wiederholt. — Der Kath. Arbeiterverein und der K. Burschenverein haben ihre gemeinsame Weihnachtsfeier für den Stephanstag im „Postsaal“ angesetzt: Beginn abends halb 8 Uhr.
[Korrekterweise – und auf dem Foto auch korrekt geschrieben – eigentlich: „Im Hungerjahr: Volksstück in 5 Aufzügen aus dem Jahre 1816/17“]

Am 27.12.1932 druckte die Zeitung in Ausgabe Nr. 297 (S. 6) eine Zusammenfassung mehrerer Weihnachtsfeiern ab und ging dabei auch ausführlich auf die zum Foto passende Aufführung des Katholischen Gesellenvereins (KGV, Voräufer der Kolpingsfamilie) ein.

„O du fröhliche, o du selige . . .!“
Ottobeuren, 27. Dezember 1932.
Wieder haben wir die Engelsbotschaft „Ehre sei Gott in der Höhe – und Friede den Menschen auf Erden . . .!“ vernommen. Wieder ließ das Weihnachtsevangelium die Welt für eine kurze Weile aufhorchen – der nachhaltige Eindruck der Weihnachtsbotschaft aber wird nur bei jenen bleiben, „die eines guten Willens sind“. Leider mangelt es gerade in unserem deutschen Vaterlande in letzterer Beziehung so sehr und unwillkürlich ziehen einem die Worte durch den Sinn, die einst ein Dichter in einem Lobgesang auf die deutsche Weihnacht dem Sinne nach ausdrückte:
„Sollte Deutschland einmal versunken sein als Staat, als Volksgemeinschaft, so würde unter den Völkern die dann ihren Platz an der Sonne hätten, noch eine zauberhaft süße Sage kreisen und immer wieder von Generation zu Generation weitergegeben, nämlich die Erinnerung, wie das deutsche Volk einst Weihnachten gefeiert habe.“
Und gerade heuer, am Notweihnachten 1932, das in der Nachkriegszeit hinsichtlich der gewaltigen Not von keinem Vorgänger noch übertroffen wurde, verdient diese Lob auf die deutsche Weihnacht doppelte und ernste Beachtung! Denn mögen andere Völker noch so achtungsgebietende seelische Ausdrucksformen gefunden haben, so in einem Punkte kristallisiert dürfte sich die Wesensart eines Volkes kaum wieder darbieten wie im überlieferten Brauch des deutschen Weihnachtsbegängnisses. Wenn das ganze deutsche Volk guten Willens wäre und entsprechend der Weihnachtsbotschaft im Alltag so handelt würde, wie es Weihnachten feiert, dann würde und wird die deutsche Weihnacht nie zur Erinnerung und zur süßen Sage werden, sondern die alljährlich sich erneuernde Weihnachtsbotschaft bleiben von dem Ereignis, das sich in jener Nacht auf Bethlehems Fluren abspielte.
Hinsichtlich der Stimmung, wie wir sie zum weihnachtlichen Bilde in der Natur wünsche, blieb uns das Notweihnachten 1932 etwas schuldig. Statt der Schneedecke oder wenigstens eines Raureifs auf Baum und Strauch lagerten insbesondere am ersten Feiertage dichte Nebelschwaden auf den Fluren. Am hl. Abend hatte sogar leichter Regen eingesetzt und die sternklare hl. Nacht und die knirschende Schneedecke mußten wir vermissen. Doch konnte dieses Fehlen der Stimmung in der Natur dem hehren Weihnachtsgedenken und wahrer Festfreude keinen Abbruch tun. Sie brach herein, die gnadenvolle Nacht.
Als die Gläubigen von allen Ecken der Pfarrei in der hl. Nacht dem hellerleuchteten Gotteshause zuströmten, da wurden sie durch einen lichterfunkelnden Christbaum am Kriegerdenkmal auch an jene erinnert, die im Glauben an eine deutsche Weihnacht ihr Leben gaben, unsere gefallenen und verstorbenen Krieger, die in ewiger Weihnachtsfreude über dem Sternenzelt wohnen. Die Gottesdienste an beiden Festtagen bildeten wiederum die Mittelpunkte des hehren Festes der Christenheit. In jubelnder Freude klangen die Gloriaglocken bei der Christmette hinaus in die weihevolle nächtliche Stille, die Engelsbotschaft auf Bethlehems Fluren vor fast 2000 Jahren preisend. Die Christmette verschönte der Kirchenchor durch die mustergültige Aufführung der Pastoralmesse von Kempter, während beim Hauptgottesdienst am Weihnachtsfeste die „Missa solemnis“ von Filke und am gestrigen Stephanstage die Loreto-Messe von Goller zur Aufführung gelangte. Die Festpredigten an beiden Tagen führten die andächtigen Lauscher ein in die Tiefen des Weihnachtsevangeliums und erweckten Andacht vor dem heiligen Kinde von Bethlehem, das in seiner Anmut so sehr ähnlich kommt der Notweihnacht von heute.
Unzählige Besucher fand während der Feiertage wie alljährlich auch heuer wieder die Krippe in der Benedikturkapelle, die mit viel Liebe und Sorgfalt unter der Leitung von H.H. P. Chrysostomus wieder erstanden ist. Rechts im Vordergrunde die Verkündigungsgruppe in feinfühliger Aufmachung, im Hintergrunde auf der Höhe die erleuchteten Zinnen mit dem hochheiligen Paar und dem holden Kinde, von Hirten angebetet, vermag die Krippe im Beschauer tiefstes Erleben hervorzurufen. Allen, die die prächtige Darstellung noch nicht auf sich wirken ließen, sei ein Besuch empfohlen. Jedem Krippenfreund sei ferner geraten, seine Schritte zum Eldernkirchlein zu lenken, wo ebenfalls eine sehenswerte Krippe (von Herrn Florian Geiger zur Verfügung gestellt) auf die Besucher harrt. Mit Genugtuung kann hier auch die eine Beobachtung vermerkt werden, daß der Krippenbau im allgemeinen viele neue Freunde gefunden hat und daß da und dort schöne Hauskrippen neu aufgestellt wurden, was wohl auch auf die Arbeit in den kath. Jugendvereinen zurückzuführen sein dürfte.
Ist das hehre Weihnachtsfest wie kein anderes das Fest der Familie, so nehmen auch all jene Gemeinschaften, die für sich wieder eine Familie bilden, die Gelegenheit wahr, die Geburt des Gottessohnes in ihrem Kreise entsprechend zu feiern. So die ganz Kleinen, die schon am Freitag ihre eigene Feier begingen, dann die Schulen, in welchen nach traditionellem Brauche ebenfalls vor dem Fest das Christkind zu kommen pflegt. Familiäre Weihnachtsfeiern fanden ferner statt in der Landwirtschaftsschule der Benediktinerabtei, dann in der Kreiserziehungsanstalt des Klosters, wo überall hehre Bescherung das unterm Lichterbaum gesungene ewigschöne „Stille Nacht“ frohes Weihnachtsahnen hervorzauberte. Auch im Pensionat und gemeindl. Spital vergaß das Christkind seine Einkehr nicht. Gediegene Theaterstücke der Jugend, weihnachtliche Gesänge und der lichtumflutete Tannenbaum vermochten hier wie auch bei den Insassen des Bezirkskrankenhauses am hl. Abend den grauen Alltag auf kurze Zeit vergessen zu machen und der Stern von Bethlehem übte seine magische Kraft auf alle aus, selige Kindheitserinnerung wachrufend. So auch in den Vereinsfamilien. Am 1. Feiertage war es eine stattliche Zahl von Freunden und Gönnern, die

Weihnachten in der Kolpingsfamilie feierten.

Der Präses des Kath. Gesellenvereins, H. H. P. Maurus, knüpfte an seine begrüßenden Worte einige Weihnachtsgedanken und betonte, wie die heutige Not besonders auch den Gesellenverein treffe durch die Not der Arbeitslosigkeit. Doch das Christkind habe zuerst die Arbeiter an die Krippe gerufen, aus der das Licht der Freude strahlte. Auch für uns sei dieses Licht Wegweiser in eine bessere Zukunft. Mahnend, auf dieses Licht und das Kind in der Krippe zu vertrauen, ging er auf das Programm des Abends, auf dem das Volksstück in 5 Aufzügen von Peter Dörfler „Im Hungerjahr“ stand, ein. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Abend dazu beitragen möchte, dem Vereine seine Gönner zu erhalten, daß aus dem Stück alle Besucher reichen Nutzen ziehen möchten und der Abend in der Mitte der Kolpingssöhne Allen noch lange nachklingen möge in der Seele. Sodann begann die Aufführung genannten Stückes, das wohl recht gut in die heutige Zeit paßt, da es im Hungerjahr 1816=17 spielt. Der Inhalt des Stückes ist kurz folgender: Der Stadtmüller ist in große Not geraten und infolgedessen in die Hände des Wucherers Goldmann gefallen. Letzterer will die Not des Stadtmüllers ausnützen und dessen Tochter Johanna zu seinem Weibe haben. Schon hat sich Johanna, die Goldmann infolge seiner niedrigen Charaktereigenschaften haßt, zu diesem schweren Opfer bereit erklärt, als ihr verschollener Bräutigam German vom russischen Schlachtfelde heimkehrt. Die Not hat ein Ende, Ernte und Hochzeit folgen der furchtbaren Spannung.  — Die Gesänge hat F. Feldigl zu diesem Stück geschrieben. Was die Wiedergabe desselben betrifft, so kann den Mitwirkenden durchwegs volles Lob gespendet werden. Den Stadtmüller als aufrechten und ehrlichen Menschen, der sich auch durch größte Not nicht auf Abwege bringen läßt, stellte Senior Wölfle Georg in vorzüglicher Weise, dies nicht minder seine Tochter Johanna (Frl. Finny Fickler), und German (Roth Heini), deren Verlobter, der nach der Zeit der Gefangenschaft endlich wieder seine traute Heimatstadt schauen darf. Die Eigenschaften des Wucherers Goldmann verstand Holzmann Max in sichtlichem Miterleben aus seiner Rolle herauszuholen, wie er auch im dramatischen Empfinden dem Stadtmüller und dessen Tochter nicht nachstand. Die Magd Marie (Frl. Holzmann Resi), und Knecht Michel (Mahler Max) wußten durch gutes Spiel die humorvollen Situationen mit Nachdruck wiederzugeben, in welcher Beziehung auch besonders der französische Revolutionsmacher Francois (Epple Max) viel Freude machte. Die Witwe Martha wurde von Frl. Wölfle Lisa mit gutem Spiel auf die Bühne gestellt, wie auch die kleine Burkhard als deren Kind Anerkennung verdient. Repräsentable Autorität verkörperte Mayer Otto als Landrichter sowie Mahler Georg als Landwehrhauptmann, wie sich auch alle weiteren Mitspieler gut ins Ganze fügten. Wenn man berücksichtigt, daß die Spielleitung, die das Möglichste aus dem Stück herausholte, in den Händen des Seniors Wölfle lag, der zugleich auch die Hauptrolle spielte, so bedeutet dies eine hervorragende Leistung. — Die flotte Abwicklung des Spiels, die trotz der etwas beschränkten Bühnenverhältnisse durch die Umwandlung der Szenerien keine Behinderung fand, wurde vom Publikum angenehm empfunden und der rege Beifall zum Ende der einzelnen Aufzüge bewies die beifällige Aufnahme.  —  Zum Schlusse dankte der Präses den Gästen und Spielern, insbesondere dem Orchester, das unter Leitung von Herrn Josef Schwägle dem Abend einen unterhaltenden Rahmen gab. — Auch die Wiederholung am gestrigen Montag erfreute sich eines zahlreichen und dankbaren Publikums, was wir auch der letzten Aufführung am Neujahrstage wünschen. Eine festliche und zahlreiche Gemeinde fand sich am gestrigen Stephanstage zusammen zur

Weihnachtsfeier im Kath. Arbeiterverein und Burschenverein,

welch beide Vereine gemeinsam die Veranstaltung im Postsaal abhielten. Um es gleich vorweg zu sagen: die Burschen und Arbeiter haben bezüglich des Programms die Erwartungen aller Besucher übertroffen. Nach einem einleitenden Musikstück und dem 4stimmigen Eröffnungslied „Gott segne die christliche Arbeit“, dem Liede „ Es ist ein Ros entsprungen“, welch beide Chöre von der neugegründeten Sängerriege des Kath. Arbeitervereins vorgetragen wurden, folgte ein gedankenreicher Prolog, betitelt „Weihnacht der Völker“ (vorgetragen von Josef Petrich - Niebers). Hierauf nahm der Präses des K. Burschenvereins, H. H. P. Benedikt das Wort, um all die Gäste und Mitglieder beider Vereine willkommen zu heißen. Mit der Betonung, daß der Abend seinen eigenen Charakter habe durch gemeinsame Durchführung der Weihnachtsfeier durch die beiden Vereine,  führte er aus, wie der Kath. Burschenvereine die eine Berufung habe, ausschließlich die bäuerliche Jugend zu organisieren, der Arbeiterverein die Arbeiterkreise, also 2 Berufsstände, die sich draußen in der Welt oft feindlich gegenüberstehen. Es mag – führte der Präses aus – ein Verdienst der heutigen Notzeit sein, die auch dem radikalsten Standesvertreter die Augen geöffnet hat dahin, daß alle Berufsstände auf Gedeih und Verderben aufeinander angewiesen sind. Beide Vereine nennen sich katholisch, darum kann auch jener klassenkämpferische Geist nicht aufkommen und soll so die Feier auch nach außen hin zeigen, daß in den Vereinen die katholische Gesinnung gepflegt wird. Die Veranstaltung möge daher nach außen hin ein Protest gegen jene sein, die Standesinteressen gegeneinander ausspielen, die die katholische Front trennen wollen. Die Front der katholischen Weltanschauung ist breit genug, daß sich hier alle finden können, die guten Willens sind. Der besondere Gruß des Präses galt Hochwürdigsten Herrn Abt Dr. Einsiedler, wie er auch das zahlreiche Erscheinen aus dem Bürgertum als ein erfreuliches Zeichen der Sympathien wertete. Mit dem Wunsche, daß sich am heutigen Abend trotz aller Notzeit die zahlreichen Besucher erfreuen möchten an dem Gebotenen, wünschte der Präses allen Besuchern Glück und Segen zum kommenden neuen Jahre, über dem die Sonne des Glückes mehr strahlen möchte als bisher.

Es folgte nun die Aufführung des Weihnachtsstückes „Stille Nach, heilige Nacht“, das die Entstehung des Weihnachtsliedes zur Grundlage hat. Wir sehen uns versetzt in die Pfarrstube nach Oberndorf, wo an jenem denkwürdigen Weihnachtsabend des Jahres 1818 das ewigschöne Lied von dem Pfarrvikar Joseph Mohr und dem Lehrer Gruber geschaffen wurde. Der Inhalt des Stücks ist uns allen bekannt. Das Stück fand eine erhöhte Wirkung durch das vorzügliche Spiel aller Mitwirkenden. Die Rolle Mohrs  spielte Josef Mayer – Brüchlins, die des Lehrers Gruber Josef Vollmar, die der Witwe Breitenbach, bei welcher Pfarrer Mohr wohnte, Frl. Viktor Vollmar, Friedrich, deren Sohn Kille Michael und Christel, ihre Tochter Vollmar Anna. Allen Mitspielern gebührt volles Lob. – Nach einigen Einlagen des Orchesters Schwägle, das wiederum bestes bot, folgte in der Pause die Gabenverlosung, die flott vonstatten ging und hoffentlich den Veranstaltern auch einen klingenden Erfolg einbrachte, wie sie alle Gäste befriedigte.

Von den Programm - Nummern des 2. Teiles sei zuerst genannt „Der Kinder Krippenspiel“ und „Rund um die Krippe“, welch beide Stücke von den Kleinen in köstlicher Art über die Bretter gingen und größten Beifall fanden. Hier stand als Spielleitung H. H. Chrysostomus dahinter, dem für diese riesige Arbeit herzlicher Dank gebührt. Das 2. Spiel der Burschen, die ohne Regisseur ihre Rollen einstudierten, betitelte sich „Der Pfefferkuchenmann“ und ist ein prächtiges Weihnachtslustspiel, das einen wissenschaftlichen Streit zweier Professoren als Stoff zur Handlung hat. Onkel Moritz muß hier helfend einspringen, daß sich die beiden Liebenden, Harry und Wally, finden können trotz des alten Zwistes. Den Professor Streuer stellte Vorstand Andreas Lohr in origineller Weise, desgleichen auch Josef Schneider – Leupolz den Professor Wörmann; Erna, Streuers Frau, spielte Marie Lohr, Wally, beider Tochter Kille Zenta, Onkel Moritz war Petrich Anton – Leupolz und Wörmanns Sohn Harry Kille Johann, Haitzen. Da sämtliche Mitwirkenden ihr Bestes gaben, führte dieses lustige Spiel ebenfalls zu einem vollen Erfolge. — Anerkennung verdiente ferner auch die Sängerriege des Kath. Arbeitervereins, die unter Leitung von H. H. P. Petrus in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon vieles erreicht hat. Besonderen Beifall fand der vierstimmige Chor „Das deutsche Herz“, aber auch die weiteren 2- und 4-stimmigen Lieder wurden durchwegs gut zum Vortrag gebracht. Alles in allem können der Burschen- und der Arbeiterverein mit Stolz auf den schönen Verlauf ihrer gemeinsamen Weihnachtsfeier blicken.
Zum Ende unseres Berichtes sei noch der einen Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Notweihnacht 1932 im kommenden Jahre eine bessere Zeit folgt und wir aus tiefstem Innern singen können:
„O du fröhliche, o du selige . . .!“

Von der Weihnachtsfeier des evangelischen Vereins im Mohren erfuhren die Leser des Memminger Volksblatts ebenso wenig wie von der Weihnachtsfeier des NSDAP-Ortsvereins im Rosenkeller am 31.12.1932. Der „Allgäuer Beobachter“ wiederum ignorierte die Veranstaltungen des KBV und des Arbeitervereins komplett – ging dafür aber auf den evangelischen Verein ein …

Laut einer Annonce am 31.12.1932 wurde „Das Hungerjahr“ auch vom Katholischen Gesellenverein Memmingen aufgeführt: am 1., 6. und 8. Januar 1933.
[Das Schuhgeschäft Kratzer verlegte zum 1.1.1933 sein Geschäft ins das „Haus Fink“ (Bahnhofstr. 101, nach 1951 Hausnr. 14; pdf 708]

Das Foto stammt aus dem Nachlass von Steinmetz Max Holzmann, der selbst mitspielte. Eine weiteres Mal ist es im Fundus von Frau Böhm (Memminger Straße) vorhanden, da auch ihr Vater – Herr Maier – mitwirkte (er steht in der obersten – unvollständigen – Reihe ganz links). Auf der Rückseite der Karte steht „Das kann das Leben nur einmal geben. Vielleicht ist's w.. vorbei?“ Dazu ein paar Zahlen, vermutlich eine Abrechnung  („Summa summarum“) mit dem (uns unbekannten) Fotografen.

Ebenfalls in der Zeit zur Aufführung gelangt: das Proüaganda-Film „Tannenberg“ sowie Leni Riefenstahls Drama „Das blaue Licht“ (hier: Werbung der Ottobeurer Lichtspiele).

Abschrift, Recherche, Bildbearbeitung und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 12/2018