Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




1938 - 1945 – Aquarelle mit Motiven aus Ottobeuren und Umgebung von Valentin Ott


  • Die Datei ist zu groß, um als Vorschau angezeigt zu werden. Bitte öffnen oder speichern Sie sie über den Download-Button (hier am Fenster rechts unten).
    This file is too big to be displayed in the preview window. Please open or save it by using the download button (bottom right, next to this window).

   Download

Zehn wunderschöne Aquarelle, darunter fünf mit Ottobeurer Ansichten, malte der Münchner Architekt Valentin Ott (* Kirchheim b. München, 03.04.1886, † 24.07.1973) in den 1930 und 40er Jahren.

Den Ausgang nahm die „Schatzsuche" im Dezember 2017 bei einem Interview mit Monika Kohler (geb. Kuhn) in Markt Rettenbach. In einem Album tauchte eine gedruckte Ansicht des Nepomuk am kleinen Marktplatz (Blick Richtung Engel und Gerle) auf, signiert mit „Val. Ott 38“. Die Annahme, „Ott" wäre eine Abkürzung für Ottobeuren, lag nahe, eine erste Internet-Recherche führte dann aber zu Valentin Ott nach Obermenzing. Wie kommt es, dass er in den damaligen Altlandkreisen Memmingen und Mindelheim Aquarelle malte? Warum hängen in einer Ottobeurer Wohnung Bilder des Salzburger Bürgermeisters Max Ott?
Die Lösung ergab sich über eine Recherche zur Familienbande. Zum einen fand sich im Ottobeurer Tagblatt vom 20.03.1919 eine Todesanzeige für den am 19.03.1919 im Alter von 61 Jahren verstorbenen Kaminkehrermeister Karl Ott. Die genannten Orte („Ottobeuren, Weilheim, Salzburg, München, Obermenzing und Pasing, den 10. März 1919“) beleuchten die Verzweigungen der Famlilienbande auf.
Am 24.03.1919, S. 3, erschien noch ein kurzer Nachruf:
Beerdigung. Unter einer großen Anzahl Teilnehmender, namentlich aus der Bürgerschaft, wurde letzten Samstag nachmittags die irdische Hülle des in weiten Kreisen bekannten und geachteten Herrn Kaminkehrmeisters Karl Ott zu Grabe geleitet. Ein langwieriges schweres Leiden fesselte ihn schon seit Monaten ans Krankenlager und war deshalb der Tod für ihn eine Erlösung von dem schmerzlichen Leiden. Seine Gattin mit drei Töchtern betrauen den Hingang eines treubesorgten Familienvaters. — Möge er ruhen in Frieden!“

Im „Einwohnerbuch von 1937“ ist auf Seite 305 die Privatiere Katharina Ott in der Schwabensiedlung 215 ⅓ genannt, die Witwe Karls.
Im „Alphabetischen Straßenverzeichnis von Ottobeuren“ (1951) steht hier (mit neuer Hausnummer 13) Karl Schurrer.

Zu Katharina Ott findet sich im „Allgäuer Beobachter”, Freitag, 11.08.1939 auf S. 8 die Meldung:
Todesfall. Donnerstag abends starb nach mehrwöchiger Krankheit Frau Katharina Ott, Privatiere, ehem. Kaminkehrermeistersgattin, im Alter von 79 Jahren. Die Verstorbene erwarb sich im öffentlichen Leben durch tatkräftige Förderung des Deutschen Roten Kreuzes besondere Verdienste. Frau Ott zählte zu den Gründungsmitgliedern des ehem. Frauenzweigvereins Ottobeuren im DRK und durfte anläßlich der 50-Jahr-Feier dieser Organisation im Dezember 1938 eine herzliche Ehrung entgegennehmen. – Die Beerdigung findet am Sonntag, mittags 1 Uhr, statt.

Valentins Bruder Martin Ott – die beiden betrieben von 1909 bis zum Tode Martins 1957 in München ein gemeinsames Architektur- und Immobilienbüro – heiratete am 23.10.1920 Anna Hafner aus dem Ottobeurer Nachbarort Attenhausen. Anna hatte vier Brüder, zwei davon betrieben in Ottobeuren eine Viehhandlung („Viehgroßhandlung Gebrüder Hafner“, Luitpoldst. 121¼), bauten später die heute noch existierende „Hafner-Villa“. (Zu den Hafners in Attenhausen ging man vor der Einrichtung einer Bankfiliale, um sich Geld zu leihen.)

Dennoch fehlte die entscheidende verwandtschftliche Verbindung zwischen Karl Ott, dem Salzburger Bürgermeister Max Ott und Valentin. Der Schlüssel liegt in der gemeinsamen Herkunft aus dem Württembergischen Rimpach (heute zu Leutkirch).

Dort findet sich der gemeinsame Nenner der Familien-Biografie. Eine Prinzessin aus dem Hause Waldburg-Zeil soll einen Schuster geheiratet haben. Trotz dieses unstandesgemäßen Verhaltens bekamen die beiden Schloss Rimpach.
Johann Martin Ott, geboren am 22.12.1856 in Rimpach (gestorben 09.08.1918 in Pasing), lehrte ab 1902 als Hauptlehrer an der Volksschule in Obermenzing an der Pippinger Straße, dem heutigen städtischen Kindergarten. Mit seiner Frau Elisabeth Birnkammer, geb. 1860 in Moosburg, hatte er fünf Söhne: Konrad (geb. 1882), Martin (geb. 1883), Max (geb. 1885; nicht der Salzburger Max; er betrieb in Pasing ein Fotogeschäft), Valentin (geb. 1886) und Franz (geb. 1889; wanderte nach Chile aus und liegt als einziger nicht im Familiengrab in Pasing).

Max Ott (* 2. November 1855 in Rimpach, Gemeinde Friesenhofen – heute Ortsteil von Leutkirch im Allgäu) in Württemberg; † 23. April 1941 in Salzburg) war von 1912 bis 1919 und von 1927 bis 1935 Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg und in den Jahren 1918 - 1919 stellvertreter Landeshauptmann von Salzburg.
Als vertiefte Info findet sich im Internet: Max Ott besuchte in München die Bauschule, brach sie nach zwei Jahren vorzeitig ab und kam 1883 nach Salzburg. Hier erwarb er eine Kaminkehrergerechtsame, richtete sein Interesse aber bald auf die lokale Politik.
Am 29. April 1892 wählte ihn der dritte Wahlkörper in den Gemeinderat der Landeshauptstadt, wo er sich vor allem in technischen und finanziellen Fragen bewährte. Unter Bürgermeister Franz Berger wurde er 1900 Zweiter und 1903 Erster Bürgermeister-Stellvertreter. Ab 1902 gehörte er auch dem Salzburger Landtag an.

Der 1919 verstorbene Ottobeurer Kaminkehrermeister Karl Ott wiederum war ein Bruder der beiden oben genannten. Sein Geburtsort ist zwar nicht angegeben, muss aber entweder ebenfalls Rimpach oder Legau gewesen sein. In der Generation sollen es laut Resi Dilger (Interview 29.12.2018; sie ist selbst weitläufig mit den Otts verwandt) fünf Brüder gewesen sein (ev. auch Schwestern).
Ob es die Eltern (die Prinzessin und ihr Schuster) oder die Großeletern waren, ließe sich mittels Ahnenforschung bei den Waldburg-Zeils erfahren. Die Eltern seien früh gestorben, die Brüder kamen in ein Waisenhaus. Welche Rolle eine Mühle in Legau als Familiensitz spielt, ist noch nicht geklärt.

Zu den Aquarellen:
Es sind sehr idyllische-idealisierte Bilder. Jeglicher Hinweis auf das nationalsozialistische Zeitgeschehen fehlt. Wir sehen die Bahnhofstraße (ganz links die Fahrradhandlung Mayer, daneben die Metzgerei Micheler mit barocker Fassade, Bäckerei Döring, rechts Max Mahler und Kaufhaus Müller) mit Schulkindern sowie einer jungen Frau auf der Straße, im Hintergrund sehen wir Rathaus und Basilika. Rechts unten ist der Prägestempel des Papierherstellers Schöllershammer aus Düren (NRW) erkennbar.

Die Günzbrücke mit Nepomuk mit Blick auf den Gasthof Goldener Engel, Conditorei und Cafè Josef Gerle, ganz rechts den Gasthof zur Post; datiert 1938.
Dann das landwirtschaftliche Anwesen des Bürgermeisters (von 1933 - 35) Anton Fickler in der Ottostraße mit einem Geschwisterpaar, die zum Füttern der Hühner die Straßenseite wechselt. Zum Vergleich die wirkliche Ansicht aus dem Jahre 1909.

Die Firma von Otto Martin, davor ein längst abgebrochenes Wohngebäude, das mal als AOK-Filiale genutzt worden war.

Und schließlich eine Ansicht der Oberen Mühle, hinter dem Jäger freie Sicht auf Kloster und Basilika, rechts von der Mühle zwei große Gebäude, die es nicht mehr gibt, im Vordergrund links der sogenannte Ross-Stall, rechts der damalige Saustall (Schweinestall), der heute von einem Taubenzüchter genutzt wird. Datiert ist das Aquarell mit 1942.

Abrufbar sind hier zusätzlich drei Ansichten aus Erkheim (Gasthaus Krone mit Postkutsche, Kronen-Apotheke und evangelische Kirche, sowie ein mit 1945 datiertes Bild der katholischen Kirche samt Pfarrhof; auf der Straße ziehen Frauen einen Schlitten, ein Junge steht auf Langlaufskiern, rechts kommt ein Pferdefuhrwerk auf Kufen), eine aus Frechenrieden (Hof Fakler oder Fackler) und abschließend eine schöne Ansicht der Dorfstraße in Günz (links der Brauerei-Gasthof Laupheimer), datiert mit 1943.

Valentin kam mit dem Vater – dem vorher erwähnten Hauptlehrer (Johann) Martin Ott – 1902 nach Obermenzing; ab 1927 in Pasing; heiratete am 30.06.1925 die Moosburger Schreinermeisterstochter Maria (08.05.1893 – 10.03.1976, geb. Grabmayr, Heirat in Moosburg); er baute für die Familie 1936 in Pasing ein Haus.
Valentin und Maria Ott hatten zwei Kinder: Franz Josef, genannt Beppo bzw. Pepperl (1929 - 1992), war Grafiker und Illustrator (Schulbuchfigur „Uli der Fehlerteufel“; über 20 Bände, für 9 Bundesländer zugelassen,10 Millionen Auflage) und Maler. Und Valentine Urban-Ott (*1927).
Franz Josef Ott wiederum ist Vater des Diplom Kommunikationsdesigners FH und Fotografen Maximilian Ott (geb. 1967 in Schwabing, seit 1994 Pasing) und von Bettina Ott (verheiratete von Weitershausen).
Der hier genannte Enkel Maximilian berichtete zur Motivation der Bilder-Verkäufe seines Großvaters:
Valle Ott fuhr übers Land und tauschte Bilder gegen Naturalien. In Hunger- und Kriegszeiten war man froh,wenn man für ein Bild ½ Hendl oder 10 Eier bekam.“
Ein noch nicht gelöster Widerspruch:
Die Brüder Martin und Valentin „Valle“ Ott gingen mit zahlreichen Bauten in die Pasinger und Obermenzinger Ortsgeschichte ein. (z.B. 1925: Direktionsgebäude der Leistenfabrik Berne in Pasing, Am Knie; 1926: Feuerwehrhaus Obermenzing; 1929: Erweiterungs- und Umbauten Institut der Englischen Fräulein, Pasing; Erweiterung Schulhaus Obermenzing, Grandlstraße; 1936: Direktionsvilla der Papierfabrik Pasing, Planegger Straße; zahlreiche Villenbauten). Valle Ott tat sich hierbei als der Entwerfer, Plänezeichner und Künstler hervor, während Martin der Kaufmann und Organisator war.
Martin und Valentin sollen also als Architekten derart herausragende Bauten entworfen haben, im Krieg aber keine Geld (mehr) gehabt haben? Waren sie ev. inflationsgeschädigt?

Auf allen Bildern sind im Himmel Raben zu sehen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass auf dem 1935 gebauten Haus von Erika Krainhöfner in der Schwabensiedlung ein Rabe auf dem Dach zu sehen ist! Frau Krainhöfner (geb. Schurrer) hat zusätzlich ein Bild von Valentin Ott, das dieser 1920 von der unteren Mühle gemalt hat.
Die Adresse ihrer Eltern, Karl und Karoline Schurrer (geb. Ott) vor der Schwabensiedlung lautete Bahnhofstraße 95 1/7b (95 1/7 war die Druckerei Max Werner). Im Straßenverzeichnis von 1951 ist ihr keine Hausnummer zugeordnet; die von Max Werner hat (die heute gültige) Nr. 34. Das Haus an der Stelle der Nr. 34 war im selben Backstein-Baustil erbaut wie das gegenüber liegende (Kohlenhandlung Notz, Haus Nr. 29); wann es umgebaut wurde, ist (noch) nicht bekannt. In der Bahnhofstraße 34 ist heute die Stiftung KulturLandschaft Günztal untergebracht.

Abrufbar ist hier ein Katalog (Ansichtsexemplar, 60 S., pdf, ca. 5 MB) einer Werkschau dreier Generationen Ott, die vom 09.12.2008 - 18.01.2009 in der Pasinger Fabrik (August Exter-Str. 1) lief.
Und schließlich ein Foto (aus dem Personalausweis von 1962 entnommen) von Valentin Ott sowie vom obern erwähnten Wohnhaus der Schurrers in der Bahnhofstraße.

Viel Spaß beim Betrachten der Bilder. Dieser Beitrag ist der letzte Eintrag für 2018. In dem Jahr wurden 58 neue Themen eingepflegt, gesamt jetzt 621!

Hinweis: Die Aquarelle dürfen nur für gemeindliche und private Zwecke genutzt werden. Für anderweitige Nutzungen bitte mit Maximilian Ott Kontakt aufnehmen!
Recherche, Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 12/2018