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01.01.1933 – Neujahrsunterhaltung des Theatervereins Ottobeuren


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Unterhaltung kam nicht aus dem Fernseher oder übers Internet, die Ottobeurer gestalteten ihre Unterhaltung selbst – allen voran der rührige Theaterverein.

Im parteinahen „Allgäuer Beobachter“ (Nr. 297 vom 23.12.1932) stand folgende Ankündigung:
Ottobeuren. (Theaterverein Ottobeuren.) Etwas besonderes Schönes und Gutes wird der Theaterverein am ersten Tag im Jahre seinem geschätzten Publikum bieten. – An Neujahr großer „Bunter Abend!“ – Gesang, Tänze, Einakter, Melodram, heitere Vorträge, zierliche Mmuette [Menuette], werden die Besucher in bunter Reihenfolge unterhalten. Dem Verein gelang es, eine Solotänzerin für seinen Neujahrsabend zu gewinnen, deren liebenswürdiges Mitwirken die Darbietungen wesentlich bereichern wird. Die zierliche und graziöse Biedermeier- und Rokokozeit wird an unserm Auge vorüberziehen. Auch der Ernst des Lebens wird in einem Melodram zum Herzen sprechen. Lustiges aus dem Soldatenleben wird in die Stimmung zurückgerufen werden. Nun wollen wir nur noch verraten, daß ein schmissiges, 18 Mann starkes Orchester, die Stimmung erhöhen hilft. Drum an Neujahr: „Kommt, seht, hört und erfreut euch!“

Die Besprechung der Veranstaaltung fand sich im Allgäuer Beobachter Nr. 1, vom 02.01.1033 (S. 6):
Ottobeuren. (Bunter Abend im Theaterverein.)
Ein volles Haus war gestern abend dem vom hiesigen Theaterverein veranstalteten großen „Bunten Abend“ beschieden. Überaus reich war das Programm zusammengestellt, Handlung auf Handlung wechselte und nur zu oft wurde den Leistungen nicht endenwollender Beifall gezollt. Das Gebotene übertraf noch alle gehegten Erwartungen weit. Ein Einleitungsstück des Orchesters, heute besonders ausstaffiert – eine Begrüßungsansprache durch Hrn. Peter Rinderle und schon beginnt die Reihenfolge bunt durcheinander, von Frau Lehrer Schurrer in kurzen sinnigen Reimen vorher angesagt: Biedermaierzeit [Biedermeierzeit] (Frl. Sofie Hasel, Frl. Hilde Raith). Melodram: „Fremdenlegion“ (Herr Fritz Schmidt), „Spieldose“ (Frl. E. Beck-München), „Gesangsvortrag“ (Fritz Schmidt), „Solotänze“ (Frl. Edeltraut Beck-München). „Bauernmusik (Orchester, 5 Damen, 5 Herrn), „Schuhplattler“ (Herr und Frau E. Haisch, Frl. Zettler und H. Zettler jr., Wolfertschwenden) „Gaisbua“ (Herr Jos. Kratzer), „Matrosenbande“ (6 Damen), „Ein Bayer“ (Herr Reichenwalder). Zum Schlusse: „Lustiges aus dem Soldatenleben“ (Herren Lehrer Schurrer, Josef Hasel, Notz Xaver, Schmittle Georg, [Josef] Dotzl). Dazwischen gab dann noch das Theatervereinsorchester sein Bestes. Eine glänzende Leistung der Vortragenden, der Spieler und Spielerinnen gab dem Abend ein harmonisches Gepräge. Eine ganz besondere Note erhielt dieser dann insbesondere durch die gütige Mitwirkung von Frl. E. Beck als Solotänzerin. Hochbefriedigt nach Stunden heiternster Erlebnisse schied das Publikum vom „Postsaale“ der Musterstätte unseres Marktes.

Foto Theatervereinsorchester (Zuordnung siehe Foto mit Nummern):
1 = ?
2 = ?
3 = Bäcker Wagner („Schiaßstattbäck“)
4 =
5 = Josef Hasel (16.05.1897 - 06.01.1985, ab 1935 Bürgermeister)
6 = Frieda Schubert
7 = Konrad Raith
8 = verm. Hilde Raith
9 = Walter (?) Specht (vom Modehaus)
10 = Willi Hohl (?) (Steinmetz)
11 = ?
12 = Karl Schurrer (1898 - 1974)

Das Foto vom „lustigen Soldatenleben“:
(v.l.n.r.) Karl Schurrer, Georg Schmittle (Fotograf), Josef Hasel, ?, Josef Dotzel (Maler/Anstreicher mit Betrieb in der Klosterwaldstraße 40 [alte Zählung], gleich nach der Günzbrücke rechts; war ein „Original“)

Das Bild der Frau im Biedermeier-Kostüm zeigt Karolina („Lina“) Schurrer (geb. Ott; 16.02.1894 - 1982), fotografiert von Georg Schmittle

Erika Krainhöfner sei für die Zurverfügungstellung der Fotos herzlich gedankt.
Repros, digitale Nachbearbeitung und Abschriften: Helmut Scharpf, 03/2019