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30.03.2019 – Tag der offenen Tür am neuen „Camping Ottobeuren“


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Im Ottobeurer Nordwesten gibt es seit Kurzem einen Campingplatz mit 85 Stellplätzen. Die Betreiber – Sabine und Clemens Vollmar – stellten ihn bei einem Tag der offenen Tür am 30.03.2019 der Bevölkerung vor.

Wie entstand die Idee? Die Vollmars gehören seit 27 Jahren selbst zu den Camping-Begeisterten. Den Ausschlag dazu, die Seiten zu wechseln, entstand letztlich darüber, im Leben etwas Neues zu beginnen, sich beruflich zu verändern. Die Aussicht, den Gästen sieben Tage die Woche zur Verfügung zu stehen, macht dem Betreiber-Ehepaar keine Sorgen – ganz im Gegenteil, denn beide haben Freude an der Kommunikation mit den „Menschen in Urlaubslaune“. Für den eigenen Urlaub ist von Dezember bis Februar Zeit, wenn der Campingplatz Winterpause hat. Während der Campingsaison lassen die Bürozeiten (8 - 11 und 15 - 20 Uhr) freilich keine großen Spielräume.

Bei den Vorbereitungen halfen zum einen die Campingfachmesse Campingtag Bad Windsheim, zum anderen Betreiber anderer Plätze, die bereitwillig Auskunft gaben. Dazu kamen eigene Ansätze, wie der des Matratzenlagers oder des Angebots regionaler Produkte. Auch gebaut wurde nur mit regionalen Firmen. Leihräder gibt es auf dem Platz selbst nicht, zur Zeit auch nicht bei Anne's Bikeshop in Ottobeuren. Für diejenigen Gäste, die E-Bikes bzw. Pedelecs mitbringen, wird es schon bald eine Lademöglichkeit geben; der ADFC hat dies mit dem Label „Bett & Bike-Betrieb“ honoriert. Für Radbegeisterte sind es übrigens nur ca. 100 m Luftlinie zum DB-Radweg, der auf der Trasse der bis 1996 betriebenen Bahnline 8 km nach Norden durchs Günztal führt. Täglich gibt es über die Filiale der Mindelheimer Bäckerei Ried im Ottobeurer REWE frische Backwaren (sonntags werden sie in Erkheim geholt).

Erster Gast in der Hawanger Straße 20 war Ende Juni 2018 ein schweizer Architekt, der nach Ruhe suchte und letztlich gleich drei Wochen auf dem Campingplatz blieb, um zu arbeiten. Überhaupt zeichnet sich bereits jetzt ab, dass der Platz nicht nur von klassischen Touristen genutzt wird, sondern viel auch von Geschäftsreisenden und Handwerkern, die damit ein Stück weit ihre Individualität wahren. Dauercamper sind nicht vorgesehen, als Besonderheit gibt es jedoch ein – komfortables – Matratzenlager mit 34 Betten.
Der letzte Gast verließ am 27.11.2018 den Platz, obwohl 2018 vieles noch nicht fertig war. Die Straße, die von den Vollmars als Stichstraße auf gemeindlichem Grund von Westen her gebaut wurde, soll die Anwohner im „Schinderwäldele“ schonen; der nach Ottobeuren führende Seitenast der Memminger Straße soll nur den Fußgängern und Radfahrern dienen.

Musste man früher teures Geld für einen Eintrag in einem gedruckten Campingplatzführer bezahlen, so wird das Gros der Werbung heute – kostenlos – durch die Gäste selbst erledigt, indem diese den Ottobeurer Platz auf den entsprechenden Reiseportalen und Apps eintragen. Damit wird man in kürzester Zeit überall gefunden und entsprechend gebucht („Camper Contact“ aus den Niederlanden, „Stellplatzradar“, „park4night“ oder über Google). Hilfreich sind freilich auch redaktionelle Beiträge wie der vom Oktober 2018 im Magazin „Reisemobil International“ („Großes Projekt für zwei“, S. 184f.), um damit die Bekanntheit zu steigern. Und natürlich wird der Platz auch über die eigene Website www.camping-ottobeuren.de gefunden.

Auch wenn die Vollmars selbst viele Plätze kennen, mussten sie sich doch in eine Vielzahl von Themen und Vorschriften neu vertiefen. Wie rechnet man individuell den Strom ab, der bis dato noch pauschal in Rechnung gestellt worden war? Wie bietet man den Gästen WLAN an? Die Vorgabe, 96.000 Liter Löschwasser zu bevorraten, nutzen sie clever einfach doppelt, indem sie über die 100 m² Solarthermie auf dem Dach daraus einen 10.000 Liter Heißwasserspeicher sowie einen 100.000 Liter Langzeitspeicher machten. Der betonierte Keller wurde dazu von einem heimischen Fachbetrieb (Peter Baur) mit Folie ausgekleidet. Zwei Wärmetauscher übertragen die Wärme in den Brauchwasser- und Heizkreislauf. Sollte die Wärme mal nicht reichen, dann steht ein Pelletkessel zur Verfügung. Der regionale Energieversorger liefert Ökostrom aus heimischer Wasserkraft. Auch sonst verfolgt man einen nachhaltigen Ansatz:
Bio-Kaffee aus fairem Handel („Hand-in-Hand“ der Fa. Rapunzel) und fairer Zucker fielen dem Besucher des Tages der offenen Tür ebenfalls auf. Rapunzel liefert zum Frühstück auch das Nougat, von der Ottobeurer Metzgerei Fischbach kommen Wurstwaren in Dosen. Käse wird wegen des hohen Verpackungsaufwandes keiner mehr angeboten – man möchte möglichst wenig Müll produzieren. Aus dem Wasserhahn kommt „belebtes Wasser“.

Wenn die über 100 heimischen Sträucher in wenigen Jahren etwas größer geworden sein werden, wird sich der Campingplatz deutlich besser in die Landschaft einfügen und den Zaun verstecken. Die Marktgemeinde hat das Vorhaben begrüßt und über Grundstückstausche unterstützt. Einen verträglichen Standort zu finden, war freilich nicht ganz einfach: Am Schachen war die Zufahrt zu steil, am Rande des Schelmenheider Waldes – an der Gustav-Stein-Straße (Eldernsiedlung) – hatte sich Anwohner-Widerstand formiert. Die Betreiber versuchen am jetzt realisierten Standort nach Kräften, die Auswirkungen zu minimieren. Die Zahl der Gäste und Übernachtungen in Ottobeurer wird jedenfalls weiter steigen. Und auch Ottobeurer selbst kommen schon vorbei, um sich auf der Sonnenterrasse mit schönem Rundblick auf den Ort und aufs Günztal zu entspannen!

Fotos, Interviews und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 04/2019