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01.01.1710 – Festpredigt zum 50. Priesterjubiläum von Abt Gordian Scherrich


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Abt Gordian Scherrich (1635 - 1710) war maßgeblich beteiligt, die Überzeugungsarbeit für die Notwendigkeit eines Kosterneubaues zu leisten. Das Konventgebäude befinde sich in schlechtem Zustand und müsse „mit der Zeit notwendig von newem erbawt werden“, hatte es schon 1682 geheißen. Der Widerstand des Konvents war gleichwohl groß. Die Verdienste des Abtes – im Amt von 1688 - 1710 – wurden anlässlich seines Priesterjubiläums ausführlich gewürdigt.

Am 01.01.1710 konnte Abt Gordian – der Vorgänger von Abt Rupert Ness II. – sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern, am 8. März 1710 starb er in Folge eines unglücklichen Sturzes. Die am 1. Januar 1710 von „Georgio Leone Haim ab Haimenhofen“ gehaltene Kanzelrede wurde vermutlich nach der Benediktion von Rupert Ness (11.05.1710) in Salzburg in Druck gegeben. Sie liegt nunmehr in restaurierter Fassung vor; das Original befindet sich im Klosterarchiv. Dem Klosterarchivar, Pater Rupert Prusinovsky, sei für die Zurverfügungstellung herzlich gedankt.

Wer der Festredner (übersetzt: „Georg Löwe von Heimhofen“) war, wird von Martin Sontheimer in seinem zweiten Band über die Geistlichkeit des Kapitels Ottobeuren im Kapitel 10 (die Ottobeurer Marktpfarrei St. Peter) auf den Seiten 355 - 358 näher beschrieben. Dr. Georg Leo Heim von Heimenhofen war von 1683 - 1690 Ottobeurer Pfarrvikar, d.h. für die Pfarrkirche zuständig (heute: Haus des Gastes am Marktplatz), nicht für die Klosterkirche. Die Buchstaben „U. I. D.“ im Fuß der Titelseite stehen laut GenWiki für „juris utriusque doctor“, für „Doktor beider Rechte“ (kirchlich wie weltlich) und war als Abkürzung vom 17. - 19. Jahrhundert gebräuchlich. Die Bezeichnung „Protonotario apostolico“ weist den Redner als „apostolischen Protonotar“ aus und damit entweder als einer Prälaten der römischen Kurier oder als hochrangigen Träger eines päpstlichen Ehrentitels, z.B. eines Titularbischofs.
Dr. Heim war zuvor Hofkaplan des Fürstabtes von Kempten und Pfarrer in Oberlauben gewesen. Dem Ottobeurer Konvent war er von Abt Benedikt Hornstein am 1.11.1683 präsentiert worden. Während Heims Amtszeit, genauer: in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1686, brannte der Pfarrhof (heute: Ratskeller) nieder. Sontheimer schreibt: „Das Feuer, das dadurch entstand, dass ein Hilfspriester sein Kerzenlicht nicht gehörig verwahrte, griff so rasch um sich, dass der Pfarrvikar und seine Hilfspriester kaum ehrbar bedeckt mit dem Leben davonkamen. Mit dem Pfarrhofe wurden auch beinahe alle Pfarrbücher und Urkunden ein Raub der Flammen.“ Neben dem Ergebnis einer Pfarrvisitation 1687 erfahren wir außerdem noch, wohin es Dr. Heim nach seiner Stelle in Ottobeuren zog: „Dr. Leo Heim von Heimenhofen erledigte die Pfarrei durch Abzug. Er wurde Stadtpfarrer von Kaufbeuren und Kammerer dieses Kapitels.“

Unter „Haimenhofen“ finden sich keine Treffer, Heimenhofen war der Name eines im Mittelalter ausgestrobenen Adelsgeschlechts, aber auch eine Ortsteilbezeichnung (heute zu Ruderatshofen bei Marktoberdorf bzw „Heimhofen“, heute zu Grünenfurt im Westallgäu gehörig).

Nun zum Inhalt der Festpredigt:

Der Festredner stellt sein Licht zum Eingang unter den Scheffel und verkündet etwas dramatisch, er werde nur verdrießliche Worte finden und „Verderber diser Fest-Begängnuß seyn“. Eine Zahl wird nicht genannt, es waren aber viele Zuhörer anwesend („bey einer so ansehnlichen und volckreichen Versamblung“), auch Ehrengäste werden keine erwähnt. Warum es Georgio Leone Haim angeblich „unmöglich falle, in disem Freuden-Chor auch ein Stimm zu führen“, erklärt er anhand eines Bibelzitats (Brief des Paulus an die Philipper, 3, 13), in dem es heißt: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, ...“. In unserem Text von 1710 drückt er es so aus:
„Ich vergisse / was zuruck ist / und strecke mich auß auff das / was vor mir ist / und strebe nach dem vorgesteckten Zihl.“
Sprich, er wollte eigentlich nicht auf die zurückliegenden Verdienste eingehen, die sich der Abt erworben hatte, obwohl gerade dies von den Festgästen erwartet worden war. Es sollte ein Blick nach vorne werden, im Bewusstsein, dass es um den Dank an Gott gehe, nicht um die Beweihräucherung einzelner Persönlichkeiten. „Auff GOttes Ehr / und nicht auff ein ruhmsichtige Erinnerung lobreicher Thaten / ist alles angesehen. Dem Allerhöchsten ist dises Jubel-Fest zu schuldigstem Danck angesetzet.“

Der Kanzelredner rudert auf Seite vier dennoch zurück und bindet die Lebensgeschichte des 51. Abtes von Ottobeuren geschickt in die Gesamtgeschichte der bisherigen Äbte ein. Zitat:
„Nun so will man aber ... deß vergangenen nicht vergessen. Man suchet alles widerumb hervor / was die Vergessenheit schon vorlängst tieff tieff unter die Erden hat eingescharret : Man machet ein lange Rechnung zuruck : Man zehlet nicht nur die bald vollkommene tausend Jahr von der Stifftung / sondern die vortreffliche Vorsteher / so indessen die Regierung und Direction dises Hochlöblichen Reichs-Gottshauß geführet haben : Man kommet endlich auff den hohen Priester / auff den heuntigen Herrn Jubilatum , auff Ihro Hochwürden und Gnaden / Herrn Herrn GORDIANUM , den 51. würdigisten Abbten / um auch das jenige / was diser preißwürdigist gehandlet / vorzutragen.“
Er verbindet den Lobpreis auf den Abt mit seinem religiösen Auftrag: Gordian Scherrich sollte „als einen grossen Priester / und Diener GOttes / möge geehret / gelobt / und geprysen werden.“
Über das Kloster und Abt Gordian wachen dabei auch der heilige Benedikt und die seeligen Stifter des Klosters Ottobeuren: „Heiliger Patriarch und Ertz-Vatter Benedicte ! Gottseelige Stiffter dises gefreyten Reichs-GOtts-Hauß ! habt ihr bey diser Sach auch ein Hand ? Ja / antworten sie / das geschicht mit unserem Willen ; ja auff unser Zusprechen und Anordnen.“

Biografische Details sind rar, einen Hinweis erfahren wir zur Herkunft des Abtes: „... auch nicht münder allgemeiner Freud der sammentlichen Unterthanen / dann zu sonderbahrem Flohr und Auffnahm der Alt-Adelichen Famili der Scherchen von Aurdorff / von welchen neben anderen zu unterschidlichen Thum-Stiffter [Dom-Stifter] / Prælaturen / und Clöster erhebten Descendenten [Abkömmlinge, Sprosse, Nachfahren] / auch unser gegenwärtiger Hochwürdige Herr JUBILATUS herstammet.“ Auf Seite sieben wird auf seine ungefähr sechzigjährige Klosterzugehörigkeit hingewiesen: „... welcher vor 60. Jahren ungefehr sich in dises hochgelobte Orth Gelübts-weiß eingeschlossen ...“

Auf Seite sechs findet sich ein Absatz, der (noch) nicht recht erklärbar ist. Wer mit den „Vögelein“ gemeint ist, „die sich auff das Closter-Tach gesessen und bey Nächtlicher Weil sehr lieblich gesungen haben“, ist unklar. Im Vorwort zu seinem dritten Band der Jahrbücher kommen ähnliche Andeutungen vor, mit der sich (in dem Fall) Pater Maurus Feyerabend wohl auf Zuträger, Kritiker, Denunzianten oder gar Verräter bezieht: „... und nebenzu verdient auch der Jenaische Herr Rezensent des ersten Bandes, oder vielmehr der schwäbische Souffleur desselben, über seine so unerwartete, und so frei hin geschriebene Behauptungen und Einwendungen eine freundschaftliche Gegenbemerkung, die man dem Publikum aus Liebe zur Wahrheit schuldig ist.“

Von nichts kommt nichts, könnte man einen Seitehieb auf diejenigen verstehen, die sich nicht wohl verhalten, die ihre Zeit vertrödeln. Am jüngsten Tag bekommen diese ihre Quittung: „... dann der strenge Richter wird selbige vor ein Anklägerin bestellen ; Sie aber / die Beklagte / weilen unzahlbahr vil Stund / Tag / und Wochen von ihnen seynd verschlentzet / verspatziret / verspihlt / verprasset / und verschlaffen worden / werden zu ihrer äussersten Noth nicht finden / wie sie diser starck / und hart wider sie tringenden Widersprecherin Job. cap. 9. V. 3. unum pro mille ; eins vor tausend / antworten mögen.“

Auf Seite sieben unten folgt nun der besagte geschichtliche Abriss. Georgio Leone beginnt im Jahr 764 mit der Klostergründung durch den Gaugrafen Silach:
„Anno 764. hat Silachus , ein Durchleuchtiger Hertzog in Schwaben / sich gegen GOtt und der Zeit mit seiner Durchleuchtigen Gemahlin und 3. Herren Söhnen Totone , Gottberto , und Tagaberto ,  höchst danckbahr eingestellt / indem er seinen Hertzoglichen Sitz / Uttenbeyren auff Alt-Teutsch genannt / auß alt-Teutschem wohlmeinendem Hertzen (hilarem enim datorem diligit DEUS, 2. Corinth. 9. V. 7.) in ein hochadeliches  Stifft auff 12. Adeliche Religiosen / dem heiligen Benedictiner-Orden zugethan / zu Ehren der 12. heiligen Apostlen / umb seiner und seiner hohen Famili Seelen-Heyl willen verändert / und Totonem , gleich dem Königlichen Hohen Priester Melchisedech , der da beständig durch sich und seine Nachfolger Brodt und Wein in den wahren Leib und Blut Christi verwandlet / GOTT auffopfferen solte / vor den ersten Abbt bestellet.“

Man merkt, wie wenig letztlich über die Gründerzeit bekannt war. Ausführlicher wird der Festredner ab Seite 10 mit einem Abriss der Amtszeit von Abt Rupert I. (1102 - 1145) und folgenden Klostervorstehern. Mit Stolz wird Ottobeuren auf S. 12 als Hochschulstandort („ein Academi auffgerichtet worden“) genannt. Und natürlich bleibt auch die Mitgründung der Universität Salzburg unter Abt Gregor Reubi (1612 - 1628) nicht unerwähnt. („... da er mit seiner unvergleichlichen Klug- und Geschicklichkeit die Welt-berühmtiste Universität Saltzburg auffgerichtet / gleich Anfangs sechs seiner Religiosen dahin ad docendum abgeordnet / auch fürdershin Consiliô & Auxiliô , mit Rath und That / dise hohe Schuel promovieret und beförderet hat.“)

Auf Seite 13 schließlich kommt der Redner auf Abt Gordian zu sprechen und nennt das ein oder andere Detail. So z.B. seinen Hang zur Askese („... was Gestalten sie von Jugend auf / und in denen ersten Jahren der heiligen Profession sich der Tugend und Gehorsam beflissen haben. Dem Abbruch in Speiß und Tranck waren sie schon im ersten Flor ihres Alters dermassen zugethan / daß ihnen / als noch Fratri , die Schlüssel zum Keller anvertrauet worden.“).

Studiert hat (der spätere Abt) Gordian in Salzburg, das Studium schloss er mit Auszeichnung ab („... zu Saltzburg nicht ohne sonderbahrem Lob geschlossenen Studiis“). Es wurden ihm schon früh wichtige Ämter übertragen. Nach dem Rücktritt von Abt Benedikt Hornstein (1672 - 1688), wurde er als tauglichster Kandidat zum Nachfolger gewählt und die Inful aufgesetzt:
„Dahero Sie bey Zeiten vor tauglich geachtet worden / daß Sie zu unterschidlichen Aembteren / und der Rath-Stelle / sollen gezogen werden / in dero sehr reiffer und löblicher Vorstehung dann sie sich gegen der Zeit also eingestellet / daß / nach erfolgter Resignation des Hochwürdigen in GOTT Herrn Herrn Benedicti , durch Göttliche Disposition , auch wider ihren eigenen Willen / Ihnen die Inful auffgesetzt / und der Stab der Regierung / als dem Tauglichisten / in die Hand gegeben worden.“

Amtsführung und - trotz kriegsbedingt schweren Zeiten - Erfolge werden hochgelobt. Dies sei ganz offensichtlich („klar am Tag“):
„Wie vortrefflich nun Hochgedacht Seine Hochwürden und Gnaden biß auff gegenwärtige Stund Ihrer schwären Bürde der Regierung unter continuirlichen Kriegs-Troublen vorgestanden / und wie gutwillig hinwiderum Ihnen die Zeit auch in denen schweristen Angelegenheiten an die Hand gegangen seye / ist klar am Tag.“

Der Konvent wurde unter Abt Gordian deutlich vergrößert („umb ein Namhafftes vermehrt / stattliche Subjecta auffgenommen“), wobei wir leider nicht erfahren, wie viele Patres und Fratres zu der Zeit im Kloster lebten. Die neuen Mitbrüder hat er hausintern fortbilden lassen, aber auch in namhaften Instituten („auff hohen Schulen“) „in unterschiedlichen freyen Künsten und Wissenschafften unterweisen lassen“.
Nicht nur Mönche wurden aus- und fortgebildet, die Abtei Ottobeuren betrieb über Jahrhunderte eine eigene Klosterschule, über deren Schüler der Klosterarchivar gerade (2019) eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Das Collegium Rupertinum diente damals wie bis zur Auflösung (ca.) 1975 auch dem Heranziehen des Klerikernachwuchses. Zu Zeiten von Abt Gordian umfasste dies auch die schulische Bildung des Nachwuchses der (späteren) Klosterbeamten.
Auf Seite 15 heißt es:
„Will ich mehr sagen / so werden vor mich reden und peroriren so vil in dises Gottshauß immerzu florierendem Gymnasio mit mühesamer Sorgfalt aufferzogene Studenten. Auß disen ist nicht nur dises / sondern auch andere Gottshäuser mit qualificirten Religiosen / ja auch Infulirten Häupteren gezieret worden ; Auß disen ist der Ehrwürdige CLERUS mit gelehrten und tugendsamen Subjectis vermehret worden ; Auß disen ist das weltliche gemeine Weesen mit stattlichen Officialibus und Beambten versehen worden.“
Das Wort peroriren [perorieren] wird in einem Lexikon (Zedler: „Grosses vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste“, 27. Band, Leipzig und Halle, 1741, S. 523) wie folgt erklärt: „Peroriren, perorare, heisset vom Catheder eine öffentliche Rede halten, welches gemeiniglich in den Schulen von den Schülern geschieht, um sich in der Rede-Kunst zu üben. Und welche dergleichen thun, werden Peroranten genannt. (...) Perorieren heisset auch eine Sache vor Gerichte ausführen und mündlich vortragen.

Die Bewohner des Klosterstaats Ottobeuren kam der Abt in Notzeiten entgegen. Die Unterthanen kommen in der Rede vier Mal kurz vor.
- auf Seite 5 wird Abt Gordian als Zierde für den Benediktinerorden bezeichnet und als besonderer Trost („sonderbahrer Consolation“) für den Konvent und „auch nicht münder allgemeiner Freud der sammentlichen Unterthanen“.
- auf Seite 14: „Denen lieben Unterthanen haben Seine Hochwürden und Gnaden bey disen betrangten Kriegs-Conjuncturen das Steuer-Rueder gehalten / und durch ihre kluge Vorsichtigkeit auch in gröster Noth geholffen.“
- nochmals S. 14: Die Errichtung der Filialkirche in Niederdorf („incorporirte Pfarr-Kirchen Niderdorff“) wurde unter ihm „zu Trost und Freud der Unterthanen und Pfarr-Kindern / gar zierlich auffgericht.“
- abschließend auf S. 16: „... wachbahr zu Conservation deß Gottshauß / und der Unterthanen ...“

Die von Leopold I. übertragenen Freiheiten und Privilegien der Abtei Ottobeuren konnte Abt Gordian nicht nur erneuern und bestätigen lassen, sondern auch erweitern. („Die vor altem hergebrachte Kayserliche Freyheiten und Privilegia haben Seine Hochwürden und Gnaden von LEOPOLDO Primo , mildseeligister Gedächtnuß / nicht allein renoviret / und confirmiret / sondern auch augirt bekommen.“)

Als weiteren Verdienst zählt Georgio Leone den Kauf des (späteren) Ottobeurer Priorats im vorarlbergischen Feldkirch auf, das während Kriegszeiten als Fluchtort genutzt werden konnte: „... das uralte Gottshaus zu S. Johann in Veld-Kirch / als ein Vormaur vor sich und die Ihrige / zuerkauffen / welches Sie zu einem Asylo zum Erstenmahl in höchster Noth gebrauchen müssen / und mit Mehrung der Güter zu einem stattlichen Priorat verordnet haben.“

Auch um das Priorat in Eldern hat er sich verdient gemacht: Er ließ es von Grund auf neu erbauen, besetzte es mit einem Prior und mehreren Ottobeurer Mönchen. Eldern diente vielen Pilgern als Wallfahrtsort. So erklärt sich vermutlich auch das Wort „Dexterität“ – (hier von Dexteritas:) Dienstfertigkeit. Zitat: „Das Gottshauß Elderen haben Sie von Neuem auß dem Fundament kostbahr erbauet / und in das zuvor angefangene / aber durch ihre Dexterität außgemachte Clösterlein einen Superiorem mit etwelchen Patribus aus dem Löblichen Convent hinauß gesetzt / den ankommenden Pilgramben geistliche Hülff zu leisten.“

Abt Gordian schien sich trotz seiner 75 Jahre gut gehalten zu haben – damals schon ein biblisches Alter. Im Redetext heißt es denn auch:  „... wie munter und frisch noch unser Hochwürdiger Gnädiger Herr JUBILATUS , nach so hoch erlebten Alter / nach so wohl zuruck gelegter Zeit / seye.“ Sogar mit einem Bibelzitat wird dem Jubilar geschmeichelt:  „... bin noch heutiges Tags so starck / als ich war deß Tags / da mich zuerkundigen Moyses außgesandet;  wie mein Stärcke wäre damahlen / also ist sie auch jetzt zum Streitten / und auß- und eingehen.“
Ähnlich wie Caleb aus dem Buch Josua aus dem Alten Testament, der in diesem Bibelzitat beschrieben wird, sei es auch mit Abt Gordian: „Von unserem Hohen Priester / und Hochwürdigen Gnädigen Herrn JUBILATO kan schier eben gesagt werden / was von Caleb. Er ist 75. Jahr alt / und noch so starck in dem Geist ; So eifrig in der Religion ; So verständig in der Regierung;  So fleissig in dem Chor ; So wachbahr zu Conservation deß Gottshauß / und der Unterthanen / als Seine Hochwürden und Gnaden gewesen / da sie das Erstemahl zu allerhand Aempteren / und endlich zur Regierung kommen seyn.“

Der Festredner geginnt am Ende mit einer wahren Lobeshymne auf den Jubilar, nicht ohne nochmals auf die Reichsunmittelbarkeit des Klosters hinzuweisen:  „... was dann mehr übrig seye / als unserem Hochwürdigen Gnädigen und grossen Jubel-Priester / und zugleich dem Gefreyten Ohnmittelbahren Reichs-GOttshauß / das Io zuzuruffen / und mit Heerpaucken und Trompetten-Schall das VIVAT zu schreyen ?
Dabei bemüht er sogar einen Vergleich mit Julius Cäsar („Io ! Vivat , Floreat,  Vireat , Perennetque , JULIUS CÆSAR“)!

„Georg Löwe“ endet schließlich mit demütigen Worten: „Mich entgegen werffe ich demüthig zu Füssen / neben devotister Dancksagung vor alle mir und den meinigen von so vilen Jahren her erwisenen Gnaden / gehorsambst bittend / es geruhen Euer Hochwürden und Gnaden / und Dero Hochwürdiges Convent , mich und die meinige in allen Begebenheiten in Dero Hohen Gnaden zuerhalten / und meine in diser Ehren-Sermon begangene Fähler gnädig nachzusehen ; hingegen nicht ungnädig auffnemmen / wann ich mit vollen Backen nochmahlen intonire : Vivat , Floreat , Perennetque Reverendissimus Abbas & Jubilatus Magnus Sacerdos Gordianus ad Nestoris Annos.
Es lebe / es grüne / es regiere unser Gnädiger Herr
Reichs-Prälat und 50. Jähriger Hoher Priester
GORDIANUS , langwürige und unverdenckliche Jahrs-Früsten [lange und über ein Menschen-Gedenken hinausreichende Jahre]. Amen.“

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Trotz der auf Deutsch gehaltenen Rede kommt relativ viel Latein vor, wobei – wie man an dem vorigen Zitatbeispiel sieht – stante pede immer gleich auch die deutsche Übersetzung mitgeliefert wird.

In Ottobeuren gibt es keine Straße, die nach Gordian Scherrich benannt wäre, dafür in Wangen – dem Geburtsort von Abt Gordian. In Biberach an der Riß gibt es einen Scherrichweg. Ob das Geschlecht der in der Rede erwähnten Adelichen Famili der Scherchen von Aurdorff aus Aulendorf kommt, ist noch nicht geklärt, Abt Gordian ist in Wangen geboren. In Biberach gab es die „Scherrich von Auerdorf'sche Studienstiftung“, eine Kirchenstiftung, über die sich von 1855 bis 1940 Hinweise in Netz finden.
Pater Gregor Scherrich (29.04.1720 - 02.12.1773) war ebenfalls Konventual in Ottobeuren (Profess 1737, Primiz 28.09.1744). Er war ein Bürger Biberachs (Patricius Bibercensis) und führte das gleiche Wappen wie Abt Gordian.
Ein ausführlicher Artikel von Eugen Eisele mit intensiven Recherchen zur Familiengeschichte der Scherrichs findet sich in der Zeit und Heimat (Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur von Stadt und Kreis Biberach; Beilage zur Schwäbischen Zeitung) in Ausgabe 2 vom 03.04.1971.

Repros, digitale Restaurierung, Korrekturlesen, Zusammenfassung, Helmut Scharpf, Abschrift Franz Bermeitinger; 09/2019