Marktgemeinde Ottobeuren
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28.03.1933 - Drohung an Bgm. Fergg


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Nach der Machtergreifung der Nazionalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde sehr schnell mit Säuberungen begonnen. Flankierend hierzu wurde die Bevölkerung entwaffnet. Ottobeurens Bürgermeister Adolf Fergg wurde vom Bezirksamt (= heute Landratsamt) Memmingen angeschrieben, dass trotz Zusicherung (an den Reichstagsabgeordneten Wilhelm Schwarz) bei Einzelpersonen und im Kloster noch immer Waffen vorgefunden würden. Ein detaillierter Artikel zu Wilhelm Schwarz ist bei Wikipedia - Link s. oben - abrufbar und ist unten als Download ebenfalls eingestellt, samt einem Bild von Schwarz.

Im Schreiben vom 28.03.1933 wurde Fergg die volle persönliche Haftung („Schutzhaft") angedroht. Damit sollten „weite Kreise der Ottobeurer Bevölkerung“ beruhigt werden. Fergg wurde dazu aufgerufen „mit allem Nachdruck durch persönliche Einflussnahme insbesondere auf die Klosterleitung und die vormaligen Mitglieder der aufgelösten Bayernwacht Ottobeuren“ für die Einhaltung der Aufforderung zur Waffenablieferung, die durch die SA.-Führung in den Tageszeitungen und im Amtsblatt veröffentlicht worden war, zu sorgen.

Adolf Fergg war seit 15. Juni 1919 1. Bürgermeister. Die Sonderausgabe zur Kommunalwahl 1919 ist hier abrufbar. Der Druck, der seitens des Bezirksamts aufgebaut worden war, führte wenige Wochen später zum Rücktritt Ferggs. Im Ottobeurer Volksblatt hieß es dazu wörtlich:

Ottobeuren

1. Bürgermeister Fergg Ottobeuren von seinem Amt zurückgetreten

Dem Bezirksamt Memmingen als der vorgesetzten Behörde übersandte 1. Bürgermeister Fergg eine Erklärung, wonach er ab 10. April 1933 als Bürgermeister der Marktgemeinde Ottobeuren zurücktritt. Die Amtsgeschäfte führt 2. Bürgermeister Specht weiter.

Eine Begründung für seinen Rücktritt wird im Artikel nicht angegeben. Sein Nachfolger wurde Joseph Hasel, der bis 1945 und (nach kurzer Unterbrechung) weitere Jahre nach dem 2. Weltkrieg Bürgermeister blieb.
Adolf Fergg starb am 02. Dezember 1945.

Im Nachruf von Bürgermeister Alexander Wegmann am Grab (am 5. Dezember 1945) hieß es am Schluss seiner Rede:
„Ich vollziehe dieses Kranzes Widmung - bewusst der Pflicht des großen Dankes - erkennend und schätzend sein friedliebendes, gesellschaftliches so sehr begehrtes Wesen - uns seine überragende Schaffensfreude zum Wohle seiner geliebten Heimat.
Meine lieben Mitbürger! Nach dem großen Kriegsgeschehen ist es heute, an dieser hehren Stätte, die erste freie Begegnung zwischen Bürger und Bürger. Ein Amerikaner sagte in der Kanzlei des Rathauses: „Wir Amerikaner sind Menschen, die nicht hassen können!“ - Dieses Wort hat mich teif beeindruckt, zumal noch vor Monaten das deutsche Volk den Befehl erhielt: „Ganz Deutschland muß hassen lernen!“ Ich möchte in alle Wohnstätten rufen das Wort unseres Amerikaners - und zur Ergänzung möchte ich beistellen den herrlichen Ausruf eines, unserer heimischen, großen Predigers: „Vergessen? - nein! - aber Verzeihen! Ja!“ Dieses wäre der Frieden der ganzen Gemeinde.“

Dem Enkel von Adolf Fergg - ebenfalls Adolf Fergg (Tübingen) - sei für die Bereitstellung der Dokumente gedankt.

Im Geschichtsprojekt ist außerdem die Sonderausgabe des Ottobeurer Volksblatts zum 10-jährigen Amtsjubiläum Ferggs 1929 sowie seine Todesanzeige von 1945 eingestellt.