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ca. 1933 - Schreinerei Kuhn in der Ludwigstraße


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Die Perspektive an der Ecke Ludwigstraße - Goethestraße ist heute eine ganz andere. Das Haus Nr. 135, die „Bau- und Möbelschreinerei von Martin Kuhn ist als Gebäude zwar noch erhalten, aber die Goethestraße gab es zum Zeitpunkt der Aufnahme noch lange nicht. Heute gehört das Haus zur Goethestraße und hat die Hausnummer 1.

Schon 1819 ist das Haus in einer Ortskarte eingezeichnet, als das letzte Haus am südlichen Ende der Ludwigstraße. Hermann Köbele nimmt in seinem Artikel über die Hausnamen darauf Bezug und rechnet es dem „Oberen Markt“ zu. Die Schreinerei muss 1938 noch bestanden haben.

Vor dem Haus sitzen drei Personen: Elisabeth Schlichting (14.07.1913 - 19.12.2002), ihre Tante Maria Kuhn (geb. Schlichting, 06.08.1877 - 07.12.1973) - sie war die Schwester von Elisabeths Mutter - und ihr Onkel Martin Kuhn, Schreinermeister (22.09.1871 - 14.11.1956).
Der Bruder von Martin Kuhn, Jakob Kuhn (02.09.1870 - 20.01.1953) wurde Pfarrer, wie in einem eigenen Artikel über die Primizfeier nachzulesen ist. Ihre Eltern waren Jakob (1825 - 1901) und Maria Kuhn (1836 - 1909).

Elisabeth war eines von insgesamt neun Kindern - darunter ihre Zwillingsschwester. Sie wurde 1913 in der Eheimer Mühle geboren. Ihre Eltern waren Viktoria Schlichting (07.08.1883 - 29.09.1937) und Adolf Schlichting (09.06.1881 - 12.08.1950). Ihre Großeltern waren Elisabeth (1850 - 1918) und Josef Anton Schlichting (1845 - 20.07.1898; in der Säge an einem Herzschlag gestorben; ein Gedenkstein befindet sich an der Staatsstraße, an der Brücke über die Schwelk).
Der Besitz der Fam. Schlichting war früher für zwei Brüder in Säge und Mühle getrennt worden. Außer ihrer Zwillingsschwester kam in der Mühle im selben Jahr noch ein Geschwisterchen zur Welt. Deshalb wurde Elisabeth nach Ottobeuren zum kinderlos gebliebenen Ehepaar Kuhn gegeben u. von ihnen aufgezogen. Elisabeth wurde Pfarrersköchin in Markt Rettenbach bei ihrem Onkel, dem Geistlichen Rat Konrad Schlichting (1888 - 1978). Sie erbte das Haus mit der Bau- u. Möbelschreinerei der Kuhns. Als Konrad Schlichting in Rente kam, wohnte sie mit ihm wieder gemeinsam im Haus. Zeitweilige Bewohner waren auch Cousin u. Cousine aus der Ehwiesmühle, Josef Schlichting (blind) und Maria Schlichting (seine Schwester). Beide blieben ledig. (Später als sie bereits in der Eigentumswohnung lebten und als Maria starb, kam seine verwitwete Schwester Anna Strauß aus Schwangau, um ihn zu betreuen.) Kürzlich gestorben ist der Bruder der drei zuvor genannten, Rupert Schlichting, der in der Ehwiesmühle lebte (ehem. Besitzer). Sein Nachfolger als Gastwirt ist Sohn Ludwig.

Auch eine Flüchtlingsfrau namens König wohnte im Haus. Selbst die Handschuhmacherei Schreiber war nach dem Krieg zeitweise im Haus untergebracht.

Ca. 1980 wurde der hintere Teil des Gebäudes, in dem die Bau- u. Möbelschreinerei beheimatet war, abgebrochen u. nur das Wohngebäude stehen gelassen. Es wurden drei Eigentumswohnungen angebaut. Elisabeth, ihre Cousine u. ihr Cousin zogen in die neuen Wohnungen. Somit stand das Wohnhaus leer.

Die Datierung der Aufnahme ist nicht einfach: Wenn man annimmt, dass Elisabeth zum Zeitpunkt der Aufnahme 20 war, dann wäre es also ein Bild von 1933. Die Apfelbäume im Garten gibt es noch immer. 

Das Wohnhaus wurde am 23.04.1985 von Familie Harzenetter gekauft, renoviert und im Mai 1986 bezogen. Gertrud Harzenetter hat das Bild, das „immer schon im Haus hing“, zur Verfügung gestellt. Frau Graulich konnte als Nichte mit weiteren biographischen Angaben im Mai 2014 aushelfen. Scan und digitale Restaurierung sowie Vergleichsbild (vom 19.03.2013): Helmut Scharpf (03/2013)