Marktgemeinde Ottobeuren
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1767: A. Bayrhammer: Das Tausend-jährige und durch die Bischöfliche Einweyhung der neuen Kirche geheiligte Ottobeyren


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Bayrhammer Augustin: Das Tausend-jährige und durch die Bischöfliche Einweyhung der neuen Kirche geheiligte Ottobeyren: oder Merkwürdige Begebenheiten, welche sich Bey der Feyerlichsten Einseegnung der neu erbauten Kirche und dem Tausendjährigen Jubel-Fest Deß befreyten Reichs-Stiffts, und GOttes-Hauses Ottobeyren zugetragen, Carl Joseph Wanckenmiller, Ottobeyren (Ottobeuren), 1767, 160 S.

Bayrhammer (06.09.1719* - 04.01.1782) gibt in seinem Vorwort zwei Gründe an, die ihn zum Verfassen des Buches bewogen haben.
1. Die Schrift überdauert „Cedern, Ertz, und Marmor“ nicht; sie ist „der spaten Nachkommenschafft“ eine „immerwährende Stimme“. Dass „drey Hochwürdigste Bischöfe“, „so viele Durchleuchtigste, Hochwürdigste, und Gnädigste Reichs-Fürsten“, „vierzehen andere insulierte Häupter samt einer grossen Anzahl hoher Gästen“ zu Ehren der „tausendjährigen Braut“ kamen, was „fürwahr eine fast unerhörte Gnade ist, und wird „für unser GOttes-Hause zu allen Zeiten die gröste Ehre seyn“. Daraus folgt, dass „ein zukünfftiges Alter leicht folgeren, und schlüssen kan, was für Lob-Sprüche selbes demienigen schuldig seye, welcher allein nach so trüben Wolcken besonders der letzten Jahrhunderten ein so angenehme Glückes-Sonne hat aufgehen lassen, und nach so harten, und fast unzahlbaren Stössen ein so unerwartete Heiterkeit gegeben.“
2. „Ware nun dieser Beweg-Grund hinreichend mich zum schreiben zu bewegen; so nöthigte mich das allgemeine Verlangen das Werck zu beschleunigen.“ Es waren „nit allein die auß benachbart, und entfernten Oertern eingelauffene Briefe, sondern das ausdrückliche, und wiederhollte Verlangen der Höchsten, und Hohen Gäste, deren Augenwincke ich als Befehle billich verehre, meinen Kiel immer ermunterten.“

Spannend wäre es herauszufinden, wen Bayrhammer mit jenem „unbenannten Wälschen Redner“ meint, ebenso den Beitrag der in Augsburg gedruckten „Frantzösche Zeitungen Num. 82.“ Gerbert bezog den Begriff „Welschland“ im selben Jahr auf Italien, es kann aber auch Frankreich bedeuten. (Ergänzung auf S. 44: „Wir stimmen dahero der Augsburgisch-Frantzösischen Zeitung an dem in der Vorrede bemerckten Ort gern bey, wenn selbe unserer Einweihungs-Feyerlichkeit ein ansehnliches Ort in den Jahr-Büchern, und Kirchen-Geschichten einraumet.“)

Sein Buch unterteilte er nach eigenen Angaben in zwei Teile: Besondere Begebenheiten („merckwürdiges“) zwischen Grundsteinlegung und Einweihung (1766) und - weitaus ausführlicher - die acht Tage der Feierlichkeiten, insbesondere die Redebeiträge der Honorationen.

Es ergibt sich für den heutigen Leser ein Eindruck, was für ein Ereignis es für Ottobeuren gewesen sein muss. Immerhin hatte man 30 Jahre darauf hingearbeitet. Die Zustände im Vorgängerbau müssen erbärmlich gewesen sein:
 
Niemand wird sich dahero verwunderen, das Rupertus II. jener grosse Abbt, dessen Verdienste keine Zung, noch Feder genugsam beloben wird, so wohl das allhiesige Closter, als Kirchen Gebäude in so elenden Stand bey dem Antritt seiner Regierung gefunden, daß jenes nit einmahl die schlaffende Religiosen vor dem Regen-Wasser, oder fallenden Schnee mehr schützen könnte; dieses aber den gäntzlichen Einsturz mit der Zeit drohete. Von den Zeiten der grossen Prälaten Leonardi, und Caspari, welche die allhiesige Kirchen, und Closter-Mauern theils wiederhergestellet, theils erweitert haben, waren schon mehr als 150. Jahre verflossen, und erlaubten ohnedem denselben die Bedrangnissen der Zeiten nit, daß sie ihre Wercke auf mehrere Jahrhunderte befestigten.

Dazwischen immer wieder informative Details, warum der Chor nicht geostet ist oder welches Glück der Konvent hatte, nicht beim Einsturz des Kirchengewölbes am 20. August 1748 erschlagen worden zu sein, wo man am Vortag noch das Gotteslob gesungen hatte. Ein Vorfall, bei dem allerdings zwei Arbeiter „ihr Leben elendiglich eingebüsset, und mehrere sich kümmerlich durch die eilfertige Flucht gerettet“ haben. Ein Gutes hatte das Unglück:
So wurde denn an dem Gottes-Hauß mit gedoppelten Eifer gearbeitet, also, daß die aufgeführten Mauern, und verfertigte Gewölber schon in dem 1756. Jahr die Hand der Künstlern erwarteten.

Über den Nachfolger von Abt Rupert II, Anselm Erb, ein interessantes Detail:
Dieser setzte durch sieben Jahre den Bau fort nach dem Beyspiel seines ruhmwürdigsten Vorfahrers, ohne hierzu außwertige Arbeiter zugebrauchen, in dieser eintzigen Absicht, daß der arme Unterthan sein nothwendige Nahrung darbey gewinnen könnte, weilen die erschöpfte Cassen, und entstandene Kriegs Unruhen nit mehrer erlaubten.

Der erste Teil gliedert sich in drei Abschnitte:
Von Anfang deß Gebäudes (S. 3)
Beschreibung der neuen Kirche (S. 4)
Erste Einsegnung (S. 6)
Einweihung der 12 Altären (S. 7)

Die erste Einsegnung - oder „simplicem Benedictionem“ - fand am 31.8.1766 statt. Sie wurde vom „Hochwürdigen Herr Sigismundus, deß Heil. Geists Ordens der Löblichen Hospitäler, und Gottes-Häuser in Memmingen“ vorgenommen und begann schon um 5.30 Uhr „also, daß wir um viertel auf sieben Uhr die Prim das erstemahl in dem neuen Chor abhalten kunten.“

Die Hauptzeremonien zur Einweihung fanden von 12. - 14. September statt. Angekündigt hatten sich der Fürstbischof von Freising und Regensburg („Ihro Hochfürstlichen Durchleucht, unserem Gnädigsten Ordinario durch Abgesandte, und Ihro Königlichen Hochheit Bischoffen zu Freisingen, und Regensburg“) sowie der Fürstbischof Suffraganeus von Augsburg. Letzterer hatte den Termin gewählt (erkiest):

Diesem zufolge erkiesete der Hochwürdige, Frey Reichs Hoch- Wohlgebohrne Herr Frantz Xaveri Freyherr Adelmann von Adelsmansfelden, Episcopus Macteritensis, deß hohen Dom Stiffts Augspurg Canonicus Capitularis, Ihro Hochfürstl. Durchleucht allda Suffraganeus, auch höchst dero Geistlichen Raths Praesident   c. den 12. und 13 ten September zu diesem feyerlichen Act, und beglückte Ottobeyren durch sein erwünschte Ankunfft den 11ten besagten Monats Nachmittag.

Außerdem hatte er eine Sondererlaubnis erteilt:

Weilen aber die Altäre allzu zahlreich, und die vorgeschriebene Ceremonien all zu Mühesam, und häuffig, als das diese feyerliche Einweyhung in einem Tage könnte verrichtet werden: als geruheten Ihro Durchleucht dero Hochwürdigen Herrn Suffraganeo, und Weybischofen in Augspurg die Vollmacht, 12 Altäre bey verschlossenen Thüren einzuweyhen.
(Ob dies bedeutet, dass die Öffentlichkeit vor verschlossenen Türen stand?)

Schon die Ankunft war ein großer Moment:

Diesen frohen Augenblick verkündeten die erthönende Glocken, und stunde das gantze Convent bereit, Seine Bischöfliche Gnaden, welchen bey dem Eingang der Kirche abzusteigen gefiele, mit geziemender Ehrfurcht zu empfangen. Hochdenselben ware der P. Großkeller biß Mindelheimb entgegen gefahren, um Ihro Gnade von dort auß biß hieher zu bedienen.

Am 12. September ließen sich viele Menschen („dem häuffig versammelten Volck“) die Firmung erteilen. Am 13.9. „in weit grösserer Menge, also, daß 8. und offt mehrere Priester mit verbünden genug zu schaffen hatten“. Bis zum Abend des 14.9. kam eine schier unglaubliche Zahl von Firmlingen zusammen:

Die übrige so wohl vor, als nachmittägige Stunden foderten die sehr zahlreiche, um das H. Sacrament der Firmung unterthänig bittende Fremdlinge, also, das, da Hochdieselbe schon würcklich Abends zur Tafel zu gehen gedencketen, und erst wiederum einige auß entfernten Oertern kamen, Sie die Tafel verschoben, und dem demüthigen flehen Gnädig zusagende, auf ein neues zu der Heil. Arbeit kehreten. Die Anzahl deren, so dieses Heil. Geheimniß zu empfangen bei Gnade gehabt, belauffet sich auf 5548.

Die hohe Zahl an Firmlingen und Wallfahrern mag durch einen von Papst Clemens XIII. verkündeten Erlass aller Sünden beschleunigt worden sein:

Mit dem geseegneteten Samen Abrahams auf GOttes Geheiß heiliget es (= Ottobeuren) das tausende Jubel-Jahr, und nennet dieses billig ein Jahr der Erlassung; (l) indeme von unserm heiligsten Vatter CLEMENS dem dreyzehenden diese achttägige Feyer hindurch allen hieher wallenden Christ-glaubigen Pilgern eine vollkommene Nachlaß der Sünden-Straff ist vergünstiget worden.
(Zitat von S. 17)

Kapitel 2 („Von der feyerlichen Einweihung der neuen Kirche“) beginnt auf Seite 10 und ist ebenfalls in einzelne Abschnitte unterteilt:

§1: Ankunft der höchsten Gäste (S. 10)
Die Feierlichkeiten der Einweihung selbst begannen am 28. September 1766. Auf die achttägige Folge von Höhepunkten geht Bayrhammer sehr ausführlich ein. Die äußeren Umstände waren eher unangenehm, es herrschte sehr kaltes Wetter:

Die zu dieser Zeit fast ungewöhnliche Kälte war an diesem Tage durch den rauhen Ost-Wind vermehret. So gar die erhartete Bauern Brust fienge an zu zitteren, da sie diesen ungebethenen Vorbothen deß nahe vorseyenden Winters fühlete.

Gleichwohl hatte man sich vielfältig vorbereitet:

Unsere Unterthanen hatten freywillig zu diesem Ende eine Compagnie zu Pferd errichtet, und sich selbst auf eigene kösten einen sehr schönen Uniform angeschaffet. Gleichfahls ware ein Compagnie zu Fuß auß Burgern montieret; die andere muste in ihren gewöhnlichen Kleidern Dienst thun, und die Wachen in dem Marckt-flecken versehen.

Der Reigen der Staatsgäste begann am 26.9.:

Die bemeldte Compagnien versammelten sich an besagten Tage, und stellten sich in parade. P.R.P. Prior, und Herr Cantzler wurden beordnet, denen Durchleuchtigsten Gästen in Mindelheim unterthänigst aufzuwarten, wie denn auch einige Reutter auf Gräntzen (= Reiter an den Grenzen) postieret, die erwünschte Ankunfft Höchst derenselben erwarteten.

§2: „Erster Tag, und würckliche Einweyhung der Kirche“ (S. 11)
Der offizielle Akt war beschwerlich und lange. Fürstbischof Joseph von Augsburg hatte keine leichte Aufgabe:

Wir können mit Recht sagen, was wir bey dem Heil. Luca lesen: Wir haben heute Wunder gesehen. Denn wir sahen einen durch hohes Alter, 26. Jährigen Regierungs-Last , und wiedrige Gesundheits Umstände entkräffteten Hohen Priester: wir fühleten die ungewöhnliche räuhe der Witterung: Wir erkannten die lange Dauer, und grosse Beschwerlichkeit der Ceremonien: Wir hatten vor Augen den weiten Umfang der einzuweyhenden Kirche. Wir erstauneten dahero billich, sehende, daß die Ubermasse deß wahrhafft Fürstl. Geistes sich so gar äusserlich ergüssete, und dem geschwächten Cörper die benöthigte Kräfften ertheilte; die Andachts Flammen, die ungemeine kälte hemmete; die heilige Wandlung durch mehr denn 5. Stunde ununterbrochen fortgesetzet wurde, also, das Ihro Durchleucht öffter nach Vorschrifft deß Ceremonien-Buchs um die gantze Kirche gegangen, die Treppen, und daß bey den Aposteln errichtete Gerüst fertig bestiegen, und endlich mit Einweyhung deß Hoch-Altars nach 12. Uhr diesem feyerlichen Act eine Ende gemachet.

Außer ihm waren „alle übrige für grösse der Kälte fast erstarreten“. Anschließend wurde das erste Hochamt gefeiert. „Die gantze heutige Musik, welche auf diese Feyerlichkeit Sr Durchleucht Hof Capell-Meister Herr Petrus Pompeius Sales Mitglied der Akademie zu Bologna neu erfunden, ware auserlesen. Auch liessen sich unter währendem Hoh-Amt die Pöller fast ohne Unterlaß hören, und paradierten die aufgestellte Compagnien von Morgens fruhe an biß zum Ende.“

An Tag zwei begannen die Redebeiträge unterschiedlicher Honoratioren. Den Anfang machte Abt Georgius vom Kloster Roggenburg („deß Löblichen Reichs Stiffts, und Gottes-Hauses Roggenburg“). Viele der folgenden Reden - meist in drei Teilen - wiederholten sich inhaltlich, z.B. indem auf die Gründungsphase des Klosters eingegangen wurde. Hierbei wurde zwar ausführlich und ausschweifend gesprochen, es fehlte aber an historisch belegbarer Substanz. Ottobeuren wurde mit anderen Orten verglichen - z.B. mit Jerusalem.

Etliche kräftige Seitenhiebe gingen zwischendurch an die Adresse der Protestanten. Im Zusammenhang mit der Reformation wird mehrfach auch auf den Bauernaufstand von 1525 eingegangen. Z.B. auf S. 36:

Spaltung und Ketzeren verheeren das Christenthum, das garstige Unthier von Eisleben steckte mit tödtlichem Gifft seiner plumpen Leer-Sätze gantz Teuschland an. In benachbarten Ortschafften, in Mitte deß Ottobeyrischen Gebieths hat es der feindselige Mann theils heimlich theils offentlich, jetzt mit Arglist, jetzt mit Gewalt das verderbliche Unkraut der ketzerischen Irr-Lehren außzusäen getrachtet.
S. 29 f.:
Im Jahre 1525. lehnten sich die aufrührerische GOtt und der Welt meyneide Bauern gegen ihre rechtmäßige Obrigkeit auf. Ihr Muthwillen entführte von dem Kornspeicher 2500. Malter Früchten: Brief, Bücher, Freyheits-Urkunden wurden theils zerrissen, theils in Mitte deß Kloster-Hofs offentlich verbrannt. Meß-Kleider entunehret, Beth-Gewand, Kuche, und anderes Hauß-Geräth geraubet, daß Vieh hinweg geführt. Ein armer Söldner von Sontheim hatte sogar die Frechheit, daß er seinen Pflegl mit dem Prälaten-Stab vertauschet, sich als regierenden Herrn in den Abteylichen Sessel gesetzt, von seinesgleichen liederlichen Spieß-Gesellen bedienen lassen, die Schlüssel an der Gürtl herum getragen. (lll) Allein wurde auch dieses scheußliche Unweesen, und derley Trübsalen mit noch grösserer Glückseligkeit gekrönet.

Am dritten Tag fragte der Redner (S. 51):
Grosser GOtt! wie muß es dazumahlen außgesehen haben in diesem Gottes-Hauß, als die aufrührische Bauern alle Ordens-Geistliche vertrieben, das Kloster geplünderet, und außgeraubt, ja sich so gar einer auß denselben erfrechet hat, die Kloster Schlüssel anzuhängen, und sich zum Ober-Herrn aufzuwerffen, da ihne doch die Geburt allein zum gehorchen bestimmet hatte?
Gesprochen hat dieser letzte Satz „auf unserer Cantzel Ihro Hochwürden, und Gnaden Baron Tänzel von Trazberg deß Hochfürstlich Hochadelichen Stiffts Kempten würcklichen Capitularn, und Bibliothecarium“. Die Aussage zeugt vom damaligen Verständnis der Obrigkeit zum Status ihrer Untertanen!
Durch die Abreise des Fürstbischofs von Augsburg war gerade „unter dem Volck ein ungewöhnliches Getöß entstunde, auch andere Zufallenheiten alle Aufmercksamkeit an sich zu ziehen schienen.“

Auf S. 65 f. wird „der Hochwürdige, und Hochgelehrte HErr ISO Walser der beeden Rechten Doctor, deß Hochfürstlichen Stiffts St. Gallen deß Ordens deß Heil. Vatters Benedicti Capitular, auch Sr. Hochfürstlichen Gnaden Officialis in Spiritualibus Generalis“ wie folgt zitiert:

(…) der Schimmer der Evangelischen Freyheit hat die Unterthanen wieder die Geistliche und Oberen aufgebracht. So weit ist es kommen, daß anfänglich im Jahr 1525. (hh) der Abbte wegen allgemeiner Empörung nach Ulm sich flüchten, und endlich auch das Convent die Sicherheit anderstwo suchen müste. Das Kloster, und die Kirchen wurden geplünderet, die Gebäude verwüstet, und zerrissen; die Briefschafften, Bücher, und Schrifften verbrennet. Im Jahr 1546. hat jener saubere Krieg neues Unheyl gebracht, und wurde das alte Ubel erneueret; der vortreffliche Abbt Leonardus muste wieder fliehen; endlich das drittemahl im Jahr 1551. (ii) haben die Schmalkaldische Unruhen den neuen Abbt Caspar in die Flucht getrieben; doch sind die Geistliche nicht gewichen, obwohlen mit äusserster Gefahr deß Göttlichen Namens. GOtt aber hatte diesen Ort außerwählet, elegi, und weder die Witz, weder die Wuth der Menschen hat den Rathschluß der allweisen Allmacht GOttes umstossen können. Ottobeyren ist auch in dieser dreyfachen Zerstörung ein dem Namen GOttes gewiedmetes Hauß geblieben. Jene zwey unsterblichen Ruhms-würdige Helden Abbt Leonard, und Abbt Caspar waren mit solcher Klugheit und Standhafftigkeit von GOtt begabet, daß zwar dessen Namen in seinem Eigenthum verfolget, aber nicht außgetilget worden. Daß dreymahl an dieses Heiligthum angelegte Feuer ist durch die Vorsichtigkeit GOttes, wie jenes in dem Ofen zu Babylon, allzeit entkräfftet worden, und erlosche von sich selbst. Die ungeladene Gäste musten weichen, (…)
Die Großmuth, und der wahre Religions-Eifer Abbts Caspar, und der Ottobeyrischen Glaubens-Lehrer hat das Evangelium Christi nimmer verlassen, sondern die Abtrinnige zurückgeführet; ja von dieser Zeit an ist die Herrlichkeit dieser Grund-Veste deß Glaubens immer gewachsen.

Ein kurzer kompakter Abriss von Maria Eldern findet sich auf S. 78 f.

Hier ein Überblick über die Abschnitte des 2. Teils
Teil 1: Von Erbauung der Kirche biß zur feyerlichen Einsegnung (S. 3 - 9)
Teil 2: Von der feyerlichen Einweihung der neuen Kirche (S. 10 -
a: Tag 1 (S. 11 - 13)
b: Tag 2 (S. 14 - 44)
c: Tag 3 (S. 44 - 59)
(Eintreffen der "theils in unserem Gebiet liegenden, theils angräntzenden Pfarreyen")
d: Tag 4 (S. 59 - 81)
e: Tag 5 (S. 81 - )
(„Bey Anbruch dieses Tages erschiene allhier mit Creutz, und Fahnen die Pfarrey unter, und ober Westerheim, welcher mit gleichem Eifer die weiter entlegene Oerter Engetried, ober- und unter Egg, zwey an Mindelheim angräntzende Dörffer folgten. Den Lobredner sendete uns das Hochlöbliche Reichs Gottes-Hauß Ochsenhausen ...")

Vielleicht ergeben sich hier weitere Hinweise zur „Frantzöschen Zeitung“ bei
Michaela Breil: Die Allgemeine Zeitung in: Helmut Gier und Johannes Janota (Hrsg.): Augsburger Buchdruck und Verlagswesen: von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03624-9

Die Signatur der Bayerischen Staatsbibliothek des Werkes von Bayrhammer lautet:
2 H.mon. 168
Auch das Archiv der Marktgemeinde verfügt über ein Exemplar. Die Staatsbibliothek bietet einen Gesamtdownload des Digitalisats an.

Mehr über die Thannhausener Gebrüder Philipp und Augustinus Bayrhammer findet sich in:
(Schwäbische Forschungsgemeinschaft)
Haberl Wolfgang (Hrsg.), (Reihe 3:) Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben, Bd. 15, 1997, 27 Abb., 1 Stammtafel; dazu Beilage: Christian Wallenreiter (2. Teil), 12 S., 449 S., Ln. Euro 26,-, ISBN 9783874374026, 0821/596841 oder 576442 bzw. Antiquariat am Stadtbach!

Das Ottobeurer Volksblatt vom 04.01.1913 (Ausgabe 2, Seite 2) schrieb über Bayrhammer:

Dem Gedächtnis des Schriftstellers und Numismatikers P. Augustin Bayrhammer. Heute jährt sich, wie uns mitgeteilt wird, wiederum der Todestag (1782) des hier verstorbenen Schriftstellers und Numismatikers P. Augustin Bayrhammer. Er wurde am 6. September zu Tannhausen geboren und trat in jungen Jahren in das hiesige Benediktinerkloster, wo er am 13. November 1747 die feierlichen Ordensgelübte ablegte und am 30. Sept. 1753 zum Priester geweiht wurde. Zur Ausbildung in der orientalischen Sprache schickte ihn Abt Anselm in das Stift St. Gallen, wo er sich drei Jahre aufhielt. Zurückgekehrt lehrte er Rhetorik, Poesie, Philosophie und Kirchenrecht, und von 1775 - 1777 am Lyzeum zu Freising Logik und Physik, wurde dann in unserem Kloster Archivar, als welcher er starb. Er war der französischen und italienischen Sprache vollkommen mächtig und schrieb ein klassisches Latein. Auch legte er den Grund zu der in der Folge bedeutenden Münzsammlung des Stiftes. Er hinterließ auch mehrere Schriften, deren Titel jedoch hier alle anzuführen, zu weit gehen würde.

Erläuterungen zum Begriff Welsch gibt es auf Wikipedia.

*Pater Maurus Feyerabend nennt auf Seite 173 im vierten Band seiner Jahrbücher als Geburtsjahr 1729, passenderweise auch sein erreichtes Alter (53). Er schreibt:
Übrigens entriß uns der Tod sogleich Anfangs dieses laufenden Jahres [1782], nämlich am vierten Tage des Jäners, den gelehrten Augustin Bayrhammer, zu Thannhausen den 6ten des Herbstmonats im J. 1729 geboren, im 53sten seines Alters. Als junger Ordensgeistlicher erlernte er zu St. Gallen die orientalischen Sprachen, sprach beinebens französisch, und italienisch, gab zu Hause die Rede- und Dichtkunst, die Weltweisheit, und die geistlichen Rechte in verschiedenen Jahren, und ausser dem Hause zu Freisingen nach einigen Heften die Naturlehre, verfertigte auf die tausendjährige Jubelfeier zwei Druckschriften in Folio,

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wovon eine unter der Aufschrift : Das von der gottseligen Milde Sylachs gestiftete Ottenbeuren - die andere unter dem Titel : Beschreibung der tausendjährigen Jubelfeier im J. 1766 aus der hiesigen Presse an's Licht trat. Schade, daß dem Verfasser zur Verfertigung derselben ein allzuenger Zeitraum gestattet war. Weit bedeutender, und gründlicher sind dessen hinterlassene, und im reinesten Latein sehr zierlich verfertigte Handschriften, als : die Naturlehre, die Geschichte des Pelagianismus, die Vorkenntnisse zur geistlichen Rechtslehre, verschiedene Abhandlungen über verschiedene Gegenstände der Physik, mehrere Elegien, und andere poetische Versuche, und kleine Werke, welche verdienten, durch den öffentlichen Druck bekannt zu werden.

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Dr. Roswitha Stenke hat eine vorbildliche Abschrift erstellt (beendet Ende Mai 2013). Als Download hier die ersten 88 Seiten (inkl. Markierungen) sowie die beiden Gesamtdownloads (Word, ca. 3 MB, pdf, ca. 2 MB)
Zusammenfassung: Helmut Scharpf