Marktgemeinde Ottobeuren
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1893 - Klassenbild Knabenschule


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Zwei Jahrgänge der Knabenschule Ottobeuren mit 69 Schülern posierten 1893 vor dem Schulgebäude(heute Haus des Gastes). Ein paar Gesichter lassen sich zuordnen:

Bei den beiden Erwachsenen handelt es sich um den weltlichen Lehrer Florian Vicari – er taucht auch auf etlichen Theaterbildern auf – und den Religionslehrer, Pater Gottfried Behr. Vicari war am 1.10.1874 mit seiner Frau und drei kleinen Kindern nach Ottobeuren gekommen, um eine Stelle als Lehrer und Chorregent anzutreten; das Ottobeurer Wochenblatt vom 4.10.1899 berichtete zum 25-jährigen Jubiläum. Der Ortspfarrer, Pater Wilhelm Obermayr, sprach bei einem Jubiläumsfest im goldenen Hirsch von der reichen Thätigkeit des Jubilars in diesen 25 Jahren als Chorregent und Lehrer. Darauf sprach Vicari selbst:
Der Herr Jubilar drückte in beweglichen Worten seinen Dank aus gegen Gott, der ihn dieses Fest erleben ließ. Er hatte berechnet, wenn er die Stufen auf den Musikchor [bei der heutigen Marienorgel], die er in 25 Jahren begangen, zusammenrechne, erreiche es eine Höhe wie die Zugspitze 72mal aufeinandergestellt; 750 Kinder hat er unterrichtet, 800 Leichenämter gesungen; unter 4 Lokal- und 5 Distriktsschulinspektoren hat er gelehrt. Ferner dankte der Gefeierte der Kirchen- und politischen Gemeinde für die Veranstaltung des schönen Festes und das schöne Geschenk von funkelnden Goldstücken in passendem Etui; dem Kirchenchor galt sein Dank für die große, sehr gut legungene Photographie seiner Person im prächtigen Rahmen. Mit Recht hob er hervor wie Ottobeuren ihn finanziell immer glänzend gehalten habe. Er gedachte vergangenger Zeiten, wie der Markt durch schöne Häuser, begonnenen Eisenbahn etc. so sehr gediehen sei; die Schüler, die in den verschiedensten Berufszweigen wirken und einige davon haben nicht vergessen zum Jubiläum ihrem ehemaligen Lehrer zu gratulieren; kräftiges dreimaliges Hoch auf den Jubilar einerseits und auf Gemeinde und Chor Ottobeurens andererseits erscholl. Die Herren Lehrer von Ottobeuren und der Nachbarschaft hatten in echt collegialer Weise scih eingefunden und bei der Musikproduktion mitgewirkt, ihre Freude an der Ehrung des älteren Herrn Collegen bekundet. Zu welcher Stunde die stillen Sternlein den letzten Gästen heimgeleuchtet haben, weiß Schreiber nicht. Möge Gott dem Herrn Jubilar Vicari und seiner ehrenwerthen Familie ein recht langes, glückliches Leben verleihen, noch manches Jubiläum fiern und im Himmel selig triumphiren lassen.

2. Reihe von unten, zweiter von rechts (mit schöner Schleife; Mutter war Modistin): Andreas Schober (*15.6.1887 - 17.4.1942 – er starb, wie schon sein Vater, an Gehirnschlag). Am ihm wurde die Datierung des Bildes festgemacht.

Unterste Reihe, 4. von links, Georg Plersch („der Herd-Plersch“, Großvater von Robert Plersch aus Hawangen, Georgs Sohn war Kuno Plersch)
1. volle Reihe von oben, dritter von links Georg Schober, geb. etwa 1886, Bruder von Andreas Schober, älter als Andreas; Georg sollte als Ältester die Schneiderei übernehmen (was er zunächst auch gelernt hat), die Berufsausübung ging aufgrund einer Kriegsverletzung am Arm jedoch nicht – er ging ans ins Finanzamt Ottobeuren (im Ämtergebäude).

Dritte Reihe von unten, 4. von rechts (einschl. des leicht tiefer stehenden Jungen) ist ein Mang.

Unterhalb des Wasserhahns steht ein Wägele, (hat in der Memminger Straße gewohnt).      

Auf dem Bild sind etwa acht Knaben mit Schiefertafel zu sehen.