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14.07.1946 - Primiz von Pater Franz Kugelmann, CP


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Pater Franz Kugelmann (1916 - 66) feierte am 14. Juli 1946 seine Nachprimiz in Ottobeuren. Auf dem Bild, das ihn mit den „Primiz-Bräutle“ zeigt, trägt er bereits das Zeichen der Congregatio Passionis Jesu Christi (Ordenskürzel: CP). Er trat im Kloster Schwarzenfeld (Oberpfalz) in den Passionisten-Orden ein und half bei der dortigen Neugründung.

Noch bis Mai 2015 befand sich sein Primizkreuz im Garten des Anwesens Kugelmann, Ludwigstraße 17 (Ecke Stauderweg/ Hermann-Koneberg-Straße), siehe Bilder vom 22.07.2013. Das Kreuz war vom damaligen Ottobeurer Pfarrer, Pater Maurus Zech OSB, gestiftet worden. Aufgrund des Hausverkaufs 2015 musste ein neuer Standort gefunden werden. Reinald Scheule schlug die Ecke Guggenberger-/ Bgm.-Wegmann-Straße vor, weil dort auch die Pilger vorbeikommen, die den Crescentiaweg laufen.
Auf die Rückseite des Bildes vom 14. Juli 1946 schrieb Pater Franz eine Widmung, die auch auf seine Primizfeier in Schwarzenfeld am 29. Juni verweist. Über den Pater - ein großer und gut aussehender Mann - findet sich im Internet nur ein einziger Hinweis (Mittelbayerische Zeitung vom 29.09.2009):
Gleichzeitig mit dem Bau des Klosters wurde unter der Leitung von Pater Christoph Berlo auch der Männerchor gegründet. Er konstituierte sich 1952 unter der Leitung des damaligen Rektors Pater Franz Kugelmann unter dem Namen Bergchor „St. Barbara“ neu. Er ist seither im Dienst der musica sacra ein treuer Begleiter der Verkündigung bei den Gottesdiensten auf dem Miesberg.

Jeder Passionist legt ein besonderes Gelübde ab, ein feierliches Versprechen, seine Energien darauf zu verwenden, die Erinnerung an das Leiden Jesu zu fördern. Dieses Gelübde definiert den Zweck der passionistischen Gemeinschaft. Die Gemeinschaft vom Hl. Paul vom Kreuz (1694-1775) wurde im Jahre 1720 in Italien gegründet, 1922 erfolgte die Gründung in Deutschland.

Die erwähnten Primizbräutle waren meist Mädchen aus der Nachbarschaft. In ihren Kommunionskleidern sagten sie Gedichte auf. Von links nach rechts:
Hertha Müller (jetzt Zettl)/ Wilhelmine Holzhai (jetzt Sirch)/ Friedel und Christl Leonhard (sp. Empl)/ Edith Eimer (ihre Mutter stammte aus dem Baugeschäft Filgis), Gerda Sinz (spätere Eberl)/ Sieglinde Anwander (jetzt Schneider, vom Radfahrverein)/ Irmgard Wagner (vom Schiaßstatt-Bäck, sp. Schaupp).

Zur anschließenden Feier ging es in den mit Girlanden reich geschmückten Garten vom Gasthaus zur Brieftaube. Auch die übrigen Häuser in der Ludwigstraße waren festlich geschmückt. Immerhin war es die erste Primiz in Ottobeuren nach Kriegsende.

Die Mutter von Kugelmann, Creszentia, hatte sechs Söhne:
zwei starben bei der Geburt bzw. als Babys, Hans-Johann (geb. 1917) war im Winter auf einem Eisfuhrwerk der Hirschbrauerei mitgefahren, stürzte und wurde überrollt. Er starb kurz darauf im Alter von sieben Jahren. Karl sollte zusammen mit Franz Primiz feiern. Beide waren gemeinsam zum Studium in Rom. Im Krieg wurde er eingezogen, wurde dann jedoch bei der Verlegung nach Frankreich 1940 vom Zug überrollt und (im Alter von 21 Jahren) getötet. Fritz wurde in Ottobeuren Postbote (seine Frau Marianne lebt in der Ludwigstraße 17), er starb 1977 mit nur 55 Jahren.
Franz war wie Karl im Kriegseinsatz (als Sanitäter in Russland), überlebte aber und wurde Priester in Schwarzenfeld. Zwischenzeitlich soll er auch im Internat der Passionisten in Pasing gewesen sein und an einer Berufsschule unterrichtet haben. Er besuchte anfangs jedes Jahr Ottobeuren, letztmals zum Martinimarkt (um den 10. November 1966), starb aber kurze Zeit später, am 24.11.1966. Möglicherweise lag es an einer verschleppten Grippe im Jahr zuvor. Er war noch im Garten unterwegs und betete den Rosenkranz, ging zurück ins Klostergebäude, die Treppe hoch, und erlitt er dort einen Herzinfarkt, an dem er starb - mit nur 50 Jahren.

Mutter Creszentia Kugelmann war bereits Witwe und sagte immer, es sei das schlimmste, wenn ein Kind sterbe. Sie betrieb um das Haus in der Ludwigstraße 17 eine kleine Landwirtschaft mit zwei Kühen. Ihr Mann, Jakob, war Maurer im Baugeschäft Filgis. Er starb 1957, Creszentia am 1. oder 2. Juni 1967 mit 74.

Über Pater Franz Kugelmann müssen erst noch weitere biografische Angaben erfragt werden. In Ottobeuren hat er ein Nachbarskind aus der Ludwigstraße (Büchele) getauft.

Weiterführende Links zu den Passionisten (Wikipedia) und zum Kloster Schwarzenfeld (Kloster-Homepage).