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29.05.1964 - Briefmarkenausgabe „1200 Jahrfeier der Benediktiner-Abtei Ottobeuren“


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Zeitgleich in Bonn und Ottobeuren wurde am 29. Mai 1964 die „Ottobeuren-Briefmarke“ herausgegeben. Dazu war auch bei uns ein Sonderpostamt eingerichtet. Die BRD-Marke hat lt. Michel-Katalog die Nr. 428. Die Auflage betrug 20.000.000, der Postverkauf endete am 30.11.1964, gültig war die Marke bis 31.12.1965. Bis 31.03.1966 konnte man die 20-Pfennig-Marken gegen gültige Postwertzeichen tauschen.

Neben einer sogenannten Ministerkarte, die der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen Richard Stücklen an ausgewählte Empfänger versandte, gab es eine Reihe von Ersttagsbriefen (FDC = First Day Cover). Der Entwurf der Marke stammt von Professor Eduard Ege (lt. Wikipedia *17. Februar 1893 in Stuttgart; † 10. August 1978 in München), einem deutschen Maler, Graphiker und Holzschneider, der u.a anderem auch Gebrauchsgrafiken wie das Logo der Deutschen Bundesbahn, das Münchner Stadtwappen oder das Bayerische Staatswappen herstellte. Die Marke wurde in einen einfarbigen Offsetdruck mit rot-schwarzem Stichtiefdruck von der Bundesdruckerei Berlin auf fluoreszierendem Papier ohne Wasserzeichen hergestellt. Das Motiv war ein Wunsch des damaligen Abtes Vitalis Maier, der sich eine historische Darstellung des Bestandes gewünscht hatte.

Zu sehen sind hier 13 (von 15 bekannten) Ersttagsbriefe; welcher der einzig offizielle ist, bleibt zwar nicht gänzlich geklärt, dieser hier trägt aber als einziger den Schriftzug „Offizieller Ersttagsbrief“. Drei FDC sind in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn, die übrigen in Ottobeuren gestempelt. Beide Sonderstempel zeigen das romanische Kreuz, das Datum 29.5.1964, unterscheiden sich aber leicht im Schriftzug - und natürlich im Ortsnamen samt Postleitzahl (für Ottobeuren lautete die 8942). Zu sehen ist hier auch der Entwurf zur Briefmarkenausgabe vom 1.12.2013 zum Jubiläumsjahr 2014 von Helmut Scharpf.
Die Ministerkarte der Deutschen Bundespost hat das Format 10,3 x 20,0 (Umschlag, innen 10,0 x 19,7 cm), mit (einschl. Umschlag) 12 Seiten, davon Leerseiten auf S. 2, 6 und 8 - 12. Im Scan ist hier der Umschlag (als Bilddatei) sowie alle bedruckten Seiten als pdf - ohne Leerseiten - abrufbar. Im „Katalog Philatelistischer Staatgsgeschenke Deutschland ab 1947“ von Reinhard Sauer von 1995 ist (auf Seite 168) die Auflage der Ministerkarte (Typ IIIc, eine Variante, ohne rückseitige Drucknummer, die in dieser Form zwischen dem 15.10.1960 und 1968 herausgegeben wurde) mit 500 Stück und einem Katalogwert von 90 DM angegeben. (In der Philatelistischen Bibliothek im Gasteig in München hat der Katalog die Dokumentnr. 8662719500.). Für die Marke als solche gibt der Katalog „Michel-Spezial“ von 2013 auf S. 954 einen Sammlerwert von 30 Ct (postfrisch), bzw. 40 Ct (gestempelt), 1 € (auf Brief) und 2,60 € (auf FDC) an. Darüber hinaus gibt der Spezialkatalog von Michel einen Hinweis auf eine sogenannte „POL-Lochung“ (ein Verweis auf die Seiten der Markenheftchen). Im internationalen Sprachgebrauch wird eine solche Lochung auch als „Perfin“ (für: „perforated initials“) bezeichnet. Gemeint sind amtliche Lochungen von Marken insb. für Polizeidienststellen, die ihre Postwertzeichen auf diese Weise kennzeichneten, um eine unzulässige Verwendung zu unterbinden. Auch von Firmen sind solche Lochungen bekannt. An sich fanden Lochungen v.a. zwischen 1926 und 1945 statt, doch selbst für die 1950er Jahre sind noch Beispiele dokumentiert, aber bislang nicht für die Jubiläumsmarke von 1964.

Sogenannte „Maximumkarten“ sind für unsere Jubiläumsmarke nicht bekannt. Laut (einem Blogeintrag von) Lars Böttger wurde der Begriff in Frankreich um 1930 geprägt: „Carte Maximum“ - der Karte sollte das „maximale“ aus einem Thema herausholen: Karte + Briefmarke + Stempel bilden eine Einheit. Die Deutsche Post AG gab erstmals 2011 amtliche Maximumkarten heraus, vorher waren dies Ausgaben von nichtamtlich hergestellten Karten, egal ob privat oder gewerblich, mit Marke, Stempel und Kartenmotiv zum selben Thema.

Sogenannte Silberkarten gab es erst ab 1982. Im Sauer-Katalog heißt es dazu: „Um die Flut der kostenintensiven Geschenkkarten der Post und der Oberpostdirektionen (OPD) einzudämmen, wurden 1982 die Silberkarten erstmals ausgegeben. Ihre offizielle Bezeichnung lautet Kontaktgabe Zentrale Klappkarte mit Postwertzeichen. Diese Karten erscheinen mit einer Auflage von über 50.000 Stück und werden im wesentlichen über die Oberpostdirektionen (OPDs) verteilt. Sie können als eine Art Visitenkarte der Post betrachtet werden.“

Unter einem „Ersttagsblatt“ versteht man ein philatelistisches Erzeugnis, das mit Postwertzeichen, einer zugehörigen Ersttagsabstempelung und auf den Ausgabeanlass bezogenen Erläuterung und/ oder Illustration versehen ist. Ein Ersttagsblatt (ETB) ist nicht zur Beförderung auf dem Postweg vorgesehen. Ersttagsblätter wurden von der Bundespost erstmals 1974 herausgegeben (s. Wikipedia). Der Verlag Erich Braun aus Berlin gab schon vorher Privat-ETB heraus, z.B. von den Berlin-Marken Michel-Nr. 182-481 (mit Ausnahme 286-90, Brandenburger Tor), hatte sich dies also zum Geschäftsmodell erhoben. Abgebildet ist deshalb auch das ETB zur Ottobeurer Marke, welches einen beschreibenden Geschichtstext enthält.

Ein sicher sehr seltenes - vermutlich sogar einmaliges - Dokument zeigt die Versandhülle der Bundesdruckerei, die 100 Bögen á 50 Stück, zusammen also 5000 Briefmarken in fünf Taschen im Gesamtwert von 1000 DM enthielt. Es handelte sich um die Bestellung der Abtei Ottobeuren selbst, die verändlicherweise einen eigenen großen Vorrat an Marken anlegte.
Ein weiteres Dokument zeigt die Erstausgabe mit dem roten Freistempler der Abtei Ottobeuren.

Vom Ersttagsstempel gab es nur zwei, die zeitgleich mit dem Datum 29.5.1964 abgeschlagen wurden: 53 Bonn 1 und 8942 Ottobeuren. Sammler konnten Sendungen in freigemachten Umschlägen mit dem Vermerk „Ersttagsstempelung“ zwischen dem 29.05. und dem 01.06.1964 an eines der beiden Postämter geschickt werden. Maßgeblich war der Tagesstempelabdruck auf den Umschlägen. Auch Gefälligkeitsstempelungen wurden vorgenommen. Wegen des erwarteten großen Andrangs gab es in Ottobeuren zwei Sonderpostämter: Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus und in der ehemaligen Knabenschule (heute: Haus des Gastes). Ersteres war vom 29. - 31.05.1964, letzteres vom 29.05. - 07.06.1964 geöffnet, jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Die Memminger Zeitung berichtete u.a. am 28.05.1964.

Hinweis: Die Urheber der Umschlag-Grafiken sind nicht bekannt!