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12.11.1898 - Der Bibliotheksaal im Kloster Ottobeuren, Süddeutsche Bauzeitung


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In der Nr. 45 der Süddeutschen Bauzeitung ist auf Seite 369 ein kurzer Artikel über den Bibliotheksaal des Klosters abgedruckt - zusammen mit einer Zeichnung des Münchner Architekten August Nopper.

Der Text hier in Abschrift:

Mit seinen gewaltigen Baumassen den ganzen, etwas tiefer gelegenen Ort Ottobeuren beherrschend, im Hintergrunde von höher gelegenen, prächtigen Waldungen umrahmt, fällt der Blick schon aus stundenlanger Entfernung auf die grossartige Erscheinung des Klosters, mit der weltbekannten Kirche. Beide so zusammengebaut, dass die Hauptaxe des Klosters mit jener der Kirche zusammenfällt, erscheint das Ganze, von welcher Seite man auch näher kommt immer als Bild von imponirender Schönheit und Kraft, obwohl die äusseren Formen des Klosters bis auf einige Details durchaus einfach sind.
Der rechteckige Grundriss des 1711 begonnenen Klostergebäudes von ca. 155 m Länge und 140 m Breite ost getheilt durch zwei Zwischenbauten, von denen einer im II. Stock des durchweg mit Parterre und 2 Stockwerken ausgeführten Gebäudes, den oben dargestellten Bibliotheksaal enthält. Die zwischen den Säulen, an den Wänden und auf der Gallerie aufgestellten Schränke bergen z. Zt. noch eine Bibliothek von ca. 15,000 Bänden, während früher in dem 35 m langen, 14 m breiten und fast 9 m hohen Saal eine bedeutend  grössere Zahl von Bänden untergebracht war.
Vierundvierzig korinthische Stuckmarmorsäulen tragen die Gallerie, die durch eine kleine Treppe, angebracht hinter dem im Hintergrunde der Zeichnung sichtbaren Säulenvorbau, zugänglich ist.
Die flache, reich aufgetragene Decke mit anschliessender grosser Hohlkehle zeigt ein Gemälde, darstellend die Ankunft des hl. Benediktus auf dem Monte Cassino, die Zerstörung der Statue des Apollo und die Erbauung der Kirche des hl. Johannis. Die Stuckarbeiten des Saales, sowie der übrigen Räume des Klosters wurden theils von herbeigerufenen italienischen, theils von deutschen Künstlern ausgeführt.
Von hervorragender sind an inneren Räumen weiter der berühmte Kaisersaal, das Theater, die Räume des trefflich geleiteten Museums, sowie das Refektorium mit dem Kapitelsaal. Von geradezu monumentaler Schönheit sind die reichen Treppenhäuser, mit den grossartigen Deckengemälden, ebenso der Kreuzgang und die übrigen Korridore.

Über den Urheber der Zeichnung ist kaum Information vorhanden. Im Internet tauchen zwischen 1877 und 1906 verschiedene Hinweise auf Noppers Arbeit als Architekt auf. Die grobe Zeichnung von 1897 ist rechts unten signiert, links unten prangt ein Signet.

Literaturzitat:
Der Bibliotheksaal im Kloster Ottobeuren, S. 369, in: Süddeutsche Verlagsanstalt München (Hrsg.): Süddeutsche Bauzeitung. Officielles Organ der Bayerischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft in München. Technisch-commerzielle Zeitschrift für alle Zweige des Bauwesens, Ausgabe Nr. 45, VIII. Jahrgang, München, 12.11.1898, S. 363 - 370.

Zur Verfügung gestellt aus der Sammlung Helmut Scharpf