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1945 - Gemälde der Eldernkapelle von Rupert Kiener


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Das Bild von Rupert Kiener ist zwar undatiert, es muss allerdings einen Zusammenhang mit Schneidermeister Theodor (03.09.1910 - 09.06.1980) und Theresia Keidler (19.02.1910 - 31.01.1999) geben. Die beiden waren am 09. Mai 1936 die ersten, die in der 1931/32 neu erbauten Eldernkapelle heirateten.

Der Blick schweift von Norden über die sog. „Johannis-Brücke“ über die Westliche Günz zur Kapelle im Ottobeurer Ortsteil Eldern.

Theresia Keidler war eine geborene Albrecht aus Sontheim. Ihr Vater Andreas Albrecht hatte als Zimmerer nicht nur die Halle der dortigen „Dampfsäg“ gebaut, sondern auch den Dachstuhl der Kapelle in Eldern. Zwei Tage nach der Geburt der Tochter Theresia (d.h. am 21.02.1910) zog die Familie Albrecht nach Ottobeuren, wo man die Zimmerei in der Bahnhofstraße 76 (nach der seit 1951 gültigen Nummerierung 19) gekauft hatte (2015: Rupertus-Apotheke). Die Zimmerei Albrecht bestand bis ca. 1962, bevor sie an den Metzger Hans Maier verkauft wurde, der seinen Betrieb zwar in der Alexanderstraße hatte, aber mit dem Kauf nach vorne zur Bahnhofstraße einen Laden eröffnen konnte (rechts davon war Plersch, noch weiter rechts Friseur Dorn).

Rupert Kiener lebte vor dem 2. Weltkrieg in Brasilien und besuchte seine Verwandtschaft in Ottobeuren. (Genau ist es nicht bekannt, die Familie scheint „aus einem Bauernhof Richtung Betzisried“ zu stammen, im Einwohnerbuch von 1937 finden sich allerdings keine Kiener in Guggenberg oder Betzisried.) Mit dabei war sein Schwiegervater, Herr Nagel. Der Ausbruch des Krieges verhinderte eine Rückreise nach Südamerika und so blieben beide in Ottobeuren. Ruperts Schwester Maximiliane ging als „Schwester Albertina“ in ein Kloster in oder bei Nauders.
Die Jahre in Ottobeuren müssen schwer gewesen sein. Es soll noch eine Holländerin namens Clementine mit Herrn Kiener und Herrn Nagel gewohnt haben. Am Straßenrand pflückte man Brennnessel, um daraus Suppe zu kochen. Die Rückkehr nach Sao Paolo wurde mit Bildverkäufen finanziert. Von Horst Wagner wurden im November 2015 zwei Bilder mit alpenländischen Motiven zur Verfügung gestellt, die seine Mutter Olga (geb. Sigl) am 12.12.1945 („Einsamkeit - Motiv aus Tirol“) und am 03.12.1946 („Allgäu im Herbst“ für 350 Reichsmark) von Rupert Kiener erworben hat. Auch zurück in Brasilien verdiente er mit Bildverkäufen an deutsche Auswanderer seinen Lebensunterhalt. Gemalt wurden meist alpenländische Motive.
Ca. 1956 und zum Jubiläum 1964 war Rupert Kiener wieder auf Besuch in Ottobeuren. Er muss noch in den 1960er Jahren in Brasilien verstorben sein. Sein Interesse galt der UFO-Forschung (nach Hermann Oberth). Die erste Ehe ging in die Brüche, er war ein zweites Mal verheiratet.
(Aus Erinnerungen von Margit Martin, geb. Kiener; 20.11.2015)

Hinweis: Das Eldern-Bild (ca. 38 x 27 cm) wurde anfangs fälschlicherweise dem schweizer Landschaftsmaler Robert Victor Kiener (* 14.2.1866 in Bollingen, † 02.08.1945, Bern) zugeordnet.

Über den Bau der Eldernkapelle findet sich folgende Beschreibung in der Chronik des Schützenvereins Günztal-Eldern von 1999:

Wiederaufbau in Eldern
Schon in der Mitte der zwanziger Jahre bestand bei zahlreichen Ottobeurer Gläubigen der Wunsch, an jener Stelle, wo 1816 ein Eldernbaum zum Gedenken an die blühende Wallfahrt und ihre gewaltsame Zerstörung gepflanzt wurde, eine neue Kapelle zu erbauen.
In schwerer Zeit begannen 1931 die wenigen Einwohner von Eldern, Gläubige der Pfarrei Ottobeuren und Verehrer des Gnadenbildes, aus Traditionsbewusstsein und Opferbereitschaft an der Stelle der einstigen Gnadenstätte eine Gedenkkapelle zu errichten und somit „das Andenken an die Gnadenquelle von Eldern, die niemals versiegt ist, neu zu beleben“.
Den Grund stifteten die Landwirte Meinrad Wölfle und Johann Schwank. Den Plan fertigte der Ottobeurer Hans Mayer, damals noch Student der Architektur in München. Am 11. Dezember 1931 wurde der Eldernbaum gefällt und im selben Monat mit den Bauarbeiten begonnen. Mitte Januar 1932 stand schon der Rohbau der Kapelle. Im April wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, während die Ottobeurer Handwerksmeister in ihren Werkstätten die Inneneinrichtung fertigten und den Bau tatkräftig unterstützten. Die Kapelle bekam einen zwiebelförmigen Dachreiter für die Glocke, deren feierliche Weihe am 4. Mai 1932 Pfarrer Pater Maurus Zech vollzog. Sie trägt die Namen der Stifter: Johannes und Theresia Neher von Ottobeuren, die Jahreszahl 1932 und die Inschrift „Königin des Friedens, bitte für uns“.

Über der schmucken Eingangstür wurde in einer Nische jene Muttergottesstatue aufgestellt, die bisher den Eldernbildstock beim Erlenbaum zierte, gefertigt von Bildhauer Josef Bareth. Eine Gedächtnistafel mit folgender Inschrift wurde über dem Portal angebracht: „Gnadenort Maria Eldern. Gegründet 1466 durch Auffindung des Gnadenbildes. Zerstört 1806 infolge der Säkularisation. Marienliebe und Opfersinn eines gläubigen Volkes errichteten diese Kapelle im Jahre der Not 1932“. Der neue Altar im Inneren der Kapelle wurde nach Entwurf der Kunstmaler Gebrüder Haugg gefertigt. Das Altarbild stifteten Maria Scherer und ihre Tochter Johanna. Es stammte von ihrem Verwandten P. Honorat Hapt O. Cist aus Salem, der 1774 in Ottobeuren geboren war und nach der Aufhebung seines Klosters als Pfarrer von Salem 1855 verstarb.
Die feierliche Einweihung der Kapelle vollzog am Pfingstmontag, den 15. Mai 1932, mit Pontifikalamt der Hochwürdigste Herr Abt Dr. Joseph Maria Einsiedler. Die Festpredigt hielt Pfarrer, P. Maurus Zech OSB, der unermüdliche „Motor“ des ganzen Vorhabens.
Durch Opfersinn, Opferbereitschaft und Opfergaben konnte der Wunsch erfüllt werden, an der ursprünglichen Stelle der Wallfahrt eine würdige Gedenkstätte zu errichten.
Seitdem wird alljährlich am Pfingstmontag das Eldernfest gefeiert. In großer Prozession wird das Gnadenbild zum Gottesdienst nach Eldern getragen. Den ganzen Tag wird an der einstigen Stätte die Gottesmutter verehrt und am Abend mit feierlicher Lichterprozession zurückgeleitet.

Quelle:
Schützenverein Günztal Eldern e.V. (Hrsg.): Festschrift 75 Jahre Schützenverein Günztal-Eldern 1924 - 1999, Ottobeuren, 1999, 56 S.

Das Gemälde hängt bei Anna Maria und Heinz Keidler, die es dankenswerterweise zur Verfügung gestellt haben. Repro und Recherche: Helmut Scharpf, 05/2015.