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01.06.1930 - Vereinswettkampf des Arbeiter-Athleten-Bundes im ,,Stemmen“


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Der Arbeiter-Athletenbund (AABD) wurde am 25.12.1906 gegründet. Er postulierte - wie alle Arbeitersportverbände - neben der politischen Einordnung den Sport als Mittel zur Gesunderhaltung und Ausbildung des harmonischen kräftigen Körpers im Gegensatz zur einseitigen ungesunden Belastung durch die Arbeit. Aus diesem Grunde wurden die Bestrebungen der bürgerlichen Athletenverbände als Auswüchse eines Spezialistentums und Kraftmeierei abgelehnt.

Der Arbeiter-Athletenbund war Gründungsmitglied der am 17.11.1912 ins Leben gerufenen Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege (ZK) und als deutscher Fachverband für Schwerathletik Mitglied in der Sozialistischen Arbeitersport Internationalen (SASI). Die Arbeitersportorganisationen verstanden sich als Interessenvertretungen der Arbeiterklasse - im bewussten Gegensatz zu den bürgerlichen Turn- und Sportverbänden wie u.a. der Deutschen Turnerschaft (DT), dem Deutschen Fußballbund (DFB), dem Deutschen Schwimmverband (DSV). Mit über 700.000 Mitgliedern in ca. 700 Vereinen zählte der ATSB Ende der 1920er Jahren zu den Großorganisationen in der deutschen Turn- und Sportbewegung und innerhalb der Arbeiterkulturbewegung. Organisiert war der ATSB in Bezirken und Kreisen. Als Zweck wurde die „systematische Agitation gegen die bürgerlichen gleichartigen Verbände“ bezeichnet. Diese wiederum grenzten sich klar vom Arbeitersport ab. Bei Wikipedia findet sich dazu ein deutliches Beispiel:

Ein weiterer Grund für den Arbeitersport, sich in eigenen Organisationen zusammenzuschließen, war die Abschottung bürgerlicher Verbände und Vereine gegen Arbeiter zur Zeit des Kaiserreichs. Ein krasses Beispiel ist der Amateurparagraph des Deutschen Ruderverbandes (DRV), den dieser bei seiner Gründung am 18. März 1883 annahm: „Amateur ist jeder, der das Rudern nur aus Liebhaberei mit eigenen Mitteln betreibt oder betrieben hat und dabei keinerlei Vermögensvorteile in Aussicht hat oder hatte, weder als Arbeiter durch seiner Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient, noch in irgendeiner Weise beim Bootsbau beschäftigt ist.“

Nach der Machtergreifung der Nazionalsozialisten am 30.01.1933 wurde der AABD wie auch alle anderen Arbeitersportorganisationen im April/ Mai 1933 verboten und sein gesamtes Vermögen beschlagnahmt.
Der AABD war innerhalb des ZK mit seinen 11 Mitgliedverbänden immerhin der viertgrößte. Eine Quelle (Sport-Record, s.u.) nennt für 1929 die Zahl von 63.316 Mitgliedern in 1.206 Vereinen, Wikipedia wiederum gibt dieselbe Zahl für 1931 an.

Einer davon war der Ottobeurer Hans Braun (*02.05.1905 in Dinkelscherben, † 10.10.1990 in Ottobeuren), der ab 1926 als Metzger bei der Fleischfarbik Micheler arbeitete, seinen Meister machte er 1934. (Spitzname: „der Bürgermeister vom Oberen Markt“)
Seit der Wiedergründung des Radfahrvereins Ottobeuren 1979 war er Mitglied, seit seinem 80. Geburtstag Ehrenmitglied. Im Nachruf von Brigitte Unglert-Meyer in der Memminger Zeitung vom 18.10.1990 auf S. 32 hieß es:
Der Verstorbene war beliebt und bereicherte so manche Veranstaltung durch seine Gedichte, die er auswendig vortrug.

Auf der abgebildeten Urkunde heißt es: „Beim Vereins-Wettkampf am 1.6.1930 errang Herr Braun Hans im Stemmen den VIII. Preis.“
Über den Wettkampf fand sich in der Zeitung kein Hinweis. Auch sein Sohn, Manfred Braun, konnte nichts zum Ereignis selbst sagen.
Der Stempel ist nur schwach lesbar, müsste aber lauten: „Kraftsport-Verein Ottobeuren
Die Urkunde zeigt eine Industrielandschaft, die letztlich symbolhaft für die Hochburgen der Arbeitersportbewegung stand. Bei der Figur links handelt es sich um Herakles oder Herkules (griechisch Ἡρακλῆς, sinngemäß „der sich an Hera Ruhm erwarb“; lateinisch Hercules). Er war lt. Wikipedia ein für seine Stärke berühmter griechischer Heros, dem göttliche Ehren zukamen und der in den Olymp aufgenommen wurde. Er war Heil- und Orakelgott, Beschirmer der Gymnasia (Sportstätten) und Paläste.
Für die Urkunde stand „Herkules Farnese“ (heute: Archäologisches Nationalmuseum Neapel) Pate.

In der deutschen Arbeitersportbewegung organisierten sich seit Ende des 19. Jahrhunderts Sportler, die aus der Arbeiterbewegung stammten und denen die in der Deutschen Turnerschaft (DT) zusammengeschlossenen bürgerlichen Sportvereine im Kaiserreich zu nationalistisch ausgerichtet waren. Bald nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes (1890) gründeten sie eigene Dachverbände, so am 2. Mai 1893 in Gera den Arbeiter-Turnerbund (ATB) und am 24. Mai 1896 in Offenbach am Main den Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität (ARB Solidarität). Es ließe sich noch viel zu diesem Thema nachlesen und vor allem forschen. Hier einige Literaturhinweise und Quellen:

Die meisten Arbeiten ohne Standortnachweis (vor allem aus dem Bereich der Sekundärliteratur) befinden sich im Besitz des Karl Bühren Archivs, Studienarchiv zur Geschichte der internationalen Arbeitersportbewegung in Paderborn und können bei Bedarf vor Ort (Präsenzbibliothek) eingesehen werden.

Stiller Eike: Literatur zur Geschichte des Arbeitersports in Deutschland von 1892 bis 2005. Eine Bibliographie, Trafo Verlag Berlin, 10.08.2006, 333 S., ISBN-13: 978-3896264190, 39,90 €.

Zu Stillers Werk gibt es auch eine Rezension:
www.trafoberlin.de/Rezensionen/419-0-r.htm

Rezension von Lorenz Peiffer im Archiv für Sozialgeschichte online.

Wikipedia: Arbeitersport in Deutschland

Schönberger Klaus: Arbeitersportbewegung in Dorf und Kleinstadt. Zur Arbeiterbewegungskultur im Oberamt Marbach 1900 - 1933. Tübingen 1995. - 421 S. : Ill. - Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 1994 (ISBN 3-925340-89-0. Tübinger Vereinigung für Volkskunde)

zusätzliche Infos auf der Internet-Seite von Sport-record zum Arbeiter Athletenbund

weitere Quelle:
www.sport-record.de/schwerathletik/schwerathletik-dab.html

Dokument (pdf) zur „Geschichte des Ringkampfes“:

Die Urkunde stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf; (auch: Bearbeitung, Recherche, Zusammenstellung: 06/2015)