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1764 - Heraldiker Christoph Johann Gatterer zeigt Wappen des Abtes Anselm Erb


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In einem zwischen ca. 1759 und 1792 erschienenen Heraldikbuches taucht auch das Wappen des damaligen Abtes Anselm Erb auf. Statt der Ringe seines Vorgängers Rupert Neß führte Erb drei Sterne im Wappen. Links oben findet sich der Reichsadler (seit Abt Lustenau, 1460-1473, Wahrzeichen der Abtei), rechts oben das Stifterwappen.

Anselm Erb (* 29. Januar 1688 in Ravensburg; † 21. Mai 1767 in Ottobeuren) war der 53. Abt der Reichsabtei Ottobeuren. Unter seiner Regentschaft, die von 1740 bis 1767 währte, wurde die Basilika St. Alexander und Theodor vollendet (s. Wikipedia).
Sein Wappen findet sich deshalb in der sog. Pfingstkuppel (unterhalb der Maria). In Ottobeuren ist sein Wappen auch im Inneren der Sebastianskapelle (am Friedhof) zu sehen.

Das Wappenbuch, in dem die Seite mit insg. vier Wappen (Wettenhausen, Gengenbach, Zwiefalten- Zweyfalten und Ottobeuren - Ottenbeuern) enthalten ist, wurde in verschiedenen Ausgaben zwischen 1759 und 1792 herausgegeben - wahrscheinlich sogar noch davor und danach. Die Ausgabe von 1764 ist bei der Bayerischen Staatsbibliothek als Digitalisat abrufbar, wobei - wie schon beim Digitalisat von Google - auf genau „unserer Seite“ nur das Abtswappen von Zwiefalten zu sehen ist. Die im virtuellen Museum abgebildete Seite stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf und wurde aufwändig restauriert, da das Papier sehr dünn ist und die Rückseite stark durchscheint. Zum Vergleich sind die Bearbeitung und der Original-Scan abrufbar.

Die im Buch versprochene Beschreibung des Wappens ist - zumindest für Ottobeuren - nicht enthalten. Die „alphabetische Beschreibung der Wappen“ beginnt auf S. 133 (Digitalisat S. 302), „Ottenbeuern“ ist auf S. 164 (pdf S. 333) jedoch nicht darunter (nach Ochsenhausen, Oettingen und Orleans kommt das Papstwappen - „Pabst“ noch vor „Paderborn“). In der von Google digitalisierten Ausgabe (ebenfalls) von 1764 steht auf S. 47 ein Hinweis auf die Stammtafeln des Abts zu Roth, oder „Münchenroth bey Memmingen“ unter der fortlaufenden Nummer LVIII (Digitalisat S. 122 der pdf); in der Ausgabe (Sammlung Scharpf) auf S. 48, Nummer LIX. Auch im Google-Digitalisat ist nur das Wappen des „Abts zu Zweyfalten“ abgebildet, die Wappen der Äbte von Wettenhausene, Gengenbach und „Ottenbeuern“ fehlen.
Die Textseite zu Erb ist hier (Ausgabe 1763) abrufbar.

Zu Abt Anselm Erb heißt es (pdf, S. 124):
LXIV. Stammtafel des Abts zu Ottenbeuern.
Anselm, g. 29 Jan. [1]688. K.K. Rath u. Erb-Capellan der Nieder-Schwäbischen Benedictiner-Congregation, sub. Tit. S. Spiritus Præfes, der Salzburgischen Universität Assistens, ward zum Abt erwählt 23 Nov. [1]740.
Für weitere Info über Abt Anselm siehe auch die Wikipedia-Seite zu Erb.

Literaturzitat:
Gatterer, Christoph Johann: Fortgesetzter Wappen-Calender auf das Jahr 1764. oder jährliches Handbuch der neuesten Genealogie und Heraldik worinnen aller jetzigen europäischen Potentaten Stammtafeln und Wappen mit einer richtigen Beschreibung der Wappen und einem Abrisse der Heraldik oder Wappenkunde enthalten sind. Nürnberg, Verlag der Raspischen Handlung [Gabriel Nicolaus Raspe], 1764, 207 S. (plus unzählige Seiten mit Abbildungen, Registern, Literaturverzeichnis; mit Leerseiten und Buchrücken 399 S.), Format ca. 20,7 x 12,2 cm.
Antiquarisch sind Ausgaben von 1759 bis 1792 auffindbar; Ausgaben von 1767 und 1769 stammen auch von Johann Friedrich Seyfart.
Zum Autor heißt es auf der (inneren) Titelseite: „der Geschichte ordentlicher Lehrer zu Göttingen“. Gatterer lebte von 1727-1799. Zu den Begriffen Heraldik und Wappen sei auf die entsprechenden Wikipedia-Seiten verwiesen.

Anmerkungen zum Inhalt des Buches:
Für Augsburg [hier Augspurg“ geschrieben] findet sich im Kapitel „Erzbischöfe, Bischöfe und geistliche Fürsten des H. Röm. Reichs“ folgender Eintrag:
10. Bischof zu Augspurg, Joseph, Prinz von Darmstadt.

Im Kapitel VII, „Reichs-Prälaten“ (Unterpunkt „a) Der Schwäbischen Bank.“) heißt es:
15. Abt zu Ottenbeuern, Anselm.

Es gibt sogar eine kurze Auflistung von „Monarchen in Asia und Africa“:
Der Kaiser in China, Xiung – Naching f. Kien-Long.
Der Kaiser von Marocco, Sidy Mahomet Ben Abdallah.
Der große Mogol in Indostan.
Gros-Sultan oder Türkischer Kaiser, Mustapha.

Welch erlauchter Kreis Aufnahme in das Wappenbuch fand, geht aus dem „Vorbericht“ – dem Vorwort – hervor:
Die gegenwärtige Ausgabe unseres jährlichen genealogisch heraldischen Handbuchs, erscheinet mit den im vergangenen Jahre vorgefallenen merkwürdigen Veränderungen ; und vorzüglich, mit verschiedenen neuen Stammtafeln und Wappen geistlicher Fürsten. Man hat auf vieles Verlangen, den seit etlichen Jahren weggelassenen Calender wieder beygefügt ; jedoch auf solche Art, daß er in Ländern, wo die Einfuhre fremder Calender verboten ist, füglich kann weggelassen werden. Und endlich ist auch die zweyte Hälfte der Wappenlehre, deren geneigte Aufnahme man mit großem Vergnügen wahrgenommen, dieser Auflage beygefügt, und mit 2. neuen Kupfertafeln erläutert worden. Wann noch einige Wappen geistlicher Fürsten mangeln ; so ist es unserm Unfleiße und ermangelnder Vorsorge nicht beyzumessen : Vielmehr leben wir der Hofnung, daß die hie und daher erhaltenen Versicherungen, uns in den Stand setzen werden, denen Liebhabern in den nächstkünftigen Auflagen ein vollständiges Werk in so weit es das Heil. Röm. Reich betrifft, liefern zu können.
Der Verleger bedauert hiebey nichts so sehr, als daß er dieses Buch nicht so groß machen kann, als es von einigen Liebhabern gewünscht wird, welche verlangen, daß alle diejenigen geist- und weltlichen Herren darinne stehen möchten, welche von Zeit zu Zeit mit dem Reichsfürstlichen Titel beehret werden. Die Anzahl der Bögen würde dadurch so sehr anwachsen, daß man den Preiß verdoppeln müßte. Und nur wenige sind geneigt, jährlich mehr als ein paar Gulden dafür aufzuwenden. Man muß sich also nothwendig nach der größten Anzahl richten, und, um den geringen Lohn, für die angewandte viele Mühe und Kosten nicht gänzlich zu verliehren, sich künftig ausser den kayserl. und königl. Häusern, fast allein auf das Heil. Röm. Reich und diejenigen hohen Familien einschränken, welche auf dem Reichstage zu Regenspurg Sitz und Stimme haben.

Über das Wappen von Ottobeuren gab es im „Marktspiel“ von 2003 eine eigene Frageseite (Lösung auf S. 29 der hier verlinkten pdf)
Und hier geht es zu den Ottobeurer Wappen im Heraldikbuch von Eduard Zimmermann von 1930.

Das Foto vom Wappen Erbs in der Pfingstkuppel der Basilika stammt vom 30.12.2015, das vom Chorbogen aus der Sebastianskapelle am Friedhof Ottobeuren vom 19.07.2014.
Hinweis: Die Abbildungen von 1764 sind gemeinfrei, bei den beiden Fotos ist leider nur eine private Verwendung möglich.