Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




1925 - Brauerei Rose mit Sommerbierhalle


   Download

Eine Idylle für sich war der Rosenkeller, der zur Brauerei Rose gehörte. Der Rosenkeller wurde laut Werbekarte als „Sommerbierhalle“ geführt.

Die vorliegende Ansichtskarte, die beide Motive zeigt, ist leider nicht gelaufen, die zeitliche Einordnung daher schwierig. Auch wenn bislang eine eingehendere Recherche fehlt, so sollen doch zumindest jetzt schon die beiden Fotos gezeigt werden.

Was ist bekannt? Ein paar Momentaufnahmen:
Die Brauerei als solche war nicht im Gebäude der Gaststätte untergebracht, sondern im Rosenkeller. Der Brauereibetrieb wurde vermutlich schon Anfang der 1930er Jahre eingestellt. Das Gebäude der Gaststätte (heute Saigon City, vormals Kanton-Haus) wurde während des Krieges nicht als Lokal genutzt. Nach dem Verkauf an die Memminger Brauerei Bürger- und Engelbräu (B&E) waren diverse Pächter drauf, als erster Anton Brey, ein Metzger aus Ottobeuren. Er schlachtete im Nebengebäude des Lokals - nur als Hausschlachtung für die eigenen Gäste, kein Ladenverkauf.
Das Gebäude der Rose war in der Barockzeit zur Unterbringung der an der Ausgestaltung der Klosteranlage und der Abteikirche beschäftigten Künstler. genutzt worden

Im Nebengebäude zum Rosenkeller war das Privathaus von Max Reichardt (im „Münchner Stil“). Nach dem Krieg arbeitete ein Herr Pfeifer (oder Pfeiffer) aus Pirmasens. Aus Flicken schneiderte er Hosen zusammen und hatte auch - ein typisch Ottobeurer Flüchtlingsberuf - eine Handschuhherstellung.
Vermutlich in den 1950er Jahren zog eine Frau Sturm eine Teddybär-Produktion auf. Immerhin 20 Frauen arbeiteten hier; jeden Abend gingen viele Pakete mit Bären in den bundesweiten Versand auf die Post. In den 1980er Jahren machte ein Brand dem Betrieb ein Ende. (Aussage muss noch über Magnus Seiler am Hofacker überprüft werden.)

Noch etwas weiter zurück:
Im Ottobeurer Wochenblatt vom 02.03.1900 heißt es auf S. 2 in einer Annonce: Die herkömmliche Abendunterhaltung am künftigen Sonntag unterbleibt. Ernst Reichardt, Brauerei z. Rose.
Laut einer Sterbeanzeige der Pfarrei für den Monat Juni (Ausgabe 53 vom 03.07.1900) steht: Am 3. Ernst Friedrich Reichardt, Brauereibesitzer von hier, 48 Jahre 4 ½ Monate.
Schon kurz nach dem Tod ihres Mannes kündigt Rosine Reichardt für den 14.06.1900 (Fronleichnam) „bei günstiger Witterung“ die [diesjährige] Eröffnung des Rosenkellers an.

Der auf der Karte genannte Besitzer, Max Reichardt, taucht z.B. im Ottobeurer Wochenblatt vom 08.01.1910 auf. In einer Danksagung steht:
Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben und einzigen Kindes und Enkels Sofie sprechen wir unsern innigsten Dank aus. Die tieftrauernden Eltern: Max u. Pepi Reichardt, Brauerei „Rose“. Werbung fand sich in diesem Jahr kaum, für den 15.10.1910 kündigt der „Zimmerstutzenschützen-Verein Alpenrose“ den „Beginn der Schießabende“ an.

In der Festschrift der Feuerwehr von 1996 taucht der Name Reichardt ebenfalls auf.
1909 - 22. November: Zimmerbrand durch einen defekten, an einer Holzwand angebauten Ofen beim Rosenwirt und Bierbrauer Max Reichardt.

In der Ausgabe des Memminger Volksblatts (= Ottobeurer Tagblatt) Nr. 24 vom 30.01.1923 heißt es auf S. 4 in einer Annonce:
Bekanntmachung. Infolge Verschlimmerung meines Verwundungszustandes vom Felde ist meine Gastwirtschaft ab 31. Febr. 23 bis auf weiteres geschlossen. Ottobeuren, 30. Januar 1923. Max Reichardtm Brauerei „zur Rose“

Im Landesadressbuch vom Mai 1928 ist die Rose nicht erwähnt.
Max Reichardt wird im Einwohnerbuch von 1926 unter der Adresse Rupertstraße 10 (seit 1951: Ulrichstraße 9) als Gastwirt geführt. In einer großen Werbung preist er „1a helle und dunkle Biere“ sowie die „gut bürgerliche Küche“ an. Außerdem wirbt er mit einem „schönen, schattigen Garten mit Kegelbahn und Halle“.
Im Einwohnerbuch von 1931 wird Max Reichard als Privatier in der Bergstraße 19 ⅓ (seit 1951 Nr. 8) geführt.
Im Einwohnerverzeichnis von 1937 wird Reichardt nicht erwähnt; geg. war er in der Zeit kurzzeitig in Thannhausen gemeldet, wo er seine Frau kennenlernte und erst Ende November 1937 wieder nach Ottobeuren kam.

Gleich nach dem 2. Weltkrieg war in der Rose - wie oben erwähnt - eine Handschuhfabrikation einer Flüchtlingsfamilie untergebracht.
Im Straßenverzeichnis von 1951 ist auch ein Max Reichardt genannt. Max Reichardt sen. hat noch bis 1979 gelebt, ebenso seine Frau Katharina. Die Nachfahren zogen 1979 nach Warendorf in NRW.
Durch die Abfolge von vier „Max Reinhardts“ wird die Aufarbeitung etwas verkompliziert:
Der erste ist am 16.10.1884 in Ottobeuren geboren und hier am 26.11.1952 verstorben. Seine Frau Kreszentia, geb. Klaus, wurde am 28.06.1891 in Kreuzthal geboren (gest. 14.03.1930 ?); Heirat am 30.07.1924 in Ottobeuren. Berufsbezeichnung: Brauereibesitzer.
Vater: Ernst Friedrich Reichardt, Braumeister (s.o.)
__________

Maximilian Nummer 3 ist am 02.06.1911 in Ottobeuren geboren, Braumeister, gest. 1979, Ehefrau Katharina, geb. 04.06.1912 als Rauchenecker (?) in Thannhausen, Heirat 11.02.1938; wobei als Vater von ihm wohl Maxmilian Nr. 2 angegeben ist: ebenfalls Braumeister; verheiratet mit Josepha, geb. Lieb.

Aus der Ehe von „Nr. 3“ sind die Kinder Ingeborg, Maximilian und Helmut hervorgegangen.
________________

Ein Zündholzetikett (ca. 1970er Jahre) weist als Inhaber (besser: Betreiber) die Familie Reisch (Alois und Irmgard, geb. Reitmeier) aus. Zu der Zeit war die Rose das Vereinslokal der Ottobeurer Fußballer.

Aus dem Rosenkeller ist längst ein Wohnhaus geworden (Bergstraße 8) - aber immerhin ist das Gebäude erhalten geblieben. Im Gasthof Rose befindet sich seit 01.08.2005 das „Saigon City“. Ende der 1990er Jahre wurde es wenige Jahre als ungarisches Lokal betrieben, dann ca. zwei Jahre (2003 - 2005) von einem weiteren Betreiber als China-Restaurant „KAN-TON-HAUS“. Das Gebäude wurde ca. 2009 von der Gemeinde gekauft.