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1946 - Aquarell der Landwirtschaft Göppel (Obere Straße 4) von Georg Nagel


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Der Schwiegervater des Malers Rupert Kiener, Georg Nagel, malte kurz nach dem Krieg dieses ansprechende Aquarell des landwirtschaftlichen Anwesens in der Oberen Straße 4.

Wenn man das Aquarell mit dem am 20.04.2016 gemachten Foto vergleicht, so fällt einem die damalige Idylle ins Auge. Die zwei Kastanien gingen irgendwann kaputt und als der Kanal kam, konnten keine Bäume mehr nachgepflanzt werden. Rechts vom Haus betrieb Franz Xaver Kathan - er hatte keine eigenen Nachkommen - bis ca. 1929 eine Molkerei.

Die Landwirtschaft wurde noch bis 1996 betrieben, 28 Kühe und ein Stier waren es zuletzt. Gekauft hat den Hof der aus Raupolz (bei Bad Grönenbach) stammende Florian Göppel sen. Er heiratete (im selben Jahr 1929) Josefa (Beppi) Demmeler aus Eheim.

Neben einem Heuwagen ist auch ein Gummiwagen sowie rechts ein Bauerngarten zu sehen. Beppi Göppel molk noch von Hand; die erste Melkmaschine wurde erst nach 1950 angeschafft. Florian Göppel jun. war bis zur Rente auch als Viehhändler aktiv. Die Wiesen lagen vor allem Richtung Konohof.
Vor 1951 hatte das Gebäude die Hausnummer 197.

Wann die Molkerei in Betrieb ging, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Vor dem Bau der nordöstlich angrenzenden Molkerei (heute ein modernes Wohnhaus) gab es auf der Südostseite im Hauptgebäude eine Käseküche (Käskuchl). Noch bis in die 1960er Jahre fand sich in der Oberen Straße eine Vielzahl von kleinen Handwerksbetrieben: vom Küfer Huber, einem gegenüber liegenden Wagner-Betrieb bis zum Korbmacher war alles vertreten.
Im Gebäude des Molkerei lebten zwischenzeitlich auch Frischknechts (Käsegroßhändler), bevor ihr Wohngebäude in der Bergstraße kurz nach Kriegsbeginn fertig wurde. Zeitweise wohnten dort auch Arbeiter des Sägewerks von Anton Schaber (der eine adoptierte Tochter Kathans geheiratet hatte).
Das Vergleichsfoto, das auch die Molkerei zeigt - ca. 1910 - stammt aus dem Nachlass der Fam. Schaber.

Der Maler Rupert Kiener lebte vor dem Krieg in Brasilien, war auf Besuch in Europa und konnte kriegsbedingt nicht zurückkehren. Mit Bildverkäufen wurde später die Rückreise nach Sao Paolo finanziert - möglicherweise auch durch die Bilder seines Schwiegervaters Georg Nagel. Das Bild wurde auf alle Fälle noch vor der Währungsreform (1948) gekauft.

Herrn Göppel sei für die Überlassung des Bildes (Format etwas größer als A4) herzlich gedankt. Es wurde digital nachbearbeitet (Helmut Scharpf, 04/2016)