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01-1860 - Auer- und Birkwild in den Wäldern des Forstbezirks Ottobeuren


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Auerhähne - und hühner, Birk- und Haselwild in den Wäldern Ottobeurens? Aus heutigem Blickwinkel löst dies ungläubiges Staunen aus, doch wir reden von Beobachtungen aus dem Jahr 1860.

Auskunft gibt der königliche Hofsstabsarzt Johann N. Fahrer in seinem Beitrag zur Tierwelt im Buch zur Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern „Bavaria“. Dr. Fahrer schreibt auf S. 199f. zum Auerhuhn wörtlich: „Außerhalb des Gebirgs findet es sich noch in den Waldungen am Ammersee und am südlichen Theile des Würmsees und in denen des Forstamts Kempten und Ottobeuern [Ottobeuren]. Nirgends ist es häufig.“ Zum Birkwild schreibt er „... und findet sich endlich noch in den Waldungen und Mooren von Kempten, Ottobeuern, Kaufbeuren etc. Den Alpen allein angehörig ist das Schneehuhn.“ Zum Haselhuhn schreibt Fahrer nur, dass es mit dem Auerhuhn „ungefähr dieselbe Verbreitung“ habe. Ob das auch die Wälder des Forstamtsbezirks Ottobeuren einschließt, bleibt offen.
Die Einzelseiten 199 und 200 können Sie über einen Klick auf die Seitenzahlen abrufen. Den Gesamtband mit seinen 586 Seiten gibt es bei Google Bücher als Download (der Link muss allerdings aktualisiert werden).

Literaturzitat:
Fahrer, Johann N., Erstes Buch. Naturwissenschaftliche Darstellung des bayerischen Süddonau-Gebietes, IV. Die Thierwelt, S. 185 – 226, in: Riehl, Wilhelm Heinrich (Hrsg.), [Heyberger, Joseph]: Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, bearbeitet von einem Kreise bayerischer Gelehrter. Mit einer Uebersichtskarte des diesseitigen Bayerns in 15 Blättern. Erster Band. Ober- und Niederbayern., Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta'sche Buchhandlung, München, Januar 1860, 586 S.

Möglicherweise stammen die darin enthaltenen Aussagen zu Ottobeuren aus diesen beiden Werken:
Koch, Carl Ludwig: System der baier. Zoologie, Bd. 1, Die Säugethiere und Vögel Baierns, Nürnberg, 1816, mit 13 Kupfertafeln
„Von diesem trefflichen und jetzt noch sehr brauchbaren Werke erschien leider nur dieser einzige Band. Die Vögel hat der zu frühe verstorbene Graf Heinrich von der Mühle im Korrespondenz-Blatte der zoolog.-mineral. Vereines in Regensburg, Jahrgang 1848, ergänzt.“      

Graf Heinrich von der Mühle, 1848 (im 2. Jahrgang des Korrespondenz-Blattes): Beiträge zu Koch’s bayerischer Zoologie (Link siehe hier)

Hier nun die Abschrift der beiden Textseiten:

 Thierwelt.                                               199

(...)

Hühner. Die Ordnung der Hühner eröffnet den Reigen jener Vögel, deren Junge so vollständig ausgebildet das Ei verlassen, daß sie alsbald zu laufen und unter Anweisung der Mutter zu fressen vermögen. Man nennt solche Vögel Nestflüchter, im Gegensatze zu den eben abgehandelten. Alle unsere ursprünglich einheimischen Hühner gehören zu der Familie der Tetraoniden oder Waldhühner. Darunter ist das Auerhuhn (Tetrao urogallus) das größte. Es ist in den Waldungen des ganzen Hochgebirges zu Hause, geht jedoch daselbst nicht über die Baumregion hinaus. Außerhalb des Gebirgs findet es sich noch in den Waldungen am Ammersee und am südlichen Theile des Würmsees und in denen des Forstamts Kempten und Ottobeuern [Ottobeuren]. Nirgends ist es häufig. Im Gebirge findet man auch, jedoch selten, das Rackelhuhn (T. intermedius), einen Bastard von Birkhuhn und Auerhenne. Das Haselhuhn (T. bonasia) ist ebenfalls nicht häufig, hat aber mit dem Auerhuhn ungefähr dieselbe Verbreitung. Am weitesten erstreckt sich jene des Birk- [Birkhuhnes] oder Spielhuhnes (T. tetrix). Wie schon dessen Name sagt, zieht es Birkengehölze, besonders wenn diese mit Heidekraut und Heidelbeeren bewachsene, lichte Stellen einschließen, allen anderen Waldungen vor und findet sich deßhalb auch gerne auf unseren Mooren. Außer dem Alpenzuge bewohnt es die Moore des Chiemsees und von Rosenheim, die Moore im Süden des Würmsees und am Ammersee, sowie von Olching, Allach und Schleißheim, ferner die Hirschau und die Gegend um Ismaning und Birkeneck; außerdem ist es im Geisenfelderforste und von da bis gegen die Donau, sowie um Neuburg zu treffen und findet sich endlich noch in den Waldungen und Mooren von Kempten, Ottobeuern [Ottobeuren], Kaufbeuern etc. Den Alpen allein angehörig ist das Schneehuhn (Lagopus alpinus); dort lebt es im Sommer paarweise über der Region des Holzwuchses, im Winter geht es tiefer herab und hält sich dann oft unter dem Schnee auf. Ein anderes, etwas selteneres Alpenhuhn ist das Stein- [Steinhuhn] oder Rothhuhn (Perdix saxatilis). Es findet sich um Berchtesgaden, Tegernsee, Hindelang etc. Ueber das ganze


200                                                       Thierwelt.

Flachland verbreitet leben als gemeine Vögel auf Feldern, Wiesen u.s.w. das Repphuhn (P. cinerea) und die Wachtel (P. coturnix); letztere zieht im Herbste fort. Der Fasan (Pasianus colchicus) ist kein ursprünglicher Bewohner unseres Landes, gleich unserm Haushuhn (Gallus domesticus), dem Truthuhn (Meleagris gallopavo), dem Pfau (Pavo cristatus) und dem Perlhuhn (Numida meleagris). Er wird in den Fasanerien gezogen, doch verträgt er unser Klima im Freien gut, und [als] Flüchtlinge aus den Fasanengärten pflanzen sie sich in unseren Waldungen und Flußauen fort. Das Fleisch aller Hühner, vorzüglich der jüngern, liefert eine sehr geschätzte Speise.

Sumpfvögel. Die siebente Ordnung umfaßt die Sumpfvögel, welche auf unsern wasserreichen und mit zahllosen Sümpfen und ausgedehnten Moorstrecken bedeckten Gebiete der passenden Aufenthaltsplätze genug vorfinden. Diese Ordnung ist reich an Arten, von denen jedoch der größere Theil nur als Zug- oder Strichvogel auftritt. Trappen fehlen dem südlichen Bayern; bisweilen verstreicht sich die große Trappe (Otis tarda) namentlich in kalten Wintern hierher, wie denn bei München, Erding, Regensburg und in der Gegend am Bodensee schon einzelne Stücke erlegt wurden. Viel seltener kann dieses von der kleinen Trappe (Otis tetrax) angegeben werden. Kraniche (Orus cinerea) erscheinen bei uns meist nur auf den Zügen, wie wohl alljährlich einzelne Paare auf unsern größeren Moorgründen brüten. Nicht selten ist der graue Reiher (Ardea cinerea), der theilweise auch überwintert. Auch die kleine und große Rohrdommel (A. minuta u. stellaris) sind keine seltenen Brutvögel. In einzelnen Fällen wurde auch der Nachtrabe (A. nycticorax) schon brütend getroffen; gewöhnlich aber zieht er, gleich dem Rallenreiher (A. comata) nur durch. Durch Zufall haben sich auch der Purpurreiher (A. purpurea) und die beiden Silberreiher (A. egretta et garzetta) einigemal auf unsere Moore verstrichen. In der Nähe der meisten Filze brütet der gemeine Storch (Ciconia alba); viel seltener der schwarze (C. nigra). Unter den schnepfenartigen Vögeln ist der große Brachvogel Numenius arquata, Moosgrille) auf allen Mooren gemein, wo er auch brütet, höchst selten aber verfliegt sich sein Gattungs-Verwandter, der Regenbrachvogel (N. phaeops) oder der Sumpfläufer (Limnicola pygmea), dorthin. Ziemlich häufig sind die große und kleine Bekassine (Ascalopax gallinago u. gallinula); nicht so die große Moosschnepfe (A. major). Zur Zugeszeit ist die Waldschnepfe (Scolopax rusticula) in unseren Waldungen nicht selten; einzelne Paare davon brüten, namentlich in den Gebirgswäldern, und die davon herrührenden Jungen überwintern bei nicht zu strenger Kälte. Auch einzelne Paare des sonst nur durchziehenden Kampfhahnes (Machetes pugnax) brüten bei uns. Nur Zugvögel, und zwar mehr oder minder seltene, sind: der Sonderling [Sanderling] (Calidris arenaria), der rothbraune, der Zwerg- und der kleine Strandläufer (Tringa canutus, Temminckii und minuta), der rostrothe Sumpf-
[Sumpftreter, Limosa rufa]

201 (...)
(Ende der Abschrift)

Hinweis zum Bild des balzenden Auerhahns: Es wurde der Wikipedia-Seite zum Thema Auerwild unverändert entnommen und darf mit ganz kleinen Einschränkungen (siehe hier) verwendet werden.

Zur Pflanzenwelt um Ottobeuren hat Pater Kaspar Kuhn 1875 einen Artikel („Einiges über die Flora um Ottobeuren“) veröffentlicht, den Sie im virtuellen Museum hier abrufen können.

Abschrift, Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 11/2016