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06-1908 - Die „Geschirrhandlung von Josef Ripfel, Hafnermeister“ in der Luitpoldstraße


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Im hinteren Gebäudeteil war der Pferde-Transportunternehmer Gregor Weiß untergebracht (sowie im östlichen Teil des Schober-Hauses); man sieht ein Fuhrwerk abgebildet. Dieser nördliche Gebäudeteil wurde ca. 1915 abgerissen, von Anna Ripfel gekauft und neu gebaut. Anna Ripfel (1895 - 1985) betrieb darin bis ca. 1965 - 70 einen Hutladen (Konkurrenz zum Hutladen von Frau Nagel); als sie im Altenheim war, stand der Laden lange leer. Der Gebäudeteil wurde ca. 2012 abgerissen, da er baufällig war.

Im Vordergrund steht die Familie von Hafnermeister Ripfel. Die zwei Erwachsenen sind Josef Ripfel sen. und seine Frau, ganz rechts unten steht Josef Ripfel jun. (1903 - 85) – der spätere Schwiegervater von Hildegard Ripfel, die 2017 noch im Haus lebt – und seine vier Schwestern: Anna (die älteste), Magdalena, Christine und Franziska; Letztere starb noch als Kind.

Der Sohn Herbert Ripfel (*1936 in Ottobeuren - 1994) übernahm später den Laden als Ofenbauer und -setzer (insb. Kachelöfen) sowie für Fliesen. Herbert und Hildegard heirateten 1962. Herbert starb mit nur 58 Jahren an einem Gehirnschlag. Der Zustand des Hauses von heute (2017, Luitpoldstraße 25; vor 1951 Hausnummer 126) entspricht dem von 1960.

Das Bild ist nicht datiert; nimmt man aber an, dass Josef jun. zum Zeitpunkt der Aufnahme ca. fünf Jahre alt gewesen sein dürfte, dann stammt die Aufnahme von 1908. Gegenüber steht das Haus von August Ripfel (Haus Nr. 14; die Familien sind nur weitschichtig miteinander verwandt).

Das mittlere Bild zeigt beide Läden (Hutladen Anna Ripfel und Hafnermeister Josef Ripfel jun.), vermutlich in den 1950er Jahren, dekoriert anlässlich eines Fronleichnamsumzuges.

Auf dem oben erwähnten Schober-Haus sieht man den Namen Grego ..., der für Gregor Weiß (14.03.1883 - 22.02.1933) steht. Mit seinem Tod ging auch die Gechichte des Transportbetriebs zu Ende. Sein Sohn Max ging nach Memmingerberg und betrieb dort einen Lebensmittelladen. Max hatte drei Söhne (Friedel, Fredel, Sattel – von Fridolin, Ferdinand und Alfred). Max hatte zwei Schwestern: Amalie und Hildegard. Amalie war taubstumm und ging in Dillingen in eine Schule für Taubsstumme. Sie heiratete einen taubstummen Schreiner aus Attenhausen oder Sontheim und war glücklich verheiratet. Amalies Mann verunglückte nach dem 2. Weltkrieg auf dem Weg zur Arbeit (von Ottobeuren nach Attenhausen) mit dem Fahrrad tödlich. Ein Reh oder anderes Wildtier war ihm ins Rad gesprungen. Nachdem er in der Brusttasche eine Flasche Milch mitführte, zerbrach diese. Die Scherben fügten ihm dabei Verletzungen zu, an denen er letztlich starb.
Amalies Schwester Hildegard (Hilda) heiratete während des Krieges. Amalie und Hildegard arbeiteten in einer Strickwarenfabrik in der Augsburger Straße in Memmingen und waren sehr fleißig. Hilda hatte eine Tochter - Helga, die Konrad Dolpp (23.04.1937 - 17.01.1990) heiratete.
Die Lebensdaten von Gregors Frau Viktoria Weiß: 31.01.1889 - 27.03.1978.
Die Ottobeurer Zeitung vom 23.02.1933 berichtete auf Seite 7:
Todesfall. Mittwoch nachmittags verschied nach längerer Krankheit (Leberleiden) Herr Gregor Weiß, Lohnkutschereibesitzer, Kriegsteilnehmer 1914/18. Der im schönsten Alter von 50 Jahren von dieser Welt Abberufene war ein arbeitsamer, um das Wohl seiner Familie besorgter Mann. Mit der Gattin betrauern noch 3 Kinder den allzu frühen Tod des Vaters.

Todesanzeigen fanden sich auf Seite 8 – von der Familie und eine vom Veteranenverein.
Am 27.02.1933 findet sich auf S. 7 ein längerer Artikel mit einem Bericht von der Trauerfeier. Pater Chrysostomus und der Vorsitzende des Veteranenvereins, Alexander Wegmann, werden zititert. Inhaltlich gibt der Artikel nicht viel, her, aber zumindest, dass Gregor Weiß das Unternehmen bereits von seinem Vater übernommen hatte. Wegmann:
Das angestammte Vatererbe bestellte ihm an seine Wiege Roß und Wagen und wieder Fleiß waren seines Lebens Inhalt. (...) Die Welle vaterländischen Niedergangs erdrosselte ihm Pulsschlag und Seele, Körperkraft und Lebensfreude.
Am meisten erfahren wir noch über seine Zeit im 1. Weltkrieg. (pdf S. 403)

Wie es an dieser Stelle heute aussieht, zeigt eine Aufnahme vom 21. Mai 2017.
Die Foto-Ak stammt aus der Sammlung von Helmut Scharpf.