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18.10.1868 – Blick auf den Marktplatz mit Abteikirche, Rathaus und steinerner Brücke


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Auch vor dem Aufkommen der Ansichtskarten – in Ottobeuren geht es ca. 1896 los – konnte man sich neben Devotionalien auch einen schönen Druck mit einer Ansicht des Ortszentrums als Souvenir kaufen. Die vorliegende Lithographie hing in der früheren Druckerei von Benedikt Baur in der Luitpoldstraße, in der auch das Ottobeurer Wochenblatt bzw. das Ottobeurer Volksblatt gedruckt wurde. Der Vorgänger Baurs – Carl Ganser – gab die Herausgabe der Federlithografie erstmals am 18. Oktober 1868 bekannt (Ausgabe 42); Details wurden so gut wie keine erwähnt:
Bei Verleger ds. Bl. [dieses Blattes] ist die Ansicht vom Marktplatz und Kirche in Lithographie zu haben. Auf gewöhnlichem Papier per Stück 9. kr. auf starkem schönen Papier 15 kr.
Auch in den Wochenblättern Nr. 43 und 45 findet sich der Hinweis, dann nicht mehr.

In der Zeit konnte man sich immerhin auch schon Fotografien von Ottobeuren kaufen. In Ausgabe 39 [32] vom 24.09.1868 [06.08.1868] hieß es auf S. 2:
In hiesiger Buchdruckerei sind Photographien „Ansicht des Marktes Ottobeuren“ in Album-Format zu haben. Preis 12 kr. [Kreuzer].
Es wäre schön, wenn diese besonders alten Aufnahmen noch erhalten wären!

Zur Lithografie:

Rechts unten erkennt man als Signatur Joh. Müller und vier weitere Buchstaben. Gemeint ist der Ottobeurer Bezirksgeometer Johann Müller (1819 - 1878), die besagten Buchstaben lauten „lith.“ - also Lithografie.

1857 wurde der Marienbrunnen abgebaut; ob der abgebildete Schöpfbrunnen auf der Südostseite des Rathauses (Brunnen mit Handpumpe) ein Überbleibsel darstellt, ist nicht bekannt. Inmitten des Marktplatzes sieht man den Alexanderbrunnen mit Standbild.

Erstmals hatte Abt Rupert Ness II einen Alexanderbrunnen auf dem Marktplatz eingeweiht – am 27.09.1737, dem Tag der Grundsteinlegung der barocken Abteikirche. 1810 stand er dem Neubau der Kirchentreppe im Wege und wurde in die Mitte des Marktplatzes verlegt. Gemeinsam mit dem Marienbrunnen wurde der Alexanderbrunnen 1857 abgebrochen, letzterer wurde aber durch einen neuen Brunnen mit dem Standbild des hl. Alexander ersetzt. 1874 musste der Alexanderbrunnen dem Kriegerdenkmal weichen. Erst 1954 entstand ein von Max Holzmann geschaffener neuer Alexanderbrunnen – in der Alexanderstraße –, der zum Fest des Kirchenpatrons 1955 von Pater Wilhelm Höß eingeweiht wurde.
Sieht man genau hin, dann kann man auf der Säule des Alexanderbrunnens auf unserer Lithografie das Standbild erkennen.

Die steinerne Brücke mit dem hl. Nepomuk jedenfalls wurde erst 1893 abgebrochen und 1896 durch eine neue ersetzt.

Das Antiquariat Peter Bierl bietet die Lithographie in 2019 unter folgender Bezeichnung an: „um 1825, 24 x 22 cm. Schefold 48247, seltene Ansicht in goldgedruckter Umrandung.“
Mit „Schefold“ ist vermutlich ein Nachschlagewerk des Kunsthistorikers Dr. Max Schefold (1896 - 1997) gemeint („Alte Ansichten aus Württemberg“, 1956/57).

Den Nachfahren der Druckerei, Hans und Heidi Kraft, bei denen die schöne Ansicht heute noch hängt, sei für die Zurverfügungstellung herzlich gedankt. Das schon etwas verblichene Original wurde von Helmut Scharpf digitalisiert und aufwändig restauriert (03/2019).