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1172 (bzw. um 1150) - Das Kloster Ottobeuren erhält Schwaighöfe im Ötztal / Erste urkundliche Erwähnung von Sölden


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Ottobeuren hatte Besitzungen oder Priorate in Vorarlberg, in Lichtenstein, am Bodensee, war in den ersten Jahren der Universität Salzburg oder bei der Gründung des Klosters Marienberg bei Mals im Vinschgau involviert. Bei einer Wanderung von Meran nach Oberstdorf fand sich in Sölden im Ötztal unvermittelt ein Hinweis auf eine weitere Verbindung nach Ottobeuren. Auf einer Infotafel an der Freizeit-Arena in Sölden zur Geschichte Söldens lasen wir Ende Juli 2017:

Aus der Geschichte
Während das vordere Ötztal aus Norden von den bajuwarischen und schwäbischen Volksgruppen besiedelt wurde, erfolgte die Besiedelung des innersten Ötztals aus dem Süden durch romanische Volksgruppen. Bereits 5000 Jahre vor heute drangen „Ötzis“ Zeitgenossen von Süden über die Alpenjöcher in das Gebiet um Vent und Gurgl vor. Die erste urkundliche Nennung von Sölden finden wir in einer Urkunde der schwäbischen Grafen Ronsberg um 1150, die dem Kloster Ottobeuren Schwaighöfe zu „seldon“ schenkten. Der Name leitet sich vom Wort „selde“ ab, bedeutet „kleinste bäuerliche Besitzgröße.“ Die erste urkundliche Erwähnung von Vent stammt aus dem Jahre 1241, Gurgl wird erstmals urkundlich 1250 erwähnt. Der Handel wurde vornehmlich mit dem Schnalstal und dem Passeiertal abgewickelt. Deshalb wurde auch bereits 1320 der erste Saumpfad über das Timmelsjoch angelegt. Andreas Hofer hat …

Ein Blick in den 1814 herausgegebenen zweiten Band des Ottobeurer Geschichtschronisten Pater Maurus Feyerabend (Jahrbücher, Bd. 2, 1106 – 1519) bestätigt den Zusammenhang mit Gottfried von Ronsberg, ordnet die Schenkung auf S. 166 allerdings dem Jahre 1172 zu.

Link zur Seite über diesen zweiten Band

Link zum Digitalisat des Bandes direkt (etliche hundert MB)

Wörtlich heißt es:
(…)
1172
Endlich kehrte auch am Ende des Lebens der Markgraf Gottfried von Ronsperg [Ronsberg], der ottenbeurische Schutzvogt, in sich, erinnerte sich auf alles, was er seinem anvertrauten Stifte zu Leid gethan hatte, machte einen Schadenersatz durch Abtretung einer Mühle zu Reichartsried in der Pfarrei Eggenthal, und mehrere Sennhöfe zu Seldon, woraus jährlich sechshundert Käse gegeben wurden, an das Gotteshaus.** Gottfried starb um diese Zeit ; das Jahr kann nicht bestimmt angegeben werden. Im J. 1181 unterzeichnete dessen Sohn Heinrich von Ronsperg schon neben dem römischen Könige Heinrich eine rothische Urkunde;*** folglich irret sich unser Hauschronograph Sand-

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holzer mit andern, wenn er dessen Tod bis auf das J. 1189 hinaus schiebt ; indem sich derselbe noch während der Regierung des Abtes Isingrin [Isingrim] ereignete, welcher im J. 1180 bestimmt seine Lebensjahre beschloß. Noch zur Zeit dessen Regierung, schreibt der älteste Chronograph, habe Heinrich von Ronsperg bei der Begräbniß seines Vaters Gottfrieds von Ronsperg eine halbe Hube in Irsingen dem Kloster unter der Bedingung vermacht, daß aus den Einkünften derselben allnachtlich ein brennendes Licht bei dessen Grabstätte sollte unterhalten werden.* Heinrich von Ronsperg, der weit bessere Sohn, folgte seinem Vater um das J. 1176 in dem ottenbeurischen Schutzvogteiamte nach.

** Gotfridus advocatus in extremo vite sue, quoniam multa mala intulerat monasterio, Swaigas in Seldon, que singulis annis sexcentos caseos solvunt, & molendinum in richersriet contulit. Ibidem.

Diese zweite Fußnote gibt vermutlich den Originaltext aus der Urkunde wieder, die auf der Infotafel in Sölden erwähnt wird. Der Söldener Ortschronist Ewald Schöpf wurde angefragt, wer die Urkunde hat. Auf der Wikipedia-Seite über Sölden wird in einer Fußnote ein Urkundenbuch aufgeführt, das vermutlich eine Abbildung enthält:
Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 2: 1140–1200. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7030-0485-8, S. 184.

Ob die „jährlich 600 Käse“ aus Sölden den Weg bis nach Ottobeuren fanden?

Spannend ist durchaus auch der Einfluss, den die Grafen von Ronsberg hatten. Über sie gibt es eine eigene Wikipedia-Seite. Was der Markgraf Gottfried von Ronsberg dem Kloster Ottobeuren angetan hat, steht bei Feyerabend vielleicht ein paar Seiten vorher zu lesen.
Hier der Abriss zu den Ronsbergern:

Herren von Ronsberg
Die Herren von Ursin waren ab etwa 980 in der Burg Irsee ansässig. Die Söhne von Reginhard von Ursin, Gottfried und Rupert, ließen nun auf einer Erhebung oberhalb des Ortes Ronsberg eine Burg bauen und nannten sich fortan Ronsberg.[7] Um 1147 erwarb Gottfried von Ronsberg durch den ersten Staufer auf dem deutschen Königsthron, Konrad III. (1138–1152), die Grafenwürde und nahm 1157 und 1162 an den Landtagen des bayrischen Herzogs Heinrich des Löwen (um 1130–1195) zu Ranshofen und Karpfham teil.[8] Graf Gottfried von Ronsberg starb um 1170 hochbetagt. Gottfrieds Sohn, Graf Heinrich von Ronsberg, weilte zwischen 1171 und 1182 wiederholt am Hoflager des Kaisers und Welfs VI. (1115–1191) zu Augsburg und wurde 1182 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Markgraf als Reichsfürst erhoben. Im gleichen Jahr hatte er das Kloster Irsee gestiftet und dem Kloster Ottobeuren großen Grundbesitz bei Herrenberg übertragen.[9] Schließlich begleitete er Friedrich V. Herzog von Schwaben auf einer Rheinreise 1188 und im Jahr 1191 Kaiser Heinrich VI. bei der Eroberung des Königreichs Sizilien, bei der er am 6. September im gleichen Jahr an einer Seuche im Kriegslager vor Neapel verstarb.
Die Vogtei und die Markgrafenwürde erbte Gottfried II. von Ronsberg, ein Sohn Heinrichs. Dieser hielt in dem Kampf der Gegenkönige Philipp dem Staufer (1177–1208) und Otto den Welfen (um 1175–1218) durchweg zum ersteren und beteiligte sich 1200 an dessen Parteitagen zu Speyer. Für seine Dienste schuldete ihm König Philipp 100 Mark und überließ ihm dafür als Pfand zeitweilig die Herrschaft Prutz im Tiroler Inntal. Trotz des päpstlichen Bannes, der gegen Philipp und seine Anhänger ausgesprochen wurde, begleitete Gottfried II. Philipp bei seinen Feldzügen gegen Otto den Welfen bis er am 11. Mai 1208 unerwartet in Augsburg verstarb. Gottfrieds Erbe war sein Bruder Berthold, der am 2. April 1212 als letzter seines Hauses kinderlos verstarb. Das Erbe ging, soweit es nicht von den Lehnsherren eingezogen wurde, an seine beiden Schwestern Adelhaid und Irmengard. Durch Adelhaid, Gemahlin des Grafen Ulrich von Berg, kam die Markgrafenwürde und die Grafenrechte der Ronsberger an ihren Sohn, den Grafen Heinrich von Berg und späteren Markgrafen von Burgau.[10] Alle übrigen Besitzungen der Ronsberger fielen an Irmengard, die Gemahlin des Grafen Egno von Eppan († 1209/1210) in Südtirol und weiter an ihren Sohn, den Grafen Ulrich von Ulten, der fortan häufig auf Ronsberg verweilte und dieses als seinen „Hauptort“ bezeichnete.

Ein klein wenig ausführlicher finden sich auf dieser Geschichtsseite Infos zur Geschichte Söldens.