04.07.1922 – Buchungsbestätigung im Gasthaus zur Post

Titel

04.07.1922 – Buchungsbestätigung im Gasthaus zur Post

Beschreibung

Heutzutage buchen die meisten Hotels und andere Unterkünfte über Buchungsportale im Internet. Die hier abgedruckte Postkarte zeugt von einer Zeit, in der eine Buchung per Post angefragt und bestätigt werden musste; selbst ein Telefon hatte Anfang der 1920er Jahre kaum jemand.

Eine der Hops-Schwestern von der „Post“ in Ottobeuren (heute: Feneberg-Parkplatz) bestätigte Walter Vogt aus Leipzig, dass er ein Zimmer mit Pension haben kann und was er als Vollpension bekommt. In der Inflationszeit war der angegebene Preis von 100 Mark sicherlich nicht lange gültig. Das galt auch für die Frankatur (einschließlich eines Papierzuschlags).

Das reguläre Fernverkehrs-Postkartenporto betrug in der Portoperiode 7 (vom 1. Januar 1922 bis zum 30. Juni 1922) 150 Pfennig (1,50 Mark). Die Ganzsache (Postkarte P 146 I) besaß ursprünglich einen eingedruckten Wertstempel von 40 Pfennig. Da die Postgebühren im Laufe des Jahres 1922 drastisch angehoben wurden, überdruckte bzw. ergänzte die Post die Bestände dieser Karten direkt in der Druckerei mit einem grünen Wertstempel von weiteren 35 Pfennig. Zusammen ergab dies einen vorgefertigten Frankaturwert von 75 Pfennig. Um das geforderte Gesamtporto von 150 Pfennig zu erreichen, klebte der Absender eine zusätzliche Briefmarke der Dauerserie („Ziffer im Kreis“ oder „Arbeiter“) im Wert von 75 Pfennig auf. Besonderheit des Datums: Obwohl der Stempel den 5. Juli 1922 zeigt und damit rein kalendarisch bereits in die Portoperiode 8 fiel (ab dem 1. Juli 1922 stieg das Porto für eine Fernverkehrs-Postkarte eigentlich auf 300 Pfennig), blieb die Karte mit 150 Pfennig portogerecht frankiert. Die Post gewährte der Bevölkerung für bereits frankierte Briefe und Postkarten eine mehrtägige Toleranzzeit (Schonfrist) nach dem Gebührenwechsel, in der Sendungen zum alten Tarif ohne Nachgebühr befördert wurden.

Ottobeuren, d. 4.7.22
Sehr geehrter Herr!
Auf Ihre w. [werte] Anfrage teile Ihnen mit, daß Sie ein Zimmer m. [mit] Pension haben können. Der gegenwärtige Preis ist 100 ℳ pro Person. Frühstück besteht in Kaffee, Butter u. [und] Weißbr. [Weißbrot]. Mittagstisch, Suppe, Fleischgang 2 Beilagen. Nachtisch, Abendessen, Suppe, Fleischgang od. [oder] irgend guten Abendtisch.
Hochachtungsv[oll]
Frau E. Hops
Gasthof zur Post

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Sammlung Helmut Scharpf, 08/2026

Datum

1922-07-04