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1634 - Belagerung Memmingens durch die Schweden - Plünderungen von Ottobeuren


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Der Studienlehrer Jacob Friedrich Unold (1781 - 1842) hat in seinem 1818 erschienenen zweiten Band über die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Stadt Memmingen mehrmals auch Plünderungen erwähnt, denen Ottobeuren zwischen 1630-35 ausgesetzt war. Die Abschrift dieses Bandes ist hier oder über den Reiter unten (doc und pdf) abrufbar.

1639 ist außerdem ein Kupferstich entstanden, der die Belagerung von 1634 zeigt. Ganz ist die Karte bei der Staatsbibliothek München oder - größer - auf der Wikipedia-Seite über die Belagerung abrufbar:
Wahrhaffte Contrafactur der Statt Memmingen, sampt der Belägerung Anno 1634“ (ca. 26 x 30,5 cm, Matthäus Merian)

Unold, Jacob Friedrich: Geschichte der Stadt Memmingen im dreissigjährigen Kriege. Von 1634 Bis 1648 [Band 2], Memmingen, Rehm, 25.10.1818, 172 S. [ab S. 81]; hier einige Passagen des Anfangs:

„Im Januar des Jahres 1634 zog sich die schwedische Armee unter General Horn gegen den Bodensee und eroberte Ravensburg, Isny, Wurzach, Leutkirch und Waldsee. Ossa aber in seinem bevestigten Lindau war sehr ungehalten, daß hier viele über die Successe der Schweden so frohlockten, noch mehr aber deswegen, weil er berichtet worden war, daß die hiesige Besatzung, weil man sie nicht bezahlen konnte, sehr leide. Eher kann ich, sagte er, bei dem Kaiser verantworten, daß alle Bürger zu Grunde gehen, und aus der Stadt müssen, als daß ich die Soldaten dort verderben lasse. Da kam der kaiserl. Rath und Kriegskommissär des schwäbischen Kreises, Valentin Lang von Lindau herunter, ließ den Rath auf Sonntag Morgens um 7 Uhr den 26. Januar zusammen kommen, und demselben Arrest ankündigen, wenn er nicht zahle. Man brachte ihm 28,000 fl. an Wechselbriefen, er wollte sie aber nicht annehmen, sondern sagte unwillig, er wolle alles haben. Endlich riß er den Deputirten die Briefe unwirsch aus den Händen, ließ sich für die restirenden 1400 fl. der Stadt sämtliche Güter verschreiben und sagte, er wolle sich schon bezahlt machen. Umsonst waren alle wiederholten Bitten und Deputationen, ihn zu bewegen, den Rath hier zu lassen, er wurde gefangen gesezt, und der alte blinde Rathsherr Meßmer allein endlich entlassen, weil er erkrankte. Die Folge war wieder eine Steuer, um Geld zusammen zu bringen, damit der Rath des Arrestes entlassen würde.

Dieß geschah gegen Ende Februars, aber einige Tage hernach kam wegen nicht bezahlen können abermaliger Arrest. Jezt nahten sich die Schweden von Biberach her, weswegen auf den St. Martinsthurn einige Stücke Geschütz gestellt wurden, die Wachen wurden verstärkt, und aus Mangel an Holz zu den Wachtfeuern manches der leeren Häuser niedergerissen, und alle Beamte der auf mehrere Meilen um die Stadt liegenden Herrschaften wurden von dem Commandanten hereingefordert, und ihnen befohlen, Korn, Geld, Holz, Fuhrwerk, Schanzzeug und Leute zum Schanzen zu liefern. Aber nur ein geringer Theil der Forderungen konnte befriedigt werden, denn es war alles, und dieß auf dem Lande mehr, als in der Stadt, zu sehr ruinirt. Zugleich wurde den Bauern befohlen, ihr Vieh, Heu und Stroh in Zeit von 10 Tagen in die Stadt zu bringen, „damit wann der Schwed kommt, er nix in den Dörfern findt.“
Die Bürger mußten sich möglichst verproviantiren; aber die wenigsten waren im Stande, es auf mehr als eine oder anderhalb Wochen zu thun. Nun kam die Nachricht, wie die Schweden Mindelheim und Kaufbeuren gestürmt, und viele Kroaten niedergemacht hätten, bald darauf auch Biberach und Kempten. Den 10. März fielen 1200 schwedische Reuter in Woringen ein, und nahmen das Schloß Grönenbach, und verbreiteten sich in der Gegend, den 25. aber, am Tag Maria Verkündigung, Mittags gegen 3 Uhr, kam die ganze Armee unter Horn selbst von Kempten herab vor die Stadt, sie zu belagern. Sogleich fiengen die Schweden an, Schanzen und Battrien aufzuwerfen, und erhielten von Ulm 6 halbe Kartaunen mit viel Munition und etlich hundert Soldaten, und der Herzog von Würtemberg schickte 4000 Mann. Zwar giengen die Kaiserlichen mit 2000 Reutern über den Lech, die Stadt zu entsetzen, zogen sich aber wieder zurük, als sie hörten, daß die ganze schwedische Armee vor derselben sey. Sie wurde nun eng eingeschlossen, alles Läuten mußte aufhören, und den Bürgern wurde streng verboten, sich auf der Gasse sehen zu lassen, ausser es gehe einer in die Kirche, oder zu einer Leiche, und St. Martins Kirchhof wurde Gottesacker, so wie es voriges Jahr einige Monate lang der Kirchhof bei U. Frauen gewesen war. Am Palmsonntag wurde von beiden Theilen Tag und Nacht unaufhörlich geschanzt.
Ein Theil der schwedischen Armee unter Horn bezog ein Lager zwischen Buxheim und der Kapelle, ein anderer eins unter General-Major Hubald bei der Kapelle von Amendingen. (...)

Ein bei Merian erschienener Druck (im dritten Band des Theatrum Europaeum) stammt frühestens aus dem Jahr 1639 (erste Auflage), spätestens kurz nach 1670 (fünfte Auflage). Er zeichnet die Belagerungs-Situation von 1634 nach. Im linken unteren Eck ist das „Closter Ottenbeüren“ eingezeichnet, zu sehen ist außerdem Beningen (Benningen) samt Riedt (Ried) und der Güntz fl(uss) - die Westliche Günz. Die Karte wurde später (1881-95) auch bei Baumann: Die Geschichte des Allgäus nachgedruckt. Das hier vorliegende Original von 1639 aus der Sammlung von Helmut Scharpf soll in nächster Zeit komplett aufgearbeitet sein, ebenso die Abschrift des Buches von Unold. Der vorliegende Ausschnitt ist aufwändig nachbearbeitet.

Weitere Hinweise zu Ottobeuren im Dreißigjährigen Krieg finden sich im dritten Band der Jahrbücher von Pater Maurus Feyerabend.

Abschrift des zweiten Bandes von Unold (erschienen 1818): Kathrin Merz, 10/2014, Lektorat (Korrekturlesen und Erläuterungen): Helmut Scharpf, 31.10.2014