Marktgemeinde Ottobeuren
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17.06.1919 - Gründung „Evangelischer Verein Ottobeuren und Umgebung“


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Die vorliegende Satzung ist ein frühes Dokument für organisiertes evangelisches Leben in Ottobeuren. Zu den Zielen gehörte es u.a., den Mitgliedern die „religiösen Bedürfnisse in Gottesdiensten zu befriedigen“ sowie die „Anschaffung von Gegenständen oder eventl. Errichtung und Erhaltung von Bauten“ zu finanzieren.

Das Heft hat elf Textseiten, außerdem vier Seiten zur Dokumentation gezahlter Mitgliedsbeiträge und vier Leerseiten, wobei davon nur die erste übernommen wurde. (Eine weitere befindet sich vor Beginn des Satzungstextes, die zwei übrigen zwischen den Beitragsseiten und dem rückseitigen Umschlag.) Das kleine Satzungsheft (Format 10,5 x 16 cm) wurde der evangelischen Kirchengemeinde von einem unbekannten Spender überlassen und ist vermutlich ein Unikat, weshalb es einer aufwändigen zweiwöchigen „Luxussanierung“ unterzogen wurde (06/2015). Ursprünglicher Besitzer war der Vereins-Schriftführer Jakob Ottinger, der 1934 eintrat und das erste gedruckte Beitragsjahr 1919 einfach überschrieb. Kassier Johann Heydt bestätigte den Erhalt von drei Mark Jahresbeitrag. Die Männer des Gründungsvorstandes sind trotz der Aktualisierung gut lesbar. Frauen waren zwar übrigens explizit zugelassen, aber erst 1937 taucht mit Elise Mauerer eine Frau mit Leitungsaufgaben im neu gewählten Kirchenvorstand auf.

Der Gründungsvorstand von 1919
Vorstand: A. Krafft (unbekannt, schon 1926 nicht mehr im Adressbuch)
Kassier: Albert Danz (Reichsbahnsekretär, Bahnhofstr. 244, 1877-1951)
Schriftführer: Otto Schott (1926 als Obervermessungsamtmann in der Kempterstraße 224 genannt; 1931 nicht mehr in Ottobeuren oder verstorben)
1. Beisitzer: Wilhelm Pfeiffer (1926 nicht mehr in Ottobeuren oder verstorben, in der „Hermann-Konebergstr. 105 einachtzehntel“ wird lediglich der „Kriegsblinde“ Adolf Pfeiffer genannt)
2. Beisitzer: Wilhelm Hansum (1931 ist eine Witwe Rosina Hanßum in der Kempterstraße 221 nachweisbar, im Adressbuch von 1926 wird sie unter anderer Hausnummer als „Heizerswitwe“ genannt, Kempterstraße 226)

Oberkirchenrat Dr. Oscar Daumiller hatte Anfang 1919 im Ämtergebäude, in der Wohnung von Otto Schott, Leiter des Vermessungsamtes Ottobeuren und Schriftführer des Gründungsvorstandes, den ersten Gottesdienst abgehalten.
Mit der Vereinsgründung ging noch nicht die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde hervor. Nach Vorbereitungen seit Oktober 1934 kam es erst am 01.01.1937 zur Anerkennung einer „Tochterkirchengemeinde Ottobeuren“ der Muttergemeinde St. Martin in Memmigen. Dadurch wurde der „Evangelische Verein“ abgelöst. Die Wahl eines ersten Kirchenvorstandes fand am 20.01.1937 im Rahmen einer öffentlichen Versammlung im Gasthaus Mohren statt, bei der 38 anwesende Gemeindemitglieder (von insgesamt 55 Wahlberechtigten) ihre Stimme abgaben. Als erste Kirchenvorsteher wurden gewählt: Dr. med. Hans Schütte (Memminger Str. 241¼, 1931 als „Krankenhausarzt“ bezeichnet), Finanzsekretär Jakob Ottinger, der Gutsverwalter vom Boschachhof Ernst Horlacher und die Kaminkehrermeisterswittwe Elise Mauerer (Bahnhofstr. 98). Der in der handschriftlichen Aktualisierung des Vereinsvorstandes von 1934 genannte Kassier Johann Heydt (Steuersekretär, Marktplatz 6), taucht nicht mehr auf, auch nicht der 1. Beisitzer Revierförster (Gustav) Redlich aus der Kempterstraße 221, der Name des 2. Beisitzers (Rinhamle?) ist nicht erkennbar.
Bis zur Grundsteinlegung der Kirche am 04.09.1955 war es noch ein weiter Weg.

Quellen:
Pfarrkonferenz des Evang.-Luth. Dekanates Memmingen (Hrsg.): Evangelisch im Unterallgäu. Erbe der Reformation, Diaspora und Ökumene. Die evangelischen Gemeinden im Dekanat Memmingen am Ende des 20. Jahrhunderts, Verlag der Ev.-Luth. Mission Erlangen, 1986, 151 S., ISBN 3-87214-209-7 (Efal.) bzw. 3-87214-211-9 (Pp.)
Auf den Seiten 113 - 119 schrieb Harald Schmied darin ein Kapitel über Ottobeuren.

Stark, Karl Friedrich: Geschichte der evangel-luth. Landgemeinden, der evangelischen Gemeinde Mindelheim und der reformierten Gemeinden im Kapitel Memmingen, in Verbindung mit fast sämtlichen Geistlichen der Landgemeinden zum Besten der Landdiakonie, im Selbstverlag des Vereins für Landdiakonie, Memmingen, 1894, 104 S.