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06.06.2006 - Schrift zur Geschichte der Martin-Schlepper


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Die 1922 in Benningen von Otto Martin (1902 - 1964) gegründete Firma übersiedelte 1930 nach Ottobeuren. Zunächst auf Holzbearbeitungsmaschinen spezialisiert, kam mit dem Umzug auch der Bau von Güllepumpen und Traktoren hinzu. Die „Martin-History“ wird in einer achtseitigen Schrift nacherzählt, die im Juni 2006 veröffentlicht wurde.

In dem Rückblick wird speziell das Thema Schlepper behandelt; sie wurden von 1936 - 1942 und 1949/50 gebaut. Es heißt hierzu wörtlich:

1936 wurde der erste Schlepper hergestellt und am 3.5.1937 begann die serienmäßige Auslieferung. Als Motor fand der Deutz F2M 313 mit 20 PS Verwendung, das Getriebe und die Kupplung kamen von Opel-Fahrzeugen, Differential und weiteres wurden selbst produziert. Genauere Informationen siehe Prospektblatt. 1937 und 1938 wurden 65 Stück dieses Typs ausgeliefert. Infolge von Konzentrationsbestrebungen des Reichswirtschaftsministeriums entstand eine Zusammenarbeit der Fa. Otto Martin mit der Fa. Fendt in Marktoberdorf. Die Herren Otto Martin und Xaver Fendt entwickelten aus dem ersten Martin-Schlepper den „MARTIN F 22“ bzw. den „FENDT F 22 Dieselroß“.
Es kam nun der Deutz F2M 414-Motor 22 PS zum Einsatz und damit auch bei Fendt zum ersten Mal ein stehender Zweizylinder. Als Getriebeachseinheit wurde, wie bei vielen anderen Schleppern zur damaliger Zeit, der PROMETHEUS-Universal-Treckertrieb ASS 14 verwendet. Sämtliche F 22 aus den beiden Betrieben waren bis auf den Namen exakt identisch. Am 24.6.1942 wurde nach 375 Stück der letzte MARTIN F 22 ausgeliefert. Die unzuverlässige Versorgung mit Motoren, Getriebe und Reifen durch Kriegseinwirkung beendete zwangsläufig die Produktion.

Mit der Herstellung von Mehrkolben-Güllepumpen begann die Firma nach dem Krieg wieder. 1949 wurden eine universelle Holzbearbeitungsmaschine und der Kleinschlepper „S 11“ entwickelt. Dieser S 11 bekam den Deutz-Motor MAH 914 mit 11 PS. Als Getriebe und Lenkgetriebe wurden Produkte der Fa. ZF verwendet. Alles weitere außer Reifen und Elektrik war Eigenfertigung. Im Gegensatz zu den Konkurrenzmodellen hatte er eine elegante Gusskonsole als Rahmen aus eigener Gießerei. Am 18.10.1950 wurde der 67ste und letzte MARTIN S 11 ausgeliefert. Die Weiterführung der Produktion hätte die Spezialisierung des Betriebes vorausgesetzt. Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt erkennbaren Marktprobleme durch die Vielzahl der Wettbewerber entschied Herr Otto Martin, sich auf die Herstellung von Holzbearbeitungsmaschinen zu konzentrieren und damit den universellen Charakter des Maschinenbaubetriebes zu erhalten. Zum Todesjahr 1964 von Herrn Otto Martin und bis heute hat sich die Richtigkeit dieser Entscheidung in bester Weise bestätigt.

In Ottobeuren gab es nach dem Krieg noch zwei weitere Betriebe, die Traktoren bauten - auch wenn es bei wenigen Exemplaren blieb: die Firma Ströbele und die Firma von Eduard Mayer (bzw. Brosig).

Margit Martin ergänzte die Familien- und Betriebsgeschichte im Januar 2016 wie folgt:
Meine Schwiegereltern, Otto Martin aus Benningen und Maria Martin, geb. Guggemos aus Ottobeuren, heirateten im September 1930. Max Guggemos, der Vater der Braut, war Schmiedemeister in Ottobeuren und betrieb eine eigene Schmiede (Hausnr. 246) in der Bahnhofstraße*. Für eine Ansiedlung der neuen Betriebsstätte seines Schwiegersohnes in unmittelbarer Nachbarschaft der Schmiede fungierte er als Bürge bei einem wahrscheinlich privaten Geldgeber. So kam es zu diesem Standort, zuerst an der Markt Rettenbacher Straße, später an der Langenberger Straße 6. Eine Vergrößerung der ursprünglichen Werkstätte in Benningen war nicht möglich gewesen.“
* lt. Einwohnerbuch 1926, 1931 Bahnhofstraße 246, 1937 dann Adolf-Hitler-Str. 246b (Familienname falsch „Guggemoos“ geschrieben); das Straßenverzeichnis von 1951 zeigt auf, dass die damalige Guggenberger Straße (von manchen heute noch als „alte Guggenberger Straße“ bezeichnet) 246b zur Markt Rettenbacher Straße 5 wurde, Eintrag Otto MARTIN.
Otto Martin taucht mit einem eigenen Eintrag im Einwohnerbuch 1931 erstmals auf, als Schlossermeister, Kempterstraße 246; nachdem es sich bei der Kempterstraße um die heutige Sebastian-Kneipp-Straße handelt, die Hausnummer aber mit den Einträge zu Guggemos korreliert, scheint es sich um einen Fehler zu handeln. 1937 heißt es unter Otto Martin: Maschinenbau, Adolf-Hitler-Straße 246a, Fernruf 24. 1951 wird unter der ehemaligen Hausnummer 246a (Guggenberger Straße) die neue Hausnummer 1 in der Markt Rettenbacher Straße angegeben, der Familienname wiederum mit Doppel-oo geschrieben.

Zum 10-jährigen Bestehen der „Oldtimerfreunde Hopferbach“ hatte Johann Hafner die Idee, ein spezielles Martin-Oldtimer-Treffen zu veranstalten. Leider war das Wetter teilweise regnerisch und kühl, so dass nicht alle Besitzer alter Martin-Schlepper, die sich angemeldet hatten, tatsächlich nach Ottobeuren gekommen sind. Das Treffen fand am Samstag, den 5. August 2006, auf dem Betriebsgelände statt, danach fuhr man im Konvoi (ca. 40 Schlepper der drei „Schlepper-Generationen“) nach einer Runde auf dem Ottobeurer Marktplatz nach Hopferbach, wo auf dem weitläufigen Gelände von Familie Hafner in Niederwang das Treffen mit Verpflegung und allem Drum und Dran bis zum folgenden Sonntagnachmittag dauerte.

Die Ausstellung der historischen Stücke aus der Fabrikation der Firma Martin (Museum) ist räumlich sehr beengt und eigentlich nur Kunden nach Nachfrage und in Begleitung eines MARTIN-Betriebsangehörigen möglich.
Bis heute ist die Anzahl von etwa 60 noch existierenden Martin-Schleppern bekannt, die zum großen Teil im Besitz von von Oldtimer-Liebhabern sind. Es gibt aber auch landwirtschaftliche Betriebe, bei denen die Schlepper wegen ihrer Robustheit bis heute für untergeordnete Arbeiten Verwendung finden, oft allerdings in einem ziemlich schlechten Zustand.

Frau Margit Martin sei für die Bereitstellung des Prospektes (s. zweiter Reiter von links) herzlich gedankt. Er ist im virtuellen Museum als textdurchsuchbare pdf eingepflegt. Aufgrund der Größe (ca. 36 MB) vor dem Betrachten bitte erst komplett herunterladen. (Im Vorschaufenster kommt eine Fehlermeldung; zum Herunterladen auf das kleine pdf-Logo im Feld Download klicken.)
Zusätzlich ist hier noch ein Maschinenstempel der Firma von 1953 sowie ein Bild der Fassade an der Markt Langenberger Straße vom 12.04.2002 zu sehen.

Einige Prospekte aus den Jahren 1949/50 wurden am 20.07.2018 ins virtuelle Museum aufgenommen.