Marktgemeinde Ottobeuren
Marktplatz 16
87724 Ottobeuren
T. +49 (0)8332 9219-50
F. +49 (0)8332 9219-92
info@ottobeuren-macht-geschichte.de
www.ottobeuren-macht-geschichte.de




13.01.2017 – Eröffnung eines „sozialen Lebensmittel- und Haushaltswarenladens“


   Download

Nachdem am 4.12.2015 der „Secondhand-Laden mit integrierter Begegnungsstätte“ aufgemacht hatte, kam es am 13. Januar 2017 nunmehr zur Eröffnung eines weiteren Ladens der Initiative „Auf anander zua gau!“: Der „soziale Lebensmittel- und Haushaltswarenladen“ öffnete erstmals seine Pforten im ehemaligen Laden von Elektro Kohler in der Bahnhofstraße 31.

Der bisherige Laden in der Bahnhofstraße 18 läuft so erfolgreich, dass es möglich wurde, ein zweites Angebot zu finanzieren. Birgit Eisinger-Schanderl brachte in ihrer Begrüßung die Hoffnung zum Ausdruck, dass das neue Angebot gut angenommen wird. Anders als im Secondhand-Laden, bei dem es in erster Linie Kleidung gibt, der aber auch zur Asyl-Sozialberatung und als Begegnungsort genutzt wird, sollen am zweiten Standort an Bedürftige gebrauchte Haushaltswaren abgegeben sowie Lebensmittel eingekauft werden können. „Der Schwung bei der Hilfe für die Flüchtlinge [aktuell leben in Ottobeuren etwa 25 anerkannte Flüchtlinge und 40 Asylbewerber] sollte genutzt werden, aber es sollte auch noch nicht alles gewesen sein“, so Frau Eisinger-Schanderl zur Motivation. Und weiter: „Danke an alle, die hinter uns stehen.“ Dazu gehöre ihre eigene Familie und die vielen Helfer, die seit Mitte November 2016 bei der Einrichtung halfen, aber auch Anton und Fritz Kohler, die zur Vermietung ihres früheren Ladengeschäfts bereit waren.
Auch German Fries freute sich in seinem Grußwort darüber, was aus dem ersten Projekt erwachsen ist. „Es sind nicht nur die Flüchtlinge, sondern es gibt insgesamt Menschen, die Zuwendung brauchen“, so der Bürgermeister. Die beiden Läden seien mit dem Quartiersmanagement der Gemeinde vernetzt. Man habe „ein gutes Gefühl, Gutes zu tun“. Als Geschenk der Marktgemeinde gab es eine „Ottobeuren-Uhr“.

Abt Johannes Schaber sprach von einem „lachendem und einem weinenden Auge“. Auch er freue sich natürlich über das neue Angebot, mit einem weinenden Auge stellte er allerdings die Frage, warum solche Initiativen überhaupt notwendig seien. Eigentlich sollte der Staat für die Bedürftigen sorgen. „Wo Gutes geschieht, wollen wir um den Segen bitten“, so der Abt, und drückte dann noch folgenden Wunsch aus: „Lass Menschen in ihrer Not nicht an ihrem Schicksal zerbrechen und gebe denen ein offenes Herz und Geduld, die hier arbeiten.“
Sein evangelischer Kollege, Pfarrer Werner Vogl, lobte den Umstand, wie toll es in Ottobeuren funktioniere. „Da gibt es super Leute, die sich gegenseitig helfen wollen. Sie können Stolz sein und danke, dass dies so ist.“

Im Anschluss an den „offiziellen Teil“ kam es noch zu vielen guten Gesprächen. Gekommen waren neben der Geistlichkeit und etlichen der ca. 15-20 Helfern auch Vertreter der Tafeln aus Memmingen und Krumbach. Die bereits 1998 gegründete Memminger Tafel (3 x wöchentlich geöffnet, durchschnittlich etwa 70 Nutzer/d; ca. 750-800 Berechtigte, 26 Ehrenamtliche, 2 Bufdis und eine hauptamtliche Kraft) kamen bisher dreimal pro Woche in den Ottobeuren REWE-Markt und werden zugunsten des hiesigen Ladens zukünftig nur noch zweimal kommen, erklärte Leiter Thomas Vorhauer. Anfang Dezember mache man immer eine zweiwöchige Spendenaktion, deren Erlös dazu verwendet wird, für die Tafel in Memmingen zusätzliche Körbe zu füllen. Die Spendenbereitschaft werde sicherlich noch steigen, wenn die Verwendung vor Ort erfolgt.
Neben REWE unterstütze auch netto und die Bäckerei Frisch die Ottobeurer Einrichtung, die bewusst auf den Zusatz „Tafel“ verzichtet. Sylvia Mildner, die in der Gemeinde für die Ausstellung der Berechtigungsscheine zuständig ist erklärte, dass man etwa 10% über den „Tafel-Durchschnitt“ hinausgehe, um z.B. gegen das Problem der Altersarmut anzugehen. Deshalb können auch Hauswirtschaftskräfte der „Ambulanten Krankenpflege“ (Josef Schmelcher war anwesend) kommen, um mit den Produkten zu kochen. Es sollen einfach „nicht so viele Menschen durch das Raster fallen“, so Frau Mildner.
Obwohl das neue Angebot im Wesentlichen erst durch die verteilten Flyer bekannt gemacht worden sei, hätten sich schon 10 Bedürftige gemeldet, die um einen Berechtigungsschein nachgesucht haben. Die ersten zwei Wochen ab Eröffnung („Probelauf“) werde man noch ohne diesen Schein einkaufen dürfen.
Ein Einkaufskorb voller Waren kostet pauschal zwei Euro. Haushalte von 1-3 Personen können einen Korb nutzen, ab vier Personen dann zwei Körbe.
Die Haushaltswaren kann hingegen jeder einkaufen, dafür wird kein Berechtigungsschein benötigt. Der Laden soll also von unterschiedlichen Gruppen gleichzeitig genutzt werden, bedürftig oder nicht. Damit sollen Bedürftige auch nicht als solche erkennbar sein. Neben dieser Durchmischung steht gleichzeitig das Zeichen im Raum, das mit der Wiederverwendung der Haushaltswaren gegen die Wegwerfgesellschaft gesetzt werden kann.

Der Laden hat immer freitags geöffnet: von 10-17 Uhr für die Abgabe von Haushaltswaren, von 14-17 Uhr für die Abgabe von Lebensmitteln.
Wer den Laden unterstützen möchte, kann Sachspenden geben oder auch Geld spenden. Der übergeordnete Trägerverein „mitanand e.V.“ aus Bad Grönenbach ist gemeinnützig und kann Spendenbelege ausstellen (bis 200 € gilt der Überweisungsbeleg). Für Sachspenden geht das zwar auch, ist für den Geber aufgrund verschiedener Bestimmung allerdings uninteressant. Man kann auch seine praktische Hilfe anbieten, denn wünschenswert werden etwa 30-40 Helfer.
Die Bankverbindung für Spenden lautet:
DE13731500001001854064 (Sparkasse MM-LI-MN)

Weitere Details zur Eröffnung und den Einzelheiten zur Nutzung des Ladens können Sie auf den beiden hier eingepflegten Flyern entnehmen.

Das Startbild zeigt die vier Hauptakteure von „Auf anander zua gau“: Birgit Eisinger-Schanderl,  Stephan Haggenmiller, Sylvia Mildner und Elisabeth Dillinger, Bild 2 das Füllen der letzten Regale, Bild 3 nach den Ansprachen und Überreichung der Uhr, 4 + 5 zu Beginn und während der Segnung, Bild 6 eine Außenaufnahme des Gebäudes

Handzettel: Annika Huber; Zusammenstellung und Bilder, Helmut Scharpf, 13.01.2017