Marktgemeinde Ottobeuren
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01/1882 - Zeichnung der Gasthauses zur Post einschl. der zugehörigen Gebäude


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Eine wunderbare Zeichnung aus dem Archiv der Marktgemeinde Ottobeuren fand zur Wanddekoration ihren Weg ins Bauamt. Wolfgang Maier fand sie kurz vor dem Abriss beim Ausräumen in der Alten Post und brachte sie Eduard Schneider. Der wiederum gab sie der Marktgemeinde; Archivar Günter Pfeiffer brachte sie ins Bauamt. Titel:
Gasthaus und Brauererei zur Post in Ottobeuren mit desen [dessen] Nebenbesitzungen, betr: „Bierkeller“. v. Franz Wittwer.

Einige ältere Ottobeurer erinnern sich noch an die Hops-Schwestern, die die Post Mitte des 20. Jh. umtrieben; die Familie Hops taucht aber erst im Januar 1909 als Besitzerin auf (bis in die 1990er Jahre: Pilsbar „Alte Post unter Kaspar Sommer).

Gezeichnet wurde das Blatt (61 x 49 cm,) von „J.A. Brenner, ps. Zeichl. alt: 78 Jahre“. Wer er oder sie war, ist nicht bekannt; auch was mit ps (ev. pos) und mit Zeichl. gemeint ist, bleibt unklar. Postskriptum macht kaum Sinn ...

„Nach der Natur gez. i. Janur 1882. Gemeint ist vermutlich der Januar; zu diesem Zeitpunkt wurde im Ottobeurer Wochenblatt nicht mehr das heute nur noch in Österreich gebräuchliche Wort Jänner verwendet. Vielleicht hat es sich umgangssprachlich noch erhalten und wurde Jannr geschrieben.

Zu sehen ist die Postkutsche mit der Aufschrift „Omnibus, das Gebäude rechts war vermutlich zur Brauerei Post (später Viehandlung der Gebrüder Hafner; in den 1950er Jahren Pension Hubertus) mit Getreidelager, Mälzerei und Brauerei. In den drei unteren Bildfeldern findet sich links das Haus der späteren Käsehandlung Frischknecht (heute: Fam. Geis, Bergstraße 3; rechts daneben das Haus des Baders), der Stadel in der Mitte stand über dem Eiskeller (heute befindet sich hier der Kräutergarten des BUND Naturschutz; der Stadel brannte in den 1940er Jahren ab), rechts sieht man - bisher die einzige Abbildung ! - den Annakeller am Bannwald (heute zu Alfons Fickler, Ottostraße). Dort endeten meist die Kinderfeste.
Das Gebäude links ist heute die Konditorei Gerle (Luitpoldstraße 5, bzw. - im südlichen Gebäudeteil - seit 2016 die Fa. Boxer). Anstelle der Post findet sich heute ein Teil des Feneberg-Parkplatzes an der Luitpoldstraße.

ZUm Thema Omnibus eine Fundstelle aus dem Ottobeurer Wochenblatt vom 30.06.1853, S. 3 (lf. Nummer 103):
Bekanntmachung. In Folge hoher Genehmigung der General-Direktion der k. Verkehrsanstalten macht der ergebenst Unterzeichnete bekannt, daß vom 28. Juni an, vermittelst der täglichen Carriolspostfahrt nach Ottobeuren, und zurück auch Personen befördert werden.
Anmeldungen haben Abends zuvor beim kgl. Poststall in Memmingen zu geschehen, wo auch die Fahrbillete abgegeben werden.
In Ottobeuren bei Postexpeditor Wittwer.
Abgang in Memmingen Morgens 5 Uhr, in Ottobeuren Abends 4 Uhr.
Fahrtaxe à Person 24 kr. nebst 3 kr. Einschreibgebühr.
Memmingen, den 25. Juni 1853.
Andreas Schlumberger, kgl. Poststallhalter.

Das Original weist eine Unzahl von Schadstellen auf und ist deutlich gebräunt. Die Dateien hier zeigen den Zustand nach etwa 10 Stunden digitaler Restaurierung; es fehlt noch ein Teil der Straße und der Günz. Das Einstiegsbild zeigt das ganannte Haus in der Bergstraße. Das Gesamtbild wurde der Dateigröße deutlich verkleinert, der Rand - von außen bis zur dicken Umrandung 4,5 cm - gekürzt.
Helmut Scharpf, 08/2017