Marktgemeinde Ottobeuren
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05.07.1911 - Bildpostkarte der Zimmerei Jehle (Mang), Pater-Kaspar-Kuhn-Straße 1


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Das hier abgebildete Haus auf einer Karte vom Juli 1911 steht im Wesentlichen auch 2017 noch so da wie damals.

Ein paar kleine Fenster kamen weg, ein Balkon hinzu, eine Überdachung am Eingang. Das Zier-Fachwerk auf der Nordseite hat sich bis heute erhalten; die im Dach eingelassenen „Ochsenaugen“ durften 1993 nicht wiederhergestellt werden. Anstelle dessen wurden normale Dachgauben eingebaut.

Dennoch erkennt man es nicht gleich, auch deshalb, weil es so alleine dasteht. Links vom Haus sieht man ein Gebäude – die Werkstatt – die es 2017 ebenfalls noch gibt. Der Durchbruch ergab sich aus den Namen der Unterzeichner: Lina (Magdalena) und Georg Jehle.
Wenn man weiß, dass Georg Jehle (19.06.1882, Ottobeuren - 08.02.1916, Nordfrankreich) vorzeitig starb – auf der ersten Tafel des Kriegerdenkmals taucht Georg 1916 unter den Gefallenen auf – und Magdalena (25.01.1887 - 01.07.1967, verw. Jehle, geb. Lang in Ottobeuren) in zweiter Ehe den Zimmermeister Josef Mang (02.03.1890 - 28.11.1973) heiratete, dann kommt man letztlich auf das Haus in der Pater-Kaspar-Kuhn-Straße 1, in der Robert Mang noch heute eine Zimmerei betreibt.
Von Georg sind uns die genauen Lebensdaten nicht bekannt. Er taucht 1913 in der Mitgliederliste des Turnvereins auf.

Aus erster Ehe stammt Georg Jehle jun. Er taucht als einziger Jehle auf dem Familiengrab der Mangs auf. Georg Jehle jun. (31.10.1911 - 24.09.1938) war ein kurzes Leben beschieden. Er starb mit nur 27 Jahren an den Folgen eines Motorradunfalls, den er bei Leubas hatte.
Georg hatte zwei weitere Geschwister: Robert und Josef.
Robert Jehle (*03.10.1915, †21.02.2010; siehe eigenes Grab an der Südwestecke der Aussegnungshalle) erlernte bei Micheler zunächst das Metzgerhandwerk, arbeitete bis ca. 1977 auf der Gemeinde (als Rentensachbearbeiter und zuständig auch für den Gemeindewald; laut Karl Abröll, der ihn an seinem ersten Arbeitstag 1974 kennenlernte; „griabig“); er war mit Agnes verheiratet (sie stammt aus Betzisried und lebt 2017 mit 97 Jahren noch in Ottobeuren)
Von Josef Jehle ist nur bekannt, dass er in Fischen Busfahrer wurde.

Die Familienhistorie der Jehles ist schwer zu durchblicken. 1914 und 1916 fiel jeweils ein Josef Jehle im Krieg. Es gab noch ein Ehepaar Jehle gleichen Namens: Georg war ein Landwirt in Ottobeuren und Magdalena eine geborene Probst (ebenfalls aus Ottobeuren). Und außerdem gab es einen weiteren Josef Jehle (16.04.1859 - 01.08.1937), der in der Ludwigstraße 107½ wohnte und fünf Kinder hatte, darunter wiederum eine Magdalena (allerdings am 12.10.1883 geboren).

Aus der zweiten Ehe stammen die Kinder Lisl (die spätere Frau Kinzer) und Anton Mang (21.03.1921 - 05.07.1981). Letzterer wurde ebenfalls Zimmermeister und war der Vater der heutigen Generation.

Das abgebildete Haus wurde 1910 gebaut. Das Grundstück hatte zur Schmiede der Familie Haupeltshofer gehört und war Teil des Flurstücks „Hofacker“.
Nach dem 2. Weltkrieg war auf dem Dachboden der Friseur Kretschmar einquartiert. Der Vorbau am Eingang kam 1993 hinzu, das Haus wurde in den 1950ern nach Süden erweitert – was man an einem Gratsparren des alten Walmdaches noch gut erkennen kann.

Hier nun die Texte der beiden Ansichtskarten:
Karte vom 05.07.1911
(Auf der Vorderseite ist vermutlich das Ehepaar Georg und Lina Jehle zu sehen.)

An
Wohlg.[eborene] Familie Maier
Ökonom
in Großkemnat
bei Kaufbeuren

Ottobeuren d. 5. Juli 1911.
Lieber Schwager u. Schw.[ester]
Wir laden Euch zum Sonntag den 10. auf das kommende Patroziniumsfest freundlichst ein. Es grüßt Euch Lina u. Georg Jehle.

Karte 21.12.1919
Vorderseite Spruch:
Im eignen Heim welch liebe Rast,
Nach Tages Müh und Arbeits Last.

An
Frau Viktoria Maier
Ökonomsgattin
in Großkemnat
bei Kaufbeuren

Ottobeuren, d. 21. Dez. 19.
Liebe Schwester!
Wünsche dir zum Namenstag Gesundheit, langes Leben u. einstens d. Himmel, so wie auch Mutter u. zugleich ein glückliches neues Jahr der ganzen Familie. Grüßt Euch vielmals Lina [Magdalena].
_________________

Ein „Jehle-Beleg“ findet sich im Ottobeurer Tagblatt vom 20.10.1914 (S. 4):
Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme bei dem so schmerzlichen Verluste, als auch für die zahlreiche Beteiligung am Trauergottesdienste für unseren, auf dem Felde der Ehre verstorbenen, lieben Sohn, Bruder, Schwager u. Onkel
Joseph Jehle,
Reserve-Gefreiter im 1. Pionier-Bataillon,
Inhaber des St. Michaelsordens,
sei Allen der tiefgefühlteste Dank ausgesprochen. – Insbesondere danken wir dem löbl. Veteranen- und Soldatenverein, der freiw. Feuerwehr, dem verehrl. Kirchenchor, sowie der titl. Blechmusikkapelle. – Wir bitten, dem lieben Verstorbenen ein frommes Gebetsandenken bewahren zu wollen.
Ottobeuren und Vöhringen, 19. Okt. 1914.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen.

Zum Motorradunfall von Georg Jehle gibt es im „Allgäuer Beobachter“ drei Fundstellen:

Allgäuer Beobachter vom 30.08.1938, S. 6
(Direktlink hier)

Schwerer Motorradunfall. Einen Motorradunfall hatte Sonntag abends gegen halb 9 Uhr zwischen Leubas und Kempten der Zimmermeisterssohn Georg Jehle von Ottobeuren. Aus noch nicht geklärter Ursache fuhr Jehle an einen Baum und erlitt einen doppelten Schädelbruch. — Der Verunglückte kam ins Krankenhaus nach Kempten. Allgemein wird der Fall, in dem das Schicksal einen tüchtigen jungen Handwerker traf, in der Heimat bedauert.

Allgäuer Beobachter vom 26.09.1938, S. 5
(Direktlink hier)

Seinen Verletzungen erlegen. Im Krankenhaus zu Kempten starb Samstagmittag an den Folgen eines vor vier Wochen erlittenen Motorradunfalls H. Georg Jehle, Zimmermeisterssohn von Ottobeuren, im 27. Lebensjahr. Mit Genugtuung hörte man noch vor kurzem von der langsamen, aber steten Besserung im Befinden des Verunglückten. Der Zustand verschlechterte sich in den letzten Tagen durch das Hinzukommen einer Gehirnhautentzündung, die zum Tode führte. Der Verstorbene, ein Stiefsohn des Zimmermeisters Josef Mang, war als tüchtiger, überaus fleißiger Junghandwerker,  der zu schönen Hoffnungen berechtigte, bekannt u. geschätzt. Den tieftrauernden Eltern und Geschwistern wendet sich aufrichtiges Beileid zu. Der Trauergottesdienst findet am Dienstag, vormittags halb 10 Uhr, die Beerdigung darauffolgend in Ottobeuren statt.

Allgäuer Beobachter vom 26.09.1938, S. 10
(Direktlink hier)

Todesanzeige für Georg Jehle

Es hieß: „Samstag mittag verschied an den Folgen der Verletzungen eines Unfalls unser innigstgeliebter Sohn und Bruder Jüngling Georg Jehle – Zimmermeisterssohn, gestärkt durch die Tröstungen der hl. Religion, im 27. Lebensjahre.
(Die Seiten aus dem Beobachter wurden uns dankenswerterweise vom Stadtarchiv Memmingen zur Verfügung gestellt.)

Abgebildet ist hier auch ein Bild, das Robert Jehle (li) zeigt. In der Mitte steht Herr Zuchtriegel, rechts Herr Kennerknecht.
Ein weiteres Bild mit einem Jehle stammt aus dem Archiv der Feuerwehr. Mitglieder der Feuerwehr stehen auf dem Marktplatz; im Vordergrund links steht Xaver Waldmann (geb. 1863), rechts – mit großem Rauschebart – der Holzmacher Joseph Jehle (1859 - 1934).

Das Soldatenbild von Georg Jehle sowie das Sterbebild wurden dankenswerterweie von Irmgard Neuhofer zur Verfügung gestellt. Aufgenommen wurde das Bild in Uniform vom Münchner Fotografen Max Höfele. (Im Internet findet sich eine Vielzahl von Soldatenbildern dieses Ateliers.) Foto und Sterbebild kamen bei einer Räumaktion im Kinzer-Haus in der Hörmannstraße 8 (erbaut 1930) zum Vorschein.
Die Karten des Jehle-Hauses konnten am 23.08.2017 in Kempten angekauft werden. Sammlung, Abschriften und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 09/2017