Marktgemeinde Ottobeuren
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28.09.1871 - Gründung des Veteranenvereins Ottobeuren, Satzungen und Entwicklung


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Zur Vorgeschichte der Vereinsgründung: Am 10. August 1871 veröffentlichte Bürgermeister Georg Mahler im Ottobeurer Wochenblatt folgende Einladung:
„Zu Ehren der aus dem großen Kampfe mit Frankreich zurückgekehrten tapferen Krieger unserer Markt- und Pfarrgemeinde wird am Sonntag, den 13. ds. Mts., ein Dank- und Freudenfest veranstaltet. Daher werden die Einwohner Ottobeurens eingeladen, nach ihren Kräften die Häuser zu schmücken, zu bekränzen und zu beflaggen.“
Das Programm des Dank- und Freudenfestes war ebenfalls ausgeschrieben:

I.
Früh 5 Uhr wird der Anbruch des Festtages mit Böllerschüssen und Musik verkündet werden.

II.
Morgens 7 ¼ Uhr versammeln sich die Krieger und Veteranen im Rathause, von wo aus der Zug in der Weise: zuerst die Schulknaben, Musik, Krieger, Veteranen, Beamten und die Gemeinde-Collegien, dann die Bürger und übrigen Theilnehmer auf den Marktplatz sich begeben, da angekommen wird von einem Mädchen ein Prolog gesprochen, von weißgekleideten Mädchen werden die Krieger mit Blumen-Bouquets geschmückt, schließen sich dann dem Zuge nach den Knaben an, und geht der Festzug in die Kirche zum Dankgottesdienste mit Te Deum, Glockengeläute und Böllerschüssen.

III.
Nach dem Gottesdienste bewegt sich der Zug von dem Gotteshause nach der im Frühjahre gesetzten Friedenslinde. Daselbst angekommen Absingen patriotischer Lieder, Ansprache an die Krieger und an die Schuljugend etc.

IV.
Hierauf geht der Festzug von da durch verschiedene Straßen nach dem Gasthause zur Sonne.

V.
Nach dem nachmittäglichen Gottesdienste wird die Schuljugend zur Erinnerung dieses Festtages im Annaberg und Mohrenkeller gastirt.

VI.
Abends 7 Uhr Festball im Gasthause zum Hirsch mittels Entré per Mann 24 kr. mit Ausnahme der Krieger.

Viel erfahren wir über den Verlauf der Veranstaltung nicht. Am 17. August 1871 – die Zeitung erschien in der Zeit nur donnerstags mit einer vierseitigen Ausgabe – hieß es auf der Coverseite:

Dankerstattung.
Das schöne mit so vieler Umsicht und Herzlichkeit vorbereitete Fest, das uns unsere liebe Heimatgemeinde am verflossenen Sonntage veranstaltet hat, wird uns unvergeßlich bleiben und erfüllt uns mit Freude und Stolz, einer Gemeinde anzugehören, welche die heimgekehrten Krieger auf solche herzliche Weise zu ehren und zu erfreuen suchte.
Wir danken den Bewohnern Ottobeurens, allen Festtheilnehmern und Unterstützern desselben herzlich und innig; insbesondere Herrn Pater Magnus, den Herrn Beamten, unserm Herrn Bürgermeister und der verehrlichen Verwaltung, sowie den Herrn Lehrern und den werthen Lehrerinnen.
Gott segne das ganze Deutschland, unser liebes Bayerland und unsere theure Pfarrgemeinde!
Ottobeuren, den 16. August 1871.
Sämmtliche aus Frankreich glücklich zurückgekehrten Soldaten der Markt-Gemeinde Ottobeuren.

Auf den Seiten 2 und 3 der Ausgabe war zudem ein längeres Festgedicht abgedruckt. Das Gedicht schloss mit einer „Bemerkung“:
Die Veteranen und Krieger wurden zum Festmahle geladen und gastlich bewirthet. Auch die Schuljugend wurde Nachmittags und zwar die Knaben im Mohren- und die Mädchen im Annakeller mit Bier, Brod [Brot] und Würstchen bedacht, was ihnen köstlich schmeckte! Hierauf wurden von mehreren Mädchen verschiedene Gedichte vorgetragen zur Belustigung der zahlreichen Kellerbesucher.

Im 24. August meldeten sich dann noch „unlieb verspätet“ die Soldaten aus Haitzen, Guggenberg und Betzisried mit einer Danksagung. Auf Seite vier wurde ein Gedicht „verfaßt von A. Leonhard, vorgetragen von Fritz Wagenhäuser“ abgedruckt.

In der Ausgabe vom 21.09.1871 stand auf S. 2 folgende Notiz: Donnerstag den 28. Sept. wird in der Pfarrkirche Ottobeuren ein feierlicher Gottesdienst für die im Kampfe gegen Frankreich gefallenen und seitdem verstorbenen Krieger abgehalten, wozu sämmtliche Veteranen freundlichst eingeladen werden.
Die Herren Bürgermeister werden freundlichst gebeten, dieses den Veteranen ihrer Gemeinden bekannt zu machen.

Konebergs Rede bei der Gründung des Veteranenjahrtages am 28.09.1871 ist bei der Bayerischen Staatsbibliothek abrufbar; Direktlink hier.
Im Ottobeurer Wochenblatt Nr. 41 vom 12.10.1871 wurde der Druck der Rede Konebergs auf Seite 2 wie folgt beworben:
Im Drucke ist erschienen und im Verlage dieses Blattes zuhaben: Vergesset der gefallenen Brüder nicht! Eine Anrede, gehalten bei Gründung des Veteranen-Jahrtages in Ottobeuren am 28. September 1871 von P. Hermann Koneberg, Pfarrer in Ottobeuren. Preis 3 Kreuzer. Der Reinertrag ist für die Stiftung des Jahrtags bestimmt.

Es blieb am 28.09.1871 offensichtlich nicht beim Abhalten des feierlichen Gottesdienstes, Pater Hermann Koneberg – selbst hoch dekorierter Kriegsteilnehmer –hat gleichzeitig den Verein mit aus der Taufe gehoben.

Am 5. Oktober 1871 (Ausgabe 40, S. 1) titelte das Ottobeurer Wochenblatt:
Veteranen-Verein zu Ottobeuren
Diesem Vereine sind am 28. September 87 Kriegsgenossen beigetreten und entrichteten eine Einlage von 51 fl. 44 kr. [51 Gulden und 44 Kreuzer]
Ehrenmitglieder zeichneten sich 45 ein, welche zur Gründung eines Fondationskapitals [Gründungskapitals] an freiwilligen Gaben beitrugen 43 fl. 55 kr., Summa: 95 fl. 39 kr.
Die Auslagen entziffern sich, auf Wachs, Läuten, Porto u.s.w., da für Stolgebühren, Kirchenmusik etc. nichts verlangt wurde nur auf 15 fl. 35 kr.
Somit verbleibt eine Mehreinnahme von 80 fl. 4 kr., welche bei der Sparkasse Ottobeuren verzinslich angelegt wurde.
Die Gründung dieses schönen Vereines ist somit gesichert. Derselbe wird nun alljährlich in dem schönen Gotteshause zu Ottobeuren, für die im heiligen Kampfe für die Freiheit und Selbständigkeit des deutschen Vaterlandes gefallenen und verstorbenen Kriegsgenossen, sowie für die verstorbenen Vereinsmitglieder einen feierlichen Trauergottesdienst abhalten lassen können. Gewiß werden sich auch die dem Vereine noch fernstehenden Kriegsgenossen des Bezirkes an demselben betheiligen, um im vereinten Gebete der dahingeschiedenen Kameraden zu gedenken und dann auch in geselliger Unterhaltung, nach vielen Jahren noch, die großen Gefahren, Strapazen, Entbehrungen und Leiden eines gewaltigen Krieges zu besprechen und sich ins Gedächtniß zu rufen.
Einzeichnungen können bei den unterzeichneten Comite-Mitgliedern zu jeder Zeit gemacht werden.
Indem wir nun allen denen, die zur Gründung dieses Vereines beitrugen, oder durch unentgeltliche Mitwirkung die Abhaltung des ersten Festes ermöglichten, unsern besten Dank aussprechen, laden wir noch besonders auch zu fernerm Beitritt von Ehrenmitglieder freundlichst ein.
Ottobeuren, den 2. Oktober 1871. Das Comité.
Pater Hermann Koneberg, Pfarrer.
[Georg] Mahler, Bürgermeister.
[Michael] Madel, Lehrer.

Anmerkung: Georg Mahler war von 1849 bis 1878 Bürgermeister von Ottobeuren. Die vorhin erwähnte Bewirtung der  Schuljugend könnte der Beginn der sogenannten „Kinderfeste“ gewesen sein, die bis weit nach dem 2. Weltkrieg abgehalten wurden. Leider erfahren wir in der Zeitung nichts über die Zahl der Kriegsteilnehmer oder über die Zahl derer, die bewirtet wurden. In der Sebastianskapelle findet sich eine in Stein gehauene Liste der acht Gefallenen; genannt werden: Michael Wittwer, Johann Baptist Wölfle, Mathias Petrich, Theodor Hölzle, Alban Karrer, Sebastian Müller, Andreas Raith und Maximilian Madlener. Petrich stammte aus Reuthen, Hölzle aus Unterhaslach; die übrigen waren gebürtige Ottobeurer.

Abgebildet ist im virtuellen Museum eine frühe Satzung (vor 1918) des Veteranenvereins, da das „allerhöchste Geburts- und Namensfest Sr. Majestät des Königs“ noch als eigener Paragraph (§12) aufgeführt war. In den Archivunterlagen des Vereins, die am 24.11.2017 gesichtet werden konnten, fand sich nur eine Kopie der Satzung. Sie befand sich im Besitz des späteren Vorsitzenden Georg Höbel (im Amt von 1933 bis 45; dann wieder ab 1953); der vorhin genannte Satz mit Bezug auf den König ist händisch durchgestrichen.
Der heutige Vorsitzende – Franz-Josef Utz – hielt 1996 eine Rede, die auf die Entstehungsgeschichte, auf die allererste Satzung und auf einige Meilensteine (insb. Einweihung der Kriegerdenkmale 1874 und 1924 sowie die Wiedergründung 1953) eingeht. Die Quelle dieser vorläufigen Satzung ist unklar; der Wortlaut ist seinem Skript entnommen. Im November 1992 wurde die Satzung erneuert (Ausarbeitung von Michael Kennerknecht, der zunächst das Schreinerhandwerk erlernte, nach dem Krieg aber umgesattelt hat und für die Gemeinde arbeitete; Versicherungen etc.). Ende 2017 hat der Veteranenverein nurmehr 20 Mitglieder.
Die Ur-Fassung ist in Ausgabe 38 des Ottobeurer Wochenblatts vom 19.09.1872 (Seite 2f.) abgedruckt.

Gründung des Veteranen- und Soldatenvereins Ottobeuren

Man schrieb das Jahr 1871 als am 28. September eine Einladung an sämtliche Veteranen erging, an dem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche für die im Kampfe gefallenen und die seitdem verstorbenen Krieger teilzunehmen. Unterzeichnet von Lehrer Madel aus Hawangen wird die Gründung des Vereins dort festgestellt. Die erste Wahl ergab folgende Vorstandschaft:
1. Vorstand: Pater Hermann Koneberg, 2. Vorstand Lehrer Michael Madel (Hawangen), Kassier Josef Maier (Ottobeuren) sowie die aus Ottobeuren stammenden Ausschussmitglieder Theodor Specht, Max Hebel, Schrannenmeister Kajetan Huber, Bernhard Maier, Wendelin Lerchenmüller und Stanislaus Graf.

Folgende Satzung wurde beschlossen:

I. Bildung und Zweck des Vereins
§ 1. Der Verein besteht unter dem Namen: Veteranen Verein Ottobeuren und Umgebung, aus ehemaligen und noch in der Armee dienenden Soldaten, die ihre Dienstzeit ehrenvoll vollendet haben und im Besitze eines Denkzeichens sind. Von den noch in der Armee aktiv dienenden Kriegern können nur jene wirklich Mitglieder sein, die den Feldzug 1870/71 mitgemacht, von nicht Militärs solche, die ein Denkzeichen haben.
§ 2. Der Verein hat vorzugsweise den Zweck, der im Felde gebliebenen Brüder und der nach dem Feldzug verstorbenen Mitglieder alljährlich in christlicher Weise zu gedenken. Deshalb soll mit der Zeit in der Pfarrkirche ein feierlicher Jahrtag mit Seelenamt und Libera gestiftet werden.
§ 3. Zu diesem Jahrtag sollen sich alle Mitglieder in Ottobeuren versammeln. Es ist wünschenswert, daß die Veteranen auswärtiger Ortschaften mit ihren Fahnen erscheinen.

II. Mitglieder
§ 4. Die Zahl der Mitglieder ist unbeschränkt. Die Mitglieder zerfallen in wirkliche (ordentliche) und Ehrenmitglieder.
§ 5. Wirkliches Mitglied kann jeder unbescholtene außerordentliche Veteran der ganzen Umgebung werden, der einen Feldzug mitgemacht hat. Ebenso jene ausgedienten Soldaten, die im Besitze eines Denkzeichens sind.
§ 6. Als Ehrenmitglieder werden alle Freunde des Soldatenstandes aufgenommen.

III. Pflichten der Mitglieder
§ 7. Die Aufnahmegebühr beträgt für jedes Mitglied 36 Kreuzer. Solange bis die Stiftung des Jahrestages möglich wird, bezahlt jedes ordentliche Mitglied jährlich wenigstens 24 Kreuzer. Wer einen Taler auf einmal bezahlt, ist für immer von Beiträgen frei.
§ 8. Die jährlichen Beiträge hören auf, wenn der Zweck des Vereins, also die Stiftung eines Jahrestages erfüllt ist.

IV. Verwaltung.
§ 9. Der Verein verwaltet seine Angelegenheiten selbst. Er ist vertreten: 1.) durch seine Generalversammlung, 2.) durch seine Vorstandschaft.
§ 10. Die Generalversammlung findet jedesmal an dem Tage statt, an dem der Jahrtag gehalten wird. In außerordentlichen Fällen kann der Ausschuß unter der Zeit eine Versammlung ausschreiben und es wird dann zur gültigen Beschlußfassung ein Drittel der ordentlichen Mitglieder erforderlich.
§ 11. Bei der jährlichen Generalversammlung erfolgt Rechnungsablage, Ergänzung oder Wahl des Ausschußes.
§ 12. Die Vorstandschaft besteht: 1.) aus 2 Vorständen, von denen der 1. Vorstand in Ottobeuren wohnen muß, 2.) aus einem Schriftführer, 3.) aus 5 Ausschußmitgliedern und dem Fähnrich. Sie werden alle 3 Jahre durch Akklamation gewählt.
§ 13. Die Vorstandschaft veröffentlicht im „Ottobeurer Wochenblatt“ die jährliche Rechnung und was sonst für den ganzen Verein von Interesse ist.

V. Verwendung der Gelder
§ 14. Die Geldbeträge werden in der Reihe dazu verwendet, den Hauptzweck des Vereins (§ 2) zu ermöglichen. Ist der erreicht, so können die etwa anfallenden Beiträge nach Gutdünken der Vorstandschaft zu gemeinsamen Vereinszwecken benutzt werden.
§ 15. Sollte der Verein durch Geschenke oder Legate zu Vermögen kommen, so verwaltet dasselbe der Ausschuß und gibt Rechenschaft so oft man will. Zwei Drittel des Zinsertragnisses können zur Unterstützung dürftiger und würdiger Veteranen benützt werden.

VI. Beerdigungen
§ 16. Der Verein setzt sich zur besonderen Aufgabe, dahingeschiedenen Veteranen möglichst schon ehrenvoll zu beerdigen.
§ 17. Für jedes verstorbene ordentliche Mitglied des Vereins wird in Ottobeuren eine hl. Messe gelesen und der jeweilige Pfarrer sie von der Kanzel zu verkündigen. Bei ihr sollen alle Mitglieder Ottobeurens erscheinen.
§ 18. Veteranen sollen den verstorbenen Bruder zu Grabe tragen und alle Mitglieder desselben Ortes das Ehrengeleit geben. Ist es möglich, so kommen wohl auch Vertreter der zunächst liegenden Ortschaften mit der Fahne, die einen schwarzen Flor trägt.
§ 19. Bei diesen sowie andern gemeinsamen Feierlichkeiten muß jeder Veteran sein Ehrendenkzeichen an einem reinlichen Bande tragen. Dieses Zeichen ist auch an dem Bahrtuche zu befestigen.
§ 20. Hat der Verstorbene Schlachten mitgemacht, so werden ihm 3 Salven ins Grab geschossen.
§ 21. Für ihre Seelenruhe werden 3 Vaterunser gebetet.
§ 22. Sollte auf dem Gottesacker ein Grabdenkmal für die im Felde gebliebenen Krieger errichtet werden, so zieht der Verein nach vollendetem Requiem mit seinen Fahnen zu diesem Denkmal, um dort der gefallenen Brüder betend zu gedenken.
§ 23. Die Ehrenmitglieder mögen sich beim Jahrestag und bei Beerdigungen am Zuge beteiligen.

VII. Auflösung
§ 24. Die Auflösung des Vereins kann nur durch den Tod sämtlicher Mitglieder oder gänzliche Teilnahmslosigkeit der Berechtigten herbeigeführt werden. Das gestiftete Seelenamt wird auch dann noch alljährlich gehalten.
§ 25. Sollte sich der Verein auflösen, so fällt das etwaige Vermögen einem bayerischen Invalidenfonds anheim. Die für die Stiftung verausgabte Summe bleibt für immer Eigentum der Pfarrkirchenstiftung Ottobeuren.
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Die Wiedergründung nach dem 2. Weltkrieg fand am 31. Mai 1953 statt. Das Protokoll lässt die Geschichte Revue passieren:

Der ehemalige Vorstand des Veteranenvereins Ottobeuren und Umgebung lud alle Teilnehmer beider Weltkriege zu der schon oft diskutierten Versammlung ein, um den Veteranen als Hüter und Pfleger von Vaterlandsliebe und Heimattreue als deren Väter Erbe neu zu beleben.
Nach sehr tief einschlägigen Worten begrüßte er dann alle Erschienenen, ganz besonders Herrn Bürgermeister Hasel und Herrn Chef-Arzt und Kreisrat Dr. Kuhn.
Er gedachte zuerst der Gefallenen beider Weltkriege, die Versammelten erhoben sich zum ehrenden Gedenken von den Sitzen.
Herr Höbel griff dann mit wohlgewählten und treffenden Worten zurück auf die Gründung vor acht Jahrzehnten. Daraus ist zu entnehmen, daß die mit Lorbeer überhäuften Sieger von 1870/71 sich in enger Kameradschaft zusammentaten und am 28. September 1871 in Ottobeuren den Veteranenverein gründeten. Die Soldaten dieser ruhmreichen Armee konnten bereits ein Jahr später das Fest ihrer Fahnenweihe begehen und 1874 wurde der Obelisk am Marktplatz eingeweiht.
Nach dem 1. Weltkrieg war es Bürgermeister Adolf Fergg, der wieder alle Krieger zusammenrief und den Verein zu neuer Blüte anregte. Der hochverdiente Altbürgermeister Wegmann lenkte damals die Geschicke des Vereins und in seine Zeit fiel auch die Errichtung des Kriegerdenkmals für 1914/18 an der Freitreppe im Jahre 1924. Ab 1933 liegt die Führung des Vereins in der bewährten Hand des Herrn Höbel. Der Reichskriegerbund versetzte dem Verein harte finanzielle Schläge, der 2. Weltkrieg lähmte die Tätigkeit und der Zusammenbruch 1945 brachte sogar das Verbot jeglicher Betätigung.
Der Redner, Herr Höbel, betonte, daß es wieder gelte, den alten Kameradschaftsgeist intensiv zu pflegen, appellierte an die alten und jungen Krieger gemeinschaftlich das Erbe der Väter weiterzutragen, um die großen Wunden des Krieges heilen zu helfen und der Toten ein ehrendes Andenken zu wahren.
Herr Bürgermeister Josef Hasel hielt die Wiederbelebung des Vereins als eine begrüßenswerte Tat, die auch die Unterstützung der Gemeinde finde.
Namens der Generation des letzten Weltkrieges sprach Herr Dr. Kuhn und betonte, daß es schwer sei, die halbverhungerten und von jeder Ehre abseitsgestellten Kämpfer dieses 2. Weltkrieges für den Veteranenverein zu gewinnen. Hier müsse die ganze Kraft eingesetzt werden, um auch sie zur Mitarbeit zu bewegen.

Die Versammlung beschloß die Wiederaufnahme des Vereinslebens. Georg Höbel wurde überwältigend wieder zum 1. Vorstand gewählt, Peter Rinderle zum 2. Vorstand, Max Eichele als Schriftführer und Hans Greiter als Kassier. Der Name „Veteranen- und Soldatenverein“ wurde nach lebhafter Debatte angenommen.
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Eine weitere Fundstelle aus dem Ottobeurer Wochenblatt (hier: Ausgabe Nr. 20 vom 16.05.1872, S. 2)
Durch Kampf zum Sieg. Anrede, gehalten bei der Fahnenweihe des Veteranen-Festes in Probstried von P. Hermann Koneberg, O.S.B., Pfarrer in Ottobeuren. Zu haben in der Buchdruckerei für 3 Kreuzer.

In Ausgabe Nr. 21 vom 23.05.1872 stand auf Seite 2 zu lesen:
Danksagung. Verflossenen Pfingstmontag wurde von Seite der Gemeinde Lachen ein Veteranenfest veranstaltet, welches in jeder Bezieung würdig begangen wurde.
Die Unterzeichneten sehen sich daher veranlasst, Allen, welche zur Erhöhung des Festes sich so sehr bemühten, ihren innigsten Dank auszusprechen.
Insbesondere danken wir dem Herrn Pfarrer Pater Hermann Koneberg, Pfarrer in Ottobeuren, dem Herrn Bürgermeister, Herrn Beigeordneten und der Gemeindeverwaltung von Lachen, dem Herrn Lehrer Madel von Hawangen, den Musikern von Lachen, den werthen Jungfrauen, welche zur Dekorirung so Vieles leisteten, sowie den auswärtigen Veteranen und allen Betheiligten von Nah und Fern, welche durch ihre Anwesenheit zur Feier des Festes beitrugen. Dieser festliche Tag bleibt uns eine schöne Erinnerung.
Die Veteranen der Pfarrgemeinde Lachen.

Dem Dank schlossen sich zwei Ausgaben später (Nr. 23 vom 06.06.1872 wird auf Seite 1) weitere Vereine an:
Der Danksagung der Veteranen der Pfarrgemeinde Lachen im Wochenblatte Nr. 21 vom 23. Mai schließen sich auch die Unterzeichneten vollkommen an. Unvergeßlich werden ihnen die wahrhaft erbauenden und zum Herzen dringenden Predigten der Herrn Pfarrer H. Koneberg von Ottobeuren und ihres lieben Herrn Pfarrers Karl Keller in Herbishofen sein, und zur Richtschnur im Leben dienen.  Dankbar gedenken sie der Bemühungen des Herrn Bürgermeisters, des Herrn Beigeordneten, der Gemeinde-Verwaltung, den Musikern und allen Gemeinde-Angehörigen. Mit Freude und Dank gedenken sie der Theilnahme so vieler auswärtiger Kriegsgenossen und Freunden, sowie des Herrn Lehrers Madel von Hawangen, der durch seine mit so großem Beifall aufgenommenen Ansprache so vieles zur Verherrlichung des Festes beitrug.
Mit Freuden werden sie sich noch in den spätesten Jahren dieses Festes erinnern.
Die Veteranen der Pfarrgemeinde Herbishofen und Theinselberg.

In derselben Ausgabe wurde auf Seite 2 die Druckversion der Predigt angekündigt:
Einigkeit macht stark. Eine Predigt, gehalten am Veteranenfest in Lachen von P. Hermann Koneberg, O.S.B., Pfarrer in Ottobeuren.

Und in Ausgabe 42 vom 17.10.1872 wird auf Seite 2 nochmals ein ähnliches Druckwerk angekündigt:
In Treue fest. Veteranen-Predigt, gehalten in Grönenbach von P. Hermann Koneberg, O.S.B., Pfarrer in Ottobeuren. Zu haben in der Buchdruckerei und bei Braun, Buchbinder für 3 Kreuzer.

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Abschriften, digitale Restaurierung der Satzung und Zusammenstellung: Helmut Scharpf, 11/2017