08.12.2011  Pater Markus Spanier zum Abt von Marienberg geweiht

Titel

08.12.2011  Pater Markus Spanier zum Abt von Marienberg geweiht

Thema

Marienberg, Abtweihe

Beschreibung

Pater Markus Spanier OSB war von 1993 bis 2006 im Ottobeurer Kloster, wo er zuletzt für das Klosterarchiv verantwortlich zeichnete. In den Rupert-Ness-Schulen war er als Religionslehrer tätig. Nach seiner Übersiedelung in die bei Burgeis (südlich des Reschenpasses) gelegene Benediktinerabtei Marienberg – im 12. Jahrhundert eine Gründung durch Ottobeurer Mönche – wirkte er auch dort beim Aufbau des kleinen, aber feinen Klostermuseums mit (s. Bild). Am 8. Dezember 2011 wurde Pater Markus in Marienberg (Abbazia di Monte Maria) zum Abt geweiht, zum 50. Abt des auf 1350 Metern Meereshöhe gelegenen – und damit in Europa dem höchstgelegenen – Klosters. Im deutschsprachigen Raum ist es zudem die Klosteranlage mit der größten noch original erhaltenen romanischen Bausubstanz. 
Noch immer werden faszinierende Neuentdeckungen gemacht, wie beim Neubau der Klosterbibliothek (2014 - 17), als ein seltenes romanisches Manipel zutage kam. Abt Markus (in 2026): „Dadurch wurde eine Öffnung in der Nordmauer der Kirche frei, so dass der Vorarbeiter hineinlangte und tatsächliche ein Stoffteil herauszog. Es wurde von Fachleuten untersucht und auf 1150 datiert, dass es sich um Seitenfäden handelt, die mit Gold und Silberfäden umwickelt waren. Ein reines Stoffteil wäre natürlich mit der Zeit zerfallen.“ Der kostbare Fund ist nun ebenfalls im überaus sehenswerten Klostermuseum ausgestellt.

Der „Freundeskreis Marienberg“ hat einen sehr umfassenden Text zur Abtweihe veröffentlicht, der leider nicht mehr abrufbar ist; dafür gibt es hier eine Bildergalerie. Zu sehen ist darauf u.a. auch der Ottobeurer Abt, Paulus Weigele. Auf einer weiteren Seite des Freundeskreises heißt es zum Werdegang von Abt Markus wörtlich:
Wieder ein Mönch aus Ottobeuren zum Abt von Marienberg gewählt

Abt Markus Spanier, geboren 1961, stammt aus Hauptstuhl/Rheinland Pfalz. Er trat 1993 in das Kloster Ottobeuren ein, legte dort 1994 die Profess ab und wurde 1997 zum Priester geweiht. 2006 kam er nach Marienberg, wo er bis zu seiner Wahl zum 50. Abt von Marienberg als Prior wirkte. Nach dem aus Krankheitsgründen erfolgten Rücktritt des Abtes Bruno Trauner leitete P. Markus als Administrator das Kloster Marienberg. Am 19. November 2011 wählten ihn die Mönche zu ihrem Abt. Am 8. Dezember erhielt er von Diözesanbischof Ivo Muser bei einem feierlichen Pontifikalamt die Abtsbenediktion.

Abt Markus ist nun der 6. aus Ottobeuren stammende Abt. Die fünf aus dem Mutterkloster Ottobeuren stammenden Äbte waren: Gründungsabt Albertus I. (+ 11. Jänner 1152), Abt Mazelinus (+13. Jänner 1158), Abt Swikerus (+ 14. Dezember 1163), Abt Gebhardus (+ 17. Juni 1179), Abt Volgerus (+ 8. April 1181).

Auch im Abtswappen wird mit der goldenen Rose auf schwarzem Grund auf seine Ottobeurer Zeit Bezug genommen.
Kunsthistorisch ist Marienberg für seine romanischen Fresken in der Krypta berühmt.
Link Fresken

Die „Notizen aus dem Oberen Vinschgau“(Teil1, Karfreitag, 03.04.2026, 7:05 - 7.30 Uhr) thematisierten u.a. Kloster Marienberg („Wer vom Reschenpass die Malser Heide hinabfährt, der kann es gar nicht übersehen: Kloster Marienberg. Mit seinen schneeweißen Mauern schmiegt es sich an den steilen Berghang oberhalb von Burgeis; so schneeweiß wie der Gipfel des Ortlers. Und mit so vielen Fenstern wie das Jahr Tage hat. Die Benediktinerabtei dominiert als Bauwerk den Oberen Vintschgau.“) Abt Markus Spanier erklärt zur romanischen Krypta aus dem Jahr 1160, die er auch als „christlich-spirituellen Kraftort“ bezeichnet: „Das ist die Urzelle des Klosters. Die Krypta in ihrer Länge entspricht dem romanischen Querhaus der Kirche. Also sie ist mehr in die Länge gezogen als jetzt in die Breite. Das überrascht vielleicht. Das kommt von der Bodenbeschaffung her, weil hinter der Westwand sich der Fels befindet. Darum musste man sie entlang des Felsens sozusagen errichten.“

Laut Sendung auf BR24 wurden bei der zweiten Restaurierung 1980 die barocken Mönchsgrüfte entfernt, so dass die Krypta komplett freigelegt und die leuchtende Originalfarbe der Fresken gesichert werden konnte. Den Besucher überwältigt nicht nur die Lumineszenz der Fresko-Farben, sondern auch die Fülle der himmlischen Heerscharen. Abt Markus: „Diese Fülle an Engel, die man hier im Deckenbereich sehen kann, ist in ihrer Art einmalig. Die Einweihung war laut unseres Chronisten 1160 durch Adalgott von Chur, weil wir ja bis ins 19. Jahrhundert eben Chur-rätisches Gebiet waren bzw. zur Diözese Chur gehört haben. Warum hat man hier auf so engstem Raum so viele Engel gemalt? Sicher hängt das mit dem Psalm 139 zusammen, wo es heißt: Im Angesicht der Engel will ich dir das Lob Gottes singen. Unter den Engeln – es gibt ja die Hierarchie der Engel – gibt es auch die Schutzengel, die man hier in der Krypta daran erkennt, dass sie auf Brettchen gestellt sind und man zum Ausdruck bringen möchte, dass sie eben mit der Erde auch in Berührung kommen und zudem kommt das auch durch die farbige Gestaltung zum Ausdruck. Es hat Blau- – der wertvolle Malstoff Lapislazuli – aber es hat auch Grün-Braun- und Ockertöne, was eben so der Hinweis auf die Verbindung der Engel zu der Welt – zu der Erde – zum Ausdruck bringt.“
Vier der fünf Zugänge zur romanischen Krypta von Kloster Marienberg sind noch im Original erhalten. „Der eine Zugang – nach Norden – hat auch noch die original Holztür und das nette an dieser Tür ist, dass wir im unteren Bereich ein Katzentürchen haben. Das war die einfachste und die natürlichste Weise, um den Mäusen anzukommen.“

Aus der vor-karolingischer Zeit (6./7. Jahrhundert) stammt das Friedhofskirchlein St. Stephan außerhalb der Klosteranlage. Wer von hier auf Burgeis hinabblickt, der erkennt am Nordostrand des Ortes eine weitere romanische Kirche: St. Nikolaus. Von außen scheinbar unscheinbar verbirgt die kleine Kirche in ihrem Inneren einzigartige Schätze. Kulturführerin Silvia Stecher. „Die Kirche selber war ja für ganz lange Zeit geschlossen; Josef II. hat sie ja profaniert – wie so viele andere Kirchen in Europa – und irgendwann in den 70er Jahren hat man dann begonnen, sich um die Kirchen zu kümmern. Und als man sie dann geöffnet hat, war das erste, was man gefunden hat, eine verschlossene Absis und die sogenannte Majuskelschrift – links und rechts um die Fensteröffnung – und aus dieser ging dann hervor, dass die Kirche 1199 von Bischof Heinrich von Chur geweiht wurde. Nikolaus stand ja auch, also Schweiz und wird in der Schweiz verehrt, obwohl auch hier bei uns der heilige Nikolaus ein Begriff ist, aber eher der heilige Nikolaus von Myra.“ Berühmt ist die Nikolauskirche von Burgeis vor allem für ein singuläres romanisches Fresko, es zeigt eine Sirene. „Sie wird auch als nacktes Fischweib bezeichnet. Sirenen stammen aus der griechischen Mythologie. Wir kennen alle die Geschichte von Odysseus, er steht eigentlich für etwas Böses. Und nun fragt man sich natürlich: Was hat etwas Böses in einer christlichen Kirche zu tun? Man hat den Menschen diese Sirene vor Augen gehalten, um sie daran zu erinnern, immer Gutes zu tun, weil wenn ihr so werdet wie die Sirenen, dann kommt ihr nicht in den Himmel. Diese Sirenen findet man vor allem im Engadin. Ich habe lange Zeit gedacht: Ja, warum lassen sich Menschen Sirenen an Hausfassaden malen? Ich hatte eine Gruppe aus dem Engadin, eine alte Dame hat mir dann zur Antwort gegeben: Diese Sirenen halten böse lasterhafte Schwiegertöchter fern!“

Nicht aus der Romanik, sondern aus der Renaissance stammt die Holzdecke im Kirchenraum von St. Nikolaus. Zwischen den floralen Motiven findet sich eine Kuriosität schmunzel Silvia Stecher. „In einer Kassette ist ein Narr abgebildet: Till Eulenspiegel. Und zwar sitzt er in einer Bütte und hält ein Weinglas in der Hand und hat eine rote Nase.“
Kein Handwerkerstreich, sondern ein versteckter Hinweis auf einen Parallelweg zur Via Claudia Augusta, der ebenfalls an St. Nikolaus in Burgeis vorbeigeführt hat und auf dem der Wein nicht verzollt werden musste. In Zusammenhang mit der Via Claudia Augusta und anderen wichtigen Pilger- und Handelsrouten steht auch die Kirche St. Johann in Taufers. (…) 

Andrea Zinnecker über das „rätische Dreieck“: Wäre die Region durch viele Jahrhunderte hindurch nicht so arm gewesen, dann wären wohl die meisten romanischen Bauwerke barockisiert worden. So aber sind sie zu großen Teilen erhalten geblieben.“
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Die Bilder (von Helmut Scharpf) zeigen Marienberg Anfang Juni 2010.

Urheber

Helmut Scharpf

Quelle

Helmut Scharpf

Verleger

Helmut Scharpf

Datum

2011-12-08

Mitarbeiter

Helmut Scharpf, Freundeskreis Marienberg

Rechte

gemeinfrei